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Ein kleiner MDR-Filmbeitrag über den ersten Gottesdienst in der Universitätskirche findet sich hier.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 18. Mai 2010
© Leipziger Volkszeitung
Raum für Erinnerung
Die Universität wird im neuen Campus die eigene Geschichte offen für alle präsentieren
Wie wird Leipzigs Alma mater im neuen Universitätsbau am Augustusplatz ihrer eigenen Geschichte gedenken? Dieser Frage stellen sich in einem Gespräch Universitäts-Rektor Franz Häuser und Universitäts-Archivar Jens Blecher.
In gut zwei Jahren dürfte der neue Aula-Kirche-Bau vollendet sein. In den Diskussionen um das Paulinum/Augusteum war aber bis dato ein Thema erstaunlicherweise eher weniger präsent: Die Widerspiegelung des Gedenkens der Universität an die Sprengung der Universitätskirche, die sich am 30. Mai zum 42. Mal jährt und an den studentischen Widerstand in den Jahren der stalinistischen Diktatur beziehungsweise an die weiteren Opfer der Diktaturen des 20. Jahrhunderts.
Rektor Franz Häuser merkt dazu an: "Es war immer unstrittig in unseren Diskussionen, dass es im Neubau des Campus einen Ort der Erinnerungen geben muss, an dem wir mit bildlichen Darstellungen und Texten an die universitären Opfer zweier deutscher Diktaturen und an die gesprengte Kirche erinnern." Merkwürdig, so gibt Häuser zu, ist es schon, dass dieses Anliegen bei all den Bau- und Gestaltungsdebatten zu lange in den Hintergrund trat. Man hat sich auf das Paulinum-Gebäude, das zum größten Teil Erinnerungskultur darstellen wird, konzentriert.
Dafür, dass das Thema Erinnerung seit einiger Zeit aber wieder verstärkt im Fokus steht, gab es einen auslösenden Anstoß: Der Behindertenverband kam auf die Universität mit der Bitte zu, eine Gedenktafel für die Opfer der Euthanasie-Verbrechen der Nazis an der hiesigen Kinderklinik anbringen zu dürfen. Die Uni-Leitung stand diesem Anliegen nie im Wege, nur kamen Behindertenverband und Kinderklinik in der Realisierung nicht überein. Also wird auch der Euthanasie-Opfer in einem Raum der Erinnerung gedacht. In Leipzig starben während der Nazidiktatur durch Euthanasie-Verbrechen über 551 Kinder.
Die architektonische Planung für einen Raum des Gedenkens, der Erinnerung oder der Stille - über den genauen Namen ist man sich an der Alma mater noch nicht im Klaren - sieht derzeit so aus, dass dieser sich ins Foyer des Augusteums öffnen kann. Ein Teil der gezeigten Erinnerungen soll sich mit der Baugeschichte der Uni befassen. So auch mit prägnanten Punkten wie dem Fakt, dass der innerstädtische Grund und Boden seit der Reformation der Universität gehört, ebenso dazu mit dem leidvoll-schmerzlichen Fakt der Sprengung der Paulinerkirche im Jahr 1968. Im Raum des Gedenkens wird auch das Ehrenbuch der Universität ausliegen, das derzeit noch im Eingangsbereich der Albertina zu sehen ist. Häuser: "Im Raum der Erinnerungen werden wechselnde Dinge, aber auch Konstanten, die für unser Selbstverständnis immer und ewig sein müssen, präsentiert."
Vor allem das Universitätsarchiv wird mit seinen Beständen für die jeweiligen Aktualisierungen sorgen. Vorbild dafür sind die aus eigenen Beständen bestückten erfolgreichen Sonderausstellungen der Universitätsbibliothek. Archivar Jens Blecher kann für so einen Raum aus den Vollen schöpfen; er ist der Herr über 6000 Regalmeter Akten und hortet weitere Dokumente. Blecher: "In wenigen Monaten rückt unser Gewissen mit seinem neuen Standort im Areal der Alten Post näher in die Stadt hinein."
Mit dem Widerstand an der Universität gegen den Stalinismus wurden Häuser und Blecher jüngst durch einen zweiten Entwurf zum Wandbild "Aufrecht stehen", gemalt von Reinhard Minkewitz, initiiert und finanziert von Erich Loest, quasi herausgefordert. Loests Vorwurf gegenüber der Universität lautete und lautet, im Kontext von Werner Tübkes Wandbild "Arbeiterklasse und Intelligenz", das im neuen Hörsaalgebäude wieder aufgehängt wird, und dem Karl-Marx-Relief, das heute auf dem Campus in der Jahnallee steht, werden nur die Täter und nicht die Opfer dargestellt. Häuser entgegnet, dass zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte viel geschehen ist. Erst vor wenigen Tagen fand der zweite Belter-Dialog statt. Die Theologische Fakultät führt ihre Gedenkvorlesung für Werner Ihmels durch. Die Universität verleiht den Wolfgang-Natonek-Preis.
Der Rektor schließt freilich nicht aus, dass es noch immer weiße Punkte gibt, die es präzise zu erforschen gilt. Häuser: "Dass sich die Universität nicht für ihre Geschichte interessiert, könnten aber nur jene Leute behaupten, die nicht in die universitären Debatten integriert sind." Die Universität bekommt ein Hauptgebäude mit gestalterischer Vielfalt. Dort werden die Regenten-Tugenden stehen. Dort werden auch die restaurierten Fresken des einstigen Dominikanerklosters zu sehen sein. Und dort wird es offen für alle einen Raum der Erinnerung geben.
Thomas Mayer
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 11. Mai 2010
© Leipziger Volkszeitung
"Voll eingebunden"
Architekt Erick van Egeraat über seine zurück erstrittene Verantwortung beim Bau des Paulinums
Lange wurde gestritten. Man ging sogar wegen Urheberrechtsstreitigkeiten vor Gericht. Der Freistaat Sachsen als Bauherr und der Architekt des Paulinums Erick van Egeraat haben aber - die LVZ berichtete - ihren Streit beigelegt. Im Interview legt der Niederländer nun dar, wie es weitergeht mit dem Innenausbau seines Aula-Kirche-Baues.
Frage: Der Streit ist wirklich ad acta gelegt?
Erick van Egeraat: Ja, und jeder ist wohl froh, dass diese nicht sehr schöne Zeit vorbei ist.
Wie sind also die Aufgaben aktuell verteilt?
Ich hatte ja trotz meines vorübergehenden Ausscheidens aus dem Projekt immer gesagt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass dieser Bau ohne mich gebaut werden kann. Jetzt bin ich wieder als Verfasser meines Entwurfes und als Architekt mit meinem Team voll eingebunden. Das ist gut. Meine Kollegen Fischer und Werner sehen ihren Schwerpunkt in der Realisierung des Gesamtkomplexes mit dem Augusteum, dem Audimax und all den weiteren Räumen für den Studienbetrieb. Meine Hauptaufgabe liegt in der Innengestaltung des Aula-Kirche-Bereichs.
Warum hängen Sie besonders an diesem Innenraum?
Das ganze Haus ist für mich wichtig. Mit dem ideell sehr beladenen Innenraum muss ich mich beweisen, an ihm hängt es vor allem, ob mein Entwurf das hält, was er verspricht. Ich habe immer gesagt, dass ich den unterschiedlichen Interessen gerecht werden will. Für die, die eine Kirche sehen wollen, soll der Bau so aussehen, und die, die eine Aula wollen, werden auch diese vorfinden. Diese Dualität ist natürlich schwierig zu gestalten. Mit seinen Kirchenfenstern, Stützen und der Kreuzgewölbedecke wird zwar das Haus seine sakrale Qualität bekommen, es wird aber nicht nur eine Kirche sein. Das respektvoll und der heutigen Zeit entsprechend auszugestalten, ist in den kommenden Monaten meine Hauptaufgabe bei der Ausarbeitung der Pläne. Es geht dabei bei jedem Detail um hohe Qualität. Denn bei so einem speziellen Bau kann man nicht mit Scheinvarianten arbeiten.
Mit Ihnen in neuer Verantwortung wird es also auch mal angedachte Billiglösungen nicht geben?
Nein, über die Bedingungen und dass nachhaltige Qualität realisiert werden muss, sind wir uns einig. Natürlich bleibt das Geld ein zu beachtender Faktor. Auch mir ist dabei kein Freibrief gegeben. Alle wollen aber das realisieren, was ursprünglich versprochen wurde.
Was geschieht 2010?
Wir werden vollständig mit der Planung beschäftigt sein, 2011 folgt die Bauausführung. Ende des Jahres muss das Haus fertig sein.
Das ist zu schaffen?
Ich bin überzeugt davon. Eine noch längere Bauphase wäre kaum zu vertreten. Alle wollen den zügigen Bau, und den auch aus Kostengründen. So ein Haus wird ja nicht billiger und besser, je länger wir uns mit ihm beschäftigen.
Zu wie viel Prozent ist denn das Paulinum derzeit fertig?
Die Hälfte ist geschafft, die wahren Probleme kommen also noch. Das weiß wohl jeder, der schon mal ein Haus gebaut hat. Erst im Innern kann es richtig problematisch werden.
Muss die Kanzel der einstigen Universitätskirche eingebaut werden?
Wenn das verlangt wird, werden wir dafür die Voraussetzung schaffen.
Und die Glaswand?
Sie kommt, ganz sicher. Sie ist aber nicht ideologisch zu deuten, sondern klimatechnisch, weil der Andachtsraum mit seinen Kunstwerken entsprechend temperiert werden muss.
Wie ist Ihnen zu Mute, wenn Sie auf dem Augustusplatz stehen und Ihren Bau sehen?
Ich bin stolz, weil ich weiß, dass Leipzig eine außergewöhnliche Architektur geschenkt wird. Dass sich ein Staat so einen Bau noch leisten kann, ist allein schon sehr wertvoll. Also muss auch aus diesem Grund die Qualität stimmen.
Passt zu diesem Anspruch die Gestaltung des Augustusplatzes mit der Einfahrt zur Tiefgarage vorm Paulinum?
Natürlich nicht. Freistaat und Universität leisten bei diesem Bau ihre Beiträge zu einem Gesamtkunstwerk. Es gab manchen Streit darum, es war aber letztlich kein schädlicher Streit, sondern, wie wir sehen, ein produktiver. Vielleicht sieht die Stadt selbst ein, dass eine Garageneinfahrt mitten auf dem Platz vor so einem Bau nicht passend ist. Möglicherweise wird sie handeln. Zum Glück wird es aber so sein, dass mein Haus trotz Einfahrt funktioniert. Es würde aber noch besser funktionieren, wenn der Augustusplatz renoviert würde.
Interview: Thomas Mayer
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Lesen Sie auch den Offenen Brief des Vorstandes des Paulinervereins an den Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung zum Artikel "Voll eingebunden".
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 6. Mai 2010
© Leipziger Volkszeitung
Schlussspurt in Augusteum und Auditorium Maximum
Im Paulinum beginnt erst im nächsten Jahr der Innenausbau
Vom Uni-Campus am Augustusplatz sind die Bauarbeiter weitgehend verschwunden, die bis zur 600-Jahr-Feier im Dezember das Bild bestimmten. Doch im künftigen Hauptgebäude - dem Neuen Augusteum - und im benachbarten Paulinum sind sie immer noch anzutreffen - aber meist nur in kleinen Trupps von Spezialisten. Denn dort ist jetzt Feinarbeit angesagt.
LVZ-Redakteur Andreas Tappert und Fotograf Wolfgang Zeyen schauten den Männern über die Schulter.
Dass in den beiden rohbaufertigen Bauwerken Seltsames vorgeht, ist auch vom Augustusplatz zu sehen. "Es stimmt: Wir haben vor kurzem vor dem Paulinum ein Gerüst abgebaut und anschließend ein neues wieder aufgebaut", bestätigt Bauleiter Volker Kylau. "Das alte Gerüst war für die Fassadenarbeiten und deshalb nur sehr schmal; das neue ist deutlich breiter, weil die Steinmetze mehr Platz benötigen, wenn sie das Kirchenfenster und die Rosette gestalten."
Die Steinmetze haben das rund sechs Meter hohe Kirchenfenster von außen schon mit weißen Kalksteinplatten eingefasst, um die jetzt etwas dunklere Muschelkalkplatten mit braunen Einschlüssen gesetzt werden, um dieses architektonische Detail von der übrigen Fassade abzuheben, die mit grünlichem Serpentit-Material verkleidet wird. Innen wurde schon vor 14 Tagen die Stahlkonstruktion des Kirchenfensters angebracht. Spezialisten der Firma Fuchs und Girke hatten sie in Einzelteilen aus Dresden angeliefert. Im Paulinum wurde das Puzzle zusammengeschraubt und geschweißt und schließlich mit einem Flaschenzug eingepasst. "Bis Ende des Monats kommt innen noch ganz normales Drei-Schicht-Sonnenschutzglas in die Konstruktion, das getönt ist", so Kylau. "Dann wird von außen das so genannte Maßwerk gesetzt - das sind ganz feine, helle Kalksteinglieder, die übereinander gesetzt werden und in gothischer Form oben spitz zusammenlaufen." Ziel sei, dieses Maßwerk bis Ende August komplett fertig zu haben.
Die sieben Meter über dem Kirchenfenster befindliche Rosette bekommt ebenfalls Sonnenschutzglas. Die innere Stahlkonstruktion liegt bereits in der siebten Etage einsatzbereit zusammengesetzt und soll in der nächsten Woche montiert werden - sie hat einen Durchmesser von dreieinhalb Metern und wird im Juni mit rundem, "Tortenstück-ähnlichen" Maßwerk aus hellem Sandstein von außen gefüllt. "Bemaltes Kirchenglas gibt es im gesamten Bauwerk nicht. Das hat der Architekt so geplant."
Am Haupteingang des benachbarten Neuen Augusteums ist bereits zu lesen, wer dort einziehen wird - zumindest für jene, die einen Blick hinter den Bauzaun werfen können. "Alma mater Lipsiensis" steht dort - allerdings nur in provisorisch aufgeklebten Buchstaben. "Damit haben wir nur kontrolliert, ob die Schriftgröße stimmt", sagt Kylau. "Der richtige Schriftzug wird natürlich aus Metalllettern bestehen."
Wer unter den Klebe-Buchstaben hindurch geht gelangt in das Foyer des Neuen Augusteums und wird von neun Meter hohen Pfeilern empfangen, an die zwei Galerie-Ebenen grenzen, in denen die Universität einmal die Bilder ihrer ehemaligen Rektoren anbringen sowie kleine Büsten von Honoratioren aufstellen will. Eine Hälfte des Foyers wird von der zweiten Galerieebene fast komplett überspannt, weil dort auch die Steuerzentrale des neuen Rechenzentrums entsteht - die Rechner selbst sind in einem Untergeschoss untergebracht.
Von der Innenhof-Seite ragt ein riesiges Stahlskelett in das Foyer hinein - die Rückwand des künftigen Auditoriums Maximum, des mit 850 Sitzplätzen größten Hörsaals des neuen Campus'. Wer einen Blick hinter diese Stahlschale wirft, sieht nur einen Wald von Stahl-Stützen, weil Trockenbauer die Decke des gesamten Hörsaales verkleiden. "Im September rücken hier die Stuhlbauer an", so Kylau. "Zum Jahresende wollen wir mit allem fertig sein, damit die Universität im Frühjahr 2011 ihre Technik installieren kann. Das Audimax soll dann im Wintersemester in den Studienbetrieb gehen."
Wo das Foyer an das Hörsaalgebäude grenzt, ist die künftige Schatzkammer der Universität rohbaufertig: Ein fensterloser, 240 Quadratmeter großer Raum, der nur durch einen Eingang betreten werden kann. Dort soll die Kustodie die größten Kunstschätze der Universität so aufbewahren, dass sie weitere Jahrhunderte überdauern. "Wir treiben hier einen Klima-Aufwand, der mit dem des Grünen Gewölbes in Dresden vergleichbar ist", betont Kylau. Alles werde so hergerichtet, dass auch kleine Spezial-Ausstellungen stattfinden können.
Besucher, die diese Schatzkammer verlassen, blicken einmal auf vier große Statuen, deren Sockel bereits einige Meter über dem zentralen Eingangsbereich des neuen Hauptgebäudes angebracht wurden. Diese drei Meter großen Skulpturen - die noch aus dem alten Augusteum stammen, das 1968 gesprengt wurde - stellen die so genannten Regententugenden Gerechtigkeit, Weisheit, Frömmigkeit und Milde dar. Sie werden derzeit noch restauriert und erst aufgestellt, wenn die Universität einzieht.
Die 600-jährige Uni-Geschichte ist auch zu spüren, wenn Besucher durch den neuen Innenhof-Ausgang des Augusteums gehen. Denn dieser Durchgang verläuft mitten durch das alte Schinkeltor, das zu DDR-Zeiten an der Universitätsstraße ein Schattendasein fristete: Es wurde jetzt so in das Neue Augusteum integriert, dass sich in seinem Mittelteil - durch das früher Kutschen fuhren - eine große zweiflüglige Glastür befindet, die in den Innenhof das Campus-Areals mündet. "Die Universität will im Innenhof auf dem Tor auch wieder die Figuren anbringen lassen, die sich dort einmal befanden", berichtet Kylau. "Aber sie müssen erst noch angefertigt werden."
Auch in den Innenhof ragt das neuen Auditorium Maximum wie ein Fremdkörper hinein und wird derzeit mit 40 Zentimeter breiten Glasschaum-Platten verkleidet, die leicht formbar sind und dem Hörsaal am Ende ein ovales Aussehen geben sollen. "Im September müssen wir damit fertig sein - dann beginnt wieder die schlechte Jahreszeit", so Kylau.
Im Paulinum wird auch dann noch viel zu tun sein. Denn dieser Aula-Kirchen-Bau hat sein Aussehen seit der 600-Jahr-Feier kaum verändert. Architekt Erick van Egeraat ist derzeit dabei, die Pläne für die Ausgestaltung des Rohbaus zu entwickeln - bis Ende 2010 sollen sie fertig sein. "Wenn alles klappt, könnte das Paulinum dann im Jahr 2012 nutzbar sein", glaubt Kylau.
In den Etagen darüber sind Handwerker dabei, die riesigen Fensterfronten des Gebäudes abzudichten. Überall sind die Fenster schon eingebaut - nur auf dem letzten, dem neunten Obergeschoss, das sich noch über dem Glockenturm des neuen Hauptgebäudes befindet - arbeiten noch Spezialisten der Firma Radeburger Fensterbau an den Halte-Konstruktionen. Dort oben pfeift der Wind und der Regen klatscht den Handwerkern ins Gesicht, wenn sie - mit Stahlseilen gesichert - bohren und schleifen. "Diese Spitze muss bis September fertig sein, weil dann wieder die Regenperiode beginnt", meint Kylau, der jetzt schon vier Jahre an dem 200-Millionen-Euro-Projekt arbeitet.
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Lesen Sie auch die Chronologie.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 27./28. März 2010
© Leipziger Volkszeitung
Paulinum: Sachsen und van Egeraat beenden Streit
Niederländischer Architekt erhält Beratervertrag für Vollendung des Baus
Leipzig. Einigung beim Streit um den Bau des Paulinums am Leipziger Augustusplatz: Der Freistaat Sachsen und der Architekt Erick van Egeraat arbeiten künftig zusammen und verzichten damit auch auf juristische Auseinandersetzungen.
Von Thomas Mayer
"Der Freistaat Sachsen und der holländische Architekt Erick van Egeraat haben sich zur Vermeidung weiterer Kosten und Verzögerungen geeinigt und die Streitigkeiten der Vergangenheit beendet. Erick van Egeraat wird in das Projekt als Berater des Freistaates und als Architekt für die Gestaltung der Aula/des Kirchenraumes eingebunden. Alle Seiten werden an der zügigen Realisierung dieses für Leipzig und seine Universität bedeutenden Gebäudes konstruktiv mitwirken", teilte der Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, Stephan Gößl, mit. Damit zieht der niederländische Architekt auch seine Klage hinsichtlich der Verletzung seines Urheberrechts zurück. Über die Honorarhöhe des Vertrages wurde Stillschweigen vereinbart.
Der Bau, der Aula, Andachtsraum und Auditorium Maximum vereint und der ob seiner expressiven Formgebung hoch gelobt wird, stand bisher unter keinem guten Stern. Die aufwendige, kaum den üblichen Normen entsprechende Architektur sorgte von Beginn an für komplizierte Bauabläufe. Hinzu kam Anfang 2009 die Insolvenz von Erick van Egeraats ursprünglich mit dem Bau beauftragten Architekturbüros. Der Freistaat musste also ein neues Architektenteam finden, dass den Bau übernehmen und zu Ende führen wird. Mit dieser Aufgabe wurden die in Leipzig und Dresden ansässigen Architekten Hagen N. Werner und Torsten Fischer beauftragt. Zur Einigung mit van Egeraat sagt jetzt Fischer: "Für den Bau ist es nur zu begrüßen, weil damit auch das Damoklesschwert eines Baustopps ad acta gelegt werden konnte."
"Ich bin wieder mit dabei", freut sich van Egeraat. Dem weltweit tätigen Architekten liegt der Bau in Leipzig besonders am Herzen. Ihn nach der Insolvenz nicht mehr beeinflussen zu können, hatte van Egeraat tief getroffen. "Richtig zufrieden kann ich aber erst dann sein, wenn das Paulinum fertiggestellt ist", sagt er gegenüber der Leipziger Volkszeitung.
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© LVZ - Seite 17
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"Ich bin wieder mit dabei"
Einigung fürs Paulinum: Architekt Erick van Egeraat ist jetzt der Bauberater des Freistaates
Der Freistaat Sachsen und der holländische Architekt Erick van Egeraat haben sich zur Vermeidung weiterer Kosten und Verzögerungen geeinigt und die Streitigkeiten der Vergangenheit beendet.
Erick van Egeraat wird in das Projekt als Berater des Freistaates und als Architekt für die Gestaltung der Aula mit Andachtsraum eingebunden. "Alle Seiten werden an der zügigen Realisierung dieses für Leipzig und seine Universität bedeutenden Gebäudes konstruktiv mitwirken", sagt der Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, Stephan Gößl. Damit zieht van Egeraat auch seine Klage hinsichtlich der Verletzung seines Urheberrechts zurück. Über die Honorarhöhe des Vertrages wurde Stillschweigen vereinbart.
Wolfgang Voß, Staatssekretär im sächsischen Finanzministerium, ist froh über die Einigung: "Ich freue mich, dass die Differenzen mit Herrn van Egeraat beigelegt werden konnten. Damit haben sich beide Seiten bewusst für die Vorfahrt des Projektes entschieden. Das ist ein guter Tag für die Universität und die Gestaltung der Innenstadt Leipzigs. Es stand nie in Frage, dass der Freistaat des Entwurf van Egeraats geschätzt hat. Jetzt ist der Weg frei für eine zügige Realisierung."
Mit der schrittweisen Fertigstellung des den neuen Uni-Campus komplettierenden Baus ist frühestens im Laufe des Jahres 2011 zu rechnen. Vorrang haben dabei die Betriebsräume für die Universität, damit nicht noch länger Kosten für in der Stadt angemietete Räume entstehen. Am längsten werden die Universität und die gespannte Öffentlichkeit auf die Vollendung der architektonisch besonders anspruchsvollen Aula mit ihrem Andachtsraum warten müssen. Denn dafür sind nun erst einmal noch fehlende Planungsunterlagen zu erarbeiten.
Der Bau des Paulinums - so heißt der Neubau nach Diktion der Universität - wird ob seiner expressiven Form gelobt. Er stand aber bis dato unter keinem guten Stern. Die aufwendige, kaum den Normen entsprechende Architektur sorgte von Beginn an für komplizierte Bauabläufe. Hinzu kam Anfang 2009 die Insolvenz von Erick van Egeraats ursprünglich mit dem Bau beauftragten Architekturbüros. Der Freistaat musste also ein neues Architektenteam finden, das den zentralen Bau des Campus zu Ende führen wird. Mit der Aufgabe wurden die in Leipzig und Dresden ansässigen Architekten Hagen N. Werner und Torsten Fischer beauftragt. Ihre Erfahrungen, schwierige Vorhaben zu einem guten Ende zu bringen, sind groß. Sie gelten sogar als Feuerwehrleute ihrer Zunft, konnten das zum Beispiel bei der Fertigstellung des Ludwig-Erhard-Hauses in Berlin unter Beweis stellen.
Zur Einigung mit van Egeraat sagt Torsten Fischer: "Inwieweit der Vertrag mit van Egeraat unsere Arbeit beeinflusst, kann ich heute noch nicht sagen. Für den Bau ist es aber nur zu begrüßen, dass damit auch das Damoklesschwert eines Baustopps ad acta gelegt werden konnte."
"Ich bin wieder mit dabei", freut sich Erick van Egeraat. Dem auch heute wieder weltweit tätigen Architekten liegt der Bau in Leipzig besonders am Herzen. Ihn nach der Insolvenz nicht mehr beeinflussen zu können, hatte van Egeraat tief getroffen. "Richtig zufrieden kann ich aber erst dann sein, wenn das Paulinum fertig gestellt ist", sagt er gegenüber der Leipziger Volkszeitung.
Thomas Mayer
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© LVZ - Standpunkt
Überfälliger Konsens
Von Thomas Mayer
Dieser Bau ist ein Stadtereignis. Da trotz vieler Probleme immer wieder Gerüste fallen, tritt die spektakuläre Architektur immer mehr hervor. Kein anderes Bauvorhaben sorgt für so ein Auf- und Ansehen wie das des Paulinums am Augustusplatz. Zur Freude erzeugende Ansicht passt nun die Nachricht, dass die zum Teil massiven Streitigkeiten zwischen dem Architekten Erick van Egeraat und dem Freistaat beigelegt sind. In Anbetracht manch anderer umstrittenen Stadt-Baustelle ist die künftig in geordneten Bahnen vorangehende Fertigstellung des Paulinums zu begrüßen. Der Konsens war überfällig.
Was freilich nicht bedeutet, dass damit all die Probleme vom Tisch sind. Der mit Verzug behaftete Bau - er sollte schon vergangenen Dezember der Uni übergeben werden - wird weiter alle Beteiligten fordern. Der Bauherr Freistaat will mit dem Friedensschluss Druck machen, damit die Kosten nicht weiter in die Höhe schießen. Und Architekt van Egeraat wird als "Künstler" seinen sächsischen Kollegen beistehen. Mit der jetzigen Einigung ist damit auch dieses Trio zum Miteinander verpflichtet.
eMail: th.mayer@lvz.de
Quelle: http://www.bild.de/
© BILD Leipzig vom 12. März 2010
Paulinerkirche kriegt Dach aus Stein und Glas
TEILERFOLG FÜR PLEITE ARCHITEKT VAN EGERAAT IM STREIT MIT DEM FREISTAAT
Von JACKIE RICHARD
Leipzig - Teures Steindach oder preiswerte Alu-Lamellen. Seit über einem Jahr streiten sich Pleite-Architekt Erick van Egeraat (55) und das Finanzministerium Sachsen (als Bauherr) um das Dach der Paulinerkirche. Jetzt hat der Holländer einen Teilerfolg erzielt.
Wie BILD erfuhr, habe man sich auf einen Kompromiss geeinigt, der allerdings van Egeraats Forderungen sehr nahe kommt. "Es wird eine Konstruktion aus Stein und Glas", hieß es gestern.
Dabei wäre der Streit vor wenigen Tagen fast noch vor Gericht gelandet. Erst in letzter Minute hatten sich beide Parteien geeinigt, noch mal in Ruhe miteinander zu reden. Offenbar mit Erfolg.
Demnächst soll sogar ein Ortstermin mit dem einst gefeierten Architekten in Leipzig anstehen. Wann, ist noch unklar. "Wir reden zwar miteinander, aber der gordische Knoten ist noch nicht zerschlagen", sagt Stephan Gößl (42) vom Finanzministerium. Vorsichtiges Formulieren ist geboten: Denn selbst wenn für das Dach ein Kompromiss gefunden wurde - über die Gestaltung des Innenraums streitet man sich weiter. Und der exzentrische Egeraat legt gern jedes Wort auf die Goldwaage.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 25. Februar 2010
© Leipziger Volkszeitung
Freistaat und van Egeraat reden wieder miteinander
Verzicht auf juristische Auseinandersetzung soll Paulinum-Fertigstellung befördern
"Wir wollen wieder Tempo rein bringen in den Bau des Paulinums", sagt Stephan Gößl, Sprecher des Finanzministeriums des Freistaates Sachsen, gegenüber dieser Zeitung. Aus diesem Grund sieht der Bauherr auch von weiteren gerichtlichen Auseinandersetzungen mit dem Architekten Erick van Egeraat ab. Deswegen wurde auch ein beim Oberlandesgericht Dresden beantragter Termin seitens des Freistaates abgesagt.
Die Vorgeschichte: Zwischen van Egeraat und dem Freistaat war ein Vergleich geschlossen worden mit der Maßgabe, dass beide Seiten in einem Fachgespräch die anstehenden Urheberrechtsprobleme klären. Da aber der Freistaat der Meinung war, van Egeraat habe sich dabei zu wenig eingebracht, wollte der Bauherr vom Vergleich zurücktreten, was nun also doch nicht geschah.
Stephan Gößl: "Der Gesprächsfaden mit Herrn van Egeraat wurde wieder aufgenommen. Wir möchten die Fertigstellung des Baues nicht durch weitere juristischen Streitigkeiten noch weiter hinausschieben." So steht wohl auch die Einigung über die Dachgestaltung (doch Naturstein- statt der vom Freistaat gemeinten billigeren Alulamellen) an. Auch soll laut Gößl in diesem Jahr der Bereich, den die Universität für Forschung und Lehre braucht, fertig gestellt werden. Die künstlerische Ausgestaltung des Aula-Kirche-Baues wird hingegen mit größter Wahrscheinlichkeit auch 2010 nicht abgeschlossen sein.
Die Baukosten belaufen sich mittlerweile auf mehr als 200000 Euro für den gesamten Campus. Zu gegebener Zeit müsse sicher neu gerechnet werden, heißt aus dem Finanzministerium. Das Paulinum, das schon im Dezember 2009 fertig sein sollte, ist derzeit das umfassendste Bauvorhaben des Freistaates. Von gleicher Priorität, aber nicht mehr so kostenintensiv, ist nur noch das Dresdner Schloss.
tom
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 18. Februar 2010
© Leipziger Volkszeitung
Das Mittelalter zieht im neuen Campus ein
Restaurierte Fresken kommen zurück
Schwere, wertvolle Last hängt am Kran der Firma Stamm aus Schkeuditz. Die Transport-Spezialisten bringen Wandbilder des 1539 säkularisierten Dominikanerklosters in den neuen Campus. In einer Art Kreuzgang sollen sie in Verbindung von Audimax und Hörsaalgebäude Aufstellung finden.
"Die Wandbilder besitzen nicht nur einen hohen Stellenwert als Zeugnis für die Frühzeit der Universität, sondern gelten auch als die einzigen figürlichen mittelalterlichen Wandmalereien Leipzigs. Seit der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli im Jahr 1968 verkörpert das bis zu 40 Zentimeter starke Mauerwerk zugleich den letzten Architekturrest der einstigen Klostergebäude", sagt der Kustos der Universität, Rudolf Hiller von Gaertringen.
In den frühen 1990er-Jahren waren vier Wandbilder im Ausstellungsraum Zimelienkeller der Bibliothek aufgestellt und die restlichen 13 Segmente in ein Uni-Depot gebracht worden, wo sie jahrelang restauriert wurden.
tom
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 29. Januar 2010 (Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung
Eiszeit auf dem Bau
Ein Rundgang im Paulinum mit den Architekten Torsten Fischer und Hagen Werner
Still ruht der Bau. Im derzeitigen Winter ist kaum was los im und am Paulinum, dem zentralen neu entstehenden Gebäude des Universitäts-campus am Augustusplatz. Gerade deshalb ein Baustellentreff mit den diensthabenden Architekten.
Die Zwangspause versetzt Torsten Fischer (45, in Dresden zu Hause) und seinen Compagnon Hagen Werner (auch 45, aber ein Leipziger) alles andere als in Euphorie. Da am Paulinum aber noch immer nicht die äußeren Hüllen geschlossen werden konnten, hat die anhaltende Kälte für Baustillstand gesorgt und wird den ohnehin sehr verspäteten Bau - die Weihe sollte bekanntlich schon zur 600-Jahrfeier von Leipzigs Universität im vergangenen Dezember stattfinden - noch weiter in die Warteschleife bringen und weiß Gott nicht billiger machen.
Die Architekten, die nach der Insolvenz von Erick van Egeraats früherer Rotterdamer EEA-Firma in die Verantwortung kamen, wollen, sie können aber nicht. Zu tun wäre viel. Die Arbeiten am Audimax gehen nicht voran, das Dach, das unabhängig von Urheberrechtstreitigkeiten dicht gemacht werden könnte, ist noch immer offen. Und der Kirche-Aula-Raum steht nach der trügerischen Möbilierung zum Uni-Fest wieder kalt und betongrau da. "Spaß macht das nicht", sagt Torsten Werner. Den Egeraat-Bau, den sie für einen "großartigen Entwurf" halten, als ausführende Architekten fertig bauen zu können, sei trotzdem eine tolle Sache.
"Irgendwann", merkt Hagen Werner an, "wird die Eiszeit vorbei sein. Und das hoffen wir nicht nur in Bezug auf den Baufortschritt." Eher Eiszeit herrscht nämlich auch bei der fachlichen Konversation zwischen ihnen und Erick van Egeraat. Es könne doch keine Rede sein, seinen Entwurf nicht so wie von ihm geplant realisieren zu wollen. Bei Ausführungsproblemen müsse man aber nach Lösungen suchen. Auch werde man van Egeraats Urheberrecht, was laut gerichtlichem Vergleich auch auf jeder Bauzeichnung zu vermerken ist, wahren. Fischer und Werner sind sich sicher, dass sie den Bau beherrschen. Groß sind schließlich ihre Erfahrungen, schwierige Vorhaben zu einem guten Ende zu bringen. Fischer und Werner, heißt es, die können das. Sie gelten sogar als Feuerwehrleute ihrer Zunft, haben das zum Beispiel bei der Fertigstellung des Ludwig-Erhard-Hauses in Berlin gezeigt.
Der baulich spektakuläre Sitz der Industrie- und Handelskammer in der Hauptstadt entstand nach Entwürfen des britischen Architekten Nicolas Grimshaw. Der 180 Millionen Euro teure Bau kam zwischenzeitlich auch in Turbulenzen, bis die beiden Architekten aus Sachsen die Sache in die Hand nahmen. Hoch gelobt sind ebenso ihre Arbeiten an Berliner Ministeriumsbauten. Fischer und Werner beschäftigen in fünf Büros in Leipzig, Dresden und Berlin insgesamt 44 Mitarbeiter.
Auf der aktuellen Liste der Aufträge steht neben dem Paulinum in Leipzig mit seiner aktuell geplanten Bausumme von nunmehr 55 Millionen Euro ein Vier-Sterne-Hotel am Potsdamer Platz in Berlin (Fertigstellung 2010/38 Millionen Euro). Fischer und Werner bauten auch im Vergnügungspark Belantis. "Wer kann schon von sich behaupten, der Baumeister einer Pyramide und eines Schlosses zu sein?", fragt Fischer.
Und wer - was zu ergänzen wäre - darf heute schon einen Innenraum, der einer mittelalterlichen Hallenkirche entsprechen wird, fertigstellen? Bleibt vor allem eine interessierende Frage: Wann wird dieser Bau fertig? Dazu Torsten Fischer: "Zu großen Teilen 2010 - es sei denn, es kommt zu einem juristisch ausgesprochenen generellen Baustopp, was keiner hofft, aber noch immer nicht auszuschließen ist." Mit der Weihe des Paulinum-Innenraumes mit seiner komplizierten Architektur, mit den Säulen und Deckengewölbe ist aber auch 2010 nicht zu rechnen.
Thomas Mayer
Quelle: http://www.bild.de/
© BILD Leipzig - 02.12.2009 - 01:19 UHR
HEUTE FESTAKT ZUM 600. GRÜNDUNGSJUBILÄUM
So tarnt die Uni ihre Baustelle
Von MARTINA KURTZ
Sitzprobe auf der Jubiläums-Baustelle. Wo Leipzigs Universität heute mit 800 Gästen ihren 600. Gründungstag feiert, hämmerten gestern noch die Handwerker. Seit knapp zwei Wochen putzen sie die halbfertige Universitätskirche zum Festsaal heraus.
Blick zur Altarwand mit der Bühne: Vor den Fenstern stehen noch Baugerüste. Die Betonwände sind mit Papptafeln verkleidet © BILD Leipzig
Auch Uni-Rektor Prof. Franz Häuser (64) schaute schnell mal vorbei und stellte strahlend fest: „Ist doch schön hier!“ In Anbetracht der Umstände vielleicht...
Die Stühle für die Ehrengäste sind schon aufgereiht, die Halle wohlige 23 Grad warm – dank Baustellenheizung. Die Ehrengäste, darunter Bundespräsident Horst Köhler (66), schreiten heute über weichen grauen Fußbodenbelag, vorbei an Papptafeln mit großformatigen Fotos von sieben Grabplatten, die einst die Paulinerkirche zu Ehren der verstorbenen Uni-Größen schmückten. Eine beleuchtete Säule und ein angedeutetes weißes Stück Kreuzgewölbe an der 16 Meter hohen Decke sollen ihnen zeigen, wie die Uni-Kirche einmal aussehen soll, wenn sie fertig ist.
Die leere Nische für die Orgel ist durch ein großes Uni-Plakat verdeckt. Und vor der künftigen Altarwand ist eine Bühne aufgebaut. Universitätsmusikdirektor David Timm (40) hat hier bereits die ersten Festkonzertproben geleitet. Mit der Akustik ist er hochzufrieden: „Ein satter Klang!“
Zum ersten Mal seit der Sprengung von St. Pauli vor 41 Jahren lässt er heute auch ein Musikstück an einer transportablen Orgel spielen. Damit nicht nur die begrenzte Zahl der VIPs das Werk von Mendelssohn hört, wird die Feier auch in zwei Hörsäle mit Platz für noch mal 1000 Geburtstagsgäste übertragen.
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Zu kritisch? Thomaspfarrer nicht eingeladen
Braucht die Uni womöglich Nachhilfe in der eigenen Geschichte? Könnte man vermuten, schließlich sind heute zum Geburtstags-Festakt weder Pfarrer Christian Wolff (60) noch ein anderer Vertreter der Thomaskirche eingeladen. Dabei wurde die Gründungsurkunde der Alma Mater am 2. Dezember 1409 im damaligen Thomaskloster unterzeichnet. Pfarrer Wolff hat eine Idee, warum der Termin in seinem Kalender freiblieb: „Offensichtlich kann Uni-Rektor Häuser nicht mit Kritik an seinem Stil umgehen. Aber bei uns steht er trotzdem auf der VIP-Liste.“ Über den Umgang mit St. Pauli kam es zwischen beiden häufiger zum Streit.
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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 1. Dezember 2009
© Leipziger Volkszeitung - 30.11.2009, 15:16 Uhr
Festakt auf der Baustelle: 600 Jahre Universität
Leipzig. Mit einem Festakt auf der Baustelle feiert Deutschlands zweitälteste Universität in Leipzig am Mittwoch ihr 600-jähriges Bestehen. Dazu werden unter anderen Bundespräsident Horst Köhler und Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) erwartet. Gefeiert wird im Paulinum auf dem neuen Campus. Der Nachfolgebau der 1968 gesprengten Universitätskirche ist allerdings wegen Bauverzugs bei weitem noch nicht fertiggestellt. Das Paulinum, dessen Äußeres stark an einen Sakralbau erinnert, wird künftig Aula und Andachtsraum beherbergen.
Köhler und die anderen Gäste werden aber nicht in Gummistiefeln kommen müssen. Der Sprecher der Universität, Tobias Höhn, erklärte, die Baustelle des Paulinums werde extra hergerichtet. Ein Fußboden werde ausgelegt und die Räumlichkeiten werden beheizt. Eigentlich sollte das Paulinum schon zum Uni-Jubiläum fertig sein. Die Fertigstellung verzögert sich aber um ein Jahr. Unter anderem hatte der holländische Architekt Erick van Egeraat Insolvenz angemeldet.
Deshalb werden Aula und Andachtsraum auch nicht durch die umstrittene Plexiglasscheibe getrennt. Universität und evangelische Kirche hatten monatelang um diese Glaswand gestritten. Während die Hochschule das Paulinum als reine Aula ansieht, wollten Kirchenvertreter an Traditionen anknüpfen und lehnten eine bauliche Trennung zum Andachtsraum ab. Ihre Montage ist nun für Januar geplant.
