|
Paulinerverein
Bürgerinitiative zum Wiederaufbau von Universitätskirche
und Augusteum in Leipzig e.V.
Leipzig, 4. August 2010
Erklärung zum Baustart für einen "Gedenkort" an der Etzoldschen Sandgrube am 6. August 2010
siehe LVZ vom 3.8.2010
Im Sommer 1968 wurden die Trümmer der Universitätskirche, des Albertinums und des Augusteums nach deren brutaler Vernichtung in die Etzoldsche Sandgrube verkippt. Darin befinden sich neben den Werksteinen der gesprengten Gebäude Teile nicht geborgener Kunstschätze sowie die sterblichen Überreste von über 800 Leipziger Bürgern, darunter Bürgermeister, Professoren und Rektoren der Universität und deren Familien sowie zahlreiche herausragende Vertreter der europäischen Wissenschafts- und Geistesgeschichte. Die Etzoldsche Sandgrube ist kein Friedhof, sondern eine Bauschuttdeponie.
Aufgrund der stadtgeschichtlichen und kunsthistorischen Bedeutung des Deponieinhalts bedarf die Etzoldsche Sandgrube früher oder später zwingend einer archäologischen Erschließung und wissenschaftlichen Aufarbeitung. Eine Rekultivierung zum jetzigen Zeitpunkt ist deshalb verfrüht, die Ausgabe von 430.000 € verschwendetes Geld. Wir haben in mehreren Gesprächen mit dem Oberbürgermeister sowie mit den Vertretern des Grünflächen- und des Umweltamtes darauf hingewiesen. Diese Hinweise blieben leider unberücksichtigt.
Die Erinnerung an die Universitätskirche und ihre Sprengung findet sichtbar auf dem Augustusplatz statt. Nicht die teure Verschönerung des Schandplatzes am Rande der Stadt, sondern spürbares geistliches, musikalisches und akademisches Leben in der neuen Universitätskirche sind die Antwort auf das geschehene Unrecht.
Dr. Ulrich Stötzner Dr. Christian Jonas Gerd Mucke
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 7./8. August 2010
© Leipziger Volkszeitung
Klangdeckel auf dem Trümmergrab
In Probstheida entsteht ein Gedenkort für die zerstörte Unikirche / Fertigstellung im Herbst
Auf dem Plateau des Trümmerhügels entstehen zwei Stufenringe. In deren Mittelpunkt wird etwas abgesenkt ein Klangteppich verlegt, der unter anderem Töne der Orgel der Uni-Kirche nachempfindet.
Foto: Büro für Freiraumkonzepte GbR
Die Aussicht ist grandios: Eingerahmt vom satten Grün der Bäume erhebt sich in der Ferne majestätisch das Völkerschlachtdenkmal. Doch nur ein kleines verwittertes Holzkreuz inmitten von Brombeersträuchern lässt etwas von der Geschichte dieses Ortes in Probstheida erahnen, dessen Plateau in 26,5 Meter Höhe diese Bilderbuchsicht auf Leipzigs berühmtestes Wahrzeichen möglich macht. Bis zum November soll sich das ändern. Denn dann wird hier zwischen Augustiner- und Prager Straße ein Gedenkort für die 1968 gesprengte Universitätskirche St. Pauli entstanden sein. 430000 Euro lässt sich die Stadt dieses Vorhaben kosten. Der Großteil des Geldes, 80 Prozent, kommt aus dem Konjunkturpaket II. Gestern war Baustart.
300000 Tonnen Schutt haben in der ehemaligen Etzoldschen Sandgrube diesen Hügel, der sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer grünen Oase der Ruhe entwickelte, entstehen lassen. Es sind die Überreste nicht allein der Unikirche, sondern auch vom Augusteum der Universität, von der Markuskirche in Reudnitz und von Leipziger Gründerhäusern.
