Leipzig braucht die Universitätskirche
zum Wiederaufbau der 1968 gesprengten Paulinerkirche


Neuigkeiten

tar-Trompeter Güttler bläst zum Meinungsstreit

Nobelpreisträger Günter Blobel fordert "Leipzig braucht die Universitätskirche"

Dokumentation Paulinerkirche 1240-1968

Ideenwettbewerb 1994 zur Gestaltung des Augustusplatzes

Streit um "Installation Paulinerkirche" erhitzt nach wie vor die Gemüter

Die Sprengung - der Protest

Gedanken von Erich Loest zur Sprengung der Paulinerkirche

CDU-Fraktion im Leipziger Stadtrat fordert "Installation lassen, Marx-Relief beseitigen"

Kostbarkeiten der Kirche - durch Zivilcourage gerettet

Paulinerverein



 Copyright © 1999-2006

sponsored by
Wolfgang Wischer

Leipziger Volkszeitung vom 12. Januar 2000
Neue Paulinerkirche hält OBM Tiefensee für nicht bezahlbar

... Zur geplanten Neubebauung des Campus am Augustusplatz bis zum 600. Uni-Geburtstag 2009 äußerte Tiefensee zurückhaltend: "Das ist letztlich Sache der Uni." Persönlich begrüße er aber den Plan für ein repräsentatives und funktionales Gebäude an der Grimmaischen Straße. demgegenüber halte er von Forderungen nach einem Wiederaufbau der Paulinerkirche nichts. "Schon die Rekonstruktion der Thomaskirche stellt uns finanziell vor Probleme; ich prophezeie, dass wir das Geld für die Uni-Kirche nicht zusammenkriegen würden." Den Vergleich zur Dresdner Frauenkirche hält das Stadtoberhaupt für "unzulässig". Der Sakralbau an der Elbe habe in England und den USA einen viel höheren Bekanntheitswert als die Paulinerkirche. Zum Streit über die Zukunft des Marx-Reliefs am Hauptgebäude der Uni riet Tiefensee, es "nicht in den Keller zu verbannen". Künftige Generationen dürften DDR-Geschichte und ihre staatsdoktrinistischen Zeitzeugnisse nicht nur "aus Büchern kennenlernen", sondern müssten sie "mit den Sinnen erleben können".
... 
(Auszug aus LVZ-Artikel)
Mario Beck



Leipziger Volkszeitung vom 27. Dezember 1999
Bürgerfraktion: Installation vor der Uni lassen, solange das Sozialismus-Relief dort hängt
Nur beide Monumente zusammen verdeutlichen den Kontrast,
heißt es in einem offenen Brief

Die Installation, die vor der Universität am Augustusplatz an die gesprengte Paulinerkirche erinnert, soll vorerst stehen bleiben. Das hat die Bürgerfraktion des Stadtrats gefordert. In einem offenen Brief an Uni-Rektor Volker Bigl heißt es, der Abbau der Installation müsse einhergehen mit dem Abbau des Sozialismus-Reliefs am Uni-Hauptgebäude.
Solange nicht klar sei, wann das abmontiert wird, solle alles bleiben, wie es ist. "Nur so ist Besuchern und Einwohnern unserer Stadt ein Bild zu vermitteln, welches den Kontrast zwischen sakraler Architektur, ihrer Zerstörung in einem totalitären System und an ihrer Stelle entstandenen neuen 'Monumenten'   darstellt", schreibt   Fraktionschef   Michael Burgkhardt. Er bittet den Uni-Rektor, von seiner Forderung abzusehen, dass die Kirchen-Installation abgebaut werden muss.
Wie berichtet, sollte das Kunstwerk im Vorjahr eigentlich nur 100 Tage stehen bleiben. Dann hatten die Organisatoren in Abstimmung mit der Uni eine Verlängerung um ein Jahr verabredet. Diese Frist war Mitte Dezember abgelaufen. Jetzt bemühen sich die Organisatoren um Geld für den Abbau. Für die Entfernung des Reliefs mit Marx-Kopf am eigenen Haus hat die Uni nach eigenen Angaben kein Geld. Mindestens sei aber jetzt eine Erklärung vonnöten, wann das Relief entfernt wird, heißt es in der Bürgerfraktion. Mit dieser Forderung wolle man sich auch an die Staatsregierung wenden, die die Universitäten finanziert, sagte Fraktionssprecher Knut Keding.              T. M.

Schauen Sie auch hier.