Trotz des Bauverzugs soll der Festakt die 600-jährige Geschichte der zweitältesten Universität Deutschlands im Dauerbetrieb glanzvoll würdigen. Köhler wird eine Ansprache halten. Universitätsrektor Franz Häuser hat seine Rede mit dem Leitspruch der Universität „Aus Tradition Grenzen überschreiten“ überschrieben. An Sachsens größter Hochschule studieren rund 30 000 Studenten an 14 Fakultäten.
Kultureller Höhepunkt der Veranstaltung soll die Darbietung des Stückes „Memoriam - Tempo e tempi“, komponiert von Bernd Franke, sein. Der Literaturprofessor Hans-Ulrich Treichel hat dazu passend das Gedicht „Immerdar“ geschrieben. Die Auftragswerke knüpfen an die Tradition Johann Sebastian Bachs an, der für Universität mehrfach komponiert hat. Der Universitätschor, der Chor der Oper Leipzig und das Mendelssohnorchester werden die Aufführung gestalten.
„Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden“, erklärte Uni-Sprecher Höhn, warum der Festakt nicht von der Baustelle etwa in das benachbarte Gewandhaus verlegt wurde. Es breche schließlich ein neues Jahrhundert in der Geschichte der Universität an, „und wir wollen zeigen, wohin die Reise geht.“ Außerdem könnten die Gäste auf diese Weise bereits einen ersten Eindruck von den Räumlichkeiten im Paulinum bekommen.
Am Abend feiern Gäste, Mitarbeiter der Universität und Studenten zusammen in dem neuen Hörsaalgebäude und der darin befindlichen Mensa auf dem Campus am Augustusplatz in ungezwungener Atmosphäre. Im Paulinum werden zwei Konzerte gespielt.
mro/dpa
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SPD-Politiker: Rektorat will ersten Gottesdienst im Paulinum verhindern
Kurz vor dem Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 600-jährigen Universitätsjubiliäum üben die früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Rainer Fornahl und Gunter Weißgerber massiv Kritik an der Uni-Leitung unter Rektor Franz Häuser. Sie werfen ihr „Ignoranz und Arroganz“ vor. „Bei der neuen Universitätskirche handelt es sich um ein Gebäude, von dem sich die Universitätsleitung seit Jahren genauso distanziert, wie sie mit der Universitätsgeschichte im Positiven wie im Negativen nichts zu tun haben will“, schrieben sie an Bundespräsident Horst Köhler, der morgen zum Festakt erwartet wird. Einem von Generalbundesanwältin Monika Harms vermittelten Kompromiss zufolge soll der Nachfolgebau des 1968 gesprengten Gotteshauses Paulinum genannt werden und den Untertitel Aula-Universitätskirche St. Pauli tragen. Dort sollen Uni-Gottesdienste stattfinden und die alte Kanzel soll wieder aufgestellt werden.
„Das Rektorat hintertreibt all dies auf eine nicht hinnehmbare Weise“, kritisieren Fornahl und Weißgerber. So spreche die Uni-Führung nur noch von einem „Raum für Gottesdienste“. Zudem lege das Rektorat der Kirchgemeinde, der Theologischen Fakultät, dem Aktionsbündnis Neue Universitätskirche St. Pauli, dem Paulinerverein und der Stiftung Universitätskirche St. Pauli „alle Steine in den Weg“, um den ersten Universitätskirchengottesdienst am 6. Dezember zu verhindern.
K. S.
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Brief von Rainer Fornahl und Gunter Weißgerber an Bundespräsident Köhler zum Uni-Neubau
Herrn
Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler
Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
am 2. Dezember 2009 findet in Leipzig der Festakt zur Feier des 600. Jahrestages der
Gründung der Universität Leipzig statt.
Sie werden dieser Feier durch Anwesenheit und Festrede bundespolitischen Glanz verleihen.
Der Freistaat Sachsen hat mit Blick auf das Jubiläum und die Bedeutung der Universität
Leipzig für die deutsche Wissenschaft den Bau eines neuen Universitäts- Campus am
Leipziger Augustusplatz beschlossen, der nach Entwürfen des Architekten van Eggerath
errichtet wird.
Ursprünglich sollte der Campus-Komplex rechtzeitig zum 2. Dezember fertig gestellt sein
und der 600-Jahr-Feier den rechten würdigen Rahmen geben.
Nun muss, was nicht nur die Leipziger sehr bedauern, auf einer Baustelle gefeiert werden,
weil sich die Vollendung aus vielerlei Gründen erheblich verzögert hat.
Einer der ganz wesentlichen Gründe ist die Haltung der Universitätsleitung mit Rektor
Häuser an der Spitze zur neuen Universitätskirche St. Pauli und der daraus entstandene Streit
um die Einbeziehung der Kirche in den Campus und deren Status als Gotteshaus.
Darüber in großer Sorge, wenden wir uns als langjährige Mitglieder des Deutschen Bundestages
und Leipziger Wahlkreisabgeordnete und insbesondere auch als Mitglieder des Aktionsbündnisses
„Neue Universitätskirche St. Pauli“ an Sie, sehr geehrter Herr Bundespräsident.
Sie sollen wissen, in welcher Atmosphäre hinsichtlich der Universitätskirche der Festakt
stattfindet.
Bei der neuen Universitätskirche handelt es sich um ein Gebäude, von dem sich die
Universitätsleitung seit Jahren genauso distanziert, wie sie mit der Universitätsgeschichte
im Positiven wie im Negativen nichts zu tun haben will.
Ein auf die dankenswerte Vermittlung von Generalbundesanwältin Harms zustande
gekommener Kompromiss hat zum Inhalt, dass der Nachfolgebau des 1968 auf Geheiß
rer DDR-Kommunisten unter Ulbricht gesprengten Gotteshauses den Namen „Paulinum“
und den Untertitel „Aula-Universitätskirche St. Pauli“ tragen soll.
Weiterhin sollen regelmäßige Universitätsgottesdienste zu den üblichen Zeiten stattfinden
und die 1968 von mutigen Leipzigern gerettete Kanzel wieder aufgestellt werden.
Das Rektorat hintertreibt all dies auf eine nicht hinnehmbare Weise.
Man spricht nur noch von einem „Raum für Gottesdienste“ und von „historischen Zitaten“,
mit denen an die 1968 gesprengte Kirche erinnert werden soll.
Man wischt mit einem Federstrich die jahrelangen Vorbereitungen für eine glanzvolle
Universitätsmusik mit dem Leipziger Universitätschor unter Leitung des famosen Universitätsmusikdirektors Timm vom Tisch.
Man legt der Universitätsgemeinde, der Theologischen Fakultät der Universität, dem Aktions-
Bündnis „Neue Universitätskirche St. Pauli“, dem Paulinerverein e.V. und der Stiftung
„Universitätskirche St. Pauli“ alle Steine in den Weg, um den für den 6. Dezember 2009 vorgesehenen ersten Universitätskirchen-Gottesdienst auf der Baustelle der Universitätskirche
zu verhindern.
Der Finanzminister des Freistaates Sachsen, Herr Prof. Unland hat anlässlich des Richtfestes
Für den neuen Universitätscampus mit Universitätskirche die Einheit von Geistigem und
Geistlichem als herausragende Besonderheit in der 600-jährigen Geschichte der Universität,
ausgenommen die Zeit der beiden deutschen Diktaturen im 20. Jahrhundert, betont.
Recht hat der Finanzminister, stößt aber nur auf Ignoranz und Arroganz der Universitätsleitung.
Dies Ihnen, sehr geehrter Herr Bundespräsident, auf dem Wege zum Festakt mitzuteilen, war
uns mit Blick auf die Universität und die Stadt Leipzig Pflicht und Bedürfnis.
Mit freundlichen Grüßen
Rainer Fornahl Gunter Weißgerber
Den Brief finden Sie auch im Internet unter www.lvz-online.de/download (PDF, 27 kB).
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 19. November 2009
© Leipziger Volkszeitung
Universität
Erster Gottesdienst in Kirche-Aula-Bau
Der erste Universitätsgottesdienst im Nachfolgebau der einstigen Universitätskirche St. Pauli nach deren Sprengung 1968 findet am 6. Dezember ab 11.15 Uhr statt. Die Predigt hält Peter Zimmerling, es musizieren der Universitätschor und das Pauliner Barockensemble unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm. Das Aktionsbündnis Neue Universitätskirche St. Pauli begrüße, dass der Freistaat als Bauherr zum zweiten Advent das derzeit entstehende Kirche-Aula-Gebäude der gottesdienstlichen Nutzung überlässt, sagte Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff als Sprecher des Aktionsbündnisses. Letzteres gehe davon aus, dass die Uni den Zugang über den Innenhof ermögliche.
kru
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 11. November 2009
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„Keine Potemkinschen Dörfer“
Bauverzug am Paulinum beeinträchtigt die 600-Jahrfeier der Universität
Die Universität, die am 2. Dezember ihr 600-jähriges Gründungsjubiläum feiern wird, sorgt sich, nicht dem Anlass entsprechend feiern zu können. Der Bauverzug am Paulinum sorgt für einige Probleme.
„Wo immer ich derzeit in Leipzig hinkomme, immer muss ich mich erklären zu den Jubiläumsfeierlichkeiten“, sagt ein ziemlich genervter Rektor Franz Häuser. Vor allem die Nachricht, dass es nicht wie geplant einen rauschenden Ball geben wird, sorgt für Aufregung. Das Interesse gerade daran war laut Häuser „phänomenal“. Es gab über 800 Anmeldungen. Nun wird auch denjenigen als Ersatz ein Universitätsfest in der neuen Mensa und im Hörsaalgebäude geboten. Häuser: „Auch dabei kann getanzt werden, und ein Ball ist nicht vergessen. Irgendwann wird ja das Paulinum fertig und ein Ball zu seiner Weihe eine tolle Geschichte sein.“
Dass nicht so wie ursprünglich geplant gefeiert werden kann, liegt allein am Bauverzug. Häuser: „Es fing vor Jahren damit an, dass man zwei Architekturwettbewerbe brauchte. Bald folgten die Probleme mit dem Generalunternehmer, was vor allem die Funktionsgebäude des neuen Campus betraf. Letztlich warf uns die Insolvenz des Architekturbüros van Egeraat zurück, mit dem bis heute nicht geklärten Urheberrechtsstreit vor den Gerichten. Das waren doch alles nicht vorhersehbare Dinge.“
Die Universität holte „Plan B“ aus der Schublade: Der Festakt findet auf der Baustelle statt, die zu diesem Zweck in einen feierbaren Zustand gebracht wird. Nach Lage der Dinge wird darin der Paulinerverein und die Stiftung Universitätskirche St. Pauli in den Tagen danach eine Christvesper feiern. Laut Volker Kylau, dem Sonderbauleiter des Freistaates fürs Paulinum, werde diese Anfrage geprüft. Wenn die Pauliner die Veranstaltungsverantwortung übernehmen, steht ihrem Ansinnen wohl nichts im Wege. Ab Montag, dem 7. Dezember, wird weiter gebaut.
Kylau: „Der Festakt im Paulinum, auch wenn es nicht fertig ist, ist der politische Wille des Freistaates. Diese Entscheidung hat es gegeben mit der Auflage für mich: Richte den Raum so her, dass die Leute nichts auf den Kopf kriegen und dass sie nicht stolpern.“ Zwar werde es nicht kuschelig sein, doch es könne in einem funktionierenden und ordentlich ausgeleuchteten Raum gefeiert werden. Kylau sagt aber auch: „Wir bieten keine Potemkinschen Dörfer.“ Der Bauleiter hat einige der Abläufe anders zu organisieren, damit der Festakt stattfinden kann. Gefroren muss auch nicht werden, Lufterhitzer, die im Winter ohnehin gebraucht werden, tun ihren Dienst. Die hohen Kosten aber, die der Universität zusätzlich mit einem Ball entstanden wären, hält Häuser für nicht vertretbar. Also wird abgespeckt gefeiert.
Zum Uni-Plan B gehören die beiden abendlichen Konzerte auf der Baustelle am 2. Dezember, aber ebenso der Verzicht auf zwei weitere Highlights der Universitätsmusik mit dem MDR- und dem Gewandhausorchester, Thomanern und weiteren künstlerischen Partnern. Diese Konzerte hätten doch nur Sinn gemacht in einem fertigen Paulinum, heißt es seitens der Universität gegenüber der Kritik einiger ihrer Musikanten. Die bedauern die Absage der Universitätsmusiktage gerade im Jubiläumsjahr der Alma mater. „Ich finde das beschämend“, sagt stellvertretend für ihre Mitstreiter Annelie Leinhos, Mitglied des Universitätschores.
Der Bauleiter wagt zum Termin für die Fertigstellung des Paulinums keine Prognose. Noch habe van Egeraat keine Klage in der Hauptsache eingereicht. Kylau verspricht aber: „Dieser Bau wird schön und qualitätsvoll, und die ganzen Anwürfe, wir würden unambitioniert weiterbauen, kann ich nicht teilen.“ Im übrigen handele sich um ein Gebäude, das mit seinen außergewöhnlichen Extras so in Deutschland noch nicht entstand. Mit ihm werde für die Baukunst Deutschlands ein Unikat geschaffen. Leider müsse, weil mit van Egeraat kein Konsens zu erzielen ist, der „dornige Weg über die Gerichte“ gegangen werden. „Wenn er Urheberrecht sagt und Geld meint, werden wir nur schwer zusammen kommen“, merkt Kylau an.
Thomas Mayer
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Informieren Sie sich:
* Veranstaltungen des Paulinervereins und der Stiftung Universitätskirche St. Pauli im Dezember 2009 in der neuerbauten Universitätskirche
* Presseerklärung zur Quasi-Absage des Universitätsjubiläums
Pfr. Christian Wolff, Erklärung vom 11.11.09
Quelle: BILD Leipzig vom 7. November 2009
© BILD Leipzig
Bauverzug, Festwoche zusammengestrichen
Riesen-Chaos zum Uni-Jubiläum!
Von JACKIE RICHARD
Es ist die Jubiläumspleite schlechthin: Die Uni lässt ihre Party zum 600. Geburtstag weitgehend ausfallen – von der lange geplanten „Festwoche“ bleiben nur noch der Name, ein „Festakt“ und ein paar wenige Konzerte.
Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten laufen seit Monaten: Der 2. Dezember im Paulinum sollte der Auftakt zu den fünf Tage langen Feierlichkeiten für Deutschlands zweitälteste Universität werden, viele Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik wurden nach Leipzig gebeten. Doch der glamouröse Ball, die Konzerte mit den MDR-Sinfonikern oder mit den Thomanern finden nicht statt.
Das Programm wurde radikal zusammengestrichen, nur der Festakt mit Bundespräsident Horst Köhler (66) und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (50, CDU) und danach ein Jazzkonzert finden im Paulinum statt. Grund: der gnadenlose Bauverzug. Der Zustand des Rohbaus ist Gästen einfach nicht zuzumuten. Uni-Sprecher Tobias Höhn (35): „Leider. Denn die Sicherheit geht vor. Deshalb mussten wir uns nach intensiven Diskussionen zu diesem Schritt entschließen.“
Außerdem wären die Kosten explodiert. Gut 850 000 Euro waren für die Festwoche vorgesehen. Nach Insider-Informationen aus Dresden wollte die Uni vom Finanzministerium aber einen kräftigen Nachschlag für notwendige Not-Dekorationen und Präventivmaßnahmen haben – damit das hochrangige Publikum nicht mit Bauhelm tanzen und lauschen muss. Doch der wurde abgelehnt und damit platzte die ganze Sache.
Statt des Balls am 2. Dezember gibt es nun lediglich einen rustikalen Empfang mit Kartoffelsuppe in der Mensa.
Peinlich genug, doch um den Schaden klein zu halten, wurden für die Konzerte und Gottesdienste Ausweichquartiere gefunden. Der Adventsgottesdienst findet nun nicht in der Pauliner-, sondern in der Nikolaikirche statt...
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Informieren Sie sich:
* Geplante VIII. Leipziger Universitätsmusiktage/Festwoche 3.-6.Dezember 2009
* Presseerklärung zur Quasi-Absage des Universitätsjubiläums
Pfr. Christian Wolff, Erklärung vom 11.11.09
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 6. November 2009
© LVZ-Online, 06.11.2009, 17:09 Uhr
Ohne Festball aber mit Köhler: 600 Jahre Uni Leipzig
Leipzig. Bundespräsident Horst Köhler wird zu den Feierlichkeiten zum 600. Geburtstag der Universität Leipzig am 2. Dezember erwartet. Zum Festakt hat die Uni Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in das Paulinum geladen, das dann allerdings noch nicht fertig sein wird. Der eindrucksvolle Nachfolgebau für die zerstörte Paulinerkirche sollte ursprünglich mit den Feierlichkeiten in Betrieb gehen, wird aber wegen Bauverzögerungen erst etwa ein Jahr später fertig. Der Jubiläumsball müsse deshalb ausfallen, teilte ein Uni-Sprecher am Freitag mit.
In der Tradition Bachs, der einst für die Universität Auftragswerke schrieb, hat Bernd Franke zum 600. Geburtstag das Stück "Memoriam - Tempo e tempi" komponiert. Literaturprofessor Hans-Ulrich Treichel schrieb dafür das Gedicht "Immerdar". Es ist neben Auszügen aus Shakespeares "Hamlet" die Grundlage von Frankes musikalischem Werk. Beim Festakt erklingt zudem Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 2 "Lobgesang". Das musikalische Programm gestalten der Universitätschor, der Chor der Oper Leipzig und das Mendelssohnorchester; unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm.
Am Jubiläums-Abend sind dann die Leipziger eingeladen, im Paulinum zwei Konzerte zu genießen. Das erste ist eine Wiederholung der Musik des Festaktes, danach gibt es Jazz.
dpa
Der Rohbau des zukünftigen Campus Innenstadt der Universität Leipzig im April 2009. (Archiv)
Foto: dpa
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 29. Oktober 2009
© Leipziger Volkszeitung
Das abgespeckte Fest
Bauverzug am Paulinum bringt Universität in Planungsprobleme für ihre 600-Jahrfeier am 2. Dezember
Am 2. Dezember wird die Leipziger Universität offiziell 600 Jahre alt. Das soll mit einem Festakt und mit einem großen Ball gefeiert werden. Ort des Geschehens: das neue Paulinum.
Rektor Franz Häuser zum Stand der Vorbereitungen gegenüber dieser Zeitung: „Wir sind in der Endphase, freuen uns vor allem über die Zusage des Bundespräsidenten. Wir haben in den vergangenen Tagen unsere Planungen an den aktuellen Baustand anpassen müssen, denn erst seit einigen Wochen herrscht ungefähr Klarheit, in welchem Zustand sich Paulinum und Neues Augusteum im Dezember befinden werden. Noch im Frühjahr durften wir davon ausgehen, dass diese Gebäude wesentlich weiter ausgebaut sein würden als es heute der Fall ist.“
Für die Universität stelle sich nun aber die Frage: Wenn man auf der Baustelle feiert, werde es ein sicher nicht ganz so glanzvoller Festakt wie einst gedacht, sondern eher wie vom Ministerpräsidenten bei der letzten Sitzung des Jubiläumsbeirates angekündigt: zur Not in Gummistiefeln. Man könne nicht erwarten, dass ein Rohbau in eine festliche Aula verwandelt werde.
Das sächsische Finanzministerium beharrt wohl auf der Durchführung des Festaktes im Paulinum, während die Universität intensiv über einen Umzug ins Gewandhaus nachdenkt. Kein neuer Gedanke, eine Option auf das Haus gibt es seit Jahren. Offiziell hüllt man sich im Dresdner Finanzministerium in Schweigen. Ministeriumssprecher Stephan Gößl lässt sich nur entlocken: „Wir sprechen noch miteinander.“ Wie diese Zeitung erfuhr, soll es zwischen Finanzminister Georg Unland (parteilos) und Rektor Franz Häuser gestern ein Krisengespräch gegeben haben.
Auch der Festball muss nach neuesten Plänen Federn lassen. Anstatt eines rauschenden Festes werde nun geprüft, inwieweit Hörsaalgebäude und Mensa balltauglich sind. „Auf der Baustelle sei dies unmöglich“, sagte Häuser: „Für eine derartige Veranstaltung mit großer Personenzahl gibt es bestimmte Anforderungen, auch rechtlicher Natur. Diese sind aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gegeben.“ Auch wenn diese Hürde überwunden wäre, müsste die Universität zusätzliche Mittel aufbringen für Beleuchtung, Akustik und Gefahrenabwehr. Eine Summe, die die Universität nicht aus dem Haushalt finanzieren könne. Für die Universität gibt es demnach nur zwei Alternativen: Entweder den Ball ganz ausfallen lassen (und später nachholen) oder in abgespeckter Variante anderswo feiern.
Die aktuellen Entwicklungen lassen Häuser, für den nächstes Jahr die Amtszeit als Rektor endet, nicht kalt, und das vor allem vor dem Hintergrund der großen Nachfrage nach den Ballkarten. Bisher haben sich mehr als 800 Leute aus der Universität gemeldet, die gerne den Höhepunkt des Jubiläumsjahres gefeiert hätten. Es war damit die Veranstaltung mit der höchsten Nachfrage im Jubiläumsjahr. Außerdem ist der Festball weitgehend fertig geplant. Thomas Mayer
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© Leipziger Volkszeitung - Standpunkt
Von Thomas Mayer
Wiener Walzer in Gummistiefeln
Kein Licht. Kein Fußboden. Es zieht in und aus allen Ecken. Und der Bundespräsident kriegt kalte Füße. Das Fest der 600-Jahrfeier der zweitältesten deutschen Universität, das für den 2. Dezember unabänderlich im Terminkalender steht, hätte andere Rahmenbedingungen verdient.
Die Universität wollte die Reißleine ziehen und auf die sichere Bank – die gibt es in dem Fall wirklich und heißt Gewandhaus – setzen. Doch der Freistaat, der Bauherr des Paulinums, besteht wohl auf dem Festakt auf (s)einer Baustelle. Alles andere wäre eine Blamage.
Eine Blamage ist es wie auch immer. Der Bau, der längst die Gerichte beschäftigt, mutiert leider vom gefeierten Vorzeigeprojekt zu einem weiteren Bildermuseum oder City-Tunnel. Über den großen Ball aber, den man sich im glänzenden Paulinum erträumt hatte, mit prächtig gekleideten Damen und Herren im Frack und so, ist eh nur noch der Mantel des Schweigens zu decken. Es sei denn, der Wiener Walzer wird wirklich in Gummistiefeln getanzt. Der Paulinum-Bau macht ja vieles möglich. Warum nicht auch das?
eMail-Kontakt: th.mayer@lvz.de
Quelle: http://www.bild.de/
© BILD Leipzig - 12.12.2009 - 00:10 UHR
PAULINER-BAUSTELLE
Pleite-Architekt Egeraat beschimpft Leipziger
Von JACKIE RICHARD
Geld hat er nicht mehr, dafür aber die Rechte an seinen Bauplänen: Erick van Egeraat (53), pleite-gegangener Star-Architekt aus Holland. Sein Prestige-Projekt „Paulinerkirche“ müssen inzwischen zwar andere fertig bauen – doch van Egeraat mischt sich offenbar ein, wo er kann. Und beschimpft die Bauleute auch noch!
Sonderbauleiter Volker Kylau (52) vom Sächsischen Immobilien- und Baumangement: „Er nennt die Architekten hier Nichtskönner, dabei haben wir viele seiner ehemaligen Mitarbeiter übernommen. Wenn wir ihn einladen, um mit ihm über technische Details zu reden, kommt er einfach nicht.“ Das Problem sei, dass der Star-Architekt oft nur gezeichnete Entwürfe statt fertiger Konstruktionspläne hinterlassen hat. Kylau: „Vieles lässt sich aus technischen oder statischen Gründen gar nicht so umsetzen. Van Egeraat ist zwar ein guter Designer, aber wenn er fachlich ernst genommen werden will, muss er die Gesetze der Physik beachten.“
Beispiel 1: Das große Fenster zum Augustusplatz hätte laut Kylau dem Winddruck niemals standgehalten: „Deshalb wollten wir zur Stabilisierung kaum sichtbare Querstreben einbauen. Doch Egeraat pocht auf sein Urheberrecht.“
Beispiel 2: Die gläsernen Säulen. Egeraat wollte dafür sehr teures Gussglas. Kylau: „Statisch ein Riesenproblem.“
Beispiel 3: Die Kreuzrippendecke. Egeraat findet die Umsetzung angeblich „primitiv“. Kylau: „Hier hat er uns gar nichts Konkretes hinterlassen.“
Schon jetzt sind die Baukosten von St. Pauli von 56 Mio. auf rund 80 Mio. Euro gestiegen. Klagt van Egeraat vor Gericht die exakte Umsetzung seiner Pläne ein und bekommt Recht, wird die Uni-Kirche wohl noch teurer werden.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 23. Oktober 2009
© Leipziger Volkszeitung
Streit um Paulinum hält an
Der vom Oberlandesgericht Dresden empfohlene Workshop klärt die Bauprobleme nicht
Zwei Tage trafen sich die längst verfeindeten Parteien – auf der einen Seite der Freistaat Sachsen mit dem Immobilien- und Baumanagement (SIB), auf der anderen Seite der Architekt Erick van Egeraat – zu dem vom Oberlandesgericht Dresden empfohlenen Workshop. Die zum Konsens aufgeforderten Kontrahenten konnten sich nicht einigen, der Streit hält an.
Alle Probleme, die mit dem Bau des Paulinums bestehen, sollten auf den Tisch. Van Egeraat musste bekanntlich mit seiner früheren Firma Insolvenz anmelden, was zur Folge hatte, dass der Freistaat ein neues Architektenteam mit der Bauausführung beauftragte. Seither wirft van Egeraat dem Bauherrn die Verletzung seines Urheberrechts vor. Ziel des Workshops war also die Einigung. Da diese nicht erreicht wurde, drohen weitere juristische Auseinandersetzungen.
„Im Grunde konnten wir uns nicht einigen“, bestätigt der Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, Stephan Gößl. Konkret wurden bei Workshop fünf Punkte thematisiert, bei denen der niederländische Architekt seinen Entwurf nicht adäquat umgesetzt sieht. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Dachgestaltung, die Wandanmutung im Aula-Kirche-Raum, die Außenhaut des Auditorium Maximums und die Kirchenfenster.
Es sei sehr schwer, mit Herrn van Egeraat zu verhandeln, sagt Gößl. Er hege ja ständige Zweifel. So versprechen die mit dem Bau beauftragten Architekten in der Aula eine weiße Wandfläche ohne sichtbare Fugen, wozu Egeraat meint, dass so was nicht entstehen wird. Streit auch um die Gestaltung der Fenster. Egeraat hatte sie laut Gößl entworfen, eine statische Berechnung aber nicht geliefert. Gößl: „Der Statiker, der vom SIB beauftragt war, hat festgestellt, dass die Fenster nur mit Versteifung eingebaut werden können, was wiederum van Egeraat aus Urheberrechtsgründen ablehnt.“
„Es ist tragisch: Wir bauen ein großartiges Haus im Prinzip so, wie es der Architekt entworfen hat, und man streitet sich um die Wasserhähne“, sagt Gößl genervt und bestätigt, dass es in genannten strittigen Baudetails nicht voran gehen kann. Über dem Streit schwebt zudem die Frage des Geldes. Nach wie vor ist es zwischen den Freistaat und van Egeraat zu keiner Einigung über ein Honorar, dass dem Architekt für eine baukünstlerische Betreuung zusteht, gekommen.
Van Egeraat: „Da der Freistaat nicht einlenkt, wird der Bau zur immer größeren Belastung des sächsischen Steuerzahlers. Ein privater Bauherr könnte sich das nicht leisten.“ Bis Ende des Jahres hat van Egeraat nun Zeit, Klage in der Hauptsache einzureichen. Gößl: „Herr van Egeraat muss sich über die Konsequenzen im Klaren sein und sich fragen, wie hoch sein Risiko ist, zu klagen.“ Einen generellen Baustopp hält Dresden „für undenkbar“. Nicht so das Lager van Egeraat. Für Leipzig gespenstige Zahlen machen da die Runde, es könne sein, dass der Bau erst 2013 fertig gestellt werden kann.
Thomas Mayer
Quelle: BILD Leipzig vom 20. Oktober 2009
© BILD Leipzig
St. Pauli-Feier ohne Glaswand
UMSTRITTENER RAUMTEILER WIRD ERST NACH DER EINWEIHUNG EINGEBAUT
Leipzig - Die Glaswand kommt - aber erst später. Die umstrittene Trennwand im sogenannten "Paulinum" lässt nun doch länger auf sich warten. Der Raumteiler soll laut "Radio Leipzig" erst nächstes Jahr, Monate nach der offiziellen Einweihung der neuen Universitätskirche am 2. Dezember, eingebaut werden.
Stephan Gößl vom sächsischen Finanzministerium zu BILD: "Bei dem Glas handelt es sich um ein hochwertiges transparentes Material mit einer wertvollen Oberfläche. Es würde nichts bringen, die Wand schon jetzt einzubauen und dann aufwändig vor Beschädigung und Beschmutzung während des Baus zu schützen."
Die Glaswand soll Aula und Andachtsraum trennen. Nur so könnten die historischen Epitaphien im neuen Kirchenbau später sachgerecht geschützt werden, begründen die Restauratoren. Uni-Musiker kritisieren dagegen, dass der Raumteiler die Akustik verdirbt.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 6. Oktober 2009
© Leipziger Volkszeitung
Streit um Paulinum-Neubau: Gericht verlangt Klärung
Leipzig/Dresden (tom). Erick van Egeraat contra Freistaat Sachsen heißen schon seit Längerem die Kontrahenten einer mittlerweile beim Oberlandesgericht Dresden anhängigen juristischen Auseinandersetzung. Hintergrund sind Streitigkeiten über urheberrechtliche Fragen zwischen dem niederländischen Architekten und dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement. Van Egeraat musste bekanntlich Ende des vergangenen Jahres mit seiner damaligen Firma Insolvenz anmelden, der Freistaat beauftragte die Architekten Fischer und Werner mit dem Weiterbau.
Van Egeraat meint seither, sein Bau würde nicht so wie er ihn entworfen hat, fertiggestellt. Das Gericht verkündete vergangene Woche einen Widerruflichen Vergleich. Da keine der beiden Parteien von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machte, haben Erick van Egeraat und der Freistaat der Aufforderung des Oberlandesgerichtes zu folgen, sich zeitnah zusammenzusetzen und in einem Workshop alle in Zusammenhang mit dem Bau stehenden Fragen zu klären. Kommt es nicht zum Konsens, droht die dramatische Zuspitzung des Konflikt – also ein totaler Baustopp.
© LVZ - Seite 16
Zum Konsens aufgerufen
Der Streit um den Paulinum-Bau – Weiser Entscheid des Oberlandesgerichts Dresden
Das Oberlandesgericht Dresden schützt den Entwurf des Paulinum-Architekten Erick van Egeraat. Seitens des 14. Senats wurde jetzt dazu aufgefordert, dass sich der Architekt und der Freistaat Sachsen einigen sollen.
Der Streit um die Wahrung des Urheberrechts des niederländischen Architekten und dem Freistaat beziehungsweise dem mit der Bauausführung beauftragten Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) schwelt schon über Monate (die LVZ berichtete). Van Egeraats ursprüngliche Firma musste bekanntlich Insolvenz anmelden, der Freistaat war gezwungen, ein neues Architektenteam mit dem Weiterbau zu beauftragen, hielt aber die neu von Egeraat gegründete Firma dafür nicht für fähig.
Auslöser des bis heute anhängigen Konflikts war der Entscheid der Sonderbauleitung des SIB, entgegen den Vorgaben Egeraats den außenliegenden Sonnenschutz des Paulinums nicht mit Steinlamellen, sondern durch mit Steindekor bedruckte Aluminiumlamellen auszuführen. „In der heutigen Zeit ist Sparsamkeit sicherlich eine sehr gute Eigenschaft. Das heißt doch aber nicht, dass man frei ist, so zu bauen, wie man will“, kommentierte van Egeraat diese Festlegung – und zog vor das Landgericht Leipzig, das ihm Recht gab.
Die jetzige Berufung vor dem Oberlandesgericht in Dresden endete in einem zunächst eher salomonischen, aber doch klugen Spruch: Die beiden zerstrittenen Parteien sind schnellstmöglich dazu aufgefordert, mit einem Workshop die dramatische Zuspitzung des Konflikts quasi in letzter Sekunde zu verhindern. Dazu Stephan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministeriums: „Bei dem geforderten Treffen müssen alle mit dem Bau des neuen Paulinums anstehenden Probleme auf den Tisch und möglichst in beiderseitigem Einverständnis geklärt werden. Wird das nicht erreicht, kann Erick van Egeraat binnen zweier Monate Klage in der Hauptsache einlegen.“ Was das zur Folge haben könnte, wäre dramatisch für alle Beteiligten. Sogar ein mehrjähriger Baustopp von Leipzigs neuem Vorzeigebau wäre dann möglich.
Van Egeraat, mit seiner vorherigen Firma vor allem auf Grund der internationalen Finanzkrise gescheitert, sagte zur aktuellen Entwicklung gegenüber der LVZ: „Es ist gut, dass wir wieder miteinander sprechen werden. Es gibt aber keinen Grund, auf das Resultat des Berufungsverfahrens beim Oberlandesgericht stolz zu sein. Vielmehr ist es bedauerlich, dass ein öffentlicher Bauherr nach neun Monaten Streit erst vom obersten Gericht seines Landes auf seine Pflichten hingewiesen werden muss. Das ist nicht gut für das Projekt, nicht gut für die Universität und nicht gut für Leipzig.“ Für van Egeraat bedeutet trotz vieler Probleme gerade dieser Bau „eine Herzensangelegenheit“. Er wolle dieses Haus so bauen, wie er es den Leipzigern versprochen habe.
Thomas Mayer
Geheimsache Glocke
Die Glocke der Universitätskirche ist wieder da. Darüber sind wir froh und dankbar. Sie ist das erste gerettete originale Ausstattungsstück, das zurückkehrt. Altar. Kanzel und Epitaphien werden folgen.
Normalerweise ist so etwas ein Fest. Die wiederkehrenden Glocken werden mit Blumen umkränzt. In Dresden standen Hunderttausende auf dem Neumarkt, als die Glocken der Frauenkirche kamen.
Leipzig ist nicht Dresden. Hier ist die Glocke mit schwarzer(!) Folie umhüllt und wird ohne öffentliche Vorankündigung hochgezogen. Tausende Leipziger und auch die Gäste der Stadt interessieren und engagieren sich seit Jahren für den Wiederaufbau unserer Universitätskirche. Sie hätten gerne zugesehen, wenn die Glocke auf den Turm schwebt.
Eigentlich sollte die Glocke nach den Vorstellungen der Universitätsleitung wieder auf dem Innenhof postiert werden, so wie in der kommunistischen Ära. Der kluge Rat des Glockensachverständigen hat dies verhindert. Nun kann sie vom Turm erklingen und zum Gebet, zum Gottesdienst, zum Oratorium und zum akademischen Fest rufen.
Jetzo mit der Kraft des Stranges
Wiegt die Glock´ mir aus der Gruft,
Daß sie in das Reich des Klanges
Steige, in die Himmelsluft.
Ziehet, ziehet, hebt !
Sie bewegt sich, schwebt.
Freude dieser Stadt bedeute,
Friede sei ihr erst Geläute.
(Friedrich Schiller)
Dr. Ulrich Stötzner
Vorsitzender des Paulinervereins
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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 23. September 2009
© Leipziger Volkszeitung - Seite 18
Leipziger wären gerne dabei gewesen
Zum Beitrag „Krach um die Glocke von St. Pauli“ vom 18. September:
Die Glocke der Universitätskirche ist wieder da. Darüber sind wir froh und dankbar. Sie ist das erste gerettete originale Ausstattungsstück, das zurückkehrt. Altar, Kanzel und Epitaphien werden folgen. Normalerweise ist so etwas ein Fest. Die wiederkehrenden Glocken werden mit Blumen umkränzt. In Dresden standen Hunderttausende auf dem Neumarkt, als die Glocken der Frauenkirche kamen.
Leipzig ist nicht Dresden. Hier ist die Glocke mit schwarzer Folie umhüllt und wird ohne öffentliche Vorankündigung hochgezogen. Tausende Leipziger und auch die Gäste der Stadt interessieren und engagieren sich seit Jahren für den Wiederaufbau unserer Universitätskirche. Sie hätten gerne zugesehen, wenn die Glocke auf den Turm schwebt.
Ulrich Stötzner, Paulinerverein Leipzig
Wieso braucht die „Karl-Marx-Aula“ der Karl-Marx-Universität Leipzig (korrekte Uni-Bezeichnung) eine Glocke?
Gerd Konrad, 04107 Leipzig
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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 18. September 2009
© Leipziger Volkszeitung
Glocke der gesprengten Unikirche kehrt an ihren Platz zurück
Die 350 Jahre alte Universitätsglocke wurde gestern von Bauleiterin Georgia Prätorius an ihren alten Platz dirigiert. Nach der Restaurierung in der Kustodie hievte ein Kran die Glocke zu ihrem künftigen Einsatzort im Turm des neuen Paulinums. Die 1968 vor der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli gerettete Glocke wird künftig zu hohen akademischen Feierlichkeiten und bei Universitätsgottesdiensten läuten. Mit ihrem klaren, durchdringenden Ton soll sie auf dem Augustusplatz und im Innenhof des Neubaus zu hören sein.
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Quelle: http://www.leipzig-fernsehen.de/
© LeipzigFernsehen - Donnerstag, 17. September 2009 16:59
Paulinerglocke Donnerstag früh "heimlich" ins Paulinum gehoben
Viele werden die Diskussionen um den Neubau der Leipziger Universität schon nicht mehr hören können. Paulinum, Paulinerkirche; Glaswand; Gotteshaus, Aula?
Für die Universitätsleitung ist das wohl jetzt mittlerweile alles zu anstrengend geworden. Höchste Zeit ins Zwielicht abzutauchen.
Heimlich, still und leise schwebt sie ein. Schwarz verpackt und getarnt, die alte Glocke der gesprengten Paulinerkirche. Das sächsische Immobilien- und Baumanagement hatte zum konspirativen Pressetreffen geladen. Nur keinen Altpauliner hochschrecken.
So durfte auch die unverpackte Glocke nur auf Bauzaunhöhe gehievt werden. Schnell ein Foto und der Rektor übersetzt noch fix aus dem Latein.
Interview: Franz Häuser - Rektor Universität Leipzig
Das Ende der Bauarbeiten läutet die Glocke nicht ein. Eigentlich wollte man ja in der niegelnagelneuen Aula Jubiläum feiern. Wann wird denn das Paulinum endlich fertig?
Interview: Franz Häuser - Rektor Universität Leipzig
Ja, die Bauleute sehen dies natürlich viel positiver. In Persona Emmerich Seibel als Bauherr.
Interview: Emmerich Seibel, Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Läuten wollte man die Glocke auch nicht. Viel zu laut! Auch sei kein Klöppel drin. Leider musste dann eben jener welche beim Schauanheben befestigt werden.
Für so viel Geheimniskrämerei wird man schon seine Gründe haben. Lassen wir uns überraschen, wann die Paulinerglocke oder Universitätsglocke oder Studentenbimmel auf dem Augustusplatz zu hören sein wird.
zum Videbeitrag
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"Gestern am Telefon
Lautstarker Ärger über Geheimsache Glocke
Das sei eine Schande, eine Ungeheuerlichkeit, so machten gestern mehrere Leser ihrem Ärger Luft über die „heimliche“ Aktion der Rückkehr der Uni-Kirchen-Glocke. Diese, 1968 vor der Sprengung von St. Pauli gerettet, wurde am Donnerstag in den Turm des neuen Paulinums gebracht. Zuschauer unerwünscht? „Ich bin sehr traurig und empört, dass dieser historische Akt totgeschwiegen wurde“, sagte Margot Richter (69) aus dem Waldstraßenviertel, die die Sprengung der Kirche miterlebt hatte. Ins gleiche Horn stieß Thomas Pohlmann. „Für das Uni-Jubiläum wird so viel Geld ausgegeben, da wäre es doch eine kostenlose Freude und emotional für die Leute gewesen, die Rückkehr der Glocke zu verfolgen. Auch meine Eltern hätten das sehr gern getan.“
[...]
Kerstin Förster"
In: LVZ vom 19./20.09.2009, S. 18
© Leipziger Volkszeitung
Quelle: BILD Leipzig vom 15. September 2009
© BILD Leipzig
Bau-Pfusch am Paulinum
An der neuen Naturstein-Fassade müssen schon jetzt die ersten Platten ausgetauscht werden
15.09.2009 - 00:26 UHR
Von JACKIE RICHARD
Kaum fallen die Gerüste, werden die ersten Mängel sichtbar. Baupfusch an der Paulinerkirche!
An der rückwärtigen Fassade klaffen fünf große Löcher – dort fehlen Natursteinplatten. Geht es denn nicht mal ohne Mängel? Scheinbar nicht.