Mit der Gestaltung des Erinnerungshains beauftragte die Stadt das Bad Lausicker Büro für Freiraumkonzepte und den Künstler Erwin Stache (die LVZ berichtete). Von zwei Seiten soll der Aufstieg zum Hügel künftig möglich sein, eine Infosäule den Ort erklären. Auch das alte Holzkreuz und der bislang auf dem Hügel thronende Meilenstein werden in das Gesamtkonzept integriert, versichert Landschaftsarchitekt Peter Fibich. "Wir werden die ovale Form des Plateaus aufnehmen und auf der freien Fläche zwei Stufenringe gestalten", erklärte er die Pläne. Den Rand bildet jeweils eine Basaltsteinkante, auf der man auch sitzen, die Stille und Aussicht genießen kann. Das Zentrum des inneren Zirkels wird abgesenkt und mit Trittplatten aus Schiefer bedeckt. In den dunklen Boden eingearbeitet werden Sensoren, die bei Berührung Klänge erzeugen - nachempfunden etwa der Orgel der Unikirche oder fallenden Steinen. Das Konzept dazu stammt von Erwin Stache. Der Klangkünstler hat mit Installationen vielerorts schon seine Spuren hinterlassen - unter anderem in Belgien, in Dresden auf dem Postplatz, auf dem Leipziger Westfriedhof, im Johannapark in Höfgen. Zurzeit werden mobile Objekte von ihm in Oslo (Norwegen) gezeigt. Mit dem Trümmergrab, das er nun mit einem Klangdeckel verschließen will, verbindet den Muldentaler aber etwas ganz Persönliches. "Ich habe die Sprengung der Unikirche selbst gehört", erzählte Stache. "Ich war damals acht Jahre alt, saß an jenem Tag in der Schule am Sportforum. Unsere Lehrerin hatte extra die Fenster geöffnet, obwohl eigentlich alle geschlossen sein sollten. Dieses Brummeln vergesse ich mein Leben lang nicht." Doch mit seinem Klangprojekt auf dem Trümmerhügel will er nicht nur einen Ort der Trauer und Besinnung schaffen, sondern auch eine "kreative Spielstätte", die Menschen ermuntert, Töne selbst zu komponieren und sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Der Paulinerverein, der sich dem Wiederaufbau der Unikirche verschrieben hat, hält die Rekultivierung des geschichtsträchtigen Areals dagegen für verfrüht, die Investitionskosten sogar für "verschwendetes Geld". "Die Etzoldsche Sandgrube ist kein Friedhof, sondern eine Bauschuttdeponie", hoben die Vorstandsmitglieder Ulrich Stötzner, Christian Jonas und Gerd Mucke hervor. Sie halten eine archäologische Erschließung "früher oder später" für erforderlich, da neben den sterblichen Überresten von mehr als 800 Leipzigern auch diverse Kunstschätze vergraben seien. Die Stadt hält eine Bergung für unbezahlbar. Sie schätzt die Kosten auf 50 bis 60 Millionen Euro. "Heute stehen wir sinnbildlich in der Trümmerlandschaft der Ereignisse, die vor über 42 Jahren stattfanden", sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). "Für manche muss dieser Gedanke immer noch schmerzlich sein. Aber eine authentische Wiederherstellung des Zerstörten war nicht möglich - dafür aber dieser würdige Gedenkort, dessen Bau heute beginnt."