Leipziger Volkszeitung vom 18./19. Dezember 1999

Rektor Bigl: Installation auf Augustusplatz kommt weg

Die Paulinerkirche provoziert Streit. Nicht zuletzt durch die Stahl-Installation, die seit dem 30. Jahrestag der Kirchensprengung (30. Mai 1998) am Originalstandort auf dem Augustusplatz auf den Frevel von einst aufmerksam macht. Als vorübergehende Aktion sollte die Installation, die der Leipziger Künstler Axel Guhlmann mit einem Projektteam ersonnen hatte, ursprünglich nur 100 Tage zum Nachdenken auffordern. Sie blieb dann aber mit Genehmigung der Universität ein weiteres Jahr lang stehen, gegen die Idee des Künstlers, der nie ein Mahnmal wollte.
Die Jahresfrist lief nun am 15. Dezember ab. Eine nochmalige Verlängerung hat die Universität abgelehnt, sie verlangt den Abbau. Der wird, sobald es Witterung und Baufreiheit gestatten, auch geschehen, sagt Jutta Schrödl vom Projektteam. Man müsse dafür jedoch noch rund 30.000 DM auftreiben.
Mit Vorwürfen wie "Wieder ein Abriss der Uni-Kirche, doch das Marx-Relief bleibt", muss Rektor Volker Bigl leben. "Die Plastik allein wird uns wieder deutlich unsere Geschichte vor Augen führen. Der Abbau würde eine Million Mark kosten. Das ist in Anbetracht der ohnehin geplanten Neugestaltung des Gebäudes nicht zu vertreten."

Tom



Leipziger Volkszeitung vom 16. November 1999

Streit um „Installation Paulinerkirche" erhitzt nach wie vor die Gemüter

Der Streit um den geplanten Abbau der „Installation Paulinerkirche" am Uni-Hauptgebäude am Augustusplatz bewegt nach wie vor die Gemüter. Hier nochmals Auszüge aus Leserbriefen:

Es wird endlich einmal Zeit, dass mit dem Begriff „Kunstwerk" für die „Installation Paulinerkirche" aufgeräumt wird. Die ganze Aktion wurde durch die Idee des Künstlers Axel Guhlmann in Gang gesetzt. Diese Idee ist im Buch zur Installation dargestellt. Die Idee wurde von Frau Dr. Schrödl aufgegriffen und in Zusammenarbeit mit Leipziger Planungsbüros und Handwerksbetrieben zur Realisierung gebracht, an der der Künstler mitgewirkt hat. Standort, Größe, Dimensionierung der Stahlprofile, Farbgebung, Bauantrag, Informationstafeln, Beleuchtung wurden durch das Architekturbüro Henning Kreitz & Partner und Ingenieurbüro Lochas festgelegt. Die 100 Tage Standzeit waren die Idee von Frau Dr. Schrödl, um bei der Universität und den Behörden überhaupt eine Genehmigung für die Installation zu erwirken.
Herrn Guhlmann fiel die Aufgabe zu, die Entwicklung zur „Installation Paulinerkirche" durch grafische Blätter zu dokumentieren, um durch den Verkauf einen Teil der Kosten in Höhe von zirka 200 000 Mark zu finanzieren. Leider war dies ein Misserfolg.
Es geht hier nicht darum, die Beteiligung des Künstlers zu schmälern. Leider führt seine Eitelkeit langsam dazu, der politisch gewollten Aktion zu schaden.
Dieses „Gerüst" - es ist noch nicht einmal ein eigenständiges Bauwerk, da es nur in Verbindung mit dem Universitätsgebäude steht - sollte nicht nur an die Zerstörung der Paulinerkirche erinnern, es sollte auch darauf hinweisen, dass mit der Neugestaltung des Augustusplatzes eine alte Platzsituation zerstört wurde (mit der Garagenzufahrt am ungünstigsten Punkt überhaupt und dem Cafe wurden die alten Platzbegrenzungen „abgehängt"), und dass sich an dieser Stelle einst der geistige Mittelpunkt eine der ältesten Universitäten Deutschlands befand.
Die Universität, die Stadt und das Land haben die Möglichkeit, an alte Traditionen und Werte anzuknüpfen:
Der Augustusplatz als Campus für die Universität, als Begegnungsstätte für die Leipziger Bürger und als kultureller Mittelpunkt der Stadt Leipzig mit dem Gewandhaus, der Oper, der zukünftigen Paulinerkirche.
 Es muss auch einmal gesagt werden, dass durch den Fleiß, den Erwerbsinn, die Kreativität und die Intelligenz der Bürger, Leipzig Anfang des 20. Jahrhunderts eines der geistigen und wirtschaftlichen Zentren in Deutschland war.
Auch daran möchten wir mit der „Installation Paulinerkirche" erinnern und die Leipziger zur aktiven Mitgestaltung ihrer Stadt auffordern. Viele Zuschriften und Begegnungen von alten und neuen Leipzigern haben uns Mut gemacht, uns für diese Ziele einzusetzen. Die Installation Paulinerkirche ist weder „Kunstwerk" noch „Mahnmal", sondern „Wächter" für eine städtebauliche und inhaltliche Neugestaltung eines der sensibelsten Bereiche dieser Stadt.