Finanzministeriums-Sprecher Stephan Gössl (42) erklärt: „An den Stellen müssen wir Material austauschen. Die gelieferten Elemente haben nicht gepasst, jetzt müssen für diese Stellen neue Teile angefertigt werden.“
Die Platten werden dann einzeln mit einem Hubwagen neu montiert. Im allgemeinen Bauverzug fällt das nicht weiter ins Gewicht, denn das Prunkstück wird ohnehin nicht wie geplant zum 600. Uni-Jubiläum am 2. Dezember, sondern erst im November 2010 fertig.
Und Ende September treffen sich Pleite-Architekt Erick van Egeraat (52) und sein Ex-Auftraggeber, das Finanzministerium, wieder vor Gericht. Dann geht der Streit um die künftige Dachgestaltung – mit Naturstein oder günstigen Alu-Lamellen – in die nächste Runde...
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 11. September 2009
© LVZ-Online
Bauaufsicht scheint es nicht zu geben
Zum Neubau des historischen Café Felsche am Augustusplatz:
Der Kritik von Frau Gutmann und Herrn Kramer am Neubau des „künftigen Café Felsche“ in der LVZ schließe ich mich an. Die Fassade des Gebäudes im Stile eines Parkhauses hat nicht den geringsten Bezug zum historischen Vorbild, das ich noch aus eigener Anschauung kenne. Es ist nicht einmal korrekt in der Bauflucht der Grimmaischen Straße errichtet und mindestens zwei Stockwerke zu hoch, so dass es schon mit dem „Paulinum“ konkurriert. Ein Rückbau um mindestens ein Stockwerk wäre zu fordern.
Während die Denkmalschützer der Stadt sich in der Vergangenheit oft durch unsinnige Forderungen auszeichneten, haben sie die Neugestaltung des Augustusplatzes nach der Wende komplett verschlafen. Eine Bauaufsicht scheint es in dieser Stadt nicht zu geben. Jeder kann bauen und investieren wie er will, ohne Rücksicht auf die örtlichen Bedingungen und historischen Begebenheiten.
Von allen Bausünden der Stadt der letzten Jahre erreicht dieser Bau die Grenze des Zumutbaren. Die Einrichtung eines „Café Felsche“ in diesem Bau wäre Blasphemie und zeugt von völligem Desinteresse an der Tradition. Bisher glaubte ich, die Bauverantwortlichen dieser Stadt wegen mangelnder Kompetenz und fehlendem Kunst- und Traditionsverständnis entschuldigen zu müssen. Inzwischen nimmt meine Überzeugung zu, dass die gezielte Verunstaltung des Augustusplatzes, des einst schönsten Platzes Deutschlands, aus böswilligen Motiven geschieht.
Es bleibt mir nur, meinen Wahlzettel gegen die verantwortlichen Politiker der Stadt und ihre Partei einzusetzen.
Lothar Behrends,
04155 Leipzig
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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 16. Oktober 2009
© LVZ-Online
Bausünde an exponierter Stelle
Zum wiedererstandenen „Café Felsche“:
Ehemalige Humboldtschüler des Abiturjahrganges 1943 trafen sich zu ihrem jährlichen Klassentreffen im Balance Hotel „Leipzig Alte Messe“ in Stötteritz. Dort lasen wir in der Leipziger Volkszeitung vom 8. September „Neues Café Felsche fast fertig“. Demzufolge beschlossen wir, gleich am Eröffnungstag im „Neuen Café Felsche“ Kaffee zu trinken.
Wir fanden ein modern eingerichtetes italienisches Restaurant, das aber in keiner Weise an das renommierte Leipziger Café Felsche, wie wir es noch aus der Zeit vor seiner Zerstörung durch den verheerenden Luftangriff der alliierten Bomber am 4. Dezember 1943 her kannten. Jegliche traditionelle Café-Haus-Atmosphäre fehlte. Ein Blick vom ersten Obergeschoss hinaus auf den Augustusplatz war kaum möglich. Schmale hohe Fenster, die eher Schießscharten einer Festung gleichen, haben unkundige Architekten gebaut, die wohl nie früher den Blick von der wunderbaren Terrasse des damaligen Café Felsche auf den weiten Augustusplatz genossen haben. Welche schlimme Bausünde an dieser exponierten Stelle Leipzigs!
Bernhard Kirchhof, 70839 Gerlingen
Lesen sie das offizielle Exposee
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Und hier die Meinung der Stadt Leipzig zu einer diesbezüglichen Anfrage:
Sehr geehrte Frau Wischer,
in Ihrer E-Mail vom 16. Oktober schildern Sie dem Oberbürgermeister Ihre
Kritik an der Nutzung des Objektes "Café Felsche". Sie sehen in der neuen
gastronomischen Nutzung bzw. in der Namensnennung keine angemessene
Fortsetzung der gastronomischen Tradition des Hauses.
Die Stadt Leipzig ist nicht Vermieterin des Objektes und somit auch nicht
Adressatin Ihrer Kritik. Allerdings habe ich zumindest Ihr Unverständnis
hinsichtlich der Namensbenennung nicht auf Anhieb nachvollziehen können.
Der Name Vapiano leitet sich aus dem italienischen Sprichwort: »Chi va
piano va sano e va lontano« ab. Das heißt auf Deutsch: Wer alles im Leben
locker und gelassen angeht, lebt gesünder und länger. Ich vermag daran
nichts Anstößiges zu erkennen.
Freundliche Grüße und ein erholsames Wochenende
Bert Leube
Leiter des Büros
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Stadt Leipzig
Büro des Oberbürgermeisters
Postanschrift: 04092 Leipzig
Tel.: 0341/123-2008
Fax: 0341 123-2005
E-Mail: bert.leube@leipzig.de
Internet: http://www.leipzig.de
An: Bert Leube
Betreff: Re: Café Felsche in Leipzig
Datum: Sun, 1 Nov 2009 09:32:43 +0100
Werter Herr Leube,
vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Kritik zur artfremden
Nutzung des Traditionsnamens "Café Felsche" .
In der Tat hat die MIB-AG, die nach wie vor den Neubau mit der
Nennung "Café Felsche" weiterführt, bislang noch nicht auf meine
Kritik geantwortet.
Das von Ihnen zitierte italienische Sprichwort, von welchem Sie den
Namen des jetzigen Pizza-Restaurantes "Vapiano" ableiten, ist ein
sehr schönes Zitat.
Allein Lockerheit und Gelassenheit sind nicht in jedem Falle
ausreichend. Auch dann am allerwenigsten, wenn es um die
Bewahrung alter Leipziger Tradition geht.
Dafür sind auch die Verantwortlichen der Stadt nicht aus der Pflicht
zu nehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Maria Wischer
LVZ-Diskussionsforum - 02.11.2009, 16:49
Sehr schön, was habe ich gelacht!
Den selben Spruch hätte man sich vor 200 Jahren an gleicher Stelle gewünscht, als dort noch der Schuld- und Hungerturm der Stadt stand. Vielleicht sollte man den Betreiber auch einfach mal fragen, ob er sein Etablissement nicht umbenennen möchte. Ich wette "Hungerturm" klingt auf italienisch sogar richtig toll.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 11. September 2009
© LVZ-Online
Universität
Spenden für Epitaphien
Für die Restaurierung ihres bedeutenden historischen Kunstbesitzes ist die Universität Leipzig in hohem Maße auf Zuschüsse und Spenden angewiesen: Die oftmals monumentalen Kunstwerke, die künftig auf dem neuen Campus am Augustusplatz gezeigt werden, erfordern sechsstellige Summen. Um so erfreulicher ist die Nachricht, dass die Gesamtsumme des Spendenaufkommens dieser Tage die 500 000 Euro-Marke überschritten hat.
Zu den Großförderern zählen das Sächsische Wissenschaftsministerium, die Denkmalpflege des Freistaates Sachsen, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, die Rudolf-August Oetker Stiftung, die Firma Georg Fischer Automotive in Leipzig sowie Christian Olearius und die Warburg-Melchior-Olearius Stiftung. Durch das Engagement der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnten weitere Sponsoren und Spender gewonnen werden, darunter Firmen, Unternehmer, Vereine, Serviceclubs und Privatpersonen. So hat auch die Generalbundesanwältin Monika Harms zusammen mit ihrem Mann die Restaurierungeines Epitaphs übernommen.
Aufgrund der Unterstützung schreitet die Realisierung des Kunstkonzepts für den Universitätscampus am Augustusplatz zügig voran. Etwa 100 Werke aus der Zeit zwischen 1500 und 1975 werden dort künftig zu sehen sein. Besonders arbeitsaufwändig sind die mittelalterlichen Dominikanerfresken aus dem Paulinerkloster und die wertvollen Gedächtnismale des 16. bis 18. Jahrhunderts aus der Universitätskirche St. Pauli, die derzeit für ihre Wiederaufstellung vorbereitet werden. Die Epitaphien erinnern an bedeutende Professoren und Rektoren, aber auch an ehemalige Studenten und deren Angehörige.
Augenblicklich werden drei Werke restauriert: das Metallepitaph für den Juristen Christoph Zobel (1499–1560) sowie die Holzmonumente für den Theologen Johannes Olearius (1639–1713) und dessen Frau Anna Elisabeth (1649–1719) und jenes für den Mediziner Christian Lange (1619–1662). r.
Junge Freiheit, Nr. 29/09 v. 10. Juli 2009, S. 2
© Junge Freiheit
"Kolumne
Leipziger Impressionen
Herbert Ammon
Wer über Delitzsch die Stadt ansteuert, freut sich übers neue Messegelände. Das BMW-Terrain nährt Aussicht auf „mittelfristig über 5.000 Arbeitsplätze“. Weiter führt die Straße kilometerlang durch den von vietnamesischen Reklameschildern aufgehellten „rust belt“ (Rostgürtel) der Stadt. Dann sind wir am Ring.
Leipzig präsentiert sich als stattliche Stadt. Die Innenstadt ist, nicht zuletzt dank dem Pleitier Schneider, in gediegenen Formen wiedererstanden. Das Kaufhaus Bräuniger ist zu wuchtig geraten, doch der Marktplatz mit dem Alten Rathaus gefällt als einer der schönen Plätze in deutschen Städten. Über architektonische Langeweile ist leicht hinwegzusehen. Anders als Fußgängerzonen westdeutscher Großstädte sind die Straßen zwischen Augustusplatz und Ring sauber, belebt von freundlichem Menschengewimmel. Goethe blickt zufrieden vom Standbild vor der Börse: „Mein Leipzig lob’ ich mir.“ Warum also empört sich Erich Loest („Völkerschlachtdenkmal“) über Genossenwirtschaft, will gar von Leipzig nach Halle emigrieren?
In der Thomaskirche dirigiert ein Stadtführer eine Gruppe zu Ernst Rietschels Tumba für den Markgrafen Dietrich III. von Wettin († 1307). Die Grabplatte gehört zu den aus der Paulinerkirche geborgenen Kunstschätzen. Der Führer irritiert die rüstigen Rentner aus Potsdam: Die Sprengung 1968 „war eine der übelsten Kulturbarbareien der Kommunisten“.
Dann verweist er auf den spätgotischen Paulus-Altar: Hier, an fremdem Ort, solle er bleiben zur Mahnung an Akte fortgesetzter Barbarei. Als es darum ging, den Wiederaufbau der Paulinerkirche zu verhindern, wirkten Universitäts-Spitzen, alte Genossen, westliche Spät-68er sowie Vertreter der Evangelischen Kirche zusammen. Die hätten anfangs selbst den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche abgelehnt. Wenn der lizenzierte Stadtführer weiter so gegen die geschichtspolitische Ästhetik der derzeit Mächtigen loslegt, könnte er Ärger kriegen. Das Betongerippe, die von einer wellig fließenden Betonfassade eingerahmte Simulation der Paulinerkirche neben dem sozialistischen Klotz, macht klar: Was Ulbricht begann, vollenden die Wessis in demokratischer Arroganz, in Beton und Glas.
Im Aufzug des Völkerschlachtdenkmals ist eine junge Afrikanerin ratlos: „Ich verstehe nicht.“ In der „Ruhmeshalle“, wo der Besucher EU-gerecht über das Momument aufgeklärt wird, stehen Erklärungen auf Deutsch, Englisch, Französisch. Russisch fehlt. Wie war das doch 1813, wie 1989 in Leipzig?
(Herbert Ammon lebt als Historiker und Publizist in Berlin.)"
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 7. Juli 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
Das komplizierte Kunstwerk Paulinum
Der Bau geht voran, doch manch ein Problem ist nicht gelöst
Sichtbar nimmt das Paulinum auch in seinem nicht fertigen Zustand für sich ein. Wie geht es mit diesem für Leipzig so besonderen Bau voran? „Wir sind wieder in der Spur“, verkünden Volker Kylau, Sonderbauleiter des Staatlichen Immobilien- und Baumanagements (SIB), und Architekt Torsten Fischer. Ein mit dem in Insolvenz gegangenen Architekten Erick van Egeraat geführtes Gespräch verdeutlicht hingegen auch nicht ausgeräumte Differenzen.
Kylau weiter zum aktuellen Stand: „Die mit dem Bau beauftragten Architekten Fischer und Werner haben seit 15. Mai die volle Hoheit, sie haben sich in das sehr schwierige Projekt eingearbeitet, womit wir auch einen kompletten Zeichnungssatz zur Verfügung haben, so dass die Ausschreibungen erfolgen können. Anfang Herbst wird die Glaswand eingebaut. Für diese unikate Aufgabe ist die Hallenser Spezialfirma Biacryl zuständig.“
Was auch aktuell ist: Das neu entstehende Paulinum ist beim Landgericht Leipzig anhängig, da Erick van Egeraat – wir berichteten – gegen eine Verfälschung seines Baues geklagt hatte. Konkreter Anlass war die seitens des SIB vorgesehene Veränderung der Dachkonstruktion, statt wie geplant Naturstein soll Aluminium verwandt werden. Am 22. Mai entschied das Landgericht, dass so wie von van Egeraat entworfen gebaut werden muss. Kylau: „Wir sind in Berufung gegangen. Unabhängig davon ist die Dachunterkonstruktion so ausgeführt, dass sowohl mit Stein als auch mit Aluminium gebaut werden kann.“
Anders als Kylau beurteilt der holländische Architekt, der den Bau entworfen hatte, durch die Insolvenz seines Unternehmens aber nicht mehr mit der Ausführung beauftragt ist, den Stand der Dinge. Weiteren gerichtlichen Auseinandersetzungen sieht er gelassen entgegen: „Das Landgericht war, wie ich erwartet habe, sehr bestimmt und eindeutig in seinem Urteil. Man kann Änderungen in einem Entwurf nicht durchführen, ohne dass der Entwurfsverfasser eingebunden ist, wenn es gerade um die Wahl von Materialien und Details geht. Bei diesem wichtigen Gebäude liegt der eigentliche Wert in der Ausgestaltung von Details und in der Materialisierung. Das SIB, also der Freistaat Sachsen, scheint dies noch immer nicht zu realisieren.“
In der Tat ist der Streit um die Dachmaterialien als ein Beleg dafür zu werten, dass der Bauherr einen viel zu teuer gewordenen Bau verbilligen muss. Allein die Dachausführung mit Aluminium statt im Entwurf vorgegebenen Naturstein würde eine Einsparung von 300 000 Euro bringen. Van Egeraat: „Dieses Gebäude ist ein Gesamtkunstwerk, das man baut oder eben nicht. Will man diesen Entwurf anpassen oder sogar verändern, und das auch im kleinsten Detail, muss ich gefragt werden. Ich bin dazu bereit, aber unter redlichen Bedingungen.“
Schon seit Monaten soll zwischen dem SIB und van Egeraat ein Vertrag über die künstlerische Baubegleitung abgeschlossen werden. Laut Kylau scheitert der allein an den übertriebenen Honorarforderungen des Holländers. Kylau: „Es ist nicht die erste derartige Vereinbarung, die wir abschließen. Die Höhe unseres Angebots ist fürstlich.“ Ganz anders sieht das van Egeraat: „Es besteht in Deutschland eine gängige Regelung, die ‚Künstlerische Bauüberwachung‘ heißt. Bis heute habe ich vom SIB noch keinen Vertragsangebot bekommen, der meine bestehenden Rechte nicht einschränken würde.“ Auch van Egeraat ist in Berufung gegangen. Er will eine genauere Definition des Urheberrechts erwirken. Kylau: „Wir stellen das Urheberrecht Herrn van Egeraats nicht in Frage.“
„Was wir fertig bauen, wird der Entwurf von Erick van Egeraat sein“, sagt Torsten Fischer vom Architekturbüro Fischer und Werner, das seitens des Freistaates mit der Fertigstellung des Paulinums beauftragt wurde. „Wir haben Respekt vor diesem einzigartigen Entwurf, wir wissen aber auch, dass dessen Realisierung sehr komplex und technisch hoch kompliziert ist“, so Fischer.
Fischer und Partner müssen sich um den Bau kümmern – und der geht ihrer Aussage nach voran. Innen zurzeit mit dem Trockenbau und den Estricharbeiten, außen mit der Fassadenverkleidung und dem Einbau der so genannten Kirchenfenster. Die jetzt verantwortlichen Architekten, die als „Feuerwehrleute“ Erfahrung haben – so retteten sie auch schon den nicht minder spektakulären Bau des von Nicholas Grimshaw erdachten Ludwig-Ehrhard-Hauses in Berlin – kennen natürlich den Termin der Fertigstellung Ende 2010: „Noch ist uns ganz wohl bei dieser Vorgabe.“ – Erick van Egeraat: „Ich hoffe sehr, dass der Paulinum-Bau mit Qualität fertig gestellt wird. Es gibt leider viele Vorbilder von großartigen Entwürfen, die durch eine schlechte Ausführung entstellt wurden. Die Leipziger haben ein Recht auf exakt das Projekt, das ich ihnen versprochen habe.“ Thomas Mayer
Quelle: http://www.spiegel.de/
© SPIEGEL - 05.07.2009
GLANZ UND ELEND DER UNI-ARCHITEKTUR
So schön kann Studieren sein
Von Susanne Beyer
Blätternder Putz, Schimmel an den Wänden, hässliche Zweckbauten - Deutschlands Hochschulen waren jahrzehntelang eine unästhetische Zumutung. Bis jetzt: Plötzlich entsteht ambitionierte Architektur, durchgestylt bis zur letzten Lampe. SPIEGEL ONLINE zeigt die Höhepunkte.
Glanz verlangt ja keiner mehr bei Universitätsgebäuden. Studierende und Lehrende sind heute schon froh, wenn sie unversehrt an Leib und Leben aus Mensa, Bibliothek oder Vorlesungssaal herauskommen.
Der Zustand der meisten Hochschulen ist desolat. Da blättert der Putz, da schimmeln die Wände, auf den Fluren flackert Neonlicht - eine passende Szenerie für Horrorfilme.
...
Die Uni Leipzig leistet sich eine Art Wiederaufbau der im Jahr 1968 von durchgedrehten SED-Bonzen gesprengten Universitätskirche St. Pauli in prominenter Lage am Augustplatz, wo auch die Oper und das Gewandhaus liegen. Das neue "Paulinum" (Architekt Erick van Egeraat) soll einen kleinen Andachtsraum beherbergen, aber auch eine große Aula für die wissenschaftlichen Veranstaltungen und in den Dachgeschossen Räume für die Fakultäten Mathematik und Informatik.
Da es eine historische Vorlage gibt, kamen sich Traditionalisten und Modernisten in die Quere, wie immer in solchen Fällen. Gebaut wird zurzeit also ein Mischmasch aus dem historischen Vorbild und modernen Ideen. Schön ist das nicht. Der Innenraum wird, so legen Pläne und Animationen nahe, ein Disneyland-Alptraum, bei dem gotisches Vokabular zitiert wird - Bündelpfeiler, Netzgewölbe -, das aber aus Beton besteht. Einige Säulen sind Attrappen. Damit der Raum besser genutzt werden kann, enden sie fünf Meter über dem Boden. Hilfe!
...
Lesen Sie den vollständigen Artikel.
Quelle: BILD Leipzig vom 8. Juni 2009
© BILD Leipzig
STREIT UM ALTAR DER PAULINER-KIRCHE
Von Jackie Richard
Stellt Bedingungen, bevor er den Altar zurückgibt: Pfarrer Christian Wolff
Uni-Rektor Häuser will den Altar fürs Paulinum haben
Leipzig - Die Pauliner-Kirche ist noch eine Baustelle, da gibt's schon Streit um den Altar. Uni-Rektor Franz Häuser (63) will das gotische Stück aus der 1968 gesprengten Kirche so schnell wie möglich in sein "Paulinum" holen. Der Altar steht zz. als Leihgabe in der Thomaskirche. Und geht es nach Thomaspfarrer Christian Wolff (59), soll das auch erst mal so bleiben.
Klammheimlich hatte die Uni für April bereits die Grundsteinlegung des Altars geplant. Das Vorhaben platzte, weil Pauliner-Architekt Erik van Egeraat pleite ging. Doch die plötzlichen Begehrlichkeiten der Uni überraschten Pfarrer Wolff. Erst vergangenen Sommer wurde der Leihvertrag für den Altar zwischen Uni und Thomaskirche verlängert.
Dass Häuser den Altar plötzlich eher zurück will, klingt nun wie ein Racheakt. Wolff hatte sich immer wieder gegen die geplante Glaswand in der Kirche ausgesprochen, die den Altarraum von der Aula trennen soll. Uni-Lehrkräfte beschimpften ihn sogar schon als "Klerikal-Faschist" (BILD berichtete).
Trotzdem ist der Pfarrer bereit, den Altar eher herzugeben. Seine Bedingungen: "Verzicht auf die Glaswand, ein klares Bekenntnis der Uni zu ihrer Vergangenheit - und dass der Neubau offiziell Paulinerkirche und nicht Paulinum heißt.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 23./24. Mai 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
Landgericht
Van Egeraat siegt gegen Freistaat
Der niederländische Architekt Erick van Egeraat hat gestern vor dem Landgericht Leipzig gegen den Freistaat Sachsen als Bauherrn des neuen Leipziger Universitätscampus einen Sieg errungen. Van Egeraat war mit dem Zweck des Erlasses einer einstweiligen Verfügung vor Gericht gezogen, weil er sich bei der Fertigstellung des vom ihm entworfenen Aula-Kirche-Baues, auch Paulinum genannt, in seinen Urheberrechten verletzt fühlt.
Konkreter Anlass der juristischen Auseinandersetzung war der Fakt, dass die von van Egeraat entworfenen Dachlamellen aus Naturstein nach neuesten Plänen seitens des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) aus Aluminium gestaltet werden sollten. Das Gericht untersagt das und folgt dem Entwurf Erick van Egeraats. Auch empfahl man beiden Parteien, sich auf eine weitere Zusammenarbeit zu einigen. Bislang war es nach van Egeraats Insolvenz nicht zum Abschluss eines Vertrages über dessen den Bau begleitende Beratung gekommen.
tom
Quelle: BILD Leipzig vom 20. Mai 2009, S. 5:
© BILD Leipzig
Paulinerkirche: Zoff um Bau-Pläne
Gefeuerter Star-Architekt will sie nicht rausrücken
Von JACKIE RICHARD
Leipzig - Der Zeichenschrank von Star-Architekt Erick van Egeraat (52) ist fürs Finanzministerium so eine Art Schatztruhe. Was da drin liegt, hätte man selbst gern: die detaillierten Baupläne für die Paulinerkirche. Doch die rückt der Ex-Projektverantwortliche nicht raus!
Seit der international agierende Holländer im Januar pleite ging, zoffen sich van Egeraat und seine Bauherren aus Dresden ums Geld. Denn der geschasste Architekt verlangt für seine angebotene Beratungstätigkeit mehr, als seine Auftraggeber zahlen wollen.
Ministeriums-Sprecher Stephan Gössl (42): "Wir bieten ihm die üblichen Konditionen - doch er will mehr."
Van Egeraats Druckmittel: Nur er als geistiger Vater des Campus-Renommierobjektes hat alle vollständigen Konstruktionszeichnungen. Gerade deshalb muss man sich schnell einig werden, sonst wissen die Arbeiter auf der Baustelle wohl bald nicht so richtig, was sie eigentlich tun sollen.
Gössl: "Herr van Egeraat hat schon einige Möglichkeiten, Dinge zurückzuhalten. Vor allem, wenn es darum geht, wie der konkrete Innenausbau aussehen soll. Für den Notfall gibt es noch ein paar juristische Möglichkeiten."
Wird der Streit nicht schnell beigelegt, kann es passieren, dass die Paulinerkirche innen anders aussehen wird, als ursprünglich gedacht. Vor allem weniger schön. Egeraats enger Mitarbeiter Ekkehard Krainer (49): "Im Moment ist nicht erkennbar, dass der Original-Entwurf auch so umgesetzt wird. Alles wirkt vereinfacht, weniger ambitioniert."
Bitter für die Universität, die den neuen Campus ursprünglich zum 600. Gründungsjubiläum einweihen wollte. Ein Insider zum geplanten Festakt am 2. Dezember: "Das wird maximal eine Baustellenbegehung..."
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 15. Mai 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
Paulinum vor Gericht
Architekt Erick van Egeraat beantragt Erlass einer einstweiligen Verfügung / Freistaat reagiert gelassen
Gestern tagte die Campus-Baukommission. Zur Sprache kam dabei auch der offene Brief ehemaliger Architekten des Büros Erick van Egeraat. Sie erhoben darin (die LVZ berichtete) massiv Kritik an der Weiterführung der Baumaßnahmen am Paulinum.
Erick van Egeraat, dem der spektakuläre Entwurf dieses Baues zu danken ist, stellte beim Landgericht Leipzig einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung, dem aber vom Gericht nicht gefolgt wurde. Als Grund für sein juristisches Vorgehen führt der holländische Architekt die Verletzung von Urheberrechten an. Er bezieht sich wohl vor allem auf eine nicht seinem Entwurf entsprechende Dachgestaltung, bei der als Material statt Naturstein Aluminium-Imitat verwendet wird.
Laut Volker Kylau, Sonderbauleiter des Freistaates für das Leipziger Campus-Projekt, wird es innerhalb der nächsten zehn Tage zu einer gerichtlichen Anhörung kommen. Mehr könne er zurzeit dazu nicht sagen.
Zum Baurapport war auch der für den Leipziger Universitätsneubau zuständige sächsische Finanzstaatssekretär Wolfgang Voß gekommen. Er könne nicht sagen, dass ihn die aktuellen Querelen um Erick van Egeraat nicht tangieren, er wolle aber doch lieber nach vorn schauen – und da stehe der Campusbau eben viel besser da, als er manchmal in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Am 4. Juni wird mit der Übergabe der Bauabschnitte eins und zwei – der Mensa und des Hörsaalgebäudes – ein weiterer wichtiger Schritt hin zur Gesamtfertigstellung des mittlerweile rund 200 Millionen teuren Bauwerks getan. Auf der Baukommissionssitzung stand die Vorstellung der Architekten Fischer und Werner im Mittelpunkt. Das nach der Insolvenz neu mit dem Weiterbau des Paulinums beauftragte Büro legte eigene Vorstellungen zum Fortgang der Arbeiten vor. „Wir haben einen guten Eindruck gewonnen und sind froh, dass der Bau nach einigen Turbulenzen wieder in geordneten Bahnen vonstatten geht“, so Voß.
Er wie Bauleiter Kylau bedauern den aktuellen Streit mit Erick van Egeraat. Voß: „Es gibt unsere ausgestreckte Hand, ich gehe noch immer davon aus, dass sich die Probleme einvernehmlich klären lassen.“ Noch immer ist zwischen Freistaat und van Egeraat kein Vertrag über die weitere, übrigens von beiden Seiten gewünschte Bauberatung unterzeichnet. Kylau: „Es wird mit Sicherheit nicht so sein, dass Herr van Egeraat bestimmen kann, wie es mit dem Bau weiter geht. Dieses Recht hat er mit seiner Insolvenz, für die er den Freistaat nicht verantwortlich machen kann, verwirkt. Jetzt haben die neu ins Boot geholten Architekten das Sagen. Wir bieten aber Herrn van Egeraat eine künstlerische Beratung – und die zu den auf dem Markt üblichen Preisen – an.“
Franz Häuser, Rektor der Universität, zum Baugeschehen: „Die Referenzen der sich vorstellenden Architekten überzeugen, auch, dass sie schon oft Feuerwehr waren.“
Thomas Mayer
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 14. Mai 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
Tickende Zeitbomben
Massive Kritik der Egeraat-Architekten zum Stand der Bauarbeiten am Paulinum
Heute tagt die Campus-Baukommission. Themen sollten eigentlich die am 4. Juni stattfindende Übergabe der Bauabschnitte eins und zwei, also der Mensa und des Hörsaalgebäudes, und die Vorstellung des neu in das Paulinum eingestiegenen Architekturbüros Fischer und Werner samt deren Kosten- und Terminplanung sein.
Aktuell muss sich das Gremium aber auch mit einem offenen Brief des so genannten Arge-Projektteams Universität Leipzig befassen. Dahinter verbergen sich elf Architekten aus Deutschland, Österreich und Tschechien, die bis zu seiner Insolvenz für das Architekturbüro Erick van Egeraats tätig waren und danach bis zum morgigen Freitag einen befristeten Vertrag mit dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) hatten. Dieser Vertrag läuft aus, da für das Paulinum das Büro Fischer und Werner zuständig ist. Der eine oder andere Architekt des Van-Egeraat-Teams wird wahrscheinlich übernommen.
Egeraats Architekten, die vor gut einem Jahr aus dem Prager Büro des niederländischen Baumeisters nach Leipzig kamen, um hier den hoch komplizierten Bau zu betreuen, erheben in ihrem Schreiben massive Vorwürfe über den Fortgang der Arbeiten am Paulinum.
Es sei kein Konzept zu erkennen, wie die Ergebnisse von fünf Jahren intensiver Projektarbeit in Zukunft eingebracht werden können. „Die Annahme, dass ein neues, nicht eingearbeitetes Team die Arbeit an diesem Projekt bruchlos fortsetzen könnte, erscheint uns angesichts der Kompliziertheit des Entwurfs als schiere Illusion ... Wir hatten die Hoffnung, mit einer sehr engagierten Arbeit beitragen zu können, dass Leipzig den wohl interessantesten Universitätsneubau der Bundesrepublik bekommen würde.“
Der österreichische und bis zur Insolvenz in Diensten van Egeraats stehende Architekt Ekkehard Krainer räumt im Gespräch mit der LVZ „eigene Fehler“ ein, man sei zu langsam gewesen, was aber auch darin begründet liege, dass bei diesem Bau nichts Standard sei. Nun werde aber seitens des SIB versucht, den Bau des Paulinums wie jede andere Baustelle durchzuziehen. Der hohe künstlerisch-architektonische Anspruch müsse dabei verloren gehen. Auch würden „urheberrechtliche Zeitbomben“ ticken.
Volker Kylau, Sonderbauleiter des SIB, zu den auch seine Person betreffenden Vorwürfen: „Der Brief wurde uns übergeben. Wir werden uns heute auch damit befassen. Zunächst dazu nur so viel: Dass der Freistaat den Entwurf von Erick van Egeraat nicht bauen will, weise ich entschieden zurück.“
Der Frust der genannten Architekten sitze wohl auch persönlich sehr tief. Sie haben vom SIB die letzte ihnen zustehende Abschlagszahlung nicht bekommen, was Bauleiter Kylau damit begründet, dass die Bauunterlagen nicht so wie besprochen übergeben worden sind.
Thomas Mayer
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 4. Mai 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
Van Egeraat contra Freistaat
Der holländische Architekt fordert mehr Mitsprache beim Paulinum ein
Trotz mancher Querelen gehen die Arbeiten am Paulinum, dem zentralen Bau des neuen Leipziger Universitäts-Campus am Augustusplatz, doch irgendwie voran. Hinter den Bauzäunen gehen aber auch die Auseinandersetzungen zwischen dem insolvent gegangenen holländischen Architekten Erick van Egeraat und dem Freistaat Sachsen in immer neue Runden. Ein Situationsbericht.
Der Chef des Campus-Neubaues heißt Volker Kylau. Er trägt seitens des Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) die Verantwortung für die vielfältigen Abläufe. „Schauen Sie in den Innenhof, dort werden die Steinplatten an der Fassade montiert“, sagt Kylau. Der Fortschritt freut ihn. In Krisen bewährt von manch anderer Großbaustelle sieht Kylau den Paulinum-Bau nach dem Van-Egeraat-Crash wieder „on time“. Das mit der Bauausführung betraute Architekturbüro Fischer und Werner arbeite „wie verrückt“, um noch im Mai die fehlenden Ausschreibungen für den Ausbau der Aula-Kirche-Architektur auf dem Markt zu bekommen. Kylau: „Im Dezember kann der Festakt im neuen, aber noch nicht fertigen Paulinum gefeiert werden. Das Haus wird zu und beheizt sein, keiner muss in Gummistiefeln auflaufen.“
Vor allem, lässt der Freistaatsbeauftragte auch verlauten, werde so gebaut, wie es Herr van Egeraat entworfen hat. Der in Rotterdam beheimatete und nach der Insolvenz schon wieder in der weiten Welt präsente Architekt werde seitens des SIB „regelmäßig informiert“. Es sei nun mal so, dass ein pleite gegangener Baumeister nicht mehr die generelle Bauaufsicht haben könne. „Dafür ist das neue Büro zuständig. Und das macht seine Arbeit sehr professionell“, sagt Kylau.
Erick van Egeraat bezeichnet hingegen das, was ihm nach der Insolvenz in Leipzig ereilt, als „Rausschmiss“. Zwischen Bauleiter und van Egeraat stimmt die Chemie nicht. Kylau kann dem holländischen Bau-Künstler diverse Versäumnisse in Bauplanung und Organisation nachweisen. Van Egeraat hält Kylau für einen „Technokraten“ und einen „kleinen Diktator“, der einem so künstlerisch beeinflussten Bau nicht gewachsen sei. Kylau nimmt diese Anwürfe mit stoischer Gelassenheit und erklärt, den Kontakt zu van Egeraat, so wie er sein muss, zu pflegen: „Ich verstehe sein Schimpfen nicht. Auch sind ja nicht wir verantwortlich für van Egeraats Insolvenz.“
Der SIB-Oberbauleiter hat auf die Wirtschaftlichkeit zu achten und muss vor allem die stark gestiegenen Kosten – man spricht von mindestens 200 Millionen Euro für den gesamten Campus – unter Kontrolle halten. Auch bereitet ihm manch Detail Sorgen: „Wir stehen vor der Aufgabe, das Haus leichter machen zu müssen. Naturstein auf dem Dach könnte von Aluminiumblech, das fotorealistisch bedruckt ist, ersetzt werden. Optisch würde das keinen Unterschied bedeuten.“
Um das liebe Geld geht es auch bei einem noch immer nicht zwischen dem Freistaat und van Egeraat abgeschlossenen Vertrag über die künstlerische Bauberatung. Der Holländer möchte darüber sehr viel mehr Einfluss nehmen können, als ihm der Freistaat zugestehen kann. Dazu Wolfgang Voß, Staatssekretär im Finanzministerium: „Wir bieten Herrn van Egeraat einen gut dotierten Vertrag, können und wollen aber damit nicht dessen finanzielle Engpässe ausgleichen.“ Wie zu hören, will der Architekt dreimal so viel gezahlt bekommen, als der Freistaat bereit ist, in die Tasche zu greifen.
Während van Egeraat immer mal wieder, auch weil er meint, es werde gegen sein Urheberrecht verstoßen, mit juristischen Auseinandersetzung droht – Worten wie „Wir werden alles tun, um den Bau zu stoppen“ folgte vergangene Woche doch wieder sein Rückzieher –, sieht man in Dresden solchen Ereignissen gelassen entgegen. Voß kennt so ein Prozedere und blickt lieber in die Zukunft: „Wenn das Haus fix und fertig ist, wird bei der Übergabe auch van Egeraat in der ersten Reihe sitzen. Da bin ich mir ziemlich sicher.“ – Im November 2010 soll das Paulinum in vollem Glanz erstrahlen. Auch das ist mit den neuen Architekten vertraglich festgeschrieben.
Thomas Mayer
© Standpunkt
von Thomas Mayer
Freistaat als Krisenmanager
Kein zweiter Bau der jüngeren Geschichte sorgt in Leipzig für so viel Gesprächs- und damit auch für Schreibstoff wie das neue Paulinum. Wurde zunächst jahrelang leidenschaftlich über die Erinnerung an die 1968 gesprengte Universitätskirche gestritten, so sorgte jüngst die überraschende Insolvenz des in aller Welt tätigen Architekten Erick van Egeraat für nachhaltige Aufregung.
Der Freistaat als Bauherr ist um dieses Vorzeigegebäude – seinem zweitwichtigsten nach dem Dresdner Schloss – wahrlich nicht zu beneiden. Er hat es aber in all den Jahren trotz vieler zu berücksichtigender Interessen beachtlich gut verstanden, ein ideell stark belastetes Projekt voranzubringen.
Mit Krisen umgehen zu können, das stählt und macht stark denn schwach. Wer einen komplizierten architektonischen Wettbewerb, die mehr oder weniger heftigen Einlassungen der Universität, der streitbaren Bürgerinitiative Paulinerverein und weiterer Wortführer für dieses Bauwerk bündeln konnte, sollte auch die letzte Phase dieses Baues mit Souveränität meistern. Leipzig wird dankbar dafür sein.
email: th.mayer@lvz.de
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 7. April 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
Architekt van Egeraat fordert Beteiligung bei Paulinum-Bau
Holländer fürchtet bei Uni-Fertigstellung um seine Ideen
Leipzig (tom). Architekt Erick van Egeraat hat an Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) und an das sächsische Finanzministerium geschrieben. Er befürchtet, dass der von ihm bis zu seiner Insolvenz geplante und betreute Bau des Paulinums künftig ohne seine Mitarbeit vollendet wird.
Stephan Gößl, Sprecher des Finanzministeriums, bestätigt gestern zumindest das an sein Ressort gesandte Schreiben: „Es werden Gespräche geführt, und das auch in dieser Woche. Auch wir wollen die Zusammenarbeit mit Erick van Egeraat als künstlerischen Begleiter.“ Zu einem Vertragsabschluss zwischen dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) und Erick van Egeraat ist es bislang nicht gekommen. Ein solcher scheiterte laut Volker Kylau, Sonderbauleiter des SIB, an „unverhältnismäßigen Honorar-Forderungen“. Was van Egeraat dementiert; das ihm unterbreitete Angebot sei einem viele Millionen kostenden Projekt nicht angemessen, schließlich müsse er Mitarbeiter beschäftigen, die seine Interessen vertreten.
Van Egeraat: „Noch hoffe ich, dass es eine vernünftige Lösung gibt.“ Die Kernfrage lautet dabei, ob die Fertigstellung des Paulinums nur eine technische oder auch eine künstlerische Frage ist. „Wird der Fall nur technisch gesehen, bin ich raus aus dem Geschäft. Sieht man ihn auch architektonisch oder sogar künstlerisch, dann muss ich dabei sein“, so der Architekt gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Ministeriums-Sprecher Gößl: „Es wird keine Abstriche am Entwurf geben. Dass aber in der Bauorganisation etwas anders laufen muss, ist nach der Insolvenz auch klar.“ Bezüglich des Honorars werde man sich „in der Mitte treffen“.
Mit der Weiterführung des Baues wurde die Firma Fischer und Werner beauftragt. Die in Berlin, Leipzig und Dresden ansässigen Architekten werden nicht zum ersten Mal damit konfrontiert, ein in massive Schwierigkeiten gekommenes Bauvorhaben doch noch einigermaßen nach Plan zu Ende zu bringen. Fest steht, dass das Paulinum erst Ende 2010 komplett fertig sein wird. Mit „Besorgnis“ nimmt Universitäts-Rektor Franz Häuser die Konflikte zwischen dem Bauherrn Freistaat Sachsen und Architekt Erick van Egeraat zur Kenntnis: „Es muss alles vermieden werden, dass wir uns Herrn van Egeraat zum Feind machen.“
Quelle: http://www.bild.de/BILD/regional/leipzig/
© BILD Leipzig.de - Donnerstag, 02. April 2009, 14:42 Uhr
Leipziger Paulinum wird erst Ende 2010 fertig
Leipzig (dpa/sn) - Der Nachfolgebau der gesprengten Paulinerkirche in Leipzig, das Paulinum, wird ein Jahr später fertig als bisher geplant. Die Bauarbeiten dauern noch bis Ende kommenden Jahres, sagte Volker Kylau vom Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) am Donnerstag der dpa. «Die geplante 600-Jahr-Feier der Uni ist aber auch im halbfertigen Paulinum möglich», sagte Kylau. Zur Zeremonie am 2. Dezember sollte eigentlich alles fertig sein. Der Bau des kirchenähnlichen Gebäudes am Augustusplatz ist unter anderem durch die Insolvenz des Architekten Erick van Egeraat in Verzug geraten. Am Mittwoch hat ein neues Architekturbüro das Projekt übernommen.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 19. März 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
Erfahrene Helfer in der Not
Architektenbüro Fischer + Werner soll das Paulinum fertig bauen
Es gibt wieder mal Neuigkeiten zum Paulinum-Bau. Nach LVZ-Informationen hat der Freistaat Sachsen als Bauherr seine Entscheidung darüber getroffen, welches Architekturbüro den Bau statt des insolventen Büros von Erick van Egeraat zu Ende baut. Es soll das Büro Fischer + Werner, das Niederlassungen in Leipzig, Dresden und Berlin hat, sein.