Klaus Staeubert
Gedenkort für gesprengte Paulinerkirche (Video)
_______
Stichwort
Universitätskirche St. Pauli
Als Klosterkirche des Leipziger Dominikanerkonvents wurde die spätere Universitätskirche St. Pauli im Jahr 1240 geweiht. Ab 1543 nutzte die Leipziger Universität die Paulinerkirche als Aula. Am 12. August 1545 schließlich wurde sie zur Universitätskirche umgewidmet. Die Predigt dazu hielt Reformator Martin Luther (1483 bis 1546). Im Laufe der Jahrhunderte wurden hier etwa 800 Personen, darunter Uni-Professoren, Fürsten, Adlige und Bürgermeister der Stadt Leipzig, beigesetzt. Am 23. Mai 1968 besiegelte der Leipziger Stadtrat auf Geheiß der damals regierenden SED die Zerstörung der Kirche. Mit nur einer Gegenstimme votierten die Volksvertreter für die "Perspektivkonzeption der Stadt Leipzig bis 1970", die auf dem Augustusplatz den Neubau der Universität vorsah. Am 30. Mai 1968, Punkt 10 Uhr, wurde die völlig intakte Kirche in die Luft gesprengt. Ihre Trümmer wurden zusammen mit den Gebeinen der Toten und einer Vielzahl von Kunstgegenständen in der Etzoldschen Sandgrube verscharrt.
K. S.
_______
Informieren Sie sich:
* Zerstörte Grabstätten der Universitätskirche
Quelle: http://nachrichten.lvz-online.de/
© LVZ-Online, 06.08.2010, 15:04 Uhr
Gedenken auf den Trümmern der Paulinerkirche in Leipzig
dpa
Auf den Trümmern der gesprengten Leipziger Universitätskirche entsteht bis zum Herbst ein Gedenkort. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) setzte am Freitag symbolisch die Umgestaltung in Gang. Ein „Richtungsstein“ aus DDR-Zeiten, der auf Orte wie „Karl-Marx-Stadt“ und das „Heizkraftwerk Ernst Thälmann“ hinwies, wurde vom Sockel gehoben. An seiner Stelle in dem Park im Südosten der Stadt soll ein Raum aus Bäumen mit einer Klanginstallation gestaltet werden.
„Ich bin sehr glücklich, dass hier, wo die Trümmer der Kirche liegen, ein würdiger Ort entsteht“, sagte Jung. Informationstafeln werden die Geschichte der Kirche St. Pauli verdeutlichen. Das intakte Gotteshaus war im Mai 1968 auf Geheiß der SED-Führung gesprengt worden. Die Trümmer wurden in die damalige „Etzoldsche Sandgrube“ gekippt, Reste weiterer abgetragener Universitätsgebäude folgten. Später wurde das Gelände zum Park umgestaltet. Für die Einrichtung des Gedenkortes stehen 430 000 Euro von Bund, Land und Stadt zur Verfügung.
Um den richtigen Umgang mit der Paulinerkirche tobte in Leipzig jahrelang ein Streit, der noch immer nicht zu Ende ist. Kritiker hatten gefordert, die Trümmer zu bergen. Jung erteilte dem am Freitag erneut eine Absage: „Wir müssen realistisch das tun, was finanzierbar ist. Wir haben nicht die Millionen, um diesen Ort freizulegen“, sagte er. Vielleicht, fügte er an, könnten ja „zukünftige Generationen“ dereinst die aufwendige Bergung in Angriff nehmen. Er hoffe, dass die Einrichtung des Gedenkortes jetzt „Frieden in die Stadt“ bringt, sagte Jung.
Am Standort der Universitätskirche im Zentrum der Stadt wird derzeit der Nachfolgebau „Paulinum“ errichtet. Das Gebäude auf dem neuen Uni-Campus soll eine Aula und einen Andachtsraum beherbergen. Auch um das „Paulinum“ gab es Streit. Ein Aktionsbündnis forderte, dieser Bau, der vom Freistaat Sachsen finanziert wird, müsse wieder zur Universitätskirche werden.
Quelle: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1241729/
© Deutschlandradio Kultur - 05.08.2010 · 19:07 Uhr
Stiftungsvorsitzender zum Baustart der Gedenkstätte auf dem Trümmerberg der Leipziger Paulinerkircher
Auf den Trümmern der gesprengten Leipziger Universitätskirche soll ab morgen ein Gedenkort entstehen. Er sei froh, dass überhaupt etwas geschehe, und dass "diese unwürdige Stätte" wenigstens durch die anstehenden Baumaßnahmen "eine würdigere Gestalt" gewinne, sagt Martin Oldiges, Vorsitzender der Stiftung Universitätskirche Leipzig. "Man hätte sich nur Anderes vorstellen können. Das ist das Entscheidende".
