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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 22. April 2010 (Lokales - Seite 20)
© Leipziger Volkszeitung
Interview
Die Kunst der Uni nach dem Jubiläum
Kustos Hiller von Gaertringen im Interview über Epitaphe, Tübke-Bild und neu glänzende Dauerschau
Was macht die Universitätskunst im Jahr nach der Jubiläumsausstellung zum 600-jährigen Bestehen der Alma mater? Im Interview dazu Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen.
Frage: Für den Neubau des Paulinums werden die Epitaphe, die in der Paulinerkirche hingen, seit langem restauriert. Wie ist der Stand der Dinge?
Rudolf Hiller von Gaertringen: Wir gelangen langsam zum Ende eines sehr mühevollen Prozesses. Restauratorisch ist noch am Holzepitaph des Mediziners Lange zu tun. Das besorgt wie bei manch anderem Kunstwerk Johannes Schäfer in Altenburg, der ja über die Epitaphe auch seine Diplomarbeit verfasste. Auch noch in Arbeit ist das Epitaph des Juristen Hommel. Die Restaurierung ist fast beendet, was noch bevor steht, sind Rekonstruktionen.
Heißt?
Es fehlen zum Teil wichtige Elemente, manchmal sogar die Inschriften selbst. Die sind aber unverzichtbar, schließlich leitet sich der Begriff des Epitaphs aus dem Griechischen her und heißt Grabrede oder Grabinschrift. Ein Epitaph macht also ohne Text keinen Sinn. Für die Rekonstruktionen brauchen wir noch eine Menge Geld, was bekanntlich in heutigen Zeiten nicht leicht aufzutreiben ist. Zahlreiche Anfragen laufen.
Sie sind ganz froh über den Bauverzug des Paulinums?
Wir sind nicht böse, das stimmt. Aktuell heißt es, dass mit dem Einbau der Kunstwerke, der zeitaufwendig sein wird, nicht vor Mitte 2011 begonnen werden kann.
Wie viele derartiger Kunstwerke wollen Sie im Andachtsraum zeigen?
Ich gehe von 20 großen Epitaphen aus, denn mehr wird nicht rein passen.
Die Kustodie sitzt wieder im Krochhaus. Schmerzt da der Verlust des Ausstellungsraumes, in dem das Ägyptische Museum der Universität heimisch sein wird?
Wir bevölkern zwei obere Etagen. Mit den nicht mehr vorhandenen Ausstellungsmöglichkeiten in diesem Haus, haben wir uns zu arrangieren. Im Foyer des Paulinum/Auditorium Maximum werden wir aber eine neue, rund 170 Quadratmeter große Ausstellungshalle nutzen können. Sie liegt sehr günstig an der Rennstrecke der Studenten.
Gibt es schon Vorstellungen, wie die Galerie bespielt werden kann?
Ich denke an zwei bis vier Ausstellungen im Jahr. Themen sollten die Uni-Geschichte und ausgewählte Kunstvorhaben sein. Im Flur daneben werden gegenwärtig weitere Dominikanerfresken montiert. Wir sind auch damit auf einem guten Weg, die vielfältige Kunstgeschichte der Universität wieder sichtbar zu machen. Die Kunst kommt also zum Betrachter, sie wird im öffentlichen Raum präsent und auch im Vorübergehen zu sehen sein. Das dürfte für den Tourismus der Stadt ein schönes neues Angebot darstellen.
Wo befindet sich eigentlich Werner Tübkes Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz"?
Nach wie vor im Depot des Museums der bildenden Künste.
Wann kommt es in den neuen Campus?
Mit dem Tübke-Bild haben wir ein Klimaproblem, das wir schlicht und ergreifend unterschätzt haben. Durch den Umbau des Hörsaalbaus mit einem integrierten Glasdach gibt es fast abenteuerliche Temperaturschwankungen, so dass die Luftfeuchte bis auf 35 Prozent absinkt, was so einem Gemälde wirklich nicht zuzumuten ist. Die Nische im dritten Stock, in der das Bild seinen Platz haben soll, ist vorbereitet, allein bis zur Präsentation wird noch Zeit vergehen. Es wird eine Vitrine mit Klimatisierung nötig sein, was bei einem Gemälde von 14 Metern Länge auch nicht ohne ist.
Es gibt weitere offene und zumeist emotional diskutierte Fragen - Paulineraltar, Kanzel.
Kurz gesagt: Gespräche laufen.
Was wird mit der Glaswand?
Sie kommt.
Ab kommendem Wochenende ist die Dauerausstellung der Kustodie "600 Jahre Kunst" im Rektoratsgebäude in der Ritterstraße wieder geöffnet. Warum sollte man sie besuchen?
Alle Leihgaben sind aus unserer Jubiläumsausstellung "Erleuchtung der Welt" zurückgekehrt, die Ausstellung präsentiert sich in neuem Glanz. Eine Kabinettausstellung widmet sich Porträts von Frauen aus der Geschichte der Uni.
Interview: Thomas Mayer
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