Das „soll“ ist begründet, denn noch ist der Entscheid eine Absichtserklärung. Noch besteht laut Stephan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, der den Namen der Firma nicht bestätigen wollte beziehungsweise wohl nicht durfte, eine gesetzlich festgeschriebene Einspruchsfrist für jene sieben Büros, die sich an dem Verfahren beteiligt hatten.
Das Prozedere war auf Grund der Insolvenz des bis dato planenden und bauenden Architekten notwendig geworden. Es handelte sich aber nicht um eine neue Ausschreibung, sondern um eine so genannte Einladung. Der Bauherr sprach gezielt acht Büros an, von denen er der Überzeugung ist, dass sie die Aufgabe meistern können. Mit dabei war auch Erick van Egeraat mit seiner neu gegründeten Firma und Partnern, die zuletzt mit dem Bau des architektonisch spektakulären Porsche-Museums in Stuttgart befasst waren. Nach Lage der Dinge bekommt van Egeraat den Zuschlag nicht, was der Architekt auf Nachfrage auch bestätigt. Er bedauere das, respektiere aber die Entscheidung. Gegenwärtig laufen noch Gespräche, Erick van Egeraat als künstlerischen Oberbauleiter weiter in das Projekt einzubinden. Auch das bestätigt der Ministeriumssprecher.
Eine selbst verordnete Schweigepflicht herrscht zum genannten Thema beim Büro Fischer + Werner. Man verweist auf die Absichtserklärung, alles weitere könne erst dann publik werden, wenn der Auftrag erteilt ist. Jetzt müsse man erst einmal „die Füße still halten“. Natürlich sei der Bau des Paulinums eine hoch attraktive, aber auch eine sehr fordernde Aufgabe. Und das sowohl unter terminlichen als auch unter finanziellen Gesichtspunkten.
So viel steht freilich fest: In Fortführung von Bauten, die andere Büros entwarfen beziehungsweise aus unterschiedlichsten Gründen nur zum Teil ausführen konnten, sind Torsten Fischer und Hagen Werner, zwei aus Sachsen stammende Architekten, spezialisiert. Tätig sind sie beispielsweise bei mehreren Projekten in Berlin, so bei der Sanierung des Bundesverkehrsministeriums. Im 1999 fertiggestellten neuen Dienstsitz wurden im Neubau sowie im denkmalgeschützten Altbau schwerwiegende Mängel an Bausubstanz und technischer Gebäudeausrüstung festgestellt. Das Büro Fischer + Werner hat den Auftrag für die Komplettsanierung sowie den zusätzlichen Einbau einer Versammlungsstätte.
Ein weiterer Auftrag: das Ludwig-Erhard-Haus, das neue Domizil der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller und der Berliner Börse. Wie in Leipzig handelte es sich um einen anspruchsvollen, im Volksmund auch „Gürteltier“ genannten Bau an einer städtebaulichen Fehlstelle nahe Bahnhof Zoo. In Leipzig waren die Architekten die „Feuerwehrleute“, als das Belantis-Projekt in terminliche Schieflage geriet. Es ist für sie also gar nichts Neues, die Arbeit von einem vorplanenden Kollegen zu übernehmen.
Am kommenden Dienstag kommt Erick van Egeraat für weitere Gespräche nach Leipzig. Vielleicht ist ja schon danach mehr über die neuen Konstellationen der Verantwortung am Paulinum-Bau zu erfahren. Egeraat geht übrigens nach wie vor davon aus, dass es an seinem Entwurf keine Abstriche geben wird.
Thomas Mayer
STANDPUNKT
Von Thomas Mayer
Bitte nicht Paulinum light
Es geht voran, wenn wohl auch nicht unbedingt so, wie man es vermuten konnte. Eine neue Firma wird ins Boot geholt, um den anspruchsvollen Universitäts-Neubau am Augustusplatz fertig zu stellen.
Schuld am zuletzt doch eher holprigen Bauverlauf ist vor allem der in Insolvenz gegangene Architekt Erick van Egeraat. Wenn also jetzt der Bauherr Freistaat Sachsen nach dieser Enttäuschung auf der sicheren Seite sein will und sich einen Partner auswählt, der auf Grund seiner Erfahrungen die notwendigen Sicherheiten bietet, dass der Prestigebau doch noch zu einem guten Ende kommt, ist das nachzuvollziehen.
Sollte also, wie es sich abzeichnet, van Egeraat nicht als Architekt den Bau weiter begleiten können, so wäre aber seine Tätigkeit als künstlerischer Berater dringend angeraten. Denn nur das würde die Gewähr dafür sein, dass Leipzigs Aufsehen erregendstes und gar nicht billiges Bauvorhaben auch so vollendet wird wie es einmal geplant wurde. Es geht voran. Doch das Paulinum light – das geht nicht.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 11. März 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
Millionensegen für die Wirtschaft
Die wichtigsten Projekte aus dem städtischen Konjunkturprogramm / Auftragsvergabe ab Juni
So schnell hat die Stadt noch kein Mega-Investitionsprogramm auf den Weg gebracht. Die 79,5 Millionen Euro, die Leipzig in diesem und dem nächsten Jahr aus dem Konjunkturpaket II zusätzlich in die städtische Infrastruktur pumpen will, wurden in nicht mal einem Monat auf konkrete Vorhaben verteilt. Dabei geht es um kaum weniger als den kommunalen Bauetat eines ganzen Jahres. Und dessen Planung nimmt in normalen Zeiten ein gutes halbes Jahr in Anspruch.
Von Bund und Land bekommt Leipzig aus dem Konjunkturpaket 62 Millionen Euro. Die Stadt muss 17,5 Millionen Euro noch drauflegen. Ein Millionensegen für die Wirtschaft. Der kommunale Eigenanteil sollte ursprünglich in die Schuldentilgung fließen. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verteidigte gestern jedoch die Umschichtung. "Es geht hier um beschäftigungspolitische Effekte", sagte er, "die Wirtschafts- und Finanzkrise lässt auch in Leipzig befürchten, dass Arbeitsplätze wegbrechen." Und genau diese Entwicklung soll das Konjunkturprogramm aufhalten. Einzige Vorgabe: 65 Prozent des Geldes müssen in die Bildungsinfrastruktur fließen, Straßenausbau und Zooprojekte dürfen nicht finanziert werden. Auf der Liste, die von der Stadtverwaltung gestern vorgelegt wurde, finden sich unter anderem folgende Investitionsprojekte:
- 30 Millionen Euro für Schulsanierung, unter anderem Nachbarschaftsschule, 157. Schule, Diesterweg-Lernförderschule, Leipzig-Kolleg, Mehring-Grundschule
- 3,8 Millionen Euro für die Stadtbibliothek
- 900 000 Euro für das Theatrium
- 1,25 Millionen Euro für das Conne Island
- 1,95 Millionen Euro für das Jugendfreizeitzentrum Anker
- 2,9 Millionen Euro für den offenen Jugendtreff in der Wasserstraße 18
- 10 Millionen Euro für Kindertagesstätten, unter anderem Zingster Straße 2, am Kirschberg 39, Stötteritzer Straße 1, Kurt-Tucholsky-Straße 10-12
- 560 000 Euro für Feuerwehren, unter anderem Erweiterung der Westwache und Feuerwehr Grünau
- 1,5 Millionen Euro für Sanierung des Turmes der Russischen Gedächtniskirche, die der Stadt gehört
- 951 000 Euro für Bau einer Tartanbahn im Stadion des Friedens
- 784 500 Euro für Neubau des Werferhauses auf der Leichtathletikanlage Nord
- 95 000 Euro für die Sporthalle Raschwitzer Straße
- 400 000 Euro für die Umgestaltung der Etzoldschen Sandgrube in einen Gedenkpark. Dort liegen die Trümmer der 1968 gesprengten Universitätskirche.
- 1,4 Millionen Euro für eine Lärmschutzwand entlang der Bundesstraße 2/Mühlholzgasse
- 10 Millionen Euro für den Ausbau der Kongresshalle am Zoo. Jung: "Leipzig wird sehr stark nachgefragt. Wir mussten 2008 eine Vielzahl von Kongressen absagen, weil wir nicht genug Kapazitäten hatten." Die Stadt will die Kongresshalle soweit sanieren, dass die Messegesellschaft sie dann ausbauen kann.
- 3,2 Millionen Euro für den Ausbau des Glasfasernetzes in Leipzig durch die Stadtwerke-Tochter HL-Komm
- 1,74 Millionen Euro für die energetische Sanierung der Fassade des Stadtbades
Wenn der Stadtrat am Mittwoch nächster Woche der Liste zustimmt, geht sie am 23. März zur Prüfung an die Landesdirektion. Die hat dann bis 8. April Zeit, Änderungen vorzunehmen. Die endgültige Liste soll dann am 14. April der sächsischen Aufbaubank zur Bewilligung der Gelder vorliegen. Normalerweise dauert es bis zur Freigabe von Fördermitteln ein halbes Jahr oder länger. Diesmal sollen innerhalb von nur einem Monat die Bewilligungsbescheide vorliegen. Dann könnten im Juni die ersten Aufträge ausgelöst werden - nach einem vereinfachten Vergabeverfahren. Aufträge unter 100 000 Euro müssen nicht ausgeschrieben werden.
Klaus Staeubert
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Quelle: http://www.lvz-online.de/download/content/090408_konjunktur.pdf
© LVZ-Online, 08.04.2009, 22:32 Uhr
Konjunkturpaket: Leipzigs Verwaltung detailliert ihre Pläne
Etzoldsche Sandgrube
Der Park an den Etzoldschen Sandgruben in Leipzig-Probstheida soll zu einem Freizeitpark mit
Gedenkort entwickelt werden. 400 000 Euro sollen bis 2010 unter anderem in die Sanierung und
Ergänzung des Wegenetzes sowie die Umgestaltung des Trümmerhügels zum Gedenkort an die
Sprengung der Paulinerkirche investiert werden. Ein im November 2008 erstellter Masterplan zur
Gesamtgestaltung des Freizeitparks sah einen Bedarf an Investitionen in Höhe von 2,7 Millionen Euro vor, die im Rahmen des Konjunkturpaketes jedoch nur teilweise realisiert werden können.
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Alle geplanten Investitionsmaßnahmen aus dem Konjunkturpaket II im Internet unter
http://www.lvz-online.de/download/content/090311_kpii.pdf
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Informieren Sie sich:
* SPD-Politiker fordern Konzept für Paulinergrab [10. April 2008]
Quelle: http://www.lvz-online.de/aktuell/content/90782.html
© LVZ-Online, 10.03.2009, 22:35 Uhr
Neuer Leipzig-"Tatort" dreht sich um Sprengung der Paulinerkirche
Leipzig. Der neue "Tatort" aus Leipzig wühlt in alten Wunden: Die Protagonisten des Falls um den Brand eines Jugendzentrums, nach dem ein Toter gefunden wird, sollen 1968 in die schicksalhaften Ereignisse rund um die Sprengung der Paulinerkirche verwickelt gewesen sein. Möglicherweise finden die Kommissare Eva Saalfeld und Andreas Keppler (Simone Thomalla und Martin Wuttke) darin den Schlüssel zur Lösung des Falls, teilte der MDR in Leipzig mit. Die Dreharbeiten für den Streifen "Falsches Leben" begannen am Dienstag. Erstmals werde Thekla Carola Wied in einem "Tatort" mitspielen. Der "Tatort" soll Ende 2009 ausgestrahlt werden.
dpa
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 9. März 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
„Plattform zum Polarisieren“
Studentenrat will Uni-Jubiläum kritisch begleiten und feiert selbst 20. Geburtstag
Der Studentenrat (Stura) der Leipziger Universität will auch im Jahr des 600. Geburtstages der Alma mater nicht auf Protestaktionen verzichten und die Feierlichkeiten kritisch begleiten. „Die Uni kann sich nicht nur im Licht der Tradition sonnen, sondern das Jubiläum muss auch eine Plattform zum Polarisieren sein“, sagte Stura-Sprecher Thomas Dudzak. Beispielsweise müsse auf das Manko bei den Wahlbereichsmodulen in den Bachelorstudiengängen und die vielen studentischen Härtefälle aufmerksam gemacht werden.
Insgesamt stehe der Stura dem runden Geburtstag der zweitältesten deutschen Universität „reserviert“ gegenüber. „Studieren auf einer Baustelle ist nun mal nicht erbaulich“, so Dudzak. Damit seien nicht nur die vielen Interimslehrstätten gemeint, sondern auch die akademischen Baustellen, wie die überstürzt angegangene Studienreform oder das Dilemma des Hochschulpaktes, der der Alma mater mehr Immatrikulationen abverlange, als sie verkraften könne.
Allerdings werde der Stura keine Anti-Jubiläumskampagne reiten, sondern studentische Initiativen wie den geplanten Kongress Humboldt-reloaded, bei dem die Situation von Studierenden erörtert werden soll, oder die Internationale studentische Woche unterstützen. Den bisher seitens der Universität geplanten Großveranstaltungen kann der Stura laut Dudzak nur bedingt etwas abgewinnen. „Wir vermissen bei vielen der Veranstaltungen den Nachhaltigkeitsfaktor“.
Besonders der für den 2. Dezember angesetzte Jubiläumsball ist den gewählten Interessenvertretern der Studentenschaft suspekt: „Das Geld, was für die rauschende Ballnacht und andere Promi-Veranstaltungen ausgegeben wird, wäre besser angelegt, wenn es in Lehre und Forschung investiert würde.“ Dudzak sieht die Gefahr, dass „2009 abgefeiert wird und 2010 der Katzenjammer folgt, weil die Uni dann vielleicht mit leeren Taschen dasteht“.
Wie berichtet, sieht das Uni-Jubiläumsprogramm nahezu 300 Veranstaltungen vor. Höhepunkte sind unter anderem das Konzert zur Eröffnung der Feierlichkeiten am 9. Mai, das Campusfest und das Alumni-Treffen sowie der Lauf Prag–Leipzig im Juni, die Jubiläumsausstellung „Erleuchtung der Welt“ ab Juli, die Einrichtung der Hans-Dietrich-Genscher-Professur im Oktober, die Festwoche im Dezember sowie eine Vielzahl über das Jahr verteilter Kongresse und Tagungen.
Im November 2009 jährt sich auch die Wiedergründung eines demokratisch gewählten Uni-Stura zum 20. Mal. Das sei für die Studentenschaft, so Dudzak, „ein wirklich triftiger Grund zum Feiern“. Mario Beck
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 4. März 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
„Werde konstruktiv mitarbeiten“
Erick van Egeraat über sein künftiges Engagement für den Campus-Bau und die Gründe der Insolvenz
„Dass der Bau des neuen Paulinums ohne mich fertig gestellt wird, ist für mich total undenkbar“, sagt Erick van Egeraat. Der holländische Architekt spricht gegenüber dieser Zeitung erstmals über die Insolvenz seines Unternehmens und die trotzdem ziemlich intakten Chancen der Fertigstellung des Universitäts-Campus am Augustusplatz.
„Das Paulinum ist doch mein Baby. Und wie es nun mal so ist, will man sein Kind betreuen, bis es allein dastehen kann“, so Erick van Egeraat. Er geht davon aus, dass sein Leipziger Projekt wie geplant und wie es zum Teil schon ausgeführt ist, zu Ende gebracht werden kann. „Ich bin der Entwerfer, der auch das Copyright darauf hat“, sagt der Architekt bekannt selbstbewusst.
Ideell habe sich also nichts, vertraglich aber auf Grund der Insolvenz schon einiges verändert. Der Freistaat als Bauherr kündigte bekanntlich van Egeraat – was dieser selbst als „korrekten Vorgang“ ansieht – und lud für den noch zu leistenden Innenausbau acht Firmen, darunter auch die Firma „Designed by Erick van Egeraat“, ein.
Die ausgewählten Büros haben ihre Angebote einzureichen. Grundlage ist dabei immer der Entwurf van Egeraats. Es könne demnach nicht sein, dass sich doch noch ein ganz anderes Projekt entwickelt. Van Egeraat wäre es freilich am liebsten, könnte er mit seiner Firma und mit den zuletzt schon am Bau tätigen elf Mitarbeitern den Bau weiter begleiten. Fällt eine Entscheidung für einen anderen Partner, so will der Architekt, vielleicht im Status eines „künstlerischen Bauleiters“, bei der Fertigstellung zur Verfügung stehen. Das würde zwar die Sache nicht einfacher, aber trotzdem realisierbar machen. Der Architekt: „Wie der Bauherr auch entscheidet: Ich werde konstruktiv mitarbeiten.“
Stephan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministeriums, sagt zur aktuellen Vertrags- und Baulage: „Die Pläne von Herrn van Egeraat sollen auch weiterhin die Grundlage für die Fertigstellung des Aula-/ Kirchen-Gebäudes bilden. Wie eine mögliche Zusammenarbeit mit Herrn van Egeraat in Zukunft gestaltet wird, können wir aber zurzeit noch nicht sagen, da das Auswahlverfahren zur Vergabe der weiteren Architektenleistungen noch nicht abgeschlossen ist.“
Und wie sieht van Egeraat das leidige Problem der doch so raren Zeit? „An mir soll es nicht liegen, dass die Jubiläumsfeier im Paulinum stattfinden kann. Dieser Bau war ja immer auch eine sehr knappe Angelegenheit. Doch schon in meinem ursprünglichen Vertrag ist ja die komplette Fertigstellung erst für 2010 vorgesehen.“ Eine Feier in einem Provisorium hält der Architekt für möglich. Das Haus werde sicher nicht fertig, aber „gut vorzeigbar“ sein.
Für die Insolvenz wolle und brauche er sich nicht zu entschuldigen. Man habe gerade auch in Leipzig sehr hart gearbeitet und das Geld nur dafür verwandt, wofür es bestimmt war. Auch für ihn selbst kam der Crash „sehr überraschend“. In heutigen Zeiten habe manch eine Bank sehr kurzfristig signalisiert, kein Geld mehr bereitstellen zu können. Auch sei die Zahlungsmoral einiger Bauträger, ob nun in England oder in Holland, oft unpünktlich. Viele Projekte verzögerten sich, doch die Kosten waren da. Van Egeraat: „Wenn einen Monat lang kein Geld fließt, dann wird es auf einmal sehr kompliziert.“
Van Egeraat war ohne Frage ein Globalplayer, er beschäftigte weltweit 160 Mitarbeiter und war mit über 50 Projekten befasst. Viele werden unter neuer Ägide weitergeführt. Gestern weilte der Architekt schon wieder in Moskau und war auf der Durchreise nach Chanti-Mansisk in Sibirien, wo in der Taiga ein Hotel und ein Sportkomplex entstehen. Mitte März kommt van Egeraat erneut nach Leipzig und will sich vom – schwierigen – Wachstumsprozess seines Babys ein aktuelles Bild machen: „Am Ende wird jeder Leipziger stolz sein, was in seiner Stadt realisiert worden ist.“ Thomas Mayer
STANDPUNKT
Von Thomas Mayer
Global ist auch lokal
Was wie eine Belanglosigkeit klingt, ist heute oft bittere Wahrheit: Global ist auch lokal. Erst gestern wurde in der LVZ das Horrorszenario beschrieben, wenn doch etwas schief geht mit den so genannten Cross-Border-Leasing-Geschäften. Die Auswirkungen wären gravierend. Eine Pleite des US-amerikanischen Versicherungsgiganten AIG würde wohl Leipzig in nicht gekannte Finanznöte stürzen.
Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise beeinflusst auch den Neubau der Universität am Augustusplatz. Denn der weltweit tätige Architekt Erick van Egeraat musste Insolvenz anmelden. Da der Campus, für den das Paulinum der architektonische Höhepunkt sein wird, aber staatlich finanziert und mithin abgesichert ist, muss dem Bauherrn nicht zu bange sein. Dieser Hausbau geht voran, wenn auch in den vergangenen Wochen nicht so rasch wie geplant. Und dass sich der geistige Urheber partout nicht vorstellen kann, dass seine Idee ohne ihn Realität wird, ist für Leipzig ein gutes Zeichen in Zeiten der Krise.
eMail: th.mayer@lvz.de
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 24. Februar 2009 (Printausgabe)
© Leipziger Volkszeitung
„Notfalls in Gummistiefeln“
Beirat zum Universitätsjubiläum zieht Bilanz / Bau des Paulinums stimmt nachdenklich
Gestern tagte zum letzten Mal der Beirat zum 600. Universitätsjubiläum. An der Spitze des Gremiums steht Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der das Ereignis „notfalls in Gummistiefeln“ im neuen Paulinum feiern will.
Er verwies in der Albertina auf die Fülle von Veranstaltungen, die ab 9. Mai, dem Tag des offiziellen Beginns der Feierlichkeiten, in Leipzig statt finden und die Bedeutung der nach Heidelberg zweitältesten Alma Mater Deutschlands würdigen werden. Vor allem auch überregional hofft Tillich auf großes Interesse. So wurde jüngst Chiles Präsidentin Michelle Bachelet, einst Studentin in Leipzig, als Mitglied des Jubiläumsbeirates gewonnen, und Bundespräsident Horst Köhler hat seine Teilnahme an der Jubiläumsfeier signalisiert. Die werde auf alle Fälle im Paulinum stattfinden, selbst wenn die Festgäste „notfalls in Gummistiefeln“ erscheinen müssten, sagte Tillich und griff damit eine Formulierung von Generalbundesanwältin Monika Harms auf, die ebenso im Beirat sitzt. Auf Nachfrage, was ihm so eine Gewissheit gebe, sagte der Ministerpräsident: „Ich bin Optimist.“ Das Sächsische Immobilien- und Baumanagement (SIB) setze alles daran, das nach dem Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses zweitwichtigste Bauvorhaben des Freistaates planmäßig zu realisieren.
Harms hatte sich um die Vermittlung der unterschiedlichen Ansichten bei der Innengestaltung des Aula-Kirchen-Baues verdient gemacht und einen Kompromiss erzielt. „Bei einem auch inhaltlich so schwierigen Bau kann doch nicht jeder das Optimum für sich beanspruchen“, so Harms. Mit Blick auf die Insolvenz des Architekten Erick van Egeraat rechnet sie nicht mit dem Aufbrechen neuer Debatten. Sollte es doch dazu kommen, werde sie diese wie bisher begleiten.
Ein wichtiger Freund der Universität ist der Unternehmer und Kunstmäzen Arend Oetker. Leipzig hat ihn in den vergangenen Jahren „gefordert und gefördert“: „Immer wieder ist es für mich ein Gewinn, in diese Stadt zu kommen.“ Oetker gehört nicht nur zu den wortreichen Fürsprechern, sondern trägt privat und als Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft finanziell zum Jubiläum bei. So findet im Rahmen der Feierlichkeiten die Veranstaltungsreihe „Riskante Ordnungen, fremde Erfahrungen, ferne Hoffnungen“, die sich mit neuen Phänomenen des Regierens auseinander setzt, statt. Oetker ist zudem nicht unbeteiligt daran, dass fürs Jubelfest zwei Millionen Euro an privaten Spenden eingeworben wurden. Natürlich hat er auch seine dezidierte Meinung zum Uni-Neubau: „Die Sprengung der Paulinerkirche ist für mich ein nachhaltig wehtuendes Ereignis. Und der Neubau, der so verschiedenen Interessen genügen muss, ist ein schwieriges Unterfangen innerhalb eines großen Spannungsfeldes.“
Mitglied im Jubiläumsbeirat ist Hans-Dietrich Genscher. Der Ex-Außenminister gibt seinen guten Namen für eine nach ihm benannte geisteswissenschaftliche Professur. Deren Einrichtung ist ein Beitrag der Uni zum 20-jährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution. Laut Rektor Franz Häuser ist aber die finanzielle Seite der Professur noch nicht endgültig geklärt. Genscher hatte nach dem Zweiten Weltkrieg in Leipzig Jura studiert und ist seit 2003 Ehrendoktor der Universität.
Sehr viel verspricht sich Beiratsmitglied Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg vom Uni-Jubiläumsjahr. Gerade von einer Indien-Reise zurück, hat er dabei Eindrücke darüber gewonnen, was Innovation im 21. Jahrhundert bedeutet: „Es gibt 1,3 Milliarden Inder, davon ist die Hälfte unter 25 Jahren, es entstehen ständig neue Bildungseinrichtungen. Manchmal habe ich die Befürchtung, dass wir uns in Europa und auch in Sachsen in zu großer Selbstherrlichkeit wiegen und die Rasanz der Entwicklung unterschätzen. Deshalb bin ich froh, dass Leipzig sein Uni-Jubiläum nicht selbstherrlich feiern wird.“ Unter anderem mit der Ausstellung „Erleuchtung der Welt“. Der Titel nimmt zwar Bezug auf die Zeiten und Ereignisse hier zu Lande im 17. und 18. Jahrhundert, ist aber in Anbetracht aktueller Geschehnisse allemal Sinn stiftend. Thomas Mayer
Internet: www.sechshundert.de
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© Standpunkt
Von Thomas Mayer
Zuversicht in der Krise
Sich optimistisch gebende Politiker sind selten in Zeiten, in denen es täglich neue Krisenmeldungen gibt. Beim Thema Universität werden die Negativschlagzeilen, die sich zuletzt vor allem auf den Neubau des Paulinums bezogen, eher klein geredet. Obwohl seine Fertigstellung nach der Insolvenz des Architekturbüros van Egeraat mit manch einem Fragezeichen zu versehen ist.
Die Uni will in neun Monaten im Paulinum eine „rauschende Ballnacht“ feiern. Rauschend? Vielleicht deswegen, weil es durch alle Ritzen der Baustelle zieht? Stanislaw Tillich, Ministerpräsident und Optimist, wird notfalls in Gummistiefeln auflaufen. Und tanzen?
Auch kein schlechtes Bild. Was sarkastisch klingt, hat einen tieferen Sinn. Der Freistaat steht zu diesem wichtigen Bau, der ihn immerhin viele Millionen Euro kostet. Das zumindest sollte in Leipzig und an deren Universität trotz mancher die Stimmung verderbenden Meldung mit Zuversicht aufgenommen werden.
eMail: th.mayer@lvz.de
„Ein letzter Versuch“ gegen die Glaswand
„Es war ein letzter Versuch, die unnütze und teure Glaswand zu verhindern“, sagt Ulrich Stötzner, Vorsitzender des Paulinervereins. Es – das ist ein offener Brief an Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU). Darin heißt es: „Das in der Erklärung vom 15. Dezember 2008 von Frau Professor Monika Harms mitgeteilte Ergebnis der Gespräche über den Neubau der Universitätsgebäude am Augustusplatz lässt – neben weiteren wichtigen Fragen – offen, ob der Bauherr im Einvernehmen mit der Universitätsleitung die Trennung in einen sakralen und einen weltlichen Raum vornehmen wird.“ Eine Entscheidung für die Trennung sei „als politische Antwort auf die Sprengung von 1968 unerträglich“.
Doch die Entscheidung ist gefallen, der Auftrag für die Glaswand vor wenigen Tagen vergeben worden – an eine Schweizer Firma. Im Sommer soll die umstrittene Wand nach Angaben der Bauleitung stehen.
Bis jetzt habe er keine Antwort von Tillich erhalten, so Stötzner. Wer dagegen reagierte, ist die Bürgerinitiative pro Uni. Sie wirft dem Paulinerverein vor, „das Rad wieder zurückdrehen zu wollen“. Er stelle sich erneut gegen den von Land, Uni und Landeskirche gefundenen Kompromiss. Für die Pauliner-Forderung eines Baus ohne Glaswand treten allerdings etliche Kirchenvertreter ein. Zu ihnen gehören Jochen Bohl (Landesbischof), Johannes Hempel (Landesbischof im Ruhestand), Werner Krusche (Bischof i.R.), Friedrich Schorlemmer (Wittenberger Theologe und Publizist), Fulbert Steffensky (Baseler Theologe), Martin Henker (Superintendent Leipzig), Christian Führer (Nikolaikirchenpfarrer i.R.) und Christian Wolff (Thomaskirchenpfarrer).
Peter Krutsch
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Festakt zu Jenas Uni-Jubiläum - Rektor erinnert an wechselvolle Geschichte
Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/88974.html
© LVZ-Online, 23.02.2009, 14:59 Uhr
Trotz Bauverzug - Uni-Jubiläum soll auf neuem Campus gefeiert werden
Leipzig. Trotz Querelen und Bauverzugs soll der 600. Geburtstag der Universität Leipzig auf dem neuen Innenstadt-Campus gefeiert werden. „Wir werden uns gemeinsam darum bemühen, dass wir am 2. Dezember die Abschlussveranstaltung im Paulinum feiern können“, sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Montag nach der abschließenden Sitzung des Jubiläumsbeirates in Leipzig. Die Universität Leipzig wurde am 2. Dezember 1409 gegründet. Sie gilt damit als zweitälteste deutsche Universität mit durchgehendem Lehrbetrieb.
Das Festjahr beginnt am 9. Mai mit einem Eröffnungskonzert im Leipziger Gewandhaus. Insgesamt gibt es laut Tillich mehr als 300 Veranstaltungen rund um das Jubiläum. Zu den Höhepunkten gehören etwa Symposien zu geisteswissenschaftlichen Themen. Zahlreiche wissenschaftliche Gesellschaften tagen in diesem Jahr in Leipzig. Mit einem Jubiläumslauf von Prag nach Leipzig wird im Juni auf die enge Verbindung beider Universitäten verwiesen.
Vom 9. Juli bis zum 6. Dezember ist die große Jubiläumsausstellung „Erleuchtung der Welt“ zu sehen. Im Oktober steht die Friedliche Revolution im Mittelpunkt der Festlichkeiten. Die Universität will das mit einer Hans-Dietrich-Genscher-Stiftungsprofessur würdigen. Die konkrete Ausgestaltung stehe aber noch nicht fest. Es sei noch nicht alles „in trockenen Tüchern“, sagte Rektor Prof. Franz Häuser.
Von Beginn an war alles darauf abgestimmt, das Universitätsjubiläum im Dezember auf dem neuen Campus und vor allem im Paulinum zu feiern. Die Pleite des niederländischen Architekten Erick van Egeraat ist das jüngste Problem, das beim Bau auftauche. Das Paulinum mit Aula und Andachtsraum erinnert an die 1968 am selben Platz gesprengte Paulinerkirche.
dpa
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 19. Februar 2009 (Printausgabe)
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Paulinum: Verzögerung um Monate
Architekt gekündigt / Erneut Mehrkosten / Uni hält an Jubiläumsfeier in Kirche-Aula-Bau fest
Leipzig (nel/kru/tom). Die 600-Jahr-Feier der Universität Leipzig am 2. Dezember im Paulinum wird immer unwahrscheinlicher. Denn dem Star-Architekten des Neubaus am Augustusplatz, Erick van Egeraat, wurde gekündigt, „weil er in Insolvenz gegangen ist und mit der alten Firma nicht weitermachen konnte“, sagt Bauleiter Volker Kylau gegenüber der LVZ.
Noch Anfang des Monats hatte der Architekt angekündigt, seine Projekte unter dem Namen „Designed by Erick van Egeraat“ weiterzuführen. „Das ist eine Ein-Mann-Firma, die den wirtschaftlichen Hintergrund gar nicht hat“, so Kylau. Deshalb sei ein Vergabeverfahren eingeleitet worden. „Wir haben dazu Bewerber eingeladen, ihre Angebote abzugeben“, sagt Corinna Nolting vom Finanzministerium des Freistaates. Unter den acht Büros ist auch van Egeraat mit einem Partner. „In dieser und in der nächsten Woche wollen wir die Angebote unter anderem darauf prüfen, ob die Firmen wirtschaftlich stabil sind“, so der Bauleiter. „Bis Ende März hoffen wir, das abschließen zu können.“ Die bisher ausgeschriebenen Arbeiten laufen weiter.
Der zuletzt auf 190 Millionen Euro veranschlagte Kirche-Aula-Bau verteuert sich erneut. Gründe dafür sind die Erarbeitung neuer Detailpläne und die Einarbeitung eines neuen Architekten. „Etwas mehr als eine Million wird es schon sein. Ich rechne damit, dass wir drei bis sechs Monate später fertig werden“, so Kylau.
Die Alma Mater hält laut Sprecher Tobias D. Höhn dennoch an ihren Vorstellungen fest: „Nach unseren Informationen wird das Gebäude im Dezember zwar nicht fertig, aber darin eine würdevolle Veranstaltung möglich sein. Wenn keine Fenster drin sind, muten wir das unseren Gästen zum Festakt natürlich nicht zu. Auf einer Baustelle wollen wir nicht feiern.“ Das Gewandhaus sei auf alle Fälle gebucht.
Obwohl van Egeraat zunächst nicht mehr für den Innenausbau des Paulinums zuständig ist, wird weiter an seinem grundsätzlichen Entwurf festgehalten. Schließlich sei in einem langen Kampf heiß darüber diskutiert worden, so Kylau. „Es ist uns gelungen, verschiedene Mitarbeiter van Egeraats vertraglich an uns zu binden. Denen war gekündigt worden, und sie können dabei helfen, den ursprünglichen Entwurf umzusetzen.“ Der Rohbau stehe ja, könne nicht mehr verändert werden. Ob aber innen alles bis auf die letzte Türklinke umgesetzt wird, könne er nicht versprechen. An der umstrittenen Glaswand sei allerdings nicht mehr zu rütteln. Der Auftrag ist bereits vergeben.
Gestern präsentierte die Kustodie die renovierte Glocke der Universität. Sie stammt aus dem Jahr 1659, hing zunächst im Fürstenhaus, dann in der Paulinerkirche und wird künftig im neuen Paulinum als Repräsentationsglocke zu besonderen Anlässen schlagen.
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Glocke der Universität mit hellem Klang
Ein erster frei hängender Anschlag verheißt ein zweigestrichenes Cis
Nein, es ist kein riesiges Brimborium, aber ein klangvolles Ereignis allemal: Im Depot der Kustodie wird die Glocke der Universität nach ihrer Demontage aus dem Innenhof der Alma Mater 2005 und den in den letzten Monaten folgenden kosmetischen Arbeiten zum ersten Mal wieder angeschlagen.
Das geschieht fachmännisch. Aus Dresden ist der Glockensachverständige Horst Hodick angereist. Er zieht seine Stimmgabel und lässt die Bronze klingen. „Zweigestrichenes Cis“, lautet sein Hörurteil. Der Glockenexperte lobt die volle Resonanz, den Bronzeguss, auch den umlaufenden Fries und die auch original erhaltene Krone. „Der Erhaltungszustand ist gut, was wohl vor allem damit zusammenhängt, dass diese Glocke nicht jede Stunde, sondern nur zu besonderen Anlässen schlagen musste“, stellt Hodick fest. Es sei ein heller, farbiger Klang, zwar etwas unruhig zum Beginn, doch umso leuchtender im Nachklang. Der Maestro schaut unter die Glocke und stellt selbst dort keine Schäden fest: „Das Material des Klöppels war also nie härter als das des Glockenkörpers. Ein neuer Klöppel muss aber trotzdem sein, und der Glockenstuhl ist nach den baulichen Vorgaben zu gestalten.“
„Leipzigs Uni-Glocke hat ihre ureigene Geschichte“, weiß Uni-Sammlungskonservatorin Cornelia Junge: „Ihr Geburtsjahr ist auf 1659 datiert. Damals stifteten der Rektor und Mediziner Johannes Michaelis und der Theologe Daniel Heinrici das 250 Kilo schwere Stück ihrer Universität anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der Alma Mater. Für den kunstvollen Guss zeichnet Johannes Schesler verantwortlich. Lange Zeit war die Glocke am Fürstenhaus angebracht, später läutete sie im Dachreiter der Paulinerkirche, bevor sie nach den baulichen Veränderungen seitens des Architekten Arved Roßbach im Campanile Dienst tat.“
Die Uni-Glocke überstand all die Zeiten und selbst die Einschmelzungsaktionen der beiden Weltkriege, was laut Hodick vor allem damit zusammen hängt, dass sie im Leipziger Kirchenbau die älteste und die einzige war. 1968 kam aber auch für die Uni-Glocke das Aus. Sie wurde zwar nicht mit in die Luft gesprengt, sondern sogar fachgerecht geborgen, verschwand aber doch für Jahre im Depot. Seit 1982 war sie dann wieder im Innenhof der Universität am Karl-Marx-Platz – zu sehen. Denn geläutet hat sie dort nie. „Die Aufhängung war nicht so, dass man es hätte wagen können. Es gab nur einmal einen zaghaften Versuch“, erinnert sich Cornelia Junge.
Zum irgendwann wohl doch fertig werdenden Paulinum-Bau wird auch die Glocke der Universität gehören. Sie findet ihren Platz auf ihrem Turm, in dem weiter unten die Aufzüge unterwegs sind. Sie wird nicht manuell geschlagen, sondern elektrisch in Gang gesetzt und wie gehabt nur zu besonderen Anlässen läuten. Es wird eine Repräsentationsglocke sein, die den Augustusplatz beschallt.
Klangexperte Hodick ist übrigens nicht nur bei der Glocke mit dem neuen Unibau befasst. Viel mehr Arbeit macht ihm die Orgel, an der in diesen Tagen in der Firma Jehmlich in Dresden gebaut wird. Es werde ein eher kleineres Instrument, was aber nichts über den Klang aussage. So wie bei der Uni-Glocke eben. Die, so hofft Cornelia Junge, möge schon bald ihren Klang recht weit in die Stadt tragen.
Thomas Mayer
Internet: www.uni-leipzig.de
Weitere Infos unter www.lvz-online.de
Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/88433.html
© LVZ-Online, 18.02.2009, 11:51 Uhr
Kündigung für van Egeraat - Innenausbau für Paulinum neu ausgeschrieben
Leipzig. Der neue Campus am Augustusplatz wird nicht wie geplant zum Universitätsjubiläum am 2. Dezember dieses Jahres fertig gestellt und erneut teurer. Grund dafür ist die Pleite des niederländischen Star-Architekten Erick van Egeraat, der den Bau geplant hat. Der Innenausbau des Paulinums musste neu ausgeschrieben werden. "Wir haben van Egeraat gekündigt, weil er insolvent gegangen ist und mit der alten Firma nicht weitermachen konnte", sagt Bauleiter Volker Kylau gegenüber LVZ-Online.
Noch Anfang des Monats hatte der Architekt auf seiner Webseite verkündet, dass er seine Projekte unter dem Namen "Designed by Erick van Egeraat." weiterführen will. "Das ist aber eine Ein-Mann-Firma, die den wirtschaftlichen Hintergrund gar nicht hat", erklärt Kylau.
Deshalb sei ein Vergabeverfahren eingeleitet worden. "Wir haben dazu Bewerber eingeladen, ihre Angebote abzugeben", sagt Corinna Nolting vom sächsischen Finanzministerium. Unter den acht Büros sei auch van Egeraat, verrät Kylau, allerdings gemeinsam mit einem Partner.
"In dieser und in der nächsten Woche wollen wir die Angebote unter anderem darauf prüfen, ob die Firmen wirtschaftlich stabil sind", so der Bauleiter. "Bis Ende März hoffen wir, den ganzen Prozess abschließen zu können."
Die bisher bereits ausgeschriebenen Arbeiten laufen bis dahin weiter. Auch Nolting betont, dass die Baustelle jetzt nicht still steht. "Momentan wird an der Fassade gearbeitet", so die Sprecherin.
Obwohl van Egeraat zunächst nicht mehr für den Innenausbau des Paulinums zuständig ist, soll weiter an seinen Plänen festgehalten werden, schließlich sei in einem langen Kampf heiß darüber diskutiert worden, so Kylau.
"Es ist uns gelungen, verschiedene Mitarbeiter van Egeraats vertraglich an uns zu binden. Denen war gekündigt worden und die können dabei helfen, den ursprünglichen Entwurf umzusetzen", erklärt der Bauleiter. "Der Rohbau steht ja, daran kann nichts mehr verändert werden. Ob innen alles bis auf die letzte Türklinke umgesetzt wird, kann ich nicht versprechen," sagt Kylau.
An dem Einbau der umstrittenen Glaswand ist allerdings nicht mehr zu rütteln. In der vergangenen Woche sei der Auftrag dafür vergeben worden. "Die Schweizer Firma Biacryl mit Niederlassung bei Halle wird das übernehmen", verrät Kylau. Etwa zwei Monate sollen die Arbeiten daran dauern. "Sie muss aufgestellt werden, bevor die Fassade geschlossen ist", erklärt Kylau. Ende Juli, Anfang August soll es soweit sein.