"Es wäre sehr schön gewesen, wenn die dort in der Sandgrube liegenden baulichen Reste und vor allem also auch die Gebeine derjenigen, die in der alten Paulinerkirche begraben waren, vorab geborgen worden wären", sagt Oldiges.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Hauptbau der Universität Leipzig stark beschädigt. Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht ließ alles abreißen und einen sozialistischen Campus dort errichten. Dafür sprengte er die intakte Uni-Kirche, die Paulinerkirche. Nach der Friedlichen Revolution wurde lange diskutiert, wie an diese Kirche erinnert werden soll. Auch über einen Wiederaufbau wurde debattiert.
Nun steht am Standort der früheren Kirche ein moderner Bau, das Paulinum. Es erinnert in seinen Außenformen an die Kirche, ist aber keine Kirche. Darin befindet sich die Aula und ein mit einer Plexiglas abgetrennter Andachtsraum.
Die Trümmer der Paulinerkirche wurden am Stadtrand vergraben. Dort baut die Stadt ab morgen einen Gedenkort. Der Trümmerhügel soll begehbar werden und eine Klanginstallation bekommen. Geborgen wird aber erstmal nichts.
Martin Oldiges und seine Stiftung setzen sich für die Kirchennutzung des Paulinums ein. Ihrer Ansicht nach sollten alte Elemente der gesprengten Kirche am angestammten Standort aufgestellt werden.
Das vollständige Gespräch mit Martin Oldiges können Sie bis zum 5.1.2011 als
MP3-Audio im Audio-on-Demand-Angebot des Deutschlandradio Kultur nachhören.
Quelle: http://nachrichten.lvz-online.de/
© LVZ-Online, 02.08.2010, 16:12 Uhr
430.000 Euro für Gedenkort auf den Resten der Paulinerkirche
chl/dpa
Leipzig. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) läutet an diesem Freitag die Umgestaltung des Trümmerberges der gesprengten Paulinerkirche zu einem Gedenkort ein. Dann findet auf dem Zwischenplateau der offizielle Baustart für die geplante Erinnerungsstätte statt. Dort soll unter anderem eine Klanginstallation des Künstlers Erwin Stache entstehen.
Für die Einrichtung des Gedenkortes in der „Etzoldschen Sandgrube“ stehen laut
Stadtverwaltung 430.000 Euro aus dem Konjunkturpaket II, von Bund, Freistaat und Stadt zur Verfügung. Die Stadt selbst trägt 20 Prozent der Baukosten.
Auf dem Areal liegen die Reste der Universitätskirche St. Pauli. Sie war 1968 auf Geheiß der SED-Führung gesprengt worden. An ihrer Stelle im Zentrum der Stadt entsteht derzeit der Nachfolgebau „Paulinum“, der eine Aula und einen Andachtsraum beherbergen wird.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 13. Januar 2010 (Seite 19)
© Leipziger Volkszeitung
Etzoldsche Sandgrube
Infoveranstaltung im Gemeindehaus
Über die Pläne zur Umgestaltung der Etzoldschen Sandgruben wird die Stadtverwaltung am Mittwoch, 20. Januar, informieren. Die öffentliche Veranstaltung im Gemeindehaus des evangelisch-lutherischen Pfarramts Probstheida-Störmthal-Wachau, Russenstraße 23, beginnt 18.30 Uhr. Wie berichtet, soll der im Freizeitpark Südost gelegene Trümmerberg im kommenden Jahr sein Gesicht verändern. Das Amt für Stadtgrün und Gewässer als Auftraggeber, die planenden Landschaftsarchitekten des Büros für Freiraumkonzepte sowie der Klangkünstler Erwin Stache stellen den Vorentwurf an diesem Abend vor.
r.