Henning Kreitz, Architekt;
Jutta Schrödl, Projektentwicklerin;
Peter Werner, Stahlbauer;
04155 Leipzig


Weder die Installation aus Stahlträgern und Lokomotivrad, die an die aus ideologischen Gründen gesprengte Universitätskirche erinnern soll, noch das kitschige Marx-Relief aus schwerer Bronze, das die Universität an den für Leipzig bezugslosen Namen Karl Marx bindet, erscheinen mir besonders künstlerisch wertvoll. Für die Dauer sollte beides keinen Bestand haben. Da man jedoch ohnehin Um- beziehungsweise Neubauten der Uni beabsichtigt, sollte beides notfalls aus finanziellen Erwägungen bis zum Umbau bestehen bleiben - der Platz ist eh verpfuscht.
Vielleicht könnte man eine Idee aber wirklich aufgreifen: Warum verkleidet man die unsäglichen „Milchtöpfe" nicht mit Glas, in das Fotos der Wende-Demos hinein geätzt sind. Dann hätte man, zumindest bis die Ungetüme irgendwann vielleicht doch mal beseitigt werden, eine sinnvolle Verwendung als Erinnerungsgalerie an die „Heldenstadt Leipzig" gefunden, die Leipziger und ihre Besucher etwas über die zerstörten Blickachsen zu Oper und Gewandhaus hinwegtröstet.
Prof. Dr. Günter Janke,
04109 Leipzig


Relief und Installation, beides sollte erhalten bleiben, zum Nachdenken. Nirgends stoßen Gegensätze optisch so aufeinander. Gefallen hat mir die Mahnung im Leserbrief von Jens Hartig, „...nicht mit dem einen die Zerstörung des anderen zu begründen." Nachdenklich stimmt mich die Forderung beziehungsweise Begründung zur Beseitigung des Reliefs von Jan Lange,  Vorsitzender  des  Ringes
 Christlich-Demokratischer Studenten an der Universität Leipzig.
Ulbricht und Fröhlich begründeten die Sprengung der Paulinerkirche damit, dass sie nicht das Bild einer innovativen, zukunftsorientierten, sozialistischen Gestaltung des Platzes vermittle. Kommt Jan Lange mit seiner Meinung vom Wesen her nicht in bedenkliche Nähe? Wobei das Wesen, nicht die Größe des Objektes maßgebend ist. Ich denke immer noch nach...
 
Bernd Schüller,
04349 Leipzig


Paulinerkirchensymbol gegen Marx-Relief? Warum nicht Koexistenz? Die Stadt sollte die Universität bewegen, das Paulinerkirchensymbol stehen zu lassen - für die christlichen Leipziger und die Gäste der Stadt zur Erinnerung an die Kultur-Missetat der SED-Führung. Was Marx angeht, so wird dieser in vielen deutschen Städten nach wie vor geehrt. Deshalb sollte das Relief bleiben, um ihn in Leipzig nicht völlig auszulöschen. Dass Marx, seit über 100 Jahren tot. für die Untaten seiner Urenkel und Ürurenkel verantwortlich gemacht werden müsse, ist vermutlich gar nicht mehrheitsfähig.
Joachim Spitzner,
04347 Leipzig


Die jüngst entbrannte Diskussion um Karl-Marx-Relief und Kirchenfassaden-Installation beweist, dass die derzeitige Ansicht des Universitäts-Hauptgebäudes ein echtes Kunstwerk ist: Es erregt die Gemüter, zwingt zum Nachdenken, fordert Standpunkte ein. Die  laufende  Auseinandersetzung spiegelt die Unterschiedlichkeit möglicher Positionen. Wenige Kunstwerke glänzen mit einer derartigen Resonanz.
Wenn Vertreter der einen oder anderen Bilderstürmer-Fraktion in bevormundender Weise die Entfernung eines Teils des Gesamtwerkes forderten, beweist das weiter nichts als deren Intoleranz, den lächerlichen Willen zur Ausstellung vermeintlicher Symbole eigener Ideologien.
Sollte das Signal, welches vor zehn Jahren von genau diesem Platz ausging, etwa schon wieder vergessen sein? Dieser Stadt steht nichts besser zu Gesicht als die gegenwärtige Verbindung von Karl und Kirche vor dem Hintergrund des Geistes.
Dirk Schulze,
04317 Leipzig


Die Leserbriefe geben die Meinung des Absenders wieder und stimmen nicht in jedem Fall mit der der Redaktion überein.

Leipziger Volkszeitung vom 16. November 1999