Biacryl ist in Leipzig nicht unbekannt: die Firma hat im Leipziger Zoo bereits die Scheibe zum Wasserbecken im Elefantenhaus gebaut.
Eine Feier des Uni-Jubiläums in der fertigen Aula des Paulinums Anfang Dezember rückt mit der neuen Ausschreibung in weite Ferne. "Im April und Mai wird noch Zeit vergehen, wo sich der neue Planer einarbeiten muss, das wird den Ablauf verzögern. Ich rechne damit, dass wir etwa ein viertel oder ein halbes Jahr später fertig werden", prognostiziert Kylau.
Einen seriösen Endtermin könne er nicht benennen, allerdings sieht er in der erneuten Ausschreibung auch eine Chance: "Die van Egeraatschen Termine waren ja nie so genau zu nehmen, jetzt haben wir die Möglichkeit, zu einem seriöse Planer zu kommen", freut sich der Bauleiter. Damit könne der Zeitplan künftig besser eingehalten werden, hofft er.
Das zuletzt auf 190 Millionen Euro veranschlagte Projekt wird nun auch erneut mehr kosten. Gründe dafür sind der Entwurf neuer Pläne und die Einarbeitungszeit des Architekten. "Etwas mehr als eine Million wird es schon sein", meint Kylau.
Nora Leisebein, LVZ-Online
Quelle: Bild Leipzig vom 17. Februar 2009, S. 5:
© BILD Leipzig
ERST PLEITE, JETZT GEFEUERT! VAN EGERAAT SOLL SICH NEU BEWERBEN …
Pauliner-Architekt vor die Tür gesetzt
Von JACKIE RICHARD
Leipzig - Jetzt ist die Paulinerkirche nicht mehr seine Baustelle: Das Finanzministerium hat sich von Pleite-Architekt Erick van Egeraat (52) getrennt!
Der Holländer, der im Zuge der weltweiten Finanzkrise Ende Januar Insolvenz anmelden musste (BILD berichtete), wird am Innenausbau der neuen Paulinerkirche nicht mehr beteiligt sein.
Das bestätigte das Finanzministerium gestern auf BILD-Anfrage. Sprecher Stephan Gößl (42): "Aus insolvenzrechtlichen Gründen mussten wir ihm kündigen."
Doch die Arbeiten am Augustusplatz sollen so schnell wie möglich weitergeführt werden, schließlich steht der 600. Uni-Geburtstag Anfang Dezember an.
Die Aufträge werden deshalb nun so schnell wie möglich neu ausgeschrieben - vielleicht eine Chance für Egeraat, der ja schon wieder eine neue Firma gegründet hat.
Gößl: "Die Ausschreibung ist offen, Herr van Egeraat kann sich gerne bewerben. Wir müssen prüfen, ob seine neue Firma die Anforderungen erfüllt."
Der Baumeister selbst wollte sich gestern nicht äußern, doch mit den Bauherrn in Dresden ist er noch im Gespräch.
Quelle: http://www.mdr.de/sachsen/6138738.html
© MDR - 17. Februar 2009, 19:08 Uhr
Universität Leipzig
Neubau zum Jubiläum nicht fertiggestellt
Der Neubau der Universität Leipzig mit dem Paulinum wird nicht wie geplant zum 600. Jubiläum im Dezember dieses Jahres fertig. Wie Bauleiter Volker Kylau MDR 1 RADIO SACHSEN sagte, ist die Insolvenz des niederländischen Architekten Erick van Egeraat Grund für den Verzug. Inzwischen sei der Bauverzug so groß, dass eine Fertigstellung bis zum Dezember dieses Jahres ausgeschlossen ist. Ob die Feierlichkeiten auf der Baustelle oder im bereits seit langem angemieteten Gewandhaus stattfinden, ist momentan noch unklar.
Architektonische Begleitung neu ausgeschrieben
Laut Kylau musste die Zusammenarbeit mit Egeraat beendet werden. Da der Niederländer jetzt keine Firma mehr besitzt, fehle auch der Versicherungsschutz. Egeraat hatte im Jahr 2004 die zweite Ausschreibung für die Gestaltung des Neubaus gewonnen und war bisher für die architektonische Begleitung des Baus zuständig. Diese Aufgabe sei nun neu ausgeschrieben worden, so Bauleiter Kylau. Dafür hätten sich neben Egeraat auch zwei bis drei weitere Interessenten beworben. Derzeit prüfe das Finanzministerium in Dresden alle vorliegenden Bewerbungen und damit auch den "wirtschaftlichen Hintergrund" Egeraats.
Bauarbeiten trotz Insolvenz fortgesetzt
Dessen Firma hatte im Januar dieses Jahres Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Der Bau am Leipziger Augustplatz wurde trotzdem fortgesetzt. Derzeit wird an der Fassade des Innenhofes gebaut. Nach Angaben des Sächsischen Finanzministeriums liegen für die nächsten baulichen Schritte Detailplanungen vor. Diese würden noch abgearbeitet, bis über die neue Ausschreibung entschieden ist. In einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung machte Sachsens Finanzstaatssekretär Wolfgang Voß bereits Anfang Februar klar, dass der Freistaat als Generalunternehmer den Bau trotz der zahlreichen Schwierigkeiten zu einem ordentlichen Ende bringen will. Schließlich handele es sich beim Leipziger Campus um den "prominentesten Universitätsbau Deutschlands". Die Kosten belaufen sich bislang auf 190 Millionen Euro.
Quelle: http://www.baunetz.de
© Baunetz - 23.01.2009
Credit Crunch
Erick van Egeraat insolvent
Tragische Breaking News am Freitag Nachmittag: Erick van Egeraat Associates melden Insolvenz an. Der niederländische Architekt sei in Zahlungsschwierigkeiten geraten, nachdem gleich mehrere seiner Großprojekte infolge der weltweiten Finanzkrise (die auf englisch credit crunch heißt) gestoppt worden sind. Dies meldet Building Design am 23. Januar. Ein Rechtsanwalt erklärte, dass man versuche, einige Projekte dennoch zu vollenden oder aber Partner zu finden, die in diese Projekte einsteigen – sofern sie die ursprünglichen Entwürfe zum Abschluss führen. Noch sei nichts entschieden.
Nach den Banken und der Autoindustrie nun also auch die international aufgestellten Architekturfirmen?
Bei van Egeraat geht es immerhin um 150 Mitarbeiter in Rotterdam, London, Moskau, Budapest und Prag. Welche Projekte betroffen sind, lässt sich noch nicht absehen. In Deutschland ist van Egeraat mit der Uni Leipzig beschäftigt; hier konnte im letzten Herbst Richtfest gefeiert werden (siehe BauNetz-Meldung vom 21. 10. 2008). Der heilige Paulus möge verhindern, dass die stilisierte Paulinerkirche auf dem Leipziger Campus unvollendet bleibt...
Quelle: http://www.welt.de/
© WELT - 27. Januar 2009, 03:02 Uhr
Architekt der Leipziger Universitätskirche meldet Insolvenz an
Mitten in den Bauarbeiten für das neue Hauptgebäude der Leipziger Universität hat der Architekt des Neubaus am Augustusplatz, Erick van Egeraat, Insolvenz angemeldet. Grund für die Zahlungsunfähigkeit ist nach Aussage eines Sprechers des sächsischen Finanzministeriums die Finanzkrise, die das vielbeschäftigte Büro des Holländers mit dem plötzlichen Abbruch mehrerer Großprojekte schwer getroffen habe. Van Egeraats Entwurf für den neuen Leipziger Campus, der wegen der 600-Jahr-Feiern der Universität Leipzig im Dezember unter erheblichem Zeitdruck steht, war heftig umstritten, weil er für die in das Bauwerk eingebundene Aula und Universitätskirche nicht einen Wiederaufbau in den originalen Formen vorgesehen hatte. Trotz der Pleite sei es das Ziel des sächsischen Finanzministers, "das Gebäude wie geplant zu vollenden", heißt es. Inzwischen sei gesichert, dass "so schnell wie möglich weitergebaut wird". Allerdings sei der 52-jährige Architekt nicht mehr selber Herr des Verfahrens. Der niederländische Insolvenzverwalter zeige sich indessen kooperativ. Ihm gegenüber bestehe das Ministerium auf der Erfüllung der Verträge.
dg
BILD Leipzig vom 27. Januar 2009, S. 3
© BILD Leipzig
PAULINER-PLEITE
Die wichtigsten Fragen zur Krise auf Leipzigs größter Baustelle
Von ERIK TRÜMPER
Leipzig - "Mit Betroffenheit" hat Uni-Rektor Franz Häuser (63) die Nachricht von Erick van Egeraats (52) Pleite entgegengenommen. Der holländische Star-Architekt (150 Mitarbeiter) musste Freitag Insolvenz anmelden, da die Finanzkrise viele seiner weltweit 50 Projekte stoppte (BILD berichtete).
WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT DAS AUF DIE BAUSTELLE UNI-CAMPUS? BILD BEANTWORTET DIE WICHTIGSTEN FRAGEN.
- Werden die Bauarbeiten gestoppt? "Nein", sagt Stephan Göl (42), Sprecher des Sächsischen Finanzministeriums. "Die Finanzierung ist ja gesichert." Der Freistaat als Auftaggeber zahlt alle Baukosten (zzt. 190 Mio. Euro).
- Kann ohne van Egeraat weiter gebaut werden? Gößl: "Ein gewisser Planungsvorlauf ist da. Für die kommenden Wochen Bauzeit haben wir die Unterlagen von ihm. Jetzt müssen wir sehen, ob Herr van Egeraat bis zum Ende zur Verfügung steht oder nicht."
- Was, wenn nicht? Gößl: "Dann müssen wir ein anderes Büro mit den Ausführungsplanungen beauftragen."
- Wann steht fest, ob van Egeraat weiter macht? Gößl: "Wir verhandeln mit dem Insolvenzverwalter. Das wird ein paar Wochen dauern."
- Verzögert sich der Bau dadurch weiter? Häuser: "Befördernd ist die jetzige Situation sicherlich nicht."
- Wird der Uni-Campus dadurch nochmal teurer? 50 Mio. Euro mehr als geplant kostet er schon. Ob es noch mehr wird, ist derzeit nicht absehbar.
- Wird nun auf die Glaswand in der Paulinerkirche verzichtet? Gößl: "Es gibt keinen mittelbaren Zusammenhang zwischen Herrn van Egeraat und der Wand. Uni und Freistaat haben sich auf die geeinigt. Die Wand kommt."
- Was sagt Herr van Egeraat zur Pleite? Er darf nichts sagen. Der Insolvenzverwalter ist nun Chef in seinem Haus.
- Wie sieht es aktuell auf der Baustelle aus? Im April werden Mensa uns der große Hörsaal eröffnet. Die Ausschreibung für die Fassade des Hauptgebäudes ist abgeschlossen.
- Wo wird am 2. Dezember das Uni-Jubiläum gefeiert? Gößl: "Entweder auf der Baustelle oder im Ausweich-Standort Gewandhaus."
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 5. Februar 2009 (Printausgabe)
© LVZ-Online
Van Egeraat gründet neue Firma
Erick van Egeraat kündigte gestern die Fortsetzung all seiner bisherigen Tätigkeiten in der neuen Firma Designed by Erick van Egeraat BV an. Am 20. Januar hatte der niederländische Architekt bekanntlich mit seinem in Rotterdam ansässigen Unternehmen Erick van Egeraat Associated Architects Insolvenz angemeldet.
Nun konnte mit dem gerichtlich bestellten Verwalter Raymond de Bok vereinbart werden, dass die Arbeit an allen laufenden Projekten fortgeführt wird. Beide Seiten zeigten sich erfreut, dass noch vorhandene Hindernisse mit Blick auf eine dauerhafte Lösung zu überwinden sind. „Nachdem es gelungen war, die Unterstützung durch verschiedene Investoren zu sichern, werden derzeit Gespräche mit allen Beteiligten geführt“, teilt van Egeraat mit. Derzeit handelt es sich um insgesamt mehr als 50 laufende Projekte; darunter befindet sich auch der Bau des Paulinums für die Leipziger Universität, in dem am 2. Dezember 2009 die 600-Jahrfeier der Alma Mater stattfinden soll.
Die Lage auf den Finanz- und Immobilienmärkten verlange laut van Egeraat nach kritischer Betrachtung und nachhaltiger Restrukturierung. Der Architekt gegenüber dieser Zeitung: „Das ist etwas, dessen ich mir bewusst bin, und ich habe schon seit dem vergangenen Jahr darauf hingearbeitet. Andererseits kann ich sagen, dass ich glücklich über die vielen positiven und unterstützenden Reaktionen bin, die ich empfangen konnte.“ Es sei beruhigend zu erleben, welch große Zahl von Klienten, Partnern und Kollegen ihre Hilfe angeboten haben. Dies habe definitiv dazu beigetragen, die Zuversicht in einer schwierigen Zeit zu stärken.
tom
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BILD Leipzig vom 5. Februar 2009, S. 5:
© BILD Leipzig
Der Star-Architekt und die Pleite am Augustusplatz
Pauliner-Egeraat: Haben ihn seine Frauen arm gemacht?
Von JACKIE RICHARD
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 2. Februar 2009 (Printausgabe)
© LVZ-Online
"Es wird keine Abstriche geben"
Wolfgang Voß, Staatssekretär des sächsischen Finanzministeriums, im Interview zur van-Egeraat-Insolvenz
Vergangenen Freitagabend konnte Sachsens Finanzminister Georg Unland den Kleinen Schlosshof des Dresdner Residenzschlosses als Foyer für die Besucher der Kunstsammlungen eröffnen. Grund zur Freude also. Aber nicht in Leipzig, wo der Neubau des Paulinums mit der Insolvenz der niederländischen Architekturfirma Erick van Egeraat viele Fragen aufwirft. Dazu im Interview Finanz-Staatssekretär Wolfgang Voß.
Frage: So einen Moment wie im Dresdner Schloss wünschen Sie sich 2009 auch für Leipzig?
Wolfgang Voß: Und wie! Denn unsere Nerven werden in Leipzig schon sehr auf eine Belastungsprobe gestellt. Wir haben aber die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass im Dezember 2009 die Leipziger Universität ihren 600. Geburtstag im Paulinum feiern kann. Mit der Insolvenz Erick van Egeraats sind freilich viele Unwägbarkeiten verbunden. Unter der Leitung von Volker Kylau versucht die Sonderbauleitung alles, damit es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt. Das ist ein Versuch. Inwieweit der auch glücken wird, wissen wir derzeit noch nicht.
Das Gebäude steht zumindest in seiner äußeren Gestalt. Das ist doch beruhigend, oder?
Bei der Außenherstellung sind in der Tat alle Leistungen ausgeschrieben, womit das Haus architektonisch fertig gestellt ist und der baulichen Realisierung nichts im Wege steht. Was noch konzipiert und gestaltet werden muss, ist der Innenraum. Diese Ausschreibungen sind noch nicht geschehen.
Sind diesbezüglich unabhängig von der Insolvenz Erick van Egeraat Versäumnisse anzulasten?
Die Zusammenarbeit, auch als es beispielsweise um die immer höher werdenden Kosten ging, gestaltete sich nicht gerade einfach. Alle Partner rauften sich aber letztlich zusammen. Das Miteinander gelang besser, weil nach unseren Forderungen van Egeraat sein Büro von Prag nach Leipzig verlegte. So ein Hunderte von Millionen teurer Bau ist nun mal nicht mit einem Immer-mal-Vorbeischauen zu stemmen. Ja, und nun kam auch für uns völlig überraschend die Insolvenz.
Es gab für Sie vorher wirklich keine Anzeichen?
Nein.
Wie geht es weiter?
Wir müssen alles daran setzen, eine Anschlussregelung zu finden. Eine Lösung wäre es ganz gewiss, wenn es gelänge, van Egeraats Leipziger Mitarbeiter zusammenzuhalten, für sie eine Art Arbeitsgemeinschaft zu gründen und diese dann weiter mit den Planungen zu beschäftigen. Inwieweit es noch mit Erick van Egeraat selbst eine Fortsetzung geben kann, ist derzeit offen.
Hatten Sie persönlich Kontakt mit ihm?
Leider nicht.
Werden die alten Debatten um den Bau wieder aufflammen?
Das liegt nicht in unserer Hand. Wir sagen nur, dass es an der Qualität des Baus keine Abstriche geben wird. Wir sind Eigentümer der Egeraatschen Pläne und werden das vorgebene Knowhow halten.
Stichwort Glaswand!?
Sie ist der Wunsch der Universität, den der Architekt aufgenommen hat.
So einen Bau wie das Paulinum mussten Sie in Ihrem Job noch nicht begleiten?
Nein, weil sich vor allem die Probleme schon durch den ganzen Ablauf ziehen. Der erste Entwurf war sehr umstritten, dann gab es den befreienden architektonischen Durchbruch mit dem Entwurf von van Egeraat und schließlich in der früheren Campus-Bauphase den Crash des Generalunternehmers Züblin. Trotz allem werden wir den eingeschlagenen Weg zu Ende gehen.
Leipzig muss also nicht fürchten, an prominente Stelle ein Investruine hingestellt zu bekommen?
Das werden wir uns und Leipzig nicht antun. Nach dem Dresdner Schloss ist schließlich der Uni-Campus das zweitwichtigste Bauvorhaben des Freistaates und zudem der prominenteste Universitätsbau Deutschlands. Es ist fraglos sehr schade, dass wir damit so viele Schwierigkeiten haben. Beirren lassen wir uns aber nicht.
Heißt?
Leipzig erhält eine moderne und architektonisch herausragend gestaltete Universität. Man kann sich trotz allem schon vorab freuen. Der Bau ist und bleibt ein Geschenk.
Bei welchen Kosten ist man denn mittlerweile angekommen?
Nach jetzigem Stand bei 190 Millionen Euro für den gesamten Campus. Unsere Devise lautet weiterhin: Die Kosten im Griff zu behalten geht vor Geschwindigkeit.
Wer ist in den kommenden Monaten Ihr Ansprechpartner?
Der niederländische Insolvenzverwalter. Die Vermittlung unserer Wünsche und Vorstellungen wird nicht einfach sein.
Interview: Thomas Mayer
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 29. Januar 2009 (Printausgabe)
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"Ungewöhnlich komplex"
Volker Benedix, Präsident der Sächsischen Architektenkammer, zur Insolvenz von Erick van Egeraat
Der in Freiberger lebende Architekt Volker Benedix (68) ist der Präsident der Sächsischen Architektenkammer. Im Interview äußert er sich zum neu entstehenden Campus-Bau in Leipzig und damit auch zur Insolvenz seines niederländischen Kollegen Erick van Egeraat.
Frage: Werden Sie als Präsident der Architektenkammer in diesen Tagen auch mit Insolvenzen Ihrer sächsischen Kollegen konfrontiert?
Volker Benedix: Solche Nachrichten sind zum Glück bis dato nur Einzelfälle, die aber immer mal vorkommen. In den vergangenen zwei Jahren konnten wir eher eine leichte Belebung der Auftragslage verzeichnen. Im Moment schlägt sich die allseits beschworene Wirtschaftskrise noch nicht auf unsere Profession nieder.
Warum hat es dann ausgerechnet den Holländer Erick van Egeraat erwischt?
Er ist sehr global und auf vielen Konfliktfeldern unterwegs, was allein ein Blick auf seine Internetseite verheißt. Er unterhält Büros weltweit und beschäftigt viele Mitarbeiter. Da braucht ja bloß mal ein großer Auftraggeber zusammenbrechen, und schon ist die Schieflage da. Ich kann so eine Insolvenz durchaus nachvollziehen.
Was bedeutet generell eine Pleite für einen so unikaten Bau, wenn der noch fertig zu stellen ist?
Ein Glücksfall für die Beendigung ist sie natürlich auf keinen Fall. Es wird zu Auseinandersetzungen darüber kommen, welche Leistungen aus der Insolvenzmasse noch zu leisten sind und wofür welche neuen Partner gewonnen werden müssen, um den vorliegenden Entwurf doch noch realisieren zu können. Man kann sich insgesamt nur wünschen, dass diese Geschichte für Leipzig gut ausgeht, dass also das, was van Egeraat wollte, auch wirklich bis ins Detail entsteht und letztlich dann auch brauchbar ist.
Am Geld wird es doch nicht liegen, oder?
Mit dem Staatsbau funktioniert das schon. Ich gehe ja davon aus, dass van Egeraat nicht am Leipziger Projekt pleite gegangen ist.
Ist es üblich, dass ein anderer Architekt ein fremdes Werk vollendet? Kann man oder will man das überhaupt?
Wenn es ums Geld geht ... Das Schwierigste ist es in so einem Fall, den Richtigen zu finden. Sie wissen ja: zehn Architekten, elf Meinungen. Am besten wäre es also noch immer, dass Insolvenzverwalter und Bauherr Mittel und Wege finden, dass van Egeraat seinen Bau mit seiner Handschrift zu Ende bringt.
Sie besuchten gerade die Leipziger Großbaustelle. Wie kam es dazu?
Ich konnte mir mit meinen Studenten der Bergakademie, wo ich einen Lehrauftrag habe, ein Bild von diesem aufregenden Bau machen.
Das, was entsteht, beeindruckt?
In der Tat, und das vor allem dann, wenn man weiß, mit welchen Geburtswehen es zu diesem Bau gekommen ist. Es war bekanntlich überhaupt nicht einfach, eine städtebauliche Idee zu finden, mit der letztlich die unterschiedlichste Gemüter zufrieden sein können. Es musste auch zwei Wettbewerbe geben, bevor es zu diesem Objekt kommen konnte. Auch das ist ungewöhnlich und unterstreicht nur die Komplexität des Vorhabens.
Sie würden Ihren niederländischen Kollegen doch mehr in die Reihe der Künstler Ihres Fachs einordnen?
Was hat Joseph Beuys gesagt: Jeder Mensch ist ein Künstler. Sagen wir mal so: Erick van Egeraat hat seinen sehr eigenwillig ausgeprägten Stil, der für ihn ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.
Der damalige Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee jubilierte in höchsten Tönen, als der Entscheid für ihn gefallen war. Was sagen Sie als Fachmann, als Insider, zu so einer Architektur?
Ich halte mich mit solchen Einschätzungen immer sehr zurück, denn Architektur ist nun mal auch eine hoch emotionale Sache. Eine gute Architektur muss nicht unbedingt jeden gefallen. Ich kenne Kollegen van Egeraat als gestandenen Fachmann, der meist international arbeitet. Genau das sieht man diesem Bauwerk an. Meinen Nerv trifft es freilich nicht unbedingt. Es ist aber eine Arbeit, die den Rahmen von Leipzigs wichtigsten Platz ordentlich füllt und auch die entsprechende Dominanz hat, die so einem Bau zukommt.
Es ist also auf alle Fälle besser, als eine Kulisse zu schaffen und ein verloren gegangenes Original wieder aufzubauen?
Das ist ein sehr weites Feld, worüber wir uns in Fachkreisen immer wieder heftig streiten. Meine Meinung lautet: Unsere Zeit muss die Zeit fortschreiben, auch was die ästhetisch-städtebaulichen Aspekte betrifft. Repliken zu schaffen, sollte wirklich die ganz große Ausnahme sein. So eine gab es zuletzt mit dem archäologischen Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Den teilweisen Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses halte ich indes für ziemlich bedenklich.
Rund um die Frauenkirche ist der Neumarkt quasi als eine Kopie des Vergangenen entstanden. Ihnen graust es beim Anblick?
Es geht ja nicht nach mir. Den Leuten scheint der Platz zu gefallen.
Interview: Thomas Mayer
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 27. Januar 2009 (Printausgabe)
© LVZ-Online vom: Dienstag, 27. Januar 2009
Sachsen sieht Bauplan für Paulinum gefährdet
Van-Egeraat-Insolvenz: Finanzministerium skeptisch, Häuser optimistisch
Leipzig/Dresden (tom). Erick van Egeraat, der niederländische Architekt des neuen Universitäts-Hauptgebäudes am Augustusplatz, auch Paulinum genannt, ist pleite. Über die zeitlichen Auswirkungen auf den Bauplan gab es gestern unterschiedliche Aussagen.
Seitens des sächsischen Finanzministeriums ist man sich im Klaren, was die Insolvenz bedeutet. Sprecher Stephan Gößl: „Die Arbeiten gehen zunächst weiter. Wir stehen im engen Kontakt mit dem Insolvenzverwalter in den Niederlanden. Längerfristig wird es aber neuen Gesprächsbedarf geben.“ Noch müsse das Büro van Egeraat Detailplanungen bei der Ausführung der Innenarchitektur erbringen. Ob das aber unter den neuen Gegebenheiten noch möglich sei, oder ob nicht doch ein neuer Partner gesucht werden muss, zählt zu den derzeit offenen Fragen. Auch sei es aus heutiger Sicht fast unwahrscheinlich, dass das Paulinum bis zum 2. Dezember soweit fertiggestellt werden kann, dass in ihm der Festakt zur 600-Jahrfeier der Leipziger Universität stattfinden kann.
Franz Häuser, Rektor der Universität, glaubt indes, dass der Bau bis zum 2. Dezember weitestgehend fertiggestellt ist. Er vertraue der Kompetenz von sächsischem Finanzministerium und dem Staatsbetrieb für Immobilien- und Baumanagement. Beide hätten in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, dass sie auch in schwierigen Situationen routiniert und mit hohem Sachverstand vorgehen.
„Erschrocken“ hat Architekt Roland Bondzio, der mit seinem Kollegen für den weiteren neuen Leipziger Uni-Campus zuständig ist, von van Egeraats Insolvenz gehört. Der Fall sei nur ein Spiegelbild dafür, was sich derzeit aufgrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise abspiele. Bondzio: „Van Egeraat hat unter seinen Auftraggebern wohl auch zahlreiche private Bauherren, die von heute auf morgen die Aufträge stornieren. Dass davon auch Leipzig betroffen ist, ist schon sehr bitter. Nun kommt es auf ein intelligentes Krisenmanagement an. Wir sitzen doch alle in einem Boot.“
Architekt Erick van Egeraat gehört zu den Globalplayern seiner Branche. Er beschäftigt weltweit 140 Mitarbeiter, baut unter anderem in Moskau, Prag, Lissabon und in Sotschi.
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Der Paulinumbau – ein Fragezeichen
Nach van-Egeraat-Insolvenz: Universität vertraut Krisenmanagement, Freistaat sieht Probleme
Die Nachricht schlug – um den zugegeben makaber klingenden Vergleich zu benutzen – wie eine Sprengladung ein: Architekt Erick van Egeraat hat Insolvenz angemeldet. Was bedeutet das für den Neubau der Universität am Augustusplatz?
Diese Frage stellen sich vor allem Universität und Freistaat. Vom Nutzer war in persona des Rektors Franz Häuser zu erfahren: „Mit Betroffenheit habe ich vom Insolvenzantrag gehört. Was das von ihm als Architekt geplante und betreute Paulinum und das Neue Augusteum betrifft, so schaue ich dennoch optimistisch in die Zukunft. Wir gehen davon aus, den 600. Gründungstag der Alma mater Lipsiensis am 2. Dezember dieses Jahres im Paulinum zu feiern.“
Man setze aber volles Vertrauen in die Kompetenz des sächsischen Finanzministeriums und des Sächsischen Staatsbetriebs für Immobilien- und Baumanagement. Beide hätten in der Vergangenheit unter Beweis gestellt, dass man auch in schwierigen Situationen routiniert und mit hohem Sachverstand vorgehe – „immer das Ziel vor Augen“, so Häuser. Zum Sommersemester 2009 wird laut Rektor planmäßig das Institutsgebäude der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und das Seminargebäude in Betrieb genommen.
Stephan Gößl, Sprecher des sächsischen Finanzministerin, beurteilt die Lage indes so: „Wir stehen im engen Kontakt mit dem Insolvenzverwalter. Zunächst kann weitergebaut werden. Auch sind die Mitarbeiter des Büros Egeraat weiter in Leipzig tätig. Längerfristig besteht aber weiterer Gesprächsbedarf.“ In Dresden stellt man die Ausrichtung der Feierlichkeiten zum 600-jährigen Universitätsjubiläum eher in Frage und glaubt, mit dem Festakt im Gewandhaus besser aufgehoben zu sein. Noch gibt es seitens van Egeraat Leistungsbedarf bei der Detailplanung der Architektur des Innenraumes. Ob der noch von ihm ausgeführt wird, ist eine der offenen Fragen, die mit dem Insolvenzverwalter zu klären sein werden.
Roland Bondzio, Architekt des Münsteraner Büros, das für die weiteren Bauten des neuen Campus verantwortlich zeichnet, war „erschrocken“, als er von der Insolvenz hörte. „Jetzt kommt es auf das Krisenmanagement an. Wir, und damit meine ich alle, denen dieser Bau am Herzen liegt, sitzen in einem Boot. Van Egeraat ist ein Opfer der weltweiten Krise“, sagt Bondzio. Er sei auch für zahlreiche private Bauherrn tätig, die oft von heute auf morgen ihre mitunter viele Millionen teuren Vorhaben stoppen und erstmal warten, wie sich die Krise entwickelt.
Erick van Egeraat (52) ist ein gefragter Mann in seiner Branche. 1995 hatte er die eigene Firma gegründet. Ihr gehören 140 ständige Mitarbeiter an. Egeraat hat neben seinem Stammsitz in Rotterdam Dependancen in London, Moskau, Prag und Budapest. Er baut nicht nur in Leipzig, sondern auch in Kopenhagen, Lissabon, Moskau, St. Petersburg, Venedig und im künftigen Olympiaort Sotschi, wo er sogar mit Putins Gnaden künstliche Inseln ins Meer setzen soll. Das Leipziger Projekt nennt der Architekt sein „Lieblingsvorhaben“: „Ich verfolge das Wachsen des Paulinums mit immer mehr Begeisterung, denn ein Haus auch mit so einem hohen geistigen Wert, der übrigens auch immens viel Geld kostet, konnte ich in meiner Tätigkeit als Architekt noch nicht errichten.“
Thomas Mayer
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KOMMENTAR
Von Thomas Mayer
Kleine und große Katastrophen
Der Uni-Bauplatz am Augustusplatz taugt seit Jahren für Schlagzeilen. Ja, mit dem Paulinum, wie der Aula-Kirche-Bau nach Maßgabe der Universität und trotz der Proteste des Paulinervereins samt seiner Verbündeten benannt ist, wird so gar keine Katastrophe ausgelassen.
Man weiß: Es gibt in Leipzig keinen vergleichbaren Ort, der derart polarisiert und der solche großen Emotionen weckt. Denn es geht nun mal um die Erinnerung an den Frevel der 1968 gesprengten Universitätskirche. Nach fast Jahrzehnte langer Debatte schien es, als herrsche Ein- statt Zwietracht. Doch der Architekturwettbewerb brachte hinsichtlich des Hauptgebäudes eine unbefriedigende Lösung. Schließlich bekam für das Uni-Hauptgebäude Erick van Egeraat den Zuschlag. Wieder schien alles paletti. Bald gab es Bauverzögerungen und den nicht enden wollenden Detail- und Ideologiestreit (Glaswand!) – von den steigenden Kosten ganz zu schweigen. Auch darüber beruhigten sich die Gemüter. Nun also die Insolvenz.
Bleibt zu hoffen, dass der Bau doch schon so weit gediehen ist, dass ihn gar nichts mehr stoppen kann. Alles andere wäre wirklich eine Katastrophe – für Leipzig und fürs Image der Stadt.
eMail: th.mayer@lvz.de
Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/86030.html
© LVZ-Online, 26.01.2009, 07:44 Uhr
Folge der Finanzkrise: Paulinum-Architekt van Egeraat ist pleite
Leipzig. Der Stararchitekt Erick van Egeraat, der in Leipzig für den Neubau des Paulinums am Augustusplatz verantwortlich zeichnet, ist pleite. Wie die Leipziger Volkszeitung in ihrer Montagsausgabe meldet, musste die Firma des niederländischen Architekten Insolvenz anmelden, nachdem mehrere seiner Großprojekte im Zuge der Finanzkrise gestoppt worden seien. Dies hatten am Wochenende einschlägige Fachdienste im Internet berichtet. Das Rotterdam Architekturbüro und der Sprecher des Dresdner Finanzministeriums, Stephan Gößl, bestätigten die Meldungen auf Anfrage. „Es wird aber weiter gebaut”, betonte Gößl mit Blick auf das Leipziger Projekt. Über weitere Auswirkungen könne man frühestens am Montag etwas sagen. Auch ein Anwalt van Egeraats erklärte, es werde versucht, einige Projekte zu vollenden.
Der 52-jährige Van Egeraat zeichnete bislang für den Neubau des Hauptgebäudes am Universitätscampus - eine Kombination aus Aula und Andachtsraum – verantwortlich. Das Paulinum soll an die 1968 gesprengte Paulinerkirche erinnern. Vorigen Herbst war auf der Baustelle Richtfest gefeiert worden, die Fertigstellung ist bisher für den 2. Dezember geplant, zum 600. Jubiläum der Leipziger Universität.
Swetlana Ritscher
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Quelle: http://www.mdr.de/sachsen/6080550.html
© MDR.de - 26. Januar 2009, 10:14 Uhr
Insolvenz
Architekt des Leipziger Uni-Neubaus pleite
Der Architekt des Leipziger Paulinum-Neubaus, Erick van Egeraat, ist pleite. Zeitungsberichten zufolge hat die Firma des Niederländers bereits Insolvenz angemeldet. Als Ursache der Zahlungsunfähigkeit gab das Rotterdamer Architekturbüro an, dass mehrere Großprojekte wegen der Finanzkrise gestoppt wurden.
Bauarbeiten gehen weiter
Die Bauarbeiten gehen trotz der Pleite des Architekten weiter. Das kündigte das sächsische Finanzministerium an. Sprecher Stephan Gößl sagte am Montag in Dresden, man spreche bereits mit dem Insolvenzverwalter in Holland. Der werde die Leipziger Baustelle offenlassen, so dass die Arbeiten weitergehen könnten.
Leipzigs Uni-Rektor Franz Häuser schließt allerdings Verspätungen beim Bau nicht aus. Bei MDR FIGARO sagte er, man habe für diesen Fall einen Plan B. Die 600-Jahr-Feier der Universität im Herbst sei definitiv nicht gefährdet.
Uni-Neubau soll Ende 2009 fertig sein
Der 52-jährige van Egeraat hat einen Teil des Neubaus der Leipziger Universität am Augustusplatz entworfen. Er plante unter anderem den Neubau der ehemaligen Universitätskirche, das sogenannte Paulinum, das 1968 auf Anordnung des damaligen DDR-Regimes gesprengt worden war.
Lange wurde über den Neubau der Unikirche debattiert, vor allem um das äußere Erscheinungsbild: Nachbau, Neubau oder gar keine Universitätskirche? Im Januar 2003 entschied sich Sachsens Landesregierung dann für einen modernen Neubau nach dem historischen Vorbild – eine Kombination aus Aula und Andachtsraum als geistig-geistlicher Veranstaltungsraum der Hochschule. Im Oktober 2008 wurde auf der Baustelle Richtfest gefeiert. Die Fertigstellung war bisher für Ende 2009 geplant, dann feiert die Leipziger Universität ihr 600. Jubiläum.
Mit Wortbeitrag auf MDR FIGARO (Interview mit Prof. Häuser)
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 20./21. Dezember 2008 (Printausgabe - Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Samstag, 20. Dezember 2008
"Wir müssen uns beeilen"
Erick van Egeraat über seinen Bau für die Leipziger Universität
Exklusiv für die Leipziger Volkszeitung hat das Architekturbüro Erick van Egeraat, Rotterdam, die Ansicht des Augustusplatzes mit dem laut Plan im Dezember 2009 fertig gebauten Paulinum visualisiert. Der Architekt spricht im Interview über den auch für ihn ganz besonderen Bau.
Frage: Sie garantieren Leipzig genau die Ansicht, die jetzt schon auf dem Foto zu sehen ist?
Erick van Egeraat: So wird der Augustusplatz aussehen. Die Aufträge für Fassade und Dach sind jetzt vergeben. Es gibt detaillierte Baupläne. Von diesen wird in Deutschland normalerweise nicht abgewichen.
Welche Materialien werden bei der Fassadengestaltung verwendet?
Das Hauptmaterial der Fassaden ist Stein. Wir werden einen Serpentino-Granit verwenden, der durch unterschiedliche Oberflächenbearbeitungen verschiedene Farbnuancen zum Ausdruck bringt. Die Grundfarbtöne sind Grün und Grau. Im Aula-Kirche-Bereich verarbeiten wir Muschelkalk. Das ist ein ziemlich heller, eierschalig aussehender Stein. Die Dächer werden aus Zink und aus Glas und Natursteinstreifen bestehen. Das Material der Fassade wird auch auf dem Dach zu sehen sein. Es wird also eine Architektur sein, die wie aus einem Guss daher kommt.
Wie verfolgen Sie selbst das Wachsen Ihres Baues?
Mit immer mehr Begeisterung, denn ein Haus auch mit so einem hohen geistigen Wert, der übrigens auch immens viel Geld kostet, konnte ich in meiner Tätigkeit als Architekt noch nicht errichten. Bei jedem Projekt ergeben sich natürlich immer Details, die man dann im Lauf der Zeit weniger gut findet. Doch im Vergleich zur oft hitzigen öffentlichen Debatte in Leipzig verläuft das konkrete Baugeschehen extrem konsistent. Natürlich gibt es Kontroversen, zum Beispiel über die Kosten. Es gibt dabei Dinge, die wir nicht so wie geplant ausführen können, um eben die Kosten nicht gar zu hoch zu treiben. Abstriche an den grundsätzlichen Plänen hat es aber nicht gegeben und wird es auch nicht geben. Das Originalbild, wie es schon im Ergebnis des Architekturwettbewerbes sichtbar war, entsteht derzeit auf dem Augustusplatz. Ja, es wird viel eindrucksvoller aussehen.
Der Bau wird aber, auch das ist kein Geheimnis, sehr viel teurer. So werden wohl die Kosten für den gesamten Campus von einst 140 auf fast 200 Millionen Euro steigen.
Das liegt nicht an uns. Wir haben es nun mal generell mit einer Kostenerhöhung zu tun. Ganz konkret sind gerade im Osten Deutschlands die Baukosten in den vergangenen zwei Jahren extrem gestiegen. Als wir anfingen, wurde noch mit typischen Ost-Preisen gerechnet. Die gibt es heute nicht mehr. Durch die auch den Bau treffende allgemeine Krise wird es aber kaum zu weiteren Erhöhungen kommen.
In nicht mal einem Jahr soll das Paulinum weitestgehend fertig sein. Kann der Termin gehalten werden?
Es ist möglich, doch muss dafür alles gelingen. Wir müssen uns beeilen, damit die 600-Jahrfeier der Universität im neuen Haus stattfinden kann.
In Leipzig wurde vehement um die Glaswand, die Aula und Andachtsraum trennen soll, gestritten. Jetzt scheint Frieden geschlossen. Wie lautet Ihre Position?
Die Glaswand ist wohl für manch einen ein Problem, nicht aber für mich. Ich habe immer gesagt, dass ich keine Kirche baue. Wer aber in diesem Bau eine Kirche sehen will, so kann er das tun, und wer eine Universitätsaula haben will, so ist auch diese Sichtweise legitim. Die Trennung zwischen Aula und Gottesdienstraum ist allein technisch bedingt. Sie wird voll und ganz aus Glas und dazu weitgehend flexibel sein, damit nicht ein einziges Element der Trennung zwischen den unterschiedlich zu nutzenden Räumen liegt. Ich meine, damit als Architekt das Maximale getan zu haben. Wenn das Haus fertig ist, kann man darüber entscheiden, ob ich Wort gehalten habe oder nicht. Das ist das einzige, was für mich zählt.
Sie stellen auf Ihrem Bild den Augustusplatz ohne Café Augustus und ohne Tiefgarageneinfahrt dar. Was ist der Grund dafür?
Ich zeige mein Idealbild, also die für mich letztendliche Gestaltung das Platzes. Ob es dazu kommen wird, ist heute noch fraglich. Erst muss das Paulinum fertig gebaut werden, dann sehen wir weiter.
Interview: Thomas Mayer
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 8. November 2008 (Printausgabe - Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Samstag, 8. November 2008
„Groteske und verletzende Züge“
Uni-Professoren Kiess und Brähler schalten sich in Diskussion um Paulinum ein
Die Universität braucht Raum zum Forschen und Lehren. Mit diesem Argument schalteten sich gestern zwei renommierte Professoren in den anhaltenden Streit um Namen und Glaswand des Neubaus der Universität am Augustusplatz ein. Wieland Kiess, Direktor der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche, sowie Elmar Brähler, Leiter der medizinischen Psychologie und Soziologie und zugleich Prodekan, sagten, die Raumnot der Fakultäten, die jetzt im neuen Gebäude inmitten der Stadt eine Unterkunft und Zukunft erhielten, „war notorisch und für einen ordnungsgemäßen Lehrbetrieb und eine erfolgreiche Forschung nahezu untragbar geworden“. Der Freistaat und die Universität hätten dieses erkannt und schafften mit dem Neubau nicht nur Abhilfe, „sondern auch ein Signal weit über die Region hinaus“.
Die Diskussion um den Namen Paulinum oder Paulinerkirche hat nach Ansicht der beiden Wissenschaftler inzwischen „groteske und verletzende Züge“ angenommen. Sie schade dem Ansehen Leipzigs und der Universität. Den Entwurf des Architekten Erick van Egeraat bezeichneten sie als gelungen. „Dieser Erfolg, diese positive Entwicklung und diese Zukunftsfähigkeit für die jungen Menschen in der Stadt und in der Region werden, aus welchen Gründen auch immer, schlecht geredet und damit beschädigt.“
Kiess und Brähler verwiesen darauf, dass Leipzig viele Kirchen habe, viele davon mit einer großen Geschichte, manche davon in schlechtem baulichen Zustand. Ihre Schlussfolgerung: Es fehle nicht eine Kirche für den Universitätsgottesdienst. „Es fehlt das Bewusstsein um Bildung, um die Bedeutung von Forschung und Wissenschaft für eine Region, für die Menschen in der Region, für die Wirtschaftskraft, für den Umgang miteinander.“ Die Professoren sagten, es sei schade, dass diejenigen, die für sich religiöse, historische und menschlich-ethische Werte reklamierten, „diese Werte in ihren Äußerungen häufig missachten oder konterkarieren“. Eine plurale Gesellschaft in einer Demokratie zeichne sich durch Toleranz, Akzeptanz von widersprüchlichen Meinungen, Einlenken in Kompromisse und letztlich das Akzeptieren von Mehrheiten aus.
Die zwei Mediziner sehen in der aktuellen Debatte Parallelen mit den Vorgängen um das 500-Jahre-Jubiläum der Universität vor einem Jahrhundert. Damals habe es die Forderung einzelner Professoren gegeben, den Universitätscampus in die Südvorstadt beziehungsweise nach Connewitz zu verlegen. Dieser Vorschlag sei hart diskutiert und dann verworfen worden. Heute kön- ne Leipzig stolz darauf sein, die Universität im Zentrum zu beherbergen.
Die Professoren riefen dazu auf, mit „Diffamierungen und kleinbürgerlichem Denken“ Schluss zu machen. Am Augustusplatz erhebe sich ein funktionell wichtiges Gebäude der Zukunft, „das an seine historischen Wurzeln und Bedeutung erinnert“. Die Uni tue gut daran, eine offene, internationale und plurale Hochschule zu sein und sich nicht in eine Diskussion um eine Glaswand oder eine einseitige Gebäudenutzung einzwängen zu lassen. In Zeiten, in denen auch die Verantwortung für wirtschaftliches Arbeiten gelte, sei eine Mehrfachnutzung von Räumen „nicht nur zu fordern, sondern eine Selbstverständlichkeit“.
Ulrich Milde
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Lesen Sie den offenen Antwortbrief eines der Gründungsstifter (Jost Brüggenwirth) der Stiftung "Universitätskirche St. Pauli zu Leipzig" vom 10. November 2008.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 21. Nvember 2008 (Printausgabe - Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Freitag, 21. November 2008
Leserbriefe
Uni-Leitung hält sich nicht an den Entwurf
Zum Artikel „Groteske und verletzende Züge“ vom 8. November:
Ach, hätten sich die Herren Professoren Kiess und Brähler doch lieber nicht „eingeschaltet“. Oder hätten sie sich vorher besser informiert. Es geht doch überhaupt nicht darum, dass der van Egeraat’sche Entwurf „schlecht geredet und damit beschädigt“ wird. Es geht einzig und allein darum, dass die Universitätsleitung – was den Innenraum des Aula/Kirche-Gebäudes betrifft – sich nicht an diesen Entwurf gehalten hat, sondern ihn nach und nach immer mehr verändert und verfälscht hat. Die Stichworte sind bekannt: Glaswand, kein Originalaltar, keine Originalkanzel, sachlich falscher Name „Paulinum“ und so weiter.
Die Herren Kiess und Brähler meinen betreffs der Universitätskirche St. Pauli – so hieß das Gebäude jahrhundertelang, und so wird es auch wieder heißen – eine Mehrfachnutzung sei „nicht nur zu fordern, sondern eine Selbstverständlichkeit“. Natürlich, niemand bestreitet das. Auch das war in diesem Gebäude jahrhundertelang der Fall – ohne trennende Glaswand, ohne Berührungsängste und ohne ideologische Spitzfindigkeiten. Und was die Raumnot der Fakultäten betrifft; offenbar hat die Uni Raumüberschuss, sonst wäre die Gesamtfront Grimmaische Straße in den Universitätsbetrieb eingebunden worden und keine Laden- und Boutiquenmeile daraus entstanden.
Pfarrer i. R. Gerd Mucke, 04103Leipzig
Neubau wird wie damals Uni-Kirche heißen
Zum Streit um den Neubau der Uni:
Trotz aller Diskussionen und Resolutionen um die Bezeichnung „Paulinum“ oder Paulinerkirche“ oder „Universitätskirche St. Pauli“ wird bei uns Christen – egal welcher Konfession – der Neubau genau wie damals einfach die „Uni-Kirche“ sein. Für das Amtliche hieße es natürlich Universitätskirche St. Pauli.
Renate Seiffert, 04299 Leipzig
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Interessant auch:
Die Nutzfläche der Einkaufsmeile (Erdgeschoßzone) in der Grimmaischen Straße geht grundsätzlich den Studenten für die Lehre verloren!
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 6. Dezember 2008 - Lokalteil, Seite 18
© Leipziger Volkszeitung
"Die Uni muss sich mehr öffnen"
Landesdirektionspräsident Walter Christian Steinbach über Paulinum, Bowlingtreff und Tourismus
Walter Christian Steinbach (CDU), Präsident der Landesdirektion Leipzig und der Kulturstiftung, fordert die Universität auf, sich mehr gegenüber den Bürgern zu öffnen. Im Interview sagt er zudem, eine konkrete Konzeption für den Bowlingtreff als Kulturzentrum werde erst Ende 2009 vorliegen.
Frage: Herr Steinbach, Sie haben als Präsident der Kulturstiftung Leipzig im Oktober angekündigt, den Bowlingtreff wieder zum Leben erwecken zu wollen. Was soll dort konkret stattfinden?
Walter Christian Steinbach: Die Kulturstiftung setzt sich dafür ein, dort ein Kulturzentrum Mitte zu entwickeln. Wenn wir eine belastbare Konzeption haben, legen wir fest, wie die Bauschritte aussehen. Nach momentaner Einschätzung wird das Ende 2009 sein. Derzeit sind wir mit der Stadt in Gesprächen. Zudem werden wir uns noch mit den 25 wichtigsten Kulturträgern Leipzigs zusammensetzen, um zu klären, welche Erwartungen sie an ein derartiges Kulturzentrum haben.
Der Leuschnerplatz ist momentan eher ein öder Ort. Dort soll ein Kulturzentrum funktionieren?
Aber ja. Die City-Tunnel-Station entsteht, die neue katholische Kirche wird gebaut, für die Markthalle gibt es ernsthafte Investorengespräche. Der Leuschnerplatz wird in fünf Jahren wieder der lebendige Eingang zur Südvorstadt sein.
Und wer bringt das Leben in den Bowlingtreff?
Eine Reihe von Kultureinrichtungen haben uns signalisiert: Uns fehlt in der City ein großer Ausstellungsraum, der nicht an ein Museum gebunden ist. Zudem könnte eine der beiden Bowlinghalle wieder betrieben werden. Architekten sagen uns, es bräuchte wenig, um die Eingangshalle wieder fit zu machen. Und infrastrukturelle Probleme der Erschließung, insbesondere das Parkplatzangebot, sind zu klären. Vielleicht kann man sich ja die Parkplätze mit der künftigen Markthalle teilen.
Wie wollen Sie die Investitionen gegenfinanzieren?
Zuerst einmal ist ein Erbpachtvertrag mit der Stadt für vielleicht 30 Jahre nötig, um Planungssicherheit zu haben. Mit drei Millionen Euro dürfte die Sanierung zu stemmen sein. Die Ausgaben können über Vermietung und Verpachtung refinanziert werden. Dass die Kulturstiftung so etwas kann, hat sie bei der Alten Nikolaischule gezeigt. Die wurde für 7,5 Millionen Euro saniert, ist voll belegt und funktioniert.
...
Frage: Welche Rolle kann der Aula-Kirche-Bau der Uni für das Bachfest spielen?
Walter Christian Steinbach: Eine tragende. Es ist sogar in der Ausschreibung festgeschrieben, dass er einen Beitrag zur Stärkung der Bach-Tradition leistet. Im Hinblick auf diese Zielstellung bemängeln jedoch die Akustiker die Glaswand. Die ist aber erst auf Wunsch der Uni hineingekommen. Es war ihr Anliegen, Aula und Chorraum zu trennen. Erst danach kam die Argumentation in Gang, die Wand sei wesentlich für das Klima der Epitaphe. Aber was spricht dagegen, sie in der Krypta zu zeigen? Unter anderem würde das auch den Vorteil haben, dass die Kunstwerke nicht, wie jetzt vorgesehen, übereinander angebracht werden müssen. Zudem möchte ich daran erinnern, dass die ursprüngliche Konzeption eine komplett zu öffnende und somit vollständig mobile Wand vorsah. Problematisch ist es, dass nun auf diese Mobilität verzichtet wird.
Was ist das Problem?
Neben der Akustik wird der Eindruck des wunderbaren Gesamtraums getrübt. Wenn schon eine Glaswand, dann eine vollständig mobile und nicht nur in der Mitte zu öffnende. Ich weiß noch genau, wie Architekt Erick van Egeraat bei mir saß und sagte, die technische Ausführung wäre kein Problem.
Können Sie verstehen, dass die Uni ein Problem hat, das Haus als Kirche zu weihen?
Ja. Nur: Die Weihe ist auch nicht das Thema. Sie muss nicht unbedingt sein. Aber genauso finde ich ein Konstrukt wie den Namen Paulinum un- nötig. Die Leipziger werden immer sagen: Wir treffen uns an der Unikirche. Man kann so etwas nicht künstlich aufpfropfen. Viel wichtiger finde ich, dass die Universität für Leipziger und Besucher ihr wunderbares neues Haus erlebbar macht.
Sie sollte sich mehr öffnen?
Das kann ich nur dringend empfehlen: Die Uni muss sich mehr öffnen. Dieser Ort im Herzen der Stadt ist prädestiniert dafür, ein ganz besonderer zu werden - einer, an dem bürgerliches, universitäres, kirchliches Leben zusammenkommen. Bislang ist das nicht gelungen. Zum Richtfest kamen 200 geladene Gäste. Die Chance hätte jedoch bestanden, dieses gemeinsam mit den Leipzigern, zum Beispiel im Rahmen eines großen Bürgerfestes zu feiern. Stattdessen wird letzteres veranstaltet, wenn ein paar Tage später in der Campuszeile an der Grimmaischen Straße Geschäftseröffnungen stattfinden.
Interview: Peter Krutsch
Quelle: http://www.zeit.de/campus/online/2008/47/uni-leipzig
© ZEIT ONLINE 21.11.2008 - 17:13 Uhr
Neubau Uni Leipzig
Zwischen Andacht und Kommerz
Von Maxie Thielemann
Die neue Aula der Uni Leipzig ähnelt einer Kirche, in einem Institut finden sich Shops von Puma und Starbucks. Studenten bangen um die Unabhängigkeit der Uni
Henrike Blieffert, 21, steht vor dem neu eröffneten Puma-Store in der Grimmaischen Straße in Leipzig und verteilt Flugzettel, die wie ein Kassenbon gestaltet sind. Auf der einen Seite sind Waren aufgelistet, daneben die Preise. Zwischen anderen Produkten steht dort: „Seminar Sportpädagogik, sponsored by Puma. Preis: 80 Euro." Der Puma-Store, vor dem Blieffert steht, befindet sich nicht in einem Einkaufszentrum, sondern im Institut für Wirtschaftswissenschaften ihrer Uni. An diesem Morgen wird dort eine Ladenzeile mit Geschäften von Puma, Starbucks, The Body Shop und Levi Strauss eingeweiht.
Ein privater Investor, die MIB AG, hat das Gebäude errichtet und ist über einen Erbbaurechtsvertrag für 99 Jahre Pächter rund eines Fünftels der Fläche. Der Erbbauzins, den er dafür zahlt, kommt direkt dem Universitätsneubau zugute. Das Gebäude ist nur ein Teil einer großen Neugestaltung des Campus der Uni Leipzig, der im kommenden Jahr zum 600-jährigen Bestehen der Uni abgeschlossen sein soll.
Doch der Psychologie-Studentin Blieffert ist nicht nach Shoppingtour zumute. Zusammen mit einigen Kommilitonen will sie mit den vorbeilaufenden Menschen ins Gespräch kommen. Es geht um Bildung und Konsum und um die Frage, wie beides miteinander vereinbar ist - oder eben nicht. „Hier wird eine Grenze überschritten. Geschäfte haben in einer staatlichen Bildungseinrichtung einfach nichts zu suchen.“
Blieffert gehört zu einer Gruppe von Kritikern des neuen Campus, die zurzeit nicht viel Gehör finden. Denn diskutiert wird vor allem über das Paulinum, ein kirchenähnliches Gebäude auf dem Augustusplatz, das nach Fertigstellung den Leipziger Studenten als Aula nebst Andachtsraum zur Verfügung stehen soll.
An derselben Stelle in der Innenstadt stand früher die Universitätskirche St. Pauli, einst von Martin Luther geweiht und 1968 vom DDR-Regime in die Luft gesprengt. Der Neubau, wie er nun nach einem Entwurf des niederländischen Architekten Erick van Egeraat entsteht, ist ein Kompromiss nach einem jahrelangen erbitterten Streit zwischen Befürwortern eines originalgetreuen Wiederaufbaus und den Kritikern, die eine Kirche auf dem Campus unpassend finden. Mittlerweile streitet man in Leipzig vor allem darüber, ob der geplante Andachtsraum innerhalb des Gebäudes mit einer Glaswand von der Aula abgetrennt werden soll oder nicht.
Der Campus-Neubau ist das zweitgrößte Bauvorhaben des Freistaates Sachsen. „Die Universität soll besser mit der Stadt vernetzt werden, zum Beispiel durch öffentliche Durchgänge zum Campus“, sagt Heike Scheller, Sachgebietsleiterin Zentrum. Die Einkaufszeile im Erdgeschoss des Institutsgebäudes sei Konsens von Universität und Stadt gewesen. Auch früher habe es schließlich schon die Unibuchhandlung und ein kleines Reisebüro auf dem Unigelände gegeben.
„Die Ladenzeile ermöglicht eine Aufwertung der Grimmaischen Straße“, sagt Tobias Höhn, Sprecher der Universität. Die Uni hatte keinen Einfluss auf die Auswahl der Geschäfte. Man habe qualitativ hochwertige und langfristige Mieter für die zehn Ladenflächen gesucht, die nicht nur für die Studierenden attraktiv seien, sagt Alexander Schlag von der MIB AG.
Henrike Blieffert möchte sich und ihre Kommilitonen lieber anders integriert sehen. „Wenn man die Uni schon dem Stadtleben öffnen will, warum dann nicht mit Begegnungsräumen, wo wissenschaftliche Forschungsprojekte vorgestellt werden?“ Auch für nützliche Geschäfte wie Copyshop oder Unibuchhandlung hätte Blieffert mehr Verständnis als für teure Lifestyle-Produkte.
Ilka Hausmann vom Studentinnenrat der Uni Leipzig begleitet als Referentin den Unineubau und ärgert sich selbst über die Ladenzeile. „Generell ist das Interesse aber eher klein. Es gibt auch Studierende, die sich freuen, dass sie auf dem Weg zum Seminar bei Starbucks noch einen Kaffee kaufen können. Es gibt also die Kritiker und die Praktiker.“
Für Henrike Blieffert und ihre Kommilitonen ist das Thema nicht erledigt. „Letztendlich geht es bei der Diskussion um das Kirchenportal und die Kritik an der Ladenzeile um dasselbe, nämlich um fragwürdige Einflüsse von außen und die Wahrung einer unabhängigen Universität.“ Und wenn sie auf dem Weg in die Vorlesung stets durch eine Einkaufszeile gehen müssen, sehen sie genau diese Unabhängigkeit in Gefahr.
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* Die Angst vor der Kirche
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 10. März 2009 (Printausgabe - Lokales)
© Leipziger Volkszeitung
Café Felsche: Fertigstellung bis Jahresende
Drei Monate Zeitverzug durch Insolvenz des Star-Architekten Erick van Egeraat
Trotz der Insolvenz des Star-Architekten Erick van Egeraat erscheint eine Eröffnung des neuen Cafés Felsche am Augustusplatz noch in diesem Jahr möglich. „Die Insolvenz hat uns eher drei als zwei Monate Zeit gekostet“, erklärte gestern auf Anfrage Alexander Schlag, Vorstand des Privatinvestors MIB AG. „Aber wir gehen davon aus, dass uns die Fertigstellung bis Jahresende gelingt.“ Frühestmöglicher Termin sei der November.
Das Büro van Egeraat hatte am 20. Januar Insolvenz angemeldet, weil es seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen konnte. „Das Leipziger Büro war schon in den sechs Monaten vor der Insolvenz nur noch beschränkt handlungsfähig“, sagte Schlag, dessen Café Felsche von van Egeraat architektonisch in den Entwurf für den benachbarten neuen Uni-Campus integriert worden war. „Es gab extrem lange Reaktionszeiten bei Planungen, Ausführungsunterlagen und Bemusterungen“, so Schlag, der das Neun-Millionen-Euro-Projekt Café Felsche auf eigene Rechnung und weitgehend unabhängig vom Freistaat Sachsen baut.
Laut Schlag hat die MIB aber noch Glück gehabt. Denn im Gegensatz zum Campus-Areal – dessen Fertigstellung sich durch die Insolvenz um weitere drei bis sechs Monate verzögert – hat ihn die Zahlungsunfähigkeit des Holländers nicht mit voller Wucht getroffen. „Die Probleme kamen spät“, meint Schlag. Van Egeraats Leipziger Büro habe der MIB „alle Planungen und Bemusterungsentscheidungen“ auf den Tisch gelegt. „Wir können das Bauvorhaben jetzt mit und ohne Herrn van Egeraat fertigstellen.“
Wie berichtet, hat der Freistaat dem insolventen Star-Architekten gekündigt und für die noch ausstehenden Leistungen ein neues Vergabeverfahren eingeleitet. Obwohl die Auswahl erst zum Monatsende entschieden wird, ist beim Ausbau des Cafés Felsche schon der Endspurt eingeläutet. „Wir bereiten mit Nachdruck die Fassadenarbeiten vor“, sagte Schlag. Mit dem Aufbau des Systems aus Stahl, Glas und Naturstein werde in wenigen Tagen begonnen. Auch die Suche nach Mietern für den siebenetagigen Bau läuft auf Hochtouren. „Wir haben die Vermietung komplett dem Generalnutzer überlassen“, so der MIB-Chef.
Bei dem Generalnutzer handelt es sich um den Restaurantbetreiber Vapiano, hinter dem die Hamburger Familie Gerlach steht, die in Leipzig auch das Seaside Park Hotel betreibt. Vapiano zieht ins Erdgeschoss und ins erste Obergeschoss des Café Felsche ein und bietet dort auch Kaffee und Kuchen an. „Diese Flächen befinden sich an der Augustusplatz-Seite und ziehen sich bis in die Einmündung der Grimmaischen Straße herum“, sagte Schlag. Frei sei nur noch ein kleiner Ladenbereich gleich neben Starbucks.
Im zweiten bis fünften Obergeschoss wird es Büros geben; darüber – in der sechsten Etage und im obersten Teilgeschoss – entstehen so genannte Service-Apartments. Das sind möblierte Zimmer, die mit hotelähnlichem Komfort für Tage oder Wochen buchbar sind, zu denen aber keine Rezeption gehört. „Solchen Gästen können wir auch 30 Stellplätze anbieten“, betonte Schlag. Dies sei möglich, weil vom Untergeschoss des neuen Cafés ein Tunnel zur Tiefgarage des benachbarten Institutsgebäudes der Universität führt.
Andreas Tappert
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© LVZ
STANDPUNKT
Von Andreas Tappert
Der Bauverzug auf dem Campus wird richtig teuer
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Uni-Rektor Franz Häuser können aufatmen: Wenn am 2. Dezember im Paulinum die 600-Jahr-Feier der Universität steigt, müssen sie nicht stundenlang in einem halbfertigen, zugigen Bau feiern – sie können sich höchstwahrscheinlich zwischendurch im neuen Café Felsche aufwärmen gehen. Denn die Kaffeehaus-Investoren stecken die Insolvenz des Büros van Egeraat besser weg als die Campus-Erbauer.
Trotzdem dürfte es noch geraume Zeit dauern, bis sich im neuen Kaffeehaus das richtige Flair einstellt. Denn im Campus nebenan wird noch lange gehämmert. Als Übergabetermin für Hauptgebäude und Paulinum gilt jetzt der Oktober 2010 – die Einrichtungsphase wäre dann erst mit Beginn des Sommersemesters im April 2011 beendet. Tillich und Häuser sollten im Felsche nicht zu viel Geld für Kaffee ausgeben. Sie werden noch jeden Cent brauchen, denn der Bauverzug auf dem Uni-Campus wird richtig teuer.
eMail: a.tappert@lvz.de
Quelle: http://www.lizzy-online.de/
© Leipziger Internet Zeitung
veröffentlicht von: Admin am Samstag, 18. Oktober 2008
Seaside in Leipzig: Parkhotel lädt morgen ein und am alten "Felsche"-Standort wird im Sommer eröffnet
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Der nächste Baustein in Leipzig ist schon an der Ecke der Grimmaischen Straße zum Augustusplatz zu sehen. Seit dem Fühjahr wächst da in erstaunlicher Geschwindigkeit auf einem höchst historischen Grundstück ein Bauwerk in die Höhe - ganz ohne Bautafel und Hinweisschild. Hier stand bis zu den Bombennächten 1943 / 44 das legendäre Café Felsche, in dem auch ein Erich Kästner gern saß, seinen Kaffee trank, die Zeitung las und hinausschaute auf das Treiben auf dem Augustusplatz.
Die Seaside-Gruppe baut hier gemeinsam mit der MIB aus Hannover das fehlende Puzzle-Stück aus dem Entwurf Erik van Egeraats für den Leipziger Uni Campus. Das frei stehende Gebäude passt sich architektonisch in den Uni-Neubau ein, steht aber - wie einst das Café Felsche - separiert. Und wird deutlich früher fertig. Gerlach rechnet mit Mitte 2009 als Tag der Inbetriebnahme.
Fest steht schon, dass in den beiden unteren Etagen ein "Vapiano" Platz finden soll, sozusagen eine moderne Variante des Kommunizierens, auch wenn Pizza und Pasta in dieser Franchise-Kette Kuchen und Bockwurst ersetzen. "Ich denke, das ist eine Lösung, die dem Standort gerecht wird", so Gerlach. "Sozusagen die Idee des Cafés in einer neuen Variante." Wobei für ein Drittel der Fläche noch ein Mieter gesucht wird. Es soll auch schon Interessenten geben, die hier ein neues "Café Felsche" eröffnen wollen.
Vier Etagen sind für Büroräume vorgesehen. Die beiden obersten sollen ein für Leipzig neues Übernachtungskonzept verwirklichen. "Aber das ist noch nicht ganz spruchreif", so Gerlach.
Quelle: http://www.leipziger-internet-zeitung.de/
© Leipziger Internet Zeitung - 24. Oktober 2008
Shoppen in Leipzig: Läden in der Grimmaischen Straße öffnen, Studenten protestieren, Bäume kommen noch
Nix ist fertig. Aber gefeiert werden darf schon mal. Am gestrigen Donnerstag, 23. Oktober, waren die Leipziger eingeladen, die frisch gepflasterte Grimmaische Straße samt Ladenzeile in Besitz zu nehmen - pardon, zu feiern. Die Straße gehört weiter der Stadt und die Ladenzeile der MIB. Anlass genug für vehemente Proteste.
Diesmal waren es die Studenten, die den morgendlichen frischen Termin nutzten, um gegen die Eroberung des universitären Raumes durch den "blanken Kommerz" zu protestieren - mit Protestvorlesung vorm niegelnagelneuen Starbucks-Café, Einkaufswagen und Protestchor: "alma mater consumensis". Der Sündenfall in ihren Augen: Erstmals hat die Universität Leipzig ein Gebäude im derzeit viel gepriesenen PPP-Modell realisiert, was englisch ist, weil's auch im angloamerikanischen Raum erfunden wurde. Zu deutsch: öffentlich-private Partnerschaft.
ÖPP. Erfunden bekanntlich aus Not: Wo der Staat die Mittel für Bildung und Bildungsinvestitionen kürzt, braucht man andere Geldgeber. Im Fall des neu gebauten Campusgebäudes an der Grimmaischen Straße war das die MIB AG Immobilien und Beteiligungen, die das Grundstück für 99 Jahre in einer Erbpacht bekam und den 100 Meter langen, 23 Meter tiefen, sechseinhalb Geschosse hohen Universitätsbau für 30 Millionen Euro hochzog. Fertig ist der Bau noch nicht. Einziehen kann das Institut für Wirtschaftswissenschaften in seine fünf Etagen erst im Frühjahr 2009. Dort fehlt noch der Großteil der Innenausstattung.
Fertig waren zur gestrigen Straßeneröffnung nur die Ladengeschäfte, zehn an der Zahl. Der Vertrag mit der Universität Leipzig regelt, dass die MIB auch als Eigentümer der Ladenflächen agiert. Was dann auch Richtungen vorgibt. Während die Studenten sich eher eine "Bildungs-Mall" und öffentliche Nutzung für diese Flächen im Uni-Campus wünschten, hat die MIB die attraktiven Ladengeschäfte natürlich an jene vermittelt, die sowieso gern mit ihren Filialen in City-Lagen ansässig sind - und die auch in der Lage sind, City-Mieten zu zahlen.
Wie Starbucks eben, in den USA gegründet und mittlerweile mit 16.000 Coffee Houses weltweit vertreten, in Leipzig nunmehr mit zwei. Auch wenn man Wert legt auf nachhaltig angebauten Kaffee - Starbucks gehört mittlerweile genauso zu den Unternehmen, die als typische Vertreter der Globalisierung unter us-amerikanischen Vorzeichen gelten, so wie Levi's, zwei Läden weiter. Und auch McPaper, dm, O2, Puma kennt man als Allgegenwärtige aus anderen deutschen Großstädten. Verständlich, dass sich einige Studenten verwirrt fühlen und eine räumliche Trennung vermissen.
Auch wenn Leipzig Baubürgermeister Martin zur Nedden gern daran erinnert, dass 600 Jahre Uni-Geschichte in Leipzig immer auch eine Überschneidung von Studium und Kommerz waren. „Anders lässt sich das in einer weltoffenen Stadt wie Leipzig gar nicht machen", sagt er.
Das hat aber auch keinen Einfluss darauf, wie die MIB "ihre" Ladenflächen vermarktet. Es ist ein besonders sichtbares Stück moderner Verkaufskultur. Das natürlich an Leipzigs jüngstem Stück Fußgängerzone auch wieder zeigt, wie wenig zahlungskräftige Händler es überhaupt noch in der Region gibt und wie sehr die großen Filialisten das Bild deutscher Innenstädte dominieren. Ob's auch bei den Umsätzen funktioniert, bleibt abzuwarten. Das hängt auch davon ab, wie die Leipziger und die Besucher der Stadt die für 2,4 Millionen Euro umgestaltete Grimmaische Straße annehmen. Die natürlich längst nicht fertig ist.
Bauzäune kennzeichnen jetzt noch die Flächen, wo im November die geplanten Bäume geplanzt werden sollen (sechs Stück an der Zahl) und bis zum Frühjahr 2009 die "steinerne Landschaft", die das Berliner Büro treibhaus als Spielraumkonzept für die Grimmaische entworfen hat: zwei Wasserspiele und diverse Stein-Wände, die noch zwischen den acht leuchtenden Bänken Platz finden sollen. Dann wird auch der Neubau auf dem Platz des ehemaligen Café Felsche Gestalt angenommen haben, der die Straße teilweise abschirmt gegen den Augustusplatz. Das sechsstöckige Gebäude baut die MIB gemeinsam mit der Seaside-Hotel-Gruppe. Dann wird man erst sehen, ob das geplante Straßenkonzept aufgeht.
Auch Fahrradbügel soll es geben, leicht abbaubar, wenn das Marktamt die Buden für den Weihnachtsmarkt hinstellen will, der nun auch wieder auf diesem Stück Fußgängerstrecke stattfinden soll. Der fünf Meter breite Streifen vor den neuen Geschäften war übrigens ürsprünglich auch Uni-Gelände, gehörte bis zur Bombennacht im Dezember 1943 zum nach Kurfürst Moritz benannten Mauritianum.
Moritz hatte Bauten und Grundstücke des ehemaligen Dominikanerklosters 1543 der Universität übereignet. Es ist genau das Gelände, auf dem jetzt der neue Uni-Campus entsteht. Das Stück Straßenraum hat die Universität mit der Stadt Leipzig getauscht gegen eine Geländeecke an der Moritzbastei, auf der jetzt die neue Mensa entstand.
Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/76749.html
© LVZ-Online, 23.10.2008, 16:41 Uhr
Geschäfte öffnen mit Volksfest in der Grimmaischen Straße
Leipzig. In der Grimmaischen Straße wurde am Donnerstag gefeiert. Und zwar gleich aus mehreren Gründen. Einerseits ist das erste Gebäude vom neuen Universitäts-Campus fertig – inklusive zehn Läden im Erdgeschoss. Andererseits schließt die Stadt den Umbau der Grimmaischen Straße ab und stellte zugleich ihre Pläne für ein großes Wasserspiel vor.
30 Millionen Euro haben der Freistaat Sachsen und der Projektentwickler MIB AG in das moderne Institutsgebäude investiert, dessen Glasfront an der Grimmaischen Straße stolze 102 Meter lang ist. Im Erdgeschoss öffnen zehn Geschäfte. „Wir haben jahrelang nach schönen Flächen an der wichtigsten Leipziger Einkaufsmeile gesucht“, erzählt Maria Leinweber, die aus Portugal stammende Inhaberin der Tamaris-Schuhboutique.
Viele Leipziger, die an dieser Stelle noch die alte Uni-Mensa und Buchhandlung vor Augen haben, dürften sich die Augen reiben. Schon im Jahr 2001 hatte der Freistaat Sachsen als Finanzier der Uni einen Wettbewerb zur baulichen Neugestaltung des gesamten Campus ausgerufen – den Zuschlag erhielt das Architekturbüro Behet & Bondzio. „Nach diesen Entwürfen durften wir dann im Juli 2007 mit dem Neubau beginnen“, sagt MIB-Vorstand Alexander Schlag. „Und haben sowohl den Zeitrahmen als auch die Kosten absolut eingehalten.“
In öffentlich-privater Partnerschaft entstand ein 5,5-geschossiger Neubau. Er ragt zum Teil über die große Tiefgarage hinweg, die bereits unter dem Hof des Campus ruht. Im Erdgeschoss wurden Anfang der Woche vietnamesische Holzstühle für ein Starbucks-Café angeliefert, auch nebenan bei Backwerk, Puma oder Levi’s gewerkelt.
„Wir konnten einige internationale Marken gewinnen, die die Leipziger sonst nur aus dem Urlaub kennen“, berichtet MIB-Geschäftsführer Uwe Laule. Bestes Beispiel sei das junge französische Modelabel Promod. „Gemischt ist das mit Alltagsbedarf für die Studenten wie McPaper.“
Ebenfalls so gut wie fertig sind die Obergeschosse mit etlichen Seminarräumen und einer riesigen Freiterrasse. Sie umfasst 250 Quadratmeter, bietet den Studenten künftig einen fantastischen Blick über den Campushof und auf das Paulinum. Allerdings wird die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ihre vier Etagen erst im April 2009 beziehen, bestätigt Uni-Sprecher Tobias D. Höhn.
„Die Außenanlagen sind noch nicht soweit. Auch könnte es Probleme mit den Datenleitungen oder beim Umzug geben. Ringsum ist ja noch Baustelle.“ Deshalb wolle die Alma Mater das Institutsgebäude erst in der nächsten Semesterpause übernehmen – im April gemeinsam mit dem benachbarten Seminargebäude, dem ebenfalls umgestalteten Hörsaalbau und der Mensa eröffnen.
Für Ilka Hausmann, baupolitische Sprecherin beim Studentenrat, geht das in Ordnung. „Es wäre ein zu hoher Aufwand, jetzt mitten im Semester umzuziehen. Außerdem genießen die Wirtschaftswissenschaften in ihrem Übergangsquartier an der Jahnallee noch recht gute Bedingungen“, sagt sie.
Zu Füßen der „Lochfassade“ von Behet & Bondzio, die aus Glas und Naturstein besteht, verlegt die Beuchaer Firma UBL nun letzte Platten in der Grimmaischen Straße. Deren Neugestaltung soll ebenfalls gewürdigt werden zu dem Fest, bei dem etliche Stände, die Leipziger Spielkiste und die Hamburger Band Undercover Percussion für Unterhaltung sorgten.
Bei der Party stellte die Stadt erstmals ihre Pläne für ein großes Wasserspiel vor dem Institutsneubau im Detail vor. Etliche Düsen für die bis zu 1,80 Meter hohen Fontänen liegen schon im Erdboden. Auch acht Sitzbänke, die abends leuchten, wurden montiert. Jedoch fehlen noch die Bäume und eine „steinerne Landschaft“ aus Fichtelgebirgsgranit, die ab Frühjahr 2009 aus dem Brunnenareal einen Spielraum für Kinder machen sollen.
Jens Rometsch
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Informieren Sie sich:
Vertrag der MIB AG mit der Universität Leipzig
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 21. Nvember 2008 (Printausgabe - Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Freitag, 21. November 2008
Der Umsetzer
Ekkehard Krainer bringt beim Paulinum Vorstellungen und Vorschriften auf einen Nenner
„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“ – schon Goethes Faust wusste den Spaziergang zu schätzen. Die LVZ geht mit Persönlichkeiten durch die Stadt, die ihre Umgebung prägen, sie verschönern, beschreiben oder bedichten. Heute: Mit Ekkehard Krainer, Projektleiter beim Bau des Paulinums, von seinem Büro gegenüber der Baustelle zu seiner Wohnung in der Elsterstraße.
Ekkehard Krainer zieht sich die braune, etwas übergroße Lederjacke an, schnell, aber nicht hektisch. Gerade kommt er aus einer Konferenz mit einer Firma, die am Paulinum manche der Fassaden baut. „Zurzeit sind immer Besprechungen. Da kommt man nicht zum Arbeiten – das ist der Vorteil“, sagt er, und sein permanent leicht amüsiert wirkender Gesichtsausdruck verzieht sich kurz zu einem Grinsen. Wir gehen die Treppe des Büros in der Universitätsstraße hinunter und die Baustelle entlang zum Augustusplatz.
Von seinem Chef bei diesem Projekt, dem Architekten Erick van Egeraat, war die Idee gekommen, eine Glaswand in die gerade entstehende Aula zu bauen – damit die Epitaphien durch den Tagesbetrieb nicht zu Schaden kommen, es aber trotzdem wie ein Raum wirkt, erklärt Krainer. Ob er überrascht ist, was für eine Diskussion die Glaswand und die Namensgebung des Paulinums, das manche lieber Universitätskirche nennen würden, ausgelöst haben? „Ich bin überrascht, wie schnell sich das hochgeschaukelt hat und wie wenig fundiert die Diskussion ist“, antwortet er. Krainer schüttelt mit dem Kopf, während wir auf der Goethestraße Richtung Bahnhof gehen. „Wie Kinder im Sandkasten kommen mir diese Leute vor.“ Die alte Universitätskirche wieder errichten zu wollen, wie sie früher stand, zeugt für ihn von einem grundfalschen Verständnis von Geschichte, sagt er. „Früher wurde in der Universitätskirche diskutiert, sie war wichtig für die Stadt. Die Frage müsste also sein, wie dieser Ort wieder so eine zentrale Funktion haben kann. Dazu habe ich aber bisher noch keine einzige Aussage gehört.“ Auch wenn Krainer das Streiten der Universität überlassen könnte, die die Entscheidung zu verantworten hat – ganz verbergen kann er seine Aufgebrachtheit nicht.
Als Projektleiter beim Bau des Paulinums ist Krainer derjenige, der dafür sorgt, die Pläne von van Egeraat in die Tat umzusetzen. „Ich bin das Bindeglied. Meine Aufgabe ist es, Ericks Vorstellungen mit den deutschen Vorschriften auf einen Nenner zu bringen“, erklärt er, während wir den Tröndlinring Richtung Blechbüchse entlanggehen. Denn als niederländischer Architekt sei van Egeraat viel lockerere Bestimmungen und Gesetze gewohnt. Die ungewöhnliche Geometrie des Uni-Neubaus, erzählt er, sei aber nicht nur schwierig mit den deutschen Behörden abzustimmen, sondern auch kompliziert zu planen und zu bauen. Das bedeutet für ihn Arbeitstage von zwölf bis 14 Stunden – „aber das stört mich nicht“, sagt der Österreicher in seinem Dialekt, der ihm auch nach 13 Jahren in Deutschland noch nicht abhanden gekommen ist. „Interessante und ungewöhnliche Projekte sind immer die, die mehr Arbeit erfordern.“
Wir sind nun auf der Jahnallee. Außer seinem Weg zur Arbeit und dem Paulinum sehe er nicht viel von Leipzig, sagt Krainer. Denn wenn er mal nicht arbeitet, ist er zu Hause in Hamburg, bei seiner Frau, die auch Architektin ist, und bei den Kindern. Seine Familie sei es „nicht anders gewohnt“, dass er in der Woche fast immer in einer anderen Stadt ist. Vor Leipzig waren das München, Dresden und Frankfurt/Main, stets war er Projektleiter, in München und Frankfurt bei Hochhäusern, in Dresden beim Neubau der Staats- und Landesbibliothek für das renommierte Architektenbüro Ortner und Ortner. „Ich wollte immer große Projekte machen“ – das sei neben seiner Frau auch der Grund gewesen, von Wien nach Hamburg zu ziehen.
Inzwischen sind wir vor seiner Wohnung angekommen, im zweiten Stock des Eckhauses an Jahnallee und Elsterstraße. Die Fenster sind groß, die Zimmer hoch. Schön müsse es sein, dort zu wohnen. „Naja“, antwortet Krainer in seiner lakonischen Art, „wohnen ist übertrieben“.
Florian Bamberg
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 22. Oktober 2008 (Printausgabe - Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Mittwoch, 22. Oktober 2008
Betonwände machen Kühlung extrem teuer
Neue „Paulinerkirche“ ist nicht als Gotteshaus konzipiert
Immer größere Probleme bereitet den Bauexperten die Klimatisierung der neuen Aula. Grund: Das Gebäude wurde nicht dafür ausgelegt, alte Kirchenschätze aus Holz aufzunehmen, die relativ niedrige Temperaturen und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit benötigen. So wurde das neue Gebäude aus Beton errichtet – nicht aus Ziegel, die beim Kirchenbau üblich sind.
Auch die umstrittene Glaswand – die den Andachtsraum vom Aulabereich trennen soll – erfüllt eine Klimafunktion: Sie soll verhindern, dass sich der Andachtsraum zu schnell aufheizt, wenn in der benachbarten Aula mehrere hundert Menschen sitzen und diesen Teil durch ihre Atemluft und ihre Körpertemperatur erwärmen. Die Klimatechnik des Paulinums ist deshalb zweigeteilt: Während im Andachtsraum ständig eine Klimaanlage aktiv ist und dafür sorgt, dass dort wenigstens Stein- und Metall-Epitaphien untergebracht werden können, soll die Aula nur bei Veranstaltungen klimatisiert werden. Die Klimaanlage der Aula ist leistungsstark ausgelegt – und produziert entsprechend hohe Energiekosten. „Als der Bau konzipiert wurde, ging man davon aus, dass dort nur drei- bis viermal im Jahr Konzerte stattfinden werden“, berichten Experten. Die dabei entstehenden Energiekosten seien als verträglich eingestuft worden. „Wenn dort jetzt jedes Wochenende ein Gottesdienst stattfinden sollte, werden die Kosten explodieren“, heißt es. Das heute erwogene Anbringung von Kunstschätzen aus Holz könne deshalb maximal in Vitrinen geschehen.
Die Bauherren müssen sich deshalb des Vorwurfs erwehren, den Bau aus dem falschen Material errichtet zu haben. Statt aus Beton und Gipskarton hätten die Außenmauern mit Ziegelsteinen gebaut werden sollen, heißt es. Die Gescholtenen weisen dies zurück. Die Lasten, die bei dem über acht Etagen hohen Gebäude entstünden, hätten nicht von einem Ziegelbauwerk getragen werden können.
Das Konzept des Uni-Campus sieht vor, dass die Kirchenschätze in der Kustodie untergebracht werden sollen – die sich im Hauptgebäude am Augustusplatz befinden wird, aber an der am weitesten vom Paulinum entfernten Seite. Dieser Raum sei nur drei bis vier Meter hoch und klimaneutral errichtet worden – biete beste Voraussetzungen für die Unterbringung anfälliger Kunstschätze, argumentieren die Bauherren.
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 14. Oktober 2008 (Printausgabe - Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Dienstag, 14. Oktober 2008
Und immer grüßt die Glaswand
Kustodie gewährt Einblicke in den Stand der Epitaph-Rekonstruktionen für die Paulineraula
Die Kustodie der Universität Leipzig öffnet von morgen bis zum 21. November unter dem Ausstellungsmotto „Restauro 2“ die Pforten ihres Depots in der Hainstraße 11 und gewährt einen spannenden Blick hinter die Kulissen.
Im Hinterhaus-Archiv lagern die kurz vor der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli im Jahr 1968 geborgenen Kunstwerke, die derzeit für den Einbau in das neue Universitätshauptgebäude vorbereitet werden. Gezeigt werden wertvolle Gedächtnismale des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Holz und Stein, errichtet für bedeutende Professoren und Rektoren, aber auch für ehemalige Studenten der Universität und ihre Angehörigen.
Zeigte die Ausstellung „Restauro 1“ im Frühjahr 2005 in der Galerie noch im Hörsaalbau in der Mehrzahl unrestaurierte Vorzustände, stehen jetzt die immensen Fortschritte des Restaurierungsprojekts im Vordergrund: Ein Großteil der Objekte kann bereits im restaurierten Zustand präsentiert werden. Die Besucher erhalten jedoch auch Einsicht in noch laufende Restaurierungsarbeiten und können sich über Reinigung, Konservierung und Wiederherstellung der Kunstwerke informieren. Außerdem wird ein Einblick in Planungsstand und vorbereitende Arbeiten für die Anbringung im Paulinum gewährt.
Universitäts-Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen hat in den letzten Jahren viel Herzblut vergossen, um die Restaurierung voranzutreiben. Er war nimmermüde auf Sponsorensuche, bekam beispielsweise 30 000 Euro von der Zeit-Stiftung. 37 000 Euro gab die Oetker-Stiftung, 35 000 Euro ein in Hamburg lebender Nachfahre des einstigen Uni-Theologen Olearius, dessen Epitaph restauriert wird.
Ein exemplarisches Beispiel für die geleistete Arbeit und auch dafür, wie sich die Erinnerungsstücke später im Andachtsraum der Neubaus am Augustusplatz präsentieren werden, ist das bereits restaurierte Holz-Epitaph von Johann Heideck. Der Jurist starb 1603 im Alter von 33 Jahren, seine Frau und Mutter ließen das Erinnerungsstück in frühbarocker Form herstellen. Die aktuelle Restaurierung kostete 50 000 Euro. Die Arbeiten waren dank Spenden möglich und konnten mit Diplomanden der Kunsthochschule Dresden realisiert werden. Bei „Restauro 2“ hängt das Heideck-Epitaph an der originalen Edelstahlkonstruktion, die im Egeraat-Bau Verwendung findet. Laut Hiller stehen im künftigen Gottesdienstraum 21 Wände zur Verfügung, an denen größere Stein- und Holzepitaphe ihren Platz finden werden. Hinzu kommen einige kleinere Stücke.
„Insgesamt sollen etwa 40 Kunstwerke aus der ehemaligen Universitätskirche in den Neubau integriert werden“, so der Kustos. Und spricht noch bewusst teilweise im Konjunktiv: „Ich kann die Debatte um die Glaswand nicht verstehen. Diese Raumteilung ist nötig, um für die Kunstwerke eine museumsähnliche Klimatisierung herstellen zu können. Natürlich könnte man auch den gesamten Aula-Kirche-Bau mit teurer Technik versehen. Nur stellt sich dann die Frage der Finanzierung und des Unterhalts. Bei einem vergleichbaren Raumvolumen am Frankfurter Städel-Kunstmuseum belaufen sich die Betriebskosten auf eine Million Euro pro Jahr.“ Werde es aber letztlich keine den heutigen Anforderungen entsprechende Klimatisierung geben, könne er die Hängung der aufwändig restaurierten Kunstwerke nicht verantworten. Das verbiete sich gegenüber dem Kunstwerk und den privaten Spendern. Das müssten all jene, die eine dem Anliegen der Universität nicht dienliche Diskussion inszenieren, wissen.
Thomas Mayer
„Restauro 2 – Epitaphe aus der Universitätskirche, Arbeitsstand und Perspektiven“, bis 21. November, Depot Hainstraße 11 (Hinterhaus), montags bis freitags 14 bis 18 Uhr.
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„Durchsichtiges Mittel zum Zweck“
Ex-Büroleiter von Hinrich Lehmann-Grube schaltet sich in Streit um Paulinum ein
Die Diskussion um die geplante Glaswand im Paulinum des neuen Universitätsgebäudes am Augustusplatz geht weiter. Uwe Hitschfeld, ehemaliger Büroleiter von Hinrich Lehmann-Grube (SPD), dem ersten Leipziger Oberbürgermeister nach der Wende, sagte, er glaube nicht, dass Leipzig eine neue Universitätskirche brauche.
Hitschfeld, seit längerem Geschäftsführer eines Büros für strategische Beratung in Leipzig, betonte, einen „multifunktional ausgericheten Raum möglichst klerikal so aufzuladen, dass er quasi aus sich heraus zu einer Kirche wird und dann auch so genannt werden kann, scheint mir ein durchsichtiges Mittel zum Zweck zu sein“. An deutlichen architektonischen und inhaltlichen Verweisen auf die Kirchensprengung vor 40 Jahren fehle es im derzeit aktuellen Konzept nicht.
Hitschfeld meinte, in der Diskussion um die jüngste Vergangenheit gehe es auch um die Kultur des Gedenkens. Für ihn sei die Wiedererrichtung einer Universitätskirche eine „sehr restaurative Erinnerungskultur“. Er würde sie eher als Geste des Triumphes denn als zukunftsgewandtes Zeichen für ein modernes Deutschland empfinden, das nach der Teilung errichtet worden sei. Ohne Zweifel sei die Sprengung der Kirche für viele Menschen in Leipzig ein einschneidender Akt gewesen. Er bestreite aber entschieden, dass man des 9. Oktobers 1989 nicht gedenken könne, ohne die Ereignisse von 1968 zu reflektieren, wie es Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff geschrieben habe. Dieses möge für Wolff so sein, andere hätten dagegen auf anderem Weg zur Wendebewegung gefunden. „Demzufolge ist die Neuerrichtung der Universitätskirche keineswegs der beste und einzige Weg, Wende und deutscher Einheit ein Zeichen zu setzen“, so Hitschfeld.
Wolff wiederum schrieb gestern einen Brief an Messechef Wolfgang Marzin und Oberbürgermeister Burkhard Jung. Der Geistliche bezog sich auf einen Vertrag zwischen Messe und Universität. Danach soll die Messe das Paulinum auch für Veranstaltungen vermarkten (die LVZ berichtete). Dieser Vertrag, so Wolff, solle nur dann abgeschlossen werden, „wenn dadurch die Integrität des Raumes (also keine trennende Glaswand) gewahrt bleibt und die Nutzung des Gesamtraums für Gottesdienste an den Sonn- und Feiertagen nicht in Frage gestellt wird“.
Im Streit, der in Leipzig tobt, geht es um einen Raumteiler aus Plexiglas. Er soll im Paulinum, das an der Stelle der Paulinerkirche entsteht, den weltlichen vom kirchlichen Teil trennen. Der Raum soll vor allem als Aula der Universität dienen, aber auch für Andachten und Gottesdienste zur Verfügung stehen. Die Glaswand verhindern wollen Prominente wie Landesdirektions-Präsident Walter Christian Steinbach, Thomaskantor Georg-Christoph Biller und Trompeter Ludwig Güttler. Auch Jung hatte sich gegen die Wand ausgesprochen, jedoch betont, dieses sei seine persönliche Meinung. Es gelte auch, die Beschlüsse der Universität zu respektieren.
Ulrich Milde
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 7. Oktober 2008 (Printausgabe - Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Dienstag, 7. Oktober 2008
Kustodie
Kunstwerke aus St. Pauli zu sehen
Die Kustodie der Universität Leipzig öffnet vom 15. Oktober bis 21. November die Pforten ihres Depots in der Hainstraße 11 und gewährt einen Blick hinter die Kulissen: Im Depot lagern die noch kurz vor der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli im Jahr 1968 geborgenen Kunstwerke, die derzeit für den Einbau in das neue Universitätshauptgebäude vorbereitet werden. Gezeigt werden nach Angaben der Uni wertvolle Gedächtnismale des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Holz und Stein, errichtet für bedeutende Professoren und Rektoren, aber auch für ehemalige Studenten der Universität und ihre Angehörigen.
Zeigte die Ausstellung „Restauro I“ im Frühjahr 2005 in der Galerie im Hörsaalbau in der Mehrzahl Unrestauriertes, stehen nun die Fortschritte des Restaurierungsprojekts im Vordergrund: Ein Großteil der Objekte kann bereits im restaurierten Zustand präsentiert werden. Die Besucher erhalten jedoch auch Einsicht in noch laufende Restaurierungsarbeiten und können sich über Reinigung, Konservierung und Wiederherstellung der Kunstwerke informieren. Außerdem wird ein Einblick in Planungsstand und vorbereitende Arbeiten für die Anbringung im Paulinum gewährt.
r.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 30. September 2008 (Printausgabe - Hauptseite/Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Dienstag, 30. September 2008
Trennwand zwischen Kirche und Universität
Uni-Neubau: Häuser setzt Glaswand durch
Leipzig (K. S.). Die umstrittene Trennwand im Universitätsneubau am Leipziger Augustusplatz kommt. Der Freistaat bereitet jetzt die Ausschreibung vor. Wie es hieß, habe sich Uni-Rektor Franz Häuser auf der jüngsten Sitzung der Baukommission mit dieser Forderung durchgesetzt. „Die flexible Glaswand ist ein Vorschlag des Architekten“, sagte er gegenüber LVZ. Eine Sprecherin des sächsischen Finanzministeriums erklärte dagegen, die Wand werde „auf ausdrücklichen Wunsch der Uni“ errichtet.
Nach LVZ-Informationen soll der Vorsitzende der Kommission, Finanzstaatssekretär Wolfgang Voss, eine räumliche Trennung von weltlichem und geistlichem Teil des Unigebäudes abgelehnt haben.
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Finanzministerium gibt im Streit um Innengestaltung des Hochschulneubaus nach
Im Streit um die Innengestaltung des Uni-Neubaus am Augustusplatz hat sich Rektor Franz Häuser durchgesetzt. „Wir sind jetzt im geplanten Verlauf einen Schritt weiter“, sagte er gestern gegenüber der LVZ. Die Baukommission habe beschlossen, die Ausschreibung für die umstrittene Trennwand zwischen Aula und Andachtsraum vorbereiten zu lassen. Dies sei erforderlich gewesen, um weiteren Bauverzug zu verhindern. Nach Aussagen der Vize-Sprecherin des sächsischen Finanzministeriums, Corinna Nolting, werde die Wand im Frühjahr 2009 montiert. Dem Vernehmen nach soll der Vorsitzende der Baukommission, Finanzstaatssekretär Wolfgang Voss, auf der jüngsten Sitzung des Gremiums am Freitag die Lösung abgelehnt haben. Die Wand werde nur „auf ausdrücklichen Wunsch der Uni, die die Trennung des Gesamtraumes für unabdingbar hält“, eingezogen, so Ministeriumssprecherin Nolting.
Auch mit der Idee, die Zwischenwand so zu errichten, dass sie sich vollständig öffnen lässt, soll Voss im Streit mit Häuser gescheitert sein. Der Rektor versteht die ganze Aufregung nicht. „Der Mittelteil ist verschiebbar“, sagte er. Die Seitenschiffe würden allerdings fest verglast. „Die flexible Glaswand ist ein Vorschlag des Architekten“, so der Rektor. Es entstehe so ein „transparenter Raumteiler“ aus Kunstglas. Dieser reicht vom Boden bis zur Decke, wird 16 Meter hoch. Die Uni begründet die Notwendigkeit mit klimatechnischen und betriebswirtschaftlichen Anforderungen. Kritiker wie der Paulinerverein und Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff werfen ihr dagegen Kirchenfeindlichkeit vor. Die Hochschule wolle in dem Neubau, der zwar der vor 40 Jahren zerstörten Unikirche nachempfunden ist, durch diese Trennwand eine Verschmelzung von geistlichem und weltlichem Raum verhindern.
Klaus Staeubert
BILD Leipzig vom 5. September 2008
© BILD Leipzig
Paulinerkirche wird grün
Hier erklärt der Architekt, was er sich dabei gedacht hat...
Von JACKIE RICHARD
Leipzig . Der Mann wird verfolgt, jeden Tag. Per E-Mail, Post, Telefon: Von den Leipzigern und ihren Fragen zur neuen Paulinerkirche. Doch Star-Architekt Erik van Egeraat, 52, spricht noch immer gern und ausführlich von seinem Lieblingsprojekt, auch wenn er gerade in Moskau was ganz anderes baut... Und gestern verriet er sogar ein lang gehütetes Geheimnis: "Die neue Paulinerkirche wird grün!"
Nicht weiß, wie auf den Projekt-Zeichnungen, nicht grau wie auf den ersten Skizzen. "Für die Fassade habe ich mir jetzt einen grünen, granitähnlichen Naturstein aus Italien ausgesucht." St. Pauli in grün? Was soll das denn? Egeraat "Es wird ja kein quitschgrün, sondern ein sanfter, harmonischer Ton in verschiedenen Facetten. Je nachdem, wie stark der Stein poliert ist, wirkt er eher grünlich oder eher grau - diese Mischung bringt die Leichtigkeit, die ich mir für den Bau wünsche."
Auch die Kirchenfenster (wie beim Original 6 m hoch und 3 m breit) sowie die Rosette sollen diese zurückgenommene Leichtigkeit ausstrahlen "Hier wird halbtransparentes Milchglas eingesetzt", sagt Egeraat. "Das macht die Kirche harmonischer.
Er spricht bewusst von "Kirche", nicht von "Aula", wie es sich die Uni wünscht - und interpretiert das so "Es ist keine Kopie der Paulinerkirche, sondern eine Interpretation, aber wer möchte, kann es gern als Kirche sehen."
Im nächsten Jahr soll alles fertig sein. Und selbst wenn Egeraat dann schon mit seinem neuen Projekt in Moskau und Barcelona ist, bleibt Leipzigs Paulinerkirche doch sein liebstes Werk: "Welche Stadt leistet sich denn heutzutage noch einen neogotischen Neubau?"
(Bildunterschrift) Der Rohbau: Rosette und Kirchenfenster sind absichtlich nicht mittig - weil es keine Kopie, sondern eine Interpretation der St. Pauli-Fassade ist, erklärt der Architekt
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BILD Leipzig vom 6. September 2008
© BILD Leipzig
LEIPZIG DISKUTIERT ÜBER DIE NEUE PAULINERFASSADE
Weiß oder Grün?
Von JACKIE RICHARD
(Auszug) Architekten-Kollege Rudolf Skoda (76), der für den Augustusplatz 1981 das Gewandhaus baute, hat keine Zweifel: "Ich vertraue Erick van Egeraat voll und ganz und bin sicher, dass diese Farb-Idee funktioniert. Er ist ein guter Mann."
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 2./3. August 2008 (Printausgabe - Seite 19)
© LVZ-Online vom: Samstag/Sonntag 2./3. August 2008
Gormsen: Das runde Fenster sitzt nicht korrekt
Passanten entdecken „Fehler“ an Paulineraula
Sorgt für Verwirrung: Das neue runde Fenster (oben) sitzt nicht direkt über dem großen Kirchenfenster, sondern ist etwas nach links versetzt. Foto: André Kempner
Seit einigen Tagen reckt sich am Augustusplatz der neue Giebel der künftigen Paulineraula in die Höhe. Obwohl das Bauwerk noch nicht komplett rohbaufertig ist und noch mehrere Meter in die Höhe zu bauen sind, können Passanten seine Umrisse bereits deutlich erkennen. Sehr viele schauen sich den Bau mittlerweile sehr genau an – und reiben sich dabei verblüfft die Augen. Denn die Aussparungen für die neuen Fenster sind asymmetrisch. „Das runde Fenster ganz oben sitzt nicht genau über dem Fenster darunter“, befand gestern sogar Leipzigs erster Nachwende-Baustadtrat Niels Gormsen und schlug öffentlich Alarm. „Eigentlich gehört das runde Fenster genau über das darunter liegende – das war bei der alten Paulinerkirche auch so. Vielleicht ist die Asymmetrie gewollt, aber bei ihr könnte es sich auch um einen Baufehler handeln.“
Für Sonderbauleiter Volker Kylau kam die Anfrage gestern nicht überraschend. „Der Eindruck von Herrn Gormsen und den anderen Passanten ist richtig“, sagte er. „Das runde Fenster sitzt nicht genau über dem darunter befindlichen.“ Dies sei aber kein Baufehler, sondern von den Architekten so gewollt. „Das ist architektonische Freiheit – der Neubau ist ja keine originalgetreue Kopie der gesprengten Paulinerkirche“, so Kylau. Dies sei bereits in den Plänen so vorgesehen gewesen, mit denen der holländische Architekt Erick van Egeraat den Zuschlag für das Projekt erhalten hatte.
Wenn das Gebäude noch mehr in die Höhe wächst, werden Passanten am Giebel auch noch andere Abweichungen vom Vorgängerbau entdecken können. Denn zu beiden Seiten des runden Fensters entstehen mehrere Schlitze, durch die Licht in das Gebäude fallen kann. Auch sie sind asymmetrisch – auf der einen Seite des Fensters werden sich mehr Schlitze befinden als auf der anderen. „Auch diese Schlitze gab es früher nicht“, so Kylau.
Das sächsische Finanzministerium bestätigte gestern einen Bericht der Leipziger Volkszeitung, in dem über Verzögerungen und Preissteigerungen beim Bau des Uni-Campus berichtet wurde. „Probleme bei Innenausbau und Fassade könnten dazu führen, dass das Paulinum möglicherweise nicht rechtzeitig zum 600. Uni-Jubiläum im Dezember 2009 fertig wird“, räumte das Finanzministerium ein. Die einzelnen Gewerke seien sehr eng aufeinander abgestimmt. Der Verzug eines Gewerks könne dazu führen, dass alle weiteren Termine gefährdet seien, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur ddp. Man hänge momentan zwei Monate hinter dem Plan hinterher. Auch müsse mit Mehrkosten in zweistelliger Millionenhöhe gerechnet werden. Für Mittwoch sei Architekt Erick van Egeraat zu einem Spitzengespräch einbestellt.
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 1. August 2008 (Printausgabe - Lokalseite)
© LVZ-Online vom: Freitag, 1. August 2008
Krisengipfel zum Uni-Campus
Sachsens Finanzminister Georg Unland bestellt Star-Architekten Erick van Egeraat ein
Eigentlich sollten gestern nur zwei ganz normale Fernsehspots über den Bau des neuen Uni-Campus entstehen. Doch als die Teams von Leipzig Fernsehen und MDR-Sachsenspiegel den Sonderbauleiter Volker Kylau am Augustusplatz fragten, ob das dort entstehende neue Hauptgebäude und die benachbarte Paulineraula auch pünktlich zur 600-Jahr-Feier am 2. Dezember 2009 fertig werden, bekamen sie Erstaunliches zur hören: Das vorgesehene Richtfest für die beiden Bauwerke finde zwar wie geplant im Oktober statt, sagte Kylau. Doch der dann anstehende Innenausbau der beiden Gebäude schließe sich höchstwahrscheinlich nicht nahtlos an. Denn die sensible Haustechnik könne erst installiert werden, nachdem die Fassade an dem neuen Gebäudeensemble angebracht ist – und dabei gebe es erhebliche Probleme.
„Die Baufirmen brauchen genaue Angaben, wie sie die verschiedenen Platten verbinden sollen – ob sie geschraubt, verschweißt oder genietet werden“, skizzierte Kylau die Situation. Zuvor müssten nach deutschem Baurecht auch noch behördliche Zulassungen für die geplante anspruchsvolle Architektur eingeholt werden, die ebenfalls noch fehlen.
„Eigentlich müsste das jetzt schon alles abgeschlossen sein und die Firmen müssten in ihren Werkstätten schon die Fassadenteile zusammenbasteln“, so Kylau. Die dafür notwendigen Ausführungsplanungen hätte das Architekturbüro von Erick van Egeraat schon vor mehreren Wochen liefern müssen. Dies sei bis heute nicht ausreichend geschehen, und deshalb habe das sächsische Finanzministerium Herrn van Egeraat in der nächsten Woche nach Dresden „einbestellt“.
Auf der Baustelle heißt es, van Egeraat habe auch schon zwei gesetzte Fristen für die Nachlieferung der Pläne verstreichen lassen und sei jetzt damit „gut zwei Monate“ in Verzug. Sachsens neuer Finanzminister Georg Unland (parteilos) habe ihn deshalb nach Dresden gebeten, doch der Termin musste verlegt werden, weil sich der Architekt im Urlaub auf einer Hochseereise befindet. Das Finanzministerium soll ihn daraufhin „im harschen Ton“ einbestellt haben. Das Ergebnis: Van Egeraat kommt am Mittwoch nach Dresden.
Dort wird auch besprochen, wie man mit den Mehrkosten umgeht, die sich bei beiden Bauwerken abzeichnen. Sie würden sich höchstwahrscheinlich auf einen zweistelligen Millionenbetrag summieren, heißt es.
Van Egeraats Projektleiter Ekkehard Krainer wies gestern alle Vorwürfe zurück. „Es liegen alle erforderlichen Pläne vor, der Verzug von zwei Monaten liegt nicht an uns, sondern an einigen beauftragten Firmen. Sie sind nicht in der Lage, die anspruchsvolle Vertikalfassade umzusetzen.“ Dies liege auch daran, dass der Freistaat vielen kleinen Firmen die Möglichkeit gebe, sich an dem Projekt zu beteiligen. „So etwas funktioniert bei Standardbauten, aber nicht bei solchen anspruchsvollen Gebäuden“, so Krainer. Es sei aber sichergestellt, dass die neue Fassade bis zum Frühjahr angebracht ist. „Grundsätzlich ist aus unserer heutigen Sicht sichergestellt, dass die 600-Jahr-Feier der Universität wie geplant stattfinden kann. Die Übergabe der beiden Gebäude an die Uni ist ja ohnehin erst für Sommer 2010 geplant.“ Dass die Baukosten in die Höhe schnellen, sei nicht verwunderlich. „Sie wurden im Sommer 2006 kalkuliert – seitdem ist der Baukostenindex für einige Gewerke um 25 Prozent gestiegen. Für diese Entwicklung sind wir nicht verantwortlich.“
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 22. Juli 2008 (Printausgabe - Hauptseite)
© LVZ-Online vom: Dienstag, 22. Juli 2008
Leipziger Paulinerkirche erhält markantes Rosetten-Fenster zurück
Stück für Stück werden Teile der Paulinerkirche wieder sichtbar: An dem Neubau, der künftig die Uni-Aula beherbergen wird, sind die Konturen der Rosette erkennbar, die das gotische, 1968 gesprengte Gotteshaus auszeichnete. Derzeit sind Bauarbeiter dabei, die Schalung für das große, runde Kirchenfenster zu erstellen. Foto: Volkmar Heinz
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 10. Juli 2008 (Printausgabe - Seite 20)
© LVZ-Online vom: Donnerstag, 10. Juli 2008
Schlussspurt auf dem Uni-Campus
Mensa, Bibliothek und Seminargebäude bis Jahresende fertig
Auf dem Uni-Campus am Augustusplatz wird das Finale eingeläutet: Bis Jahresende sollen die neue Mensa, das modernisierte Seminargebäude, das Hörsaalgebäude und die Bibliothek an die Universität übergeben werden, damit sie einziehen und mit Beginn des Sommersemesters dort den Betrieb aufnehmen kann.
An der Universitätsstraße ist der Baufortschritt unübersehbar: Die Gerüste am Seminargebäude sind gefallen; nur die Brandschutzwände zwischen den einzelnen Haussegmenten werden noch mit Blech verkleidet. Die Einfahrt zur neuen Tiefstraße ist verputzt, und in der Fahrbahn liegt der Estrich. In der neuen Mensa und im angrenzenden Hörsaalgebäude sind auch die Gerüste gefallen. Nur am Übergang vom Seminargebäude zur Mensa – dort, wo zuletzt das Schinkel-Tor stand – wird noch an der Verglasung gearbeitet. „Bis Ende Juli ist auch das geschafft“, meint Sonderbauleiter Volker Kylau und lächelt zufrieden. Der 51-Jährige hat nicht nur erreicht, das 170-Millionen-Projekt nach der Trennung vom ursprünglichen Generalauftragnehmer Züblin (die LVZ berichtete) wieder anzufahren, sondern auch den eingetretenen Zeitverzug zu minimieren. Der Krisen-Manager ist mittlerweile im Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) aufgestiegen und jetzt für alle Bauaktivitäten des SIB zuständig.
An der Universitätsstraße dringt aus allen Gebäuden Hämmern, Sägen und Bohren an die Ohren der Passanten, denn im Inneren hat die heiße Ausrüstungsphase begonnen. Dort haben jetzt die Elektro-, Heizungs- und Sanitär-Monteure das Sagen. Auch die ersten Maler sind schon am Wirbeln.
Besonders stark steppt der Bär im neuen Dachgeschoss des Hörsaalgebäudes, wo die neue Gebäudeleitzentrale entsteht, von der einmal sämtliche Liegenschaften der Universität überwacht werden sollen. Neben der Telefonzentrale der Uni sind dort auch sämtliche Informationen der Sicherheits- und Brandschutztechnik konzentriert – zum Beispiel aus Uni-Standorten wie dem Städtischen Kaufhaus oder der Ritterstraße. „Von hier wird auch kontrolliert, wie hoch dort der Wasserdruck ist und ob alle Brandschutztüren schließen“, erzählt Kylau. Weil die Uni die neue Technik schon im September in Betrieb nehmen will, hat dieses Teilprojekt derzeit höchste Priorität. „Das Hauptgebäude ist nur Kunst – hier geht es dagegen um Hightech“, sagt Kylau.
Der große Lichthof der neuen Mensa – der sich gegenüber der Moritzbastei befindet – ist mit Gerüsten voll gestellt. Auf ihnen turnen Monteure, die die Sprinkleranlage installieren. Gleichzeitig werden die Wände des Neubaus abgespachtelt und darauf die Brandschutzverkleidung angebracht. „Im August/September müssen hier die Gerüste verschwunden sein“, sagt Stabsstellenleiterin Andra Groß. Danach würden auf dem Boden Fliesen verlegt. „Die neue Küchentechnik wird ab Ende Januar installiert“, so Groß. „Danach ist vier Wochen Probekochen.“
Kaum noch wiederzuerkennen ist die Bibliothek: Wo noch vor wenigen Wochen Wände versetzt wurden, sind jetzt fast alle Putzarbeiten erledigt, der Fußbodenaufbau nahezu fertig und sogar schon wieder eine dem Vorgängermodell nachempfundene Wendeltreppe installiert.
In den neuen Hörsälen ringsum werden Rohre und Leitungen verlegt sowie Technik installiert. „Die Möblierung der Hörsäle ist schon vergeben“, sagt Kylau. „Die Firmen stehen Gewehr bei Fuß.“ Sobald die laufenden Ausbauarbeiten beendet sind, würden die neuen Sitzreihen angeliefert – hauptsächlich aus Berlin und Thüringen.
Im Innenhof werden gerade der neue Standort für das historische Schinkel-Tor der Universität hergerichtet und die Decke zu den darunter liegenden beiden Tiefgeschossen abgedichtet. Zu sehen ist auch die Stahlkonstruktion des neuen Auditorium Maximum, die die Bauarbeiter „Schildkröte“ nennen. Sie kriecht bis in das neue Hauptgebäude hinein, das sich am Augustusplatz bereits vier Etagen in die Höhe reckt – es fehlen nur noch zwei Geschosse.
Die daneben stehende Paulineraula ist auch schon vier Etagen hoch. Bei ihr sollen allerdings noch fünf weitere Geschosse folgen. „Wir wollen Ende Oktober Richtfest im Hauptgebäude und im Aula-Kirchenbau feiern“, sagt Kylau.
Wer einen Blick in die neue Paulinerkirche werfen darf, dem verschlägt es den Atem: 16 Meter hoch ist der Innenraum, die Umrisse der Kirchenfenster ringsum wirken riesig, die hohen Stahlbetonsäulen und die Aussparung für das große ovale Schmuckfenster an der Augustusplatz-Seite ziehen jeden Besucher in ihren Bann. „Im Sommer nächsten Jahres wird an der Decke das Rippen-Kreuzgewölbe nachgebildet“, erzählt Kylau.
Auch die Fassaden des neuen Aula/Kirchenbaus sowie des benachbarten Hauptgebäudes erhalten dann ihr endgültiges Aussehen. „Dafür sind überall Spezialanfertigungen notwendig“, betont der Sonderbauleiter. „Es wiederholt sich nichts, selbst die Fenster sind alle unterschiedlich.“ Die Fertigung der dafür benötigten Fassadenelemente beginnt gerade. Dieser Fünf-Millionen-Euro-Auftrag wurde in dieser Woche an die Merseburger Firma Klotz vergeben.
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 25. Juni 2008 (Printausgabe - Seite 17)
© LVZ-Online vom: Mittwoch, 25. Mai 2008
Café Felsche
Archäologen prüfen Baugrund
Im Zuge des Neubaues des ehemaligen Kaffeehauses Felsche am Augustusplatz haben jetzt die archäologische Ausgrabungen begonnen. Fünf Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie untersuchen derzeit den Baugrund. Dabei prüfen die Experten das Areal nach Resten des Bauwerkes, die dann dokumentiert, vermessen und fotografiert werden sollen, sagte Behördensprecher Christoph Heiermann. Die Untersuchungen ziehen sich über sechs Wochen hin.
Der klassizistische Bau prägte von 1835 bis zu seiner Zerstörung 1943/44 den Ausgang der Grimmaischen Straße. Errichtet wurde er durch den Schokoladenfabrikanten Wilhelm Felsche. Bis 1830 befand sich an dieser Stelle das Grimmaische Stadttor, das mit einem Turm die Ausfallstraße nach Osten sicherte. Das Tor geht vermutlich auf das 13. Jahrhundert zurück.
Bereits Ende Mai des Jahres begann hier die Arbeiten zeitgleich mit dem Richtfest für das benachbarte Institutsgebäude der Universität.
kub
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 21. Mai 2008 (Printausgabe - Seite 17)
© LVZ-Online vom: Mittwoch, 21. Mai 2008
... Baustart am Café Felsche
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An der Ecke zum Augustusplatz hat die MIB AG soeben mit dem Neubau des Café Felsche begonnen. Dieses historische Gebäude, 1833 durch den Schokoladenfabrikanten Wilhelm Felsche errichtet, wurde 1943 komplett zerstört. „Der Baustart ist nun mit dem Richtfest für das benachbarte Institutsgebäude der Universität zusammengefallen“, sagte Alexander Schlag, Vorstand des Berlin-Leipziger Projektentwicklers MIB. Im unteren Bereich des Neubaus, der in Windeseile auf sechs Geschosse angewachsen ist, sollen im Oktober etliche Läden öffnen – unter anderem Levis, Mc Paper, Puma, Starbucks und ein Schuhgeschäft. Oben drüber zieht die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni ein. Und zwar vor dem Start des Sommersemesters 2009.
Der Neubau des Café Felsche am historischen Ort erfolgt nach Plänen von Erick van Egeraat, dem Architekten, der auch das benachbarte Paulinum entworfen hat. „Betreiber des Restaurants wird das Hamburger Unternehmen Vapiano. Mit einer sehr hochwertigen Systemgastronomie wie es sie schon am Potsdamer Platz in Berlin oder in den Münchner Fünf Höfen gibt.“ Im Spätsommer 2009 könne das Café Felsche erstmals Gäste empfangen, hofft Schlag: „Es wird hervorragend zu Universität, Gewandhaus und Oper passen.“ In den oberen Etagen entstehen Service-Apartments für Geschäftsleute und einige Büros.
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Jens Rometsch
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 10. April 2008 (Printausgabe - Seite 19)
© LVZ-Online vom: Donnerstag, 10. April 2008
"Ein perfekter Kompromiss"
Architekt Erick van Egeraat im Interview über seinen Aula-Kirche-Bau für die Leipziger Universität
Am Augustusplatz wächst der Neubau der Universität, der nach Festlegung des Senats der Alma Mater Paulinum heißen wird. Entworfen hat den Kirche-Aula-Bau der niederländische Star-Architekt Erick van Egeraat.
Frage: Wo bauen Sie außer in Leipzig derzeit noch?
Erick van Egeraat: In Moskau, St. Petersburg, Sotschi, Prag, in der Hafencity von Hamburg, in Sibirien.
Was entsteht im sehr fernen Russland?
Wir bauen im sibirischen Khanty-Mansiysk ein Fünf-Sterne-Hotel und den Schach- und Billardklub als Austragungsort der Schachweltmeisterschaften 2010.
Bei all Ihren Projekten ist Leipzig für Sie sehr wichtig?
Der Bau am Augustusplatz ist für mich aus drei Gründen von großer Bedeutung. Erstens kann ich in Deutschland tätig sein, wo die Qualität des Baues in allen Facetten stimmt. Zweitens ist es das Thema, eine neue Universität im Zentrum einer Stadt zu bauen, das mich begeistert. Es gibt so schnell keine weitere Möglichkeit, um mitten in Europa an so einer Stelle so einen Bau zu errichten. Normalerweise entstehen heute auf solchen Flächen rein kommerzielle Gebäude. Drittens liegt es mir am Herzen, diese einzigartige Kombination zwischen einer Universitätsaula und einem Andachtsraum realisieren zu können.
Sie liegen mit dem Bau in der Zeit?
Wir liegen im Plan, haben aber, weil im Dezember 2009 der Bau fertig sein muss, nicht mehr viel Zeit. Wir können uns keine Verzögerungen erlauben und haben ein großes Team im Einsatz, um alle Unterlagen fertigstellen zu können.
Sie können Ihre Ideen auch hinsichtlich der einzusetzenden Materialien, verwirklichen?
Ich kann nicht klagen, auch nicht hinsichtlich der Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement.
Wie schaut es mit den Finanzen aus?
Wir sind gehalten, innerhalb des beschlossenen Budgets von 145 Millionen Euro zu bauen. Wir können einerseits nicht mit dem Geld um uns werfen, müssen aber auch nicht über Gebühr sparen. Wir wollen dabei intelligent bauen. So benötigt beispielsweise das Auditorium Maximum keinen besonderen Schmuck, sondern wird ein reiner Funktionsraum sein.
Nicht so die Aula?
Da wollen wir aus den Vollen schöpfen. Wo entsteht denn heute ein Raum, der 18 Meter hoch ist, der über, dem Mittelalter nachempfundene, Säulen und über ein Kreuzgewölbe verfügt?
Sie kennen die Debatten, die es über die Innenraumgestaltung gibt?
Ich verfolge sie, will aber sagen: Würden jetzt die gefassten Baubeschlüsse wieder aufgehoben, könnte der Bau nicht rechtzeitig fertig werden. Änderungen können wir uns nicht leisten, auch nicht solche, die mit weitgehenden Einsparungen verbunden sind.
Diskutiert wird über die Glaswand, die Chorraum und Aula teilen soll. Kritiker sehen darin sogar die Trennung von Wissenschaft und Religion.
Diese Meinung ist nicht korrekt. Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir keine Kirche bauen. Schon in der Wettbewerbsausschreibung lautete die Aufgabe, einen Aula- und einen Andachtsraum zu schaffen. Es geht um eine architektonische Einheit mit zwei verschiedenen Funktionen. Wer künftig im Paulinum stehen wird, ob nun in der Aula oder im Chorraum, wird immer den Eindruck eines Kirchenraumes haben. Architektur wie Ausstattung werden einer Kirche entsprechen, nur ist der Raum in einem Bereich für die weltliche Nutzung vorgesehen. Das ist meines Erachtens das Perfekteste, was bei diesem sehr besonderen Bau zu erreichen ist. Ich verspreche, dass die jetzt noch bestehende Polarität von der Realität des Baues abgelöst wird.
Standen Sie schon mal vor einer vergleichbaren Herausforderung?
Nie. Leipzig erhält ja auch einen einmalig imposanten Bau. Noch mal: Wer baut sich heute einen so opulenten Raum, den man technisch überhaupt nicht braucht, den man sich kostenmäßig fast nicht leisten kann? Wir bauen ihn aber, um damit der Verpflichtung, an die gesprengte Universitätskirche zu erinnern, gerecht werden zu können.
Wie werden im Chorraum die Epitaphe, die aus der Paulinerkirche gerettet werden konnten, angebracht?
An den Seitenwänden und in speziellen, von der Decke hängenden Konstruktionen in der Mitte des Raumes. Er wird insgesamt sehr kirchlich.
Ist der Bau für Sie insgesamt vielleicht doch schon zu viel Kirche?
Nein, ich hatte ja einst gesagt: Ich bringe Leipzig die Erinnerung an die verloren gegangene Kirche zurück. Dazu stehe ich. Das Gebäude wird besser, als es sich im Moment einer vorstellen kann.
Eine Detailfrage, die auch diskutiert wird, ist die Kanzel der Paulinerkirche. Muss Sie eingebaut werden?
Sie ist wirklich nicht mein Thema. Ich sehe sie als Kunstwerk und damit im Kontext der Epitaphe.
Ihren Kritikern sagen Sie?
Was entsteht, ist ein perfekter Kompromiss. Ich bin mit ihm auch heute noch sehr zufrieden.
Ihre größten Bauchschmerzen?
Die Zeit.
Interview: Thomas Mayer
Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/57353.html
© LVZ-Online vom: Freitag, 14. März 2008
"Das hat uns voll getroffen"
Leipzigs neuer Uni-Campus wird 25 Millionen Euro teurer und seine Fertigstellung ein Wettlauf mit der Zeit
Der Uni-Campus am Augustusplatz wird rund 25 Millionen Euro teurer als geplant. Dies kündigte gestern Finanzstaatssekretär Wolfgang Voß bei einem Rundgang auf der Großbaustelle an. Auch der Fertigstellungstermin zum 600-jährigen Gründungsjubiläum der Universität am 2. Dezember 2009 sei „sehr ehrgeizig“, sagte Voß. Es könne durchaus sein, dass bei der geplanten Einweihungsfeier „im letzten Obergeschoss noch nicht alles gestrichen ist“, so der Beamte aus Dresden.
Zuvor hatte Voß die Sonderbauleitung gelobt. Sie habe nach der Trennung vom ursprünglich engagierten Generalunternehmer Züblin zahlreiche Arbeiten neu ausgeschrieben und anschließend das Projekt praktisch wieder neu gestartet (die LVZ berichtete). „Das geht nur mit einer Fülle von Kenntnissen und enormen Durchstehvermögen“, betonte Voß. Für die neue Mensa und die Sanierung des Hörsaalgebäudes inklusive Universitätsbibliothek werde im Dezember diesen Jahres die „technische Übergabe“ an die Universität erfolgen. „Dann ist das Bauwerk fertig und kann eingerichtet werden“, sagte Voß. „Im Februar/März könnte auch die Inneneinrichtung fertig sein“, sagte er.
Das an der Grimmaischen Straße gemeinsam mit einem privaten Investor vorangetriebene neue Institutsgebäude der Wirtschaftswissenschaften sowie die Sanierung des Seminargebäudes an der Universitätstraße würden wie geplant im März 2009 an die Uni übergeben. Die Rohbaufertigstellung des 4. Bauabschnitts – also des neuen Uni-Hauptgebäudes am Augustusplatz und der daneben neu errichteten Paulineraula/Kirche – werde „Anfang September 2008“ erfolgen.
Die Preisexplosion von 145 Millionen auf „etwa 170 Millionen Euro“ begründete Voß vor allem mit der Baupreisentwicklung. Die Kalkulation stamme aus dem Jahr 2004, sagte Voß. Nach dem inzwischen geltenden Baupreisindex seien die gleichen Arbeiten rund 11,5 Millionen Euro teurer. „Allein im letzten Jahr ist der Baupreisindex um fast sieben Prozent gestiegen.“
Nicht vorhersehbar gewesen sei auch die Mehrwertsteuererhöhung, die den Campus um rund 3,5 Millionen Euro teurer gemacht habe. Auch die Altbausubstanz – vor allem das Skelett der Universitätsbibliothek – habe sich nicht so preisdämpfend erwiesen wie gehofft. „Dort hatten wir für die Arbeiten nur 73 Prozent der laut Kostenrichtlinie zulässigen Beträge kalkuliert“, so Voß. Tatsächlich seien aber „rund 100 Prozent“ eingetreten und würden Mehrausgaben von „rund neun Millionen Euro“ verursachen. Der größte Teil davon sei auf neue Brandschutzauflagen zurückzuführen, die niemand vorhersehen konnte. „In unserer Bauzeit gab es zwei Verschärfungen der Brandschutzbestimmungen“, sagte auch Sonderbauleiter Volker Kylau. „Das hat uns voll getroffen.“
Journalisten wollten wissen, ob der Campus nicht preisgünstiger geworden wäre, wenn das alte Hörsaalgebäude nebst alter Uni-Bibliothek komplett abgebrochen und anschließend völlig neu gebaut worden wäre. Sonderbauleiter Kylau erklärte, dass die Baufirmen dann in die unter der Uni-Bibliothek liegenden Fundamente hätten eingreifen müssen. „Dort ist auch das City-Hochhaus eingebunden“, sagte er. „Das hätte zu enormen statischen Problemen führen können.“
Staatssekretär Voß betonte mehrfach, dass der Fertigstellungstermin für den Gesamtkomplex noch immer „sehr ehrgeizig“ ist. „Jetzt darf nichts mehr geschehen, was den Zeithorizont beeinträchtigt“, sagte er mit Blick auf das Hauptgebäude am Augustusplatz und das benachbarte Aula-Kirchen-Gebäude. „Aber ich möchte mich nicht dafür verbürgen, dass bei der Einweihung im letzten Obergeschoss schon alles gestrichen ist.“
Uni-Rektor Franz Häuser nahm dies mit unbewegter Miene zur Kenntnis. Doch anschließend machte er Voß vor Journalisten darauf aufmerksam, dass die Universität für die feierliche Einweihung der Campusbauten eine Jubiläumsmedaille editieren wird: Es wäre doch schade, wenn der Campus dann nur auf der Münze zu sehen sei, ließ Häuser wissen.
Unterschiedliche Auffassungen gibt es jetzt offenbar bei den Namen, die die neuen Gebäude erhalten sollen: Während Voß den neuen Aula-Kirchenbau immer als „Paulinerkirche“ bezeichnete, bestand Rektor Häuser auf dem Namen „Paulinum“. Dieser sei sogar mit dem Landesbischof abgestimmt worden, erklärte er.
Passanten, die bei dem Baustellenrundgang zufällig vorbei kamen, waren ebenfalls irritiert. „Der Name Paulinum ist eine Erfindung von Rektor Häuser“, sagte Spaziergänger Professor Christoph Michael Haufe vom Freundeskreis der Universität. „Das frühere ,Paulinum‘ war nur ein Bestandteil des alten Paulinerklosters. Historisch korrekt wäre die Bezeichnung ,Paulinerkirche‘.“
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 2./3. Februar 2008 (Printausgabe - Seite 19)
© LVZ-Online vom: Samstag, 2. Februar 2008
Studenten kritisieren Campus
Vorwurf: Weil der Freistaat beim Baubudget spart, entsteht am Augustusplatz eine „Energieschleuder“
Dem Freistaat wird vorgeworfen, dass er mit dem neuen Uni-Campus eine „Energieschleuder“ errichtet. Denn der Bau wird nach seiner Inbetriebnahme mit einer projektierten Anschlussleistung von 4,5 Megawatt gefahren und dann deutlich mehr Energie verbrauchen als der Vorgänger-Campus, der nur 3,1 Megawatt benötigte – obwohl er bereits Anfang der 70er-Jahren errichtet worden war.
Die Vorwürfe werden vom Studentenrat der Universität erhoben. Er schlägt Alarm seit bekannt geworden ist, dass der Campus-Neubau nicht die neue Energieeinsparverordnung erfüllen wird, die ab Mai in Deutschland gilt. Noch deutlicher verfehlen wird er die nächste Energiesparverordnung der Europäischen Union. Ihre Vorgaben stehen auf EU-Ebene bereits fest, werden aber für Deutschland erst im Jahr 2012 verbindlich – nur drei Jahre, nachdem der neue Campus fertig sein soll. Die Studenten werfen dem Freistaat vor, dass er beim Baubudget spart und dafür künftig das Bildungsbudget unzulässig stark mit Energiekosten belaste. Die Folge würden Kürzungen bei den Geldern für Forschung und Lehre sein, heißt es.
Als Beleg führen die Studenten auch interne Prognosen für die Betriebskosten des Campus-Neubaus an. Aus ihnen geht hervor, dass für jeden der 34 000 Quadratmeter Nutzfläche ursprünglich monatliche Betriebskosten von 9,50 Euro (2004) kalkuliert wurden, inzwischen aber mit 12 Euro gerechnet wird, die demnächst auf 14 Euro klettern sollen.
Bei einer Diskussionsrunde am Donnerstagabend im Städtischen Kaufhaus bemühte sich Sonderbauleiter Volker Kylau, die Wogen zu glätten. Der neue Campus sei im Jahr 2004 konzipiert worden und erfülle deshalb auch die damals geltende Energiesparverordnung, erklärte er. Dennoch habe der Freistaat über zusätzliche Energiesparmaßnahmen nachgedacht, sei aber zu dem Schluss gekommen, dass nicht alle wirtschaftlich sind. „Es müssten Mehrkosten von etwa 20 Prozent aufgebracht werden, um den Campus auf Passiv-Haus-Standard zu trimmen“, so Kylau. „Nutzen würde das aber nur wenig. Ein Campus eignet sich für diesen Standard nicht.“
Wenn zum Beispiel im Seminargebäude nach Seminarschluss alle Türen aufgehen, sei das Gebäude klimatechnisch praktisch nicht mehr zu beeinflussen. Auch das in dem Bürohaus Energon in Ulm praktizierte Ansaugen von vorgewärmter Luft aus den Außenbereichen bringe nicht viel. „Wenn Studenten im Innenhof grillen, dringt der Geruch in alle Räume“, so Kylau. Es bestehe auch die Gefahr, dass der Sauerstoffgehalt der Luft leide. Dies könne im Extremfall dazu führen, „dass sich bei Prüfungen unter den Studenten Müdigkeit breit macht“.
Der neue Campus verbrauche deshalb mehr Energie als der alte, weil er deutlich größer ist. So habe der Vorgängerbau nur 28 000 Quadratmeter Nutzfläche besessen. „Auch die technische Ausstattung ist jetzt deutlich aufwändiger“, sagte Kylau. Dies sei zum Beispiel im Rechenzentrum zu sehen. „Unser Problem ist nicht zu wenig Wärme, sondern dass wir zu viel haben“, erklärte der Bauchef mit Blick auf die Wärmeabstrahlung der Hochleistungsrechner. Außerdem werde die Mensa jetzt komplett elektrisch betrieben und beanspruche deshalb eine Leistung von zwei Megawatt – knapp die Hälfte der für den gesamten Campus veranschlagten Kapazität.
Um trotzdem Energie zu sparen, setzen die Bauherren auf ausgefeilte Technik. So wird zum Beispiel eine Wärmerückgewinnungsanlage mit einer Luftwechselbegrenzung installiert, die einen CO2-Fühler besitzt. Mit ihrer Hilfe soll erreicht werden, dass die Lüftungsanlagen nur dann zugeschaltet werden, wenn sich die Luftqualität in den Räumen verschlechtert – und sich selbstständig wieder abschalten. Außerdem wird ein Energiemanagementsystem installiert, das unter anderem die teuren Anfahrspitzen reduzieren soll. „Der Rechner verschiebt die Lastaufnahme im Millisekundentakt, so dass niemand etwas davon merkt“, sagte Kylau. Auf dem Dach wird eine Absorptionskältemaschine der Stadtwerke genutzt. Sie soll im Sommer extrem energieeffizient Abwärme in Kälte umwandeln. Außerdem wird Regenwasser gesammelt und zur Kühlung der Luft in die Kanäle der Klimaanlage eingespritzt. „Aus meiner Sicht ist der Campus deshalb keine ,Energieschleuder‘“, so Kylau.
Die Bauherren betonen auch, dass die Energieversorgung der Uni einen „Zwei-Schicht-Betrieb“ im Campus möglich macht und dabei alle Bereiche nach Belieben zugeschaltet werden können. „Dadurch könnte die Uni Flächen vermieten oder verpachten und so Einnahmen generieren, die die Energiekosten decken helfen“, argumentierte Kylau. „Zum Beispiel durch Kongresse oder andere Veranstaltungen in der neuen Pauliner- Aula.“
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 21. Januar 2008 (Printausgabe - Seite 24)
© LVZ-Online vom: Montag, 21. Januar 2008
„Symbiose zwischen Stadt und Uni“
Rektor Häuser über den 600. Geburtstag der Alma mater und die Ehrendoktorwürde für Angela Merkel
Frage: Im realen wie übertragenen Sinne gibt es zahlreiche Baustellen, die bis zum 600. Jubiläum der Leipziger Uni 2009 abgearbeitet sein müssen. Welche macht Ihnen momentan die größten Sorgen?
Franz Häuser: Der runde Geburtstag ist ein Großereignis für die Universität und die Stadt mit nationaler und internationaler Strahlkraft. Aber darüber darf nicht vergessen werden, dass die Alma mater in erster Linie für eine qualifizierte Forschung und Lehre zuständig ist. Mich treibt deshalb derzeit vor allem um, wie wir in der Landes-Exzellenzinitiative möglichst gut abschneiden und die noch bestehenden Mängel in der Bachelor- und Masterausbildung abstellen können. Als Sorgen würde ich das aber nicht bezeichnen, sondern als Herausforderungen. Was das 2009 anstehende Jubiläumsjahr betrifft, sind wichtige organisatorische Weichenstellungen erfolgt und der Campus-Neubau nimmt Gestalt an. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass wir den eigentlichen Geburtstag am 2. Dezember 2009 im neuen Paulinum feiern können, das im Innern so gestaltet wird, wie es die Planungen vorsehen. Die Universität lässt sich da nicht hineindirigieren, wie das der Paulinerverein ständig versucht. Bei solchen Vorwürfen, wie dem jüngst erhobenen, die Universität versage jetzt ebenso wie während der Nazi-Diktatur und der DDR-Zeit, kann ich nur den Kopf schütteln. Das hat mit einer sachlichen Debatte nichts mehr zu tun.
Beim Festprogramm sind zwei Vorhaben geplatzt. Einen großen Umzug wie zum 500. Jubiläum der Alma mater wird es nicht geben. Und die Landesausstellung, die mit den Feierlichkeiten korrespondieren sollte, findet auch nicht statt ...
Der Umzug wäre zweifellos ein stadtöffentlicher Höhepunkt gewesen, aber ohne Studenten wäre er eine Farce. Und der Studentenrat hat nunmal definitiv klar gemacht, dass es von ihm keine Rückendeckung für den Umzug gibt. Um die Uni-Historie dennoch ins Blickfeld zu rücken, könnte der geplante Lauf von Prag nach Leipzig geschichtlich angereichert werden. Mit ihm soll ja an die Übersiedelung der Magister und Scholaren anno 1409 von der Karls-Universität nach Leipzig erinnert werden. Bei der Ankunft der Läufer ließe sich der geschichtlichen Reminiszenz sicher noch das eine oder andere Kapitel anfügen. Bei der Landesausstellung hätte ohnehin das Land und nicht die Uni im Mittelpunkt gestanden. Insofern bin ich jetzt froh darüber, dass wir zusammen mit der Stadt eine große Schau im Alten Rathaus unter dem Motto „Erleuchtung der Welt“ organisieren werden, bei der die Uni eine zentrale Rolle spielt.
Ab wann setzt der Veranstaltungsmarathon im kommenden Jahr ein?
Auftakt wird am 9. Mai ein großes Konzert der Universitätsmusiker sein, das mit szenischen Darstellungen einhergeht. Musik hat etwas Entlastendes, sie gibt uns eine gewisse Lockerheit im Umgang mit dem Jubiläum. In der Jahresmitte gibt es Veranstaltungen vernetzenden Charakters – angefangen von der internationalen studentischen Woche über das Campus-Festival bis zu den Europameisterschaften im Hochschulsport. Im Herbst stehen unter anderem wissenschaftliche Kongresse an, und vom 30. November bis 6. Dezember gibt es eine Festwoche mit randvollem Programm. Übers Jahr werden sich die zentralen Veranstaltungen und die der Fakultäten auf mehr als zweihundert summieren. Viele davon sind auf nachhaltige Wirkung angelegt. Es muss beispielsweise um die Frage gehen, wie eine Universität wieder stärker zum Hort gesellschaftspolitischer Debatten wird.
Sie suchen Sponsoren, die der Uni im Jubiläumsjahr unter die Arme greifen. Gibt es greifbare Erfolge?
Zum Teil waren die Bemühungen schon einträglich, aber es gibt auch Unternehmen, die noch unentschlossen sind. Das kann auch nicht anders sein. Schließlich geht in den Firmen einer solchen Entscheidung immer ein längerer Prozess der Meinungsbildung voraus. Ich werde aber nicht müde, weiter mit dem Klingelbeutel rumzugehen.
Bleiben wir mal beim Geld. Der Bund wird aus gegebenem Anlass 2009 eine 10-Euro-Gedenkmünze herausgeben. Welches Motiv kommt auf den Uni-Taler?
Auf die Rückseite auf alle Fälle der Bundesadler, ohne den geht es bei solchen Münzen nicht. Was vorne draufkommt, entscheidet eine Jury, die im März das erste Mal tagt. Etwa 30 Künstler sind zur Teilnahme an dem Gestaltungswettbewerb eingeladen worden. Zusammen mit der Münze wird auch eine Jubiläumsbriefmarke aufgelegt. Ich bin gespannt, wie die aussieht.
Die Stadt Leipzig versteht sich als großer Juniorpartner des Jubiläums. Was halten Sie von dieser Rolle?
Wir sitzen in einem Boot. 600 Jahre Universität sind zugleich 600 Jahre Universitätsstadt Leipzig. Die Symbiose ist hier seit jeher ungemein hoch, und diese Vernetzung schlägt sich auch in der Besetzung der Organisationsgremien des Jubiläums nieder. Hinzu kommt, dass sich 2009 die von Leipzig ausgegangene friedliche Revolution zum 20. Male jährt. Aus diesem Anlass wollen wir eine spezielle Stiftungsprofessur etablieren. Das geht nur im Schulterschluss von Uni, Stadt und Freistaat.
Für Publicity sollen auch prominente Jubiläumsbotschafter wie die chilenische Staatspräsidentin Michelle Bachelet sorgen, die am Leipziger Herder-Institut studierte. Wen wünschen Sie sich noch als namhafte Fürsprecher des Ereignisses?
Es gibt viele Absolventen der Uni, die heute in aller Herren Länder politische Spitzenämter bekleiden oder anderweitig herausragende Positionen besetzen. Solche Alumni für das Jubiläum zu begeistern, haben wir uns auf die Fahnen geschrieben. Es hat sich ja gezeigt, dass man mit einem Studienabschluss der Uni sogar Bundeskanzlerin werden kann. Am 3. Juni dieses Jahres werden wir Angela Merkel die Ehrendoktorwürde verleihen.
Publizistisches Highlight zum run- den Geburtstag der Uni soll ein fünfbändiges Werk über ihre Geschich- te sein. Liegen die Autoren im Zeitplan?
Meines Wissens gibt es keinen triftigen Grund, der das pünktliche Erscheinen in Frage stellen könnte. Am weitesten gediehen ist der Band fünf, in dem es vor allem um die universitären Bauten geht. Beim Band vier gibt es ein gewisses strukturelles Problem, weil in ihm ein breites Themenspektrum zu Instituten und Fakultäten abgehandelt wird. Die Autoren kommen aus den einzelnen Einrichtungen und sind meist keine Historiker. Der redaktionelle Aufwand ist hoch. Um ihn zu bewältigen, haben wir einen Experten eingestellt. Bei den Bänden eins bis drei, in denen die eigentliche Uni-Geschichte seit 1409 aufgearbeitet wird, gab es eine Vakanz für die DDR-Zeit, die der leider im letzten Jahr verstorbene Professor Günther Wartenberg niederschreiben wollte. Dankenswerterweise übernehmen nun die Professoren Günther Heydemann und Klaus Fitschen diesen Part. In puncto Publikationen haben wir noch ein anderes Projekt in der Schublade – die Edition alter Rektorreden. Das verspricht eine unterhaltsame Lektüre zu werden.
Interview: Mario Beck
Quelle: http://www.lvz.de/aktuell/content/50689.html
© LVZ-Online vom: Mittwoch, 2. Januar 2008
Rektor Häuser: Uni muss auch nach 600 Jahren heiße Eisen anfassen
Leipzig. Das 600. Jubiläum der Universität Leipzig im kommenden Jahr ist nach Ansicht von Rektor Franz Häuser ein Ereignis von internationaler Tragweite. „Auf dem gesamten Globus findet man heute Universitäten nach dem Muster der zu Beginn des 15. Jahrhunderts gegründeten Alma mater Lipsiensis. Diese Erfolgsgeschichte wollen wir 2009 deutlich machen“, sagte er.
Die Hochschule mit heute mehr als 29 000 Studenten, 14 Fakultäten und 150 Instituten ist nach Heidelberg die zweitälteste Universität Deutschlands. Das Jubiläumsjahr mit zahlreichen wissenschaftlichen Kongressen, einer Ausstellung, studentischen Projekten und dem Festakt soll Häuser zufolge widerspiegeln, „dass die Universität Leipzig in sechs Jahrhunderten einen bedeutenden Teil europäischer Bildungsgeschichte mitgeschrieben hat“.
„Die Universität hat auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag, der über Forschung und Lehre geht: Sie muss heiße Eisen anfassen, darf sich dabei aber nicht die Finger verbrennen“, sagte Häuser. Er wirbt dafür, dass sich Universitäten und Wissenschaftler stärker bei aktuellen Fragen auch in der Öffentlichkeit zu Wort melden und sich mit Ergebnissen aus der Forschung einbringen. „In welchen Bereichen wir Spitze sind, hat uns der Erfolg bei der Bundesexzellenzinitiative gezeigt“, sagte er. Für ihre Graduiertenschule „Building with Molecules and Nano-objects“ erhält die Universität in den kommenden vier Jahren insgesamt etwa vier Millionen Euro. „Die Exzellenzinitiative hat die Uni in den vergangenen vier Jahren in Atem gehalten. Nun schnaufen wir durch und konzentrieren uns auf das Jubiläum“, sagte Häuser.
2009 soll die wissenschaftliche Welt und die interessierte Öffentlichkeit nach Leipzig schauen. Dafür plant die Universität mehrere Fachkongresse, interdisziplinäre Tagungen, Konzerte, Ausstellungen und ein Treffen ehemaliger Absolventen. Berühmteste lebende Alumna ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der noch in diesem Jahr die Ehrendoktorwürde verliehen werden soll. Der Bund würdigt das Uni-Jubiläum durch die Prägung einer 10-Euro-Münze. Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist einen Festakt zum 600. Gründungstag am 2. Dezember. Häuser ist optimistisch, dass dieser im neuen Paulinum stattfinden wird. Die Aula am Augustusplatz auf dem Terrain der 1968 gesprengten Paulinerkirche soll das neue geistige und geistliche Zentrum der Universität werden. Die derzeit noch im Bau und Umbau befindlichen Seminar- und Hörsaalgebäude sollen bereits im Lauf des Jubiläumsjahres bezogen werden.
Tobias D. Höhn, dpa
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 19. November 2007 (Printausgabe - Lokalteil - Seite 24)
© Leipziger Volkszeitung
Festumzug beerdigt
Studentenrat verweigert für Historienspektakel zum 600. Uni-Geburtstag die Gefolgschaft
Von MARIO BECK
Die Stimmung war überschwänglich, die Presse hatte schon vorab das heraufdämmernde Spektakel ausführlich erläutert und mit Vorschusslorbeeren bedacht. Es schlug 12 Uhr, als sich der Umzug am 30. Juli 1909 in Leipzig in Bewegung setzte. Die Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag der Uni strebten ihrem öffentlichen Höhepunkt entgegen, der sich zwei Stunden hinziehen sollte. In langgestreckter Marschformation, farbig kostümiert und mit vielen Schauwagen defilierten 2000 Studenten an der Fürstentribüne und der versammelten Bürgerschaft vorbei. In 14 Bildern stellten die Kommilitonen die Geschichte der Alma mater nach – vom Auszug der deutschen Scholaren aus Prag nach Leipzig 1409 über die Reformation bis hin zu den Burschenschaften und der studentischen Schutzwehr, die sich anno 1830 an der Niederschlagung von Unruhen beteiligt hatte.
Jubel, Trubel, Eitelkeit – hinterher waren alle des Lobes voll über die Reminiszenz, die vorher allerdings auf der Kippe stand, weil die Studentenschaft uneins über Details des Auftrittes und dessen Finanzierung war. Noch im Mai war deshalb ein dringlicher Appell an die Immatrikulierten ergangen, kräftig für das Vorhaben zu spenden.
Beim 600. Uni-Jubiläum 2009 sollte wieder mit einem Festumzug der historische Bogen von den Anfängen bis in die Gegenwart gespannt werden. Bereits vor zwei Jahren hatten die Uni und die Stadt, die sich als „großer Juniorpartner“ beim Uni-Geburtstag versteht, dieses Projekt in den Blick genommen. Seitdem geisterte es herum und rief unter anderem Herbert Schlaak auf den Plan. „Es war für mich selbstverständlich, mich da einzubringen. Schließlich habe ich schon als junger Physik-Student an der Uni in Greifswald bei deren 500. Geburtstag 1956 mitgewirkt.“ Als historisch interessierter Seniorenstudent der Alma mater machte sich Schlaack ans Werk, recherchierte in Archiven und investierte ein halbes Jahr in ein rund 90-seitiges Umzugskonzept für 3500 bis 4000 Mitwirkende, „die anzukleiden, zu schminken und auszustatten“ seien. Motto des Aufmarsches in sieben Akten und mit mehreren hundert kostümierten Kleingruppen: „Hoch lebe Leipzig, hoch lebe die Universität!“ Kostenvoranschlag: 400 000 Euro. Magnifizenz Franz Häuser hatte Schlaak bei dem Schaulaufen die Rolle des einstigen Uni-Gründungsrektors Otto von Münsterberg zugedacht. Mit Lorbeerkranz am Stab sollte Häuser der Gruppe Nummer 57 voranschreiten.
Daraus wird nichts: Das Konzept fiel zunächst beim Studentenrat (Stura) durch. „Wir haben den Entwurf hin- und hergewälzt, aber mit einer derart euphemistischen Darstellung der Uni-Geschichte konnten wir uns beim besten Willen nicht anfreunden“, meint Stura-Sprecher Marcel Wodniock. „Burschenschaften hätten eine Plattform bekommen, was mit unseren Grundsätzen nicht vereinbar ist. Die Ablehnung ist unwiderruflich.“
Damit war der Umzugsabgesang eingeläutet. Bei der jüngsten Sitzung des Jubiläumskomitees, dem unter Vorsitz von Häuser Vertreter der Uni und der Stadt angehören, wurde das Vorhaben dann endgültig beerdigt. Häuser: „Ohne die Mitwirkung der Studentenschaft ist so ein Umzug nunmal nicht zu machen.“ Er könne sich aber eine „Auffanglösung“ vorstellen. Beim geplanten Lauf von Prag nach Leipzig, der an den Wechsel von 2000 deutschen Magistern und Scholaren 1409 von der Moldau an die Pleiße erinnern soll, könnten noch andere Ereignisse der Uni-Geschichte mit in Szene gesetzt werden.
Bei der Stadt kommt der Umzugsrückzieher nicht gut an. Deren Vertreter im Jubiläumskomitee hatten sich gegen die Absetzung des Projektes gestemmt, weil es nach ihrer Überzeugung dem Stadtmarketing gut getan hätte. Und auch Schlaak ist sauer – vor allem auf den Stura. „Das ablehnende Verhalten des Studentenrates ist für mich respektlos, sehr überheblich und einfach unbegreiflich.“ Eine Alternative hat der rüstige Rentner auch anzubieten: Einen neuen Stura wählen. Sein zweiter Vorschlag: Ein Geisterfestumzug, bei dem hinter den Trägern der Gruppenschilder keiner herläuft. „Der würde in die Annalen der Uni eingehen – als Albtraum.“
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 29. Oktober 2007 (Printausgabe - Lokalteil - Seite 21)
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„Im Juni feiern wir am Augustusplatz Richtfest“
Auf dem Uni-Campus entsteht die Bodenplatte für Hauptgebäude und Aula
Eine neue Etappe beginnt heute auf der Großbaustelle Uni-Campus: Direkt am Augustusplatz soll das Gießen der Bodenplatte für das neue Hauptgebäude und den Aula/Kirchenbau gestartet werden. Für die ein Meter starke Platte – auf der neun Etagen entstehen sollen – müssen 1200 Kubikmeter Beton herangefahren werden. Die Aktion soll eineinhalb Tage dauern und rund um die Uhr laufen.
Das Vorhaben ist generalstabsmäßig vorbereitet. Schon seit Tagen wird das Eisengerüst für die Stabilisierung der Platte montiert. Im Bereich des künftigen Hauptgebäudes wurde das Eisengeflecht über zwei Untergeschosse verlegt, die noch von der früheren Karl-Marx-Universität stammen und künftig wieder für den Neubau genutzt werden sollen. Für den Aula/Kirchenbau, der nördlich anschließt, ist das Netzwerk dagegen auf gewachsenem Boden ausgelegt – darunter soll es keine Keller geben. „Die archäologischen Untersuchungen haben nichts zu Tage gebracht, das erhalten werden muss“, sagt Sonderbauleiter Volker Kylau. „Die Arbeiten während der DDR-Zeit haben alles zu stark in Mitleidenschaft gezogen.“
Weil die wichtigen Betonarbeiten nur bis fünf Grad Minus durchgeführt werden können, wurde auch Vorsorge für einen Temperatureinbruch getroffen. „In diesem Fall wird das Geflecht mit Folie abgedeckt und mit Dampf beheizt“, sagt Kylau. „Das reicht aus, weil die Betonmassen auch noch Eigenwärme besitzen.“
Wenn das Gießen wie geplant bis Monatsende abgeschlossen werden kann, soll es auf der Baustelle zügig weitergehen. „Im November werden auf der Bodenplatte die Kellerwände errichtet und höchstwahrscheinlich bis Weihnachten stehen“, denkt Bauchef Kylau laut nach. „Im Januar kommt die Kellerdecke drauf und dann geht es gleich mit dem Hochbau weiter. Im Juni 2008 feiern wir am Augustusplatz Richtfest.“ Kylau hat keinen Zweifel daran, dass der Einweihungstermin 2. Dezember 2009 gehalten wird. „Eigentlich will ich, dass alles schon etwas früher fertig ist“, sagt der Bauprofi.
Das könnte klappen, denn auch die anderen Bauabschnitte des Uni-Campus kommen jetzt mit Riesenschritten voran. Zehn Kräne stehen mittlerweile auf dem Areal und drehen sich im Akkord. Der Höchste ist 65 Meter lang, die anderen sind zwischen 25 und 45 Meter groß. Noch im November soll der erste Gigant wieder demontiert werden, denn die Arbeiten an der neuen Mensa – die lange ein Sorgenkind der Bauherren waren – sind weit fortgeschritten. „Die Blech-Dacharbeiten sind fast komplett abgeschlossen“, sagt Kylau. „Auch die Glaskuppel über der künftigen Bibliothek ist fertig.“ Nur der Innenhof der Mensa ist noch offen – dort reckt sich der zu demontierende Kran in den Himmel.
Die Mensa mit dem Hörsaalgebäude und der Bibliothek sowie der zu modernisierende Seminargebäude-Trakt an der Universitätsstraße sollen „Ende 2008“ übergeben und so sichergestellt werden, dass sie im Frühjahrssemester 2009 in Betrieb gehen können. Auch der Privatinvestor MIB, der an der Grimmaischen Straße den Bau eines neuen Institutsgebäudes vorantreibt, will dann fertig sein. Dort läuft bereits der Hochbau.
Noch nichts getan hat sich für den Neubau des Café Felsches, das wieder an der Einmündung der Grimmaischen Straße/Augustusplatz entstehen soll und ebenfalls von der MIB vorangetrieben wird. „Der Kauf des Geländes ist aber erfolgt und die Baugenehmigung erteilt“, sagt Kylau. Die MIB habe signalisiert, dass sie demnächst starten wolle. „Für den Bau des Cafés Felsche braucht die MIB höchstens acht bis zehn Monate“, schätzt Kylau. „Die überholen uns allemal, während wir das Hauptgebäude errichten.“
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 8. Oktober 2007 (Printausgabe - Lokalteil - Seite 24)
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Geld zur Erleuchtung der Welt
Sponsoren für Veranstaltungen zum 600. Uni-Geburtstag gesucht / Namenspatronate umstritten
Von MARIO BECK
Knapp zwei Jahre vor dem 600. Geburtstag der Leipziger Uni am 2. Dezember 2009 steht nicht nur der Plan für die Jubiläumsfeierlichkeiten halbwegs fest, auch die Suche nach Sponsoren ist angelaufen. Rektor Franz Häuser bestätigte auf Anfrage, dass er bereits in engem Kontakt mit einigen Interessenten steht, die sich für das Ereignis finanziell engagieren wollen. Vor allem was die Hauptförderer betreffe, sei er „sehr zuversichtlich“, meinte Häuser, ohne konkrete Namen zu nennen. Geplant ist, insgesamt sechs solcher Premium-Förderer aus der Wirtschaft zu gewinnen, die jeweils rund 250 000 Euro beisteuern. „Wenn uns das gelingt, haben wir einen beachtlichen Teil der Gelder, die aus privaten Quellen benötigt werden, eingeworben.“
In dem dieser Zeitung vorliegenden Konzeptionsentwurf für das „Sponsoring und Fundraising 2009“ wird von einem Finanzbedarf „im Rahmen der Organisation und Durchführung des Festjahres“ von knapp zehn Millionen Euro ausgegangen. Abzüglich der Mittel, die durch den Freistaat und über den Uni-Haushalt bereit gestellt werden, verbleibe „eine Finanzierungslücke von bis zu vier Millionen Euro“, heißt es in dem Papier. Um diese zu füllen, gebe es mit Blick auf die überregionale Ausstrahlung des Jubiläums und die Attraktivität der geplanten rund 100 Veranstaltungen „zahlreiche Aquisepotenziale“.
Neben dem Gewinnen von Hauptsponsoren, die in der Konzeption als Paten und Partner der Wissenschaft bezeichnet werden, sollen auch mittlere und kleinere Zuwendungsgeber mit dem Titel „Förderer der Wissenschaft“ (10 000 bis 50 000 Euro) und „Freund der Wissenschaft“ (1000 bis 10 000 Euro) ins Boot geholt werden. Die gewählten Titel, so heißt es, wären nicht nur eine „Kategorisierung der Geber“, sondern könnten gleichzeitig auch als „ehrende Titel“ Verwendung finden. Vorstellbar sei, dass die Gönner als Namenspaten für Räume, Gebäude und Einrichtungen – „gegebenfalls zeitlich beschränkt“ – in Erscheinung treten oder mit Ehrentafeln oder Ehrenbüsten gewürdigt werden.
Studentenvertreter können sich mit dem Gedanken, Namenspatronate als Gegenleistung für finanzielles Engagement zu vergeben, aber nicht anfreunden und verweisen auf die Grundordnung der Alma mater. Diese erlaubt es zwar, dass „an Teileinrichtungen der Universität ergänzend zur Dienststellenbezeichnung ein auf ihre Tradition oder ihr Profil bezogener Name verliehen werden kann“. Dem muss jedoch das Konzil zustimmen. Offen ist allerdings, wie lange dieser Passus noch greift, weil die geplante Neufassung des sächsischen Hochschulgesetzes die Abschaffung der Hochschulparlamente vorsieht.
Den größten Finanzierungsbedarf gibt es dem universitären Sponsoring-Konzept zufolge bei der mit Kosten von rund 3,1 Millionen Euro angesetzten Jubiläumsausstellung „Erleuchtung der Welt – Sachsen und der Beginn der modernen Wissenschaften“. Wenn der Freistaat dafür, wie von der Uni erhofft, zwei Millionen Euro locker macht, müssen noch 1,1 Millionen Euro eingeworben werden. Aber auch bei Veranstaltungen wie dem großen Absolventen-Treffen, dem Uni-Ball und den Hochschulsport-Europameisterschaften oder für die vorgesehene Einrichtung einer Stiftungsprofessur sind Gönner gefragt.
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HINTERGRUND Höhepunkte im Jubiläumsjahr
Mai 2009: Konzert zur Eröffnung des Festjahres, Neukomposition und Einspielung von Bach-Festmusiken, Symposium zu Universitätsgründungskulturen, Internationale studentische Woche, Lauf von Prag nach Leipzig in memoriam des Wechsels der Magister und Scholaren 1409 von der Moldau an die Pleiße, Herausgabe der 10-Euro-Gedenkmünze
Juni 2009: Campus-Festival, Uni-Präsentation im Rahmen des Stadtfestes
Juli 2009: Einweihung der Jubiläumsausstellung „Erleuchtung der Welt“, Hochschulsport-Europameisterschaften im Volleyball, Fußball und Judo
Oktober 2009: Einrichtung einer Stiftungsprofessur zu den friedlichen Revolutionen in der DDR und anderen Ostblock-Staaten, Kongress zur Globalgeschichte
November 2009: Ausgiebiges Konferenzprogramm zum Thema „Riskante Ordnungen“
Dezember 2009: Festwoche vom 30. November bis 5. Dezember, Festakt zum 600. Uni-Geburtstag am 2. Dezember plus Einweihung des neuen Campus und Jubiläumsball, Uni-Musiktage, Kongress „Ökonomisierung der Wissensgesellschaft“, Herausgabe der Jubiläumsbriefmarke, Vorstellung der fünfbändigen Universitätsgeschichte mb
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 6./7. Oktober 2007 (Printausgabe - Seite 4)
© Leipziger Volkszeitung
Grüne: Leipzigs Uni-Campus wird Energieschleuder
Angeblich 40 Prozent Mehrausgaben / Regierung weist Kritik zurück
Von SVEN HEITKAMP
Dresden/Leipzig. Es ist ein Vorzeigeprojekt der sächsischen Hochschullandschaft und einer der größten Uni-Bauten deutschlandweit: Der neue Campus der Alma mater in Leipzig, der zurzeit am Augustusplatz entsteht. Zum 600. Geburtstag der Uni im Jahr 2009 soll das 145-Millionen-Euro-Projekt in der Innenstadt eingeweiht werden. Doch die Grünen-Landtagsfraktion wirft der Staatsregierung als Bauherrin jetzt vor, mit dem derzeit größten Bauprojekt des Landes eine „Energieschleuder“ zu errichten.
„Der zu erwartende Energieverbrauch des neuen Campus’ wird weit über dem liegen, was nach dem Stand der Technik möglich und wirtschaftlich angemessen wäre”, sagt Hochschulpolitiker Karl-Heinz Gerstenberg dieser Zeitung. Auf die Uni kämen von Beginn an etwa 40 Prozent höhere Betriebskosten als beim alten Campus zu: Statt 9,60 Euro bis 11,50 pro Quadratmeter seien es künftig 14 Euro. Dies ergebe sich aus Antworten des Finanzministeriums auf Kleine Anfragen. „Stellt man zudem die absehbaren Energiepreissteigerungen in Rechnung, droht der Campus ein Fass ohne Boden zu werden”, warnt Gerstenberg.
Zwar würden beim Bau die nötigen Mindeststandards eingehalten. Aber ökologisches Bauen darüber hinaus spiele keinerlei Rolle. Dabei seien bei Fenstern, Wänden und Dächern deutlich größere Energiesparpotenziale möglich. „Diese Energieverschwendung ist gerade für eine Hochschule ein klimapolitisches Armutszeugnis”, so Gerstenberg. Klimaschutz sollte als dauerhafte Querschnittsaufgabe wahrgenommen werden. Schließlich habe sich der Freistaat 2001 im Klimaschutzprogramm verpflichtet, bei Energieeffizienz und Einsparungen eine Vorbildrolle zu übernehmen.
Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement müsse daher für die nächsten Bauabschnitte sofort gegensteuern, fordern die Grünen. Andernfalls bleibe die Universität „auf unnötigen Betriebskosten von bis zu 500 000 Euro pro Jahr sitzen, die dann bei Forschung und Lehre fehlen“, so Gerstenberg.
Die Regierung hält diese Forderungen für unangebracht „Der Freistaat und seine Bauverwaltung haben sich bei der Planung des Campus’ Leipzig bereits vor Jahren an der jüngsten Energieeinsparverordnung orientiert, obwohl diese erst seit 1. Oktober 2007 gültig ist“, sagte Ministeriumssprecher Burkhard Beyer. Damit sei das neueste EU-Recht bereits umgesetzt worden. „Die hohen Standards werden an vielen Beispielen deutlich“, sagt Beyer. So werde die kalte Außenluft eigens durch Erdkollektoren und durch Abwärme etwa von Computerräumen vorgewärmt. Das gesamte Konzept für den Campus-Neubau basiere darauf, die Kraft-Wärme-Kopplung möglichst umfassend zu nutzen. „Dies sind Maßnahmen nach dem heutigen Stand der Technik“, so Beyer, „die deutlich zur Energieeinsparung beitragen.“
Quelle: http://db.uni-leipzig.de/aktuell/index.php?pmnummer=2007210
© Universität Leipzig, im September 2007
Blickpunkt Jubiläum 2009: Universität Leipzig hinterfragt ihr Image
Repräsentative Telefon-Umfrage bei der Bevölkerung der Region Leipzig startet im Oktober
Ab dem kommenden Montag (1. Oktober) werden rund 1.000 repräsentativ ausgesuchte Personen in Leipzig und den angrenzenden Landkreisen in den Nachmittags- und Abendstunden Anrufe des Leipziger Marktforschungsinstituts "omniphon" erhalten. Dabei werden sie gebeten, sich zehn Minuten Zeit zu nehmen, um einige Fragen zum Image der Universität Leipzig zu beantworten. Gefragt wird unter anderem danach, welche Eigenschaften man der Universität zubilligt (z.B. "innovativ", "konservativ"), welche Aufgaben eine Universität wahrzunehmen hat und wie die Universität Leipzig diese Aufgaben erfüllt.
Neben dieser Bevölkerungsbefragung erfolgt parallel eine bundesweite Umfrage mit denselben Themen bei leitenden Vertretern aus der Wirtschaft, aus Politik, Verwaltung und Medien.
Auftraggeber dieser Erhebungen ist die Universität Leipzig, die sich im Ergebnis der Befragungen Erkenntnisse dazu erhofft, welches "Bild" der Universität in der Bürgerschaft und in den übrigen Zielgruppen besteht. Knapp zwei Jahre vor ihrem 600. Geburtstag testet die ehrwürdige Alma Mater ihren Ruf in der Öffentlichkeit und vollzieht damit als eine der ersten Universitäten in Deutschland einen Schritt, der in großen Unternehmen der Wirtschaft seit Jahren gang und gäbe ist. Dort weiß man, dass die Pflege positiver Imagemerkmale eine entscheidende Grundlage öffentlicher Akzeptanz und gleichermaßen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil darstellt. Das gilt heute genauso in der nationalen und internationalen Hochschullandschaft: Das Image einer Universität ist ihre "Visitenkarte". Es wird künftig noch stärker als bisher das erfolgreiche Werben um Studenten und Wissenschaftler beeinflussen. Imagepflege setzt allerdings zunächst die Kenntnis des Bildes voraus, das in der Öffentlichkeit besteht. Diesen Zweck soll die telefonische Befragung erfüllen.
Alle Befragten können davon ausgehen, dass die Bestimmungen des Datenschutzes streng eingehalten und ihre Angaben vertraulich behandelt werden. Gemäß Sächsischem Datenschutzgesetz wird jeglicher Bezug der erhobenen Daten zur Person des Befragten ausgeschlossen. Auswertungen erfolgen nur auf der Ebene von Gruppen mit mindestens 30 Personen. Die Universität bittet alle Personen, die in die Befragung einbezogen sind, um Mitarbeit. Je höher die