Medieninformation
Leipzig, 10. Dezember 2009
1089/ftg
Das Amt für Stadtgrün und Gewässer informiert:
Etzoldsche Sandgrube soll Gedenkort für St. Pauli werden
Die Stadt Leipzig möchte auf dem Plateau des Trümmerberges in der ehemaligen Etzoldschen Sandgrube einen Gedenkort für die Sprengung der Universitätskirche schaffen. In der ehemaligen Sandgrube wurden Trümmer und Kulturgüter der 1968 gesprengten Universitätskirche abgelagert.
"Es handelte sich bei der Sprengung um einen willkürlichen, barbarischen Akt mit klarem ideologischem Bekenntnis, eine politische Machtdemonstration allererster Güte", erläutert Oberbürgermeister Burkhard Jung und hebt hervor: "Die Zerstörung der Universitätskirche ist in das Gedächtnis der Leipzigerinnen und Leipziger eingebrannt wie kein zweites Ereignis jener Jahre. Für uns ist es deshalb wichtig, dass an diesen Willkürakt erinnert wird und die Etzoldsche Sandgrube ist der richtige Ort dafür."
Gemeinsam mit dem "Büro für Freiraumgestaltung" und dem Klangkünstler Erwin Stäche erarbeitete
das Amt für Stadtgrün und Gewässer ein Gestaltungskonzept für dieses Areal. "Die Gestaltung des
Trümmerberges soll der historischen Dimension der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli gerecht werden, aber ebenso einen inspirierenden Gedenkort bilden, der ohne belehrende Gesten auskommt", sagt Inge Kunath, die Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Gewässer. "Schon in seinem jetzigen Zustand hat dieses Plateau eine besondere Wirkung, die wollen wir jedoch mit landschaftsgestalterischen Mitteln und einer Klangkunstinstallation noch steigern." Das Areal wird mit sehr zurückhaltenden Mitteln gestaltet. Auf dem Plateau des Trümmerberges befindet sich eine von Bäumen und Sträuchern umgebene ovale Fläche, die für das Zentrum des Gedenkortes genutzt werden soll. Das zum Plateau hin leicht ansteigende Gelände wird in ovaler Form durch Stufenanlagen hervorgehoben.
Auf der Ebene wird das Prinzip der nach oben führenden Stufen dann umgekehrt: Eine Betonkante in Sitzhöhe umgrenzt einen ebenfalls ellipsenförmig abgesenkten Platz. Dies soll den Blick nach unten, in Richtung der Trümmer der Universitätskirche lenken. Im vertieften Zentrum des Gedenkortes wird sich eine interaktive Klanginstallation befinden, die durch einzelne Trittplatten des "Klangteppichs" von den Besuchern aktiviert werden kann. Darüber hinaus wird vom Gedenkort aus eine Blickachse in Richtung Augustusplatz, dem früheren Standort des Universitätskirche, frei, wodurch der Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart gelingt. Der Zugang zum Gedenkort ist von zwei Seiten möglich, sowohl auf bequemem Wege als auch über Treppen in den steilen Böschungen. Auf jeder Seite steht eine Stele, die Informationen zum Areal gibt.
Für die Gestaltung des Gedenkortes mit Klanginstallation auf dem Trümmerberg sowie das Gestaltungskonzept für den angrenzenden Park stehen über das Konjunkturprogramm II 400.000 Euro zur Verfügung. Der Eigenanteil der Stadt Leipzig liegt bei 80.000 Euro. Das Vorhaben soll bis November 2010 abgeschlossen sein.+++
Referat Medien, Kommunikation und Stadtbüro
Neues Rathaus
Martin-Luther-Ring 4-6
04109 Leipzig
1089-ftg-Etzoldsche Sandgrube.doc
E-Mail: medien.kommunikation@leipzig.de
____________
Lesen Sie:
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 11. Dezember 2009
© Leipziger Volkszeitung
Gedenkhain auf dem Pauliner-Hügel
In Probstheida entsteht über den Trümmern der Universitätskirche ein Park der Erinnerung
Klaus Staeubert
Es dauerte nur wenige Sekunden, dann lagen 728 Jahre Kirchengeschichte in Schutt und Asche. Am 30. Mai 1968 ließen die DDR-Machthaber die Universitätskirche St. Pauli in die Luft sprengen. Sie musste Platz machen für eine neue sozialistische Universität. Die Reste der Paulinerkirche wurden in Windeseile in der Etzoldschen Sandgrube in Probstheida verscharrt. Nichts sollte mehr an sie erinnern. Mehr als 40 Jahre danach will die Stadt nun auf den Trümmern der Kirche einen Gedenkhain anlegen.
"Der Gottesdienst zum Abschluss der 600-Jahr-Feierlichkeiten der Universität am Sonntag hat gezeigt, wie stark das Gedenken an die Unikirche im Bewusstsein der Leipziger verankert ist", sagte gestern Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) bei der Vorstellung des Gestaltungskonzeptes. Die Sprengung der Kirche nannte er einen barbarischen Akt und eine politische Machtdemonstration. Jung: "Für uns ist es deshalb wichtig, dass an diesen Willkürakt erinnert wird und die Etzoldsche Sandgrube ist der richtige Ort dafür."
Dort befinden sich aber nicht nur die Kirchenreste, sondern auch die Gebeine von 800 Menschen, die in der Unikirche begraben waren, erinnerte Rainer Fornahl. Er engagiert sich zusammen mit Gunter Weißgerber seit langem für ein angemessenes Gedenken. Beide sind mit dem Vorschlag der Stadt sehr zufrieden. "Wir sind der Gegenwart und der Zukunft verpflichtet und ich bin mir sicher, die Menschen werden klüger vom Pauliner-Hügel zurückkommen", sagte Weißgerber gegenüber der LVZ.
400 000 Euro wird die Stadt aus dem Konjunkturprogramm II in die Umgestaltung des Hügels an der Prager Straßen investieren. Peter Fiebig von dem Büro für Freiraumkonzepte war für die konzeptionelle Planung veranwortlich. Er erläuterte das Projekt so: Der Zugang zum Plateau des 26,5 Meter hohen Hügels, das von Bäumen und Sträuchern gesäumt wird, soll von zwei Seiten möglich sein - sowohl auf Wegen als auch über Treppen. Auf jeder Seite gibt es eine Stele mit Informationen zum Areal. Oben umgrenzt eine Betonkante einen ellipsenförmig abgesenkten Platz, der den Blick nach unten zu den Trümmern lenkt. Dort lässt der aus dem Muldentalkreis stammende Künstler Erwin Stache aus Trittplatten einen Klangteppich entstehen. Titel der Installation: "Die verlorenen Töne" - in Erinnerung an die Glocken und Orgel der Unikirche.
Ulrich Stötzner vom Paulinerverein hätte es dagegen lieber gesehen, wenn die Trümmer der Kirche geborgen worden wären. Eine Wunsch, der nach Ansicht von Inge Kunath, Leiterin des Amtes für Stadtgrün und Gewässer, unbezahlbar ist. "In der Sandgrube liegen nicht nur die Trümmer der Unikirche, sondern auch von Augusteum und Gründerzeithäusern - insgesamt 300 000 Kubikmeter. Die zu bergen, würde 50 bis 60 Millionen Euro kosten." Am 20. Januar will Kunath das Gedenkprojekt auf einer Bürgerversammlung in Probstheida vorstellen. Im Sommer 2010 sollen die Bauarbeiten beginnen und im November die Umgestaltung schon beendet sein. "Eine würdiger Abschluss wäre ein ökumenischer Gottesdienst auf dem Hügel", so Kunath gegenüber der LVZ.
Das Plateau des 26,5 Meter hohen Pauliner-Hügels in Probstheida soll nach einem Landschaftsgestaltungs- und Klangkonzept zu einem Ort umgestaltet werden, an dem die Leipziger sich erholen, aber auch innehalten und der Universitätskirche gedenken können.
Die Sprengung der Unikirche St. Pauli am 30. Mai 1968. Die Trümmer des 728 Jahre alten Gotteshauses wurden in der Etzoldschen Sandgrube verscharrt.
Quelle: http://nachrichten.lvz-online.de/leipzig/citynews/
© LVZ-Online, 10.12.2009, 12:07 Uhr
Etzoldsche Sandgrube wird Gedenkort für Universitätskirche St. Pauli
cha
Leipzig. Künftig soll es einen offiziellen Gedenkort für die Sprengung der Universitätskirche St. Pauli geben. Wie die Stadt Leipzig am Donnerstag bekannt gab, wird dieser auf dem Plateau des Trümmerberges in der ehemaligen Etzoldschen Sandgrube entstehen. Die Kommune will das Areal, auf dem die Reste des 1968 gesprengten Gotteshauses abgelagert wurden, mit 400.000 Euro aus dem Konjunkturprogramm II umgestalten.
"Die Zerstörung der Universitätskirche ist in das Gedächtnis der Leipzigerinnen und Leipziger eingebrannt wie kein zweites Ereignis jener Jahre", sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Deshalb sei es wichtig, "dass an diesen Willkürakt erinnert wird."
Zur Zeit ist vor Ort nur der begrünte Trümmerhügel mit einer Plattform am höchsten Punkt vorzufinden. "Schon in seinem jetzigen Zustand hat dieses Plateau eine besondere Wirkung, die wollen wir jedoch mit landschaftsgestalterischen Mitteln und einer Klangkunstinstallation noch steigern", erklärte Inge Kunath, die Leiterin des zuständigen Amtes für Stadtgrün und Gewässer.
Das Plateau soll Zentrum des Gedenkortes werden. Das Areal wird zukünftig durch Stufenanlagen zu erreichen sein. Zusätzlich sollen Stelen und eine Klanginstallation des sächsischen Künstlers Erwin Stache an die gesprengte Kirche erinnern. Im Zentrum wird ein interaktiver "Klangteppich" entstehen, der durch einzelne Trittplatten von den Besuchern aktiviert werden kann. Von der Gedenkstätte aus soll eine uneingeschränkte Sicht auf den historisch bedeutenden Augustusplatz mit dem Nachfolgebau der gesprengten Kirche, dem Paulinum, möglich sein.
Sowohl das Paulinum als auch die Gedenkstätte sollen nächstes Jahr fertig sein. Der Abschluss der Umgestaltungsarbeiten in der ehemaligen Etzoldschen Sandgrube ist für November 2010 vorgesehen.
____________
Quelle: http://www.lvz-online.de/download/content/090408_konjunktur.pdf
© LVZ-Online, 08.04.2009, 22:32 Uhr
Konjunkturpaket: Leipzigs Verwaltung detailliert ihre Pläne
Etzoldsche Sandgrube
Der Park an den Etzoldschen Sandgruben in Leipzig-Probstheida soll zu einem Freizeitpark mit
Gedenkort entwickelt werden. 400 000 Euro sollen bis 2010 unter anderem in die Sanierung und
Ergänzung des Wegenetzes sowie die Umgestaltung des Trümmerhügels zum Gedenkort an die
Sprengung der Paulinerkirche investiert werden. Ein im November 2008 erstellter Masterplan zur
Gesamtgestaltung des Freizeitparks sah einen Bedarf an Investitionen in Höhe von 2,7 Millionen Euro vor, die im Rahmen des Konjunkturpaketes jedoch nur teilweise realisiert werden können.
_______
Informieren Sie sich:
* SPD-Politiker fordern Konzept für Paulinergrab [10. April 2008]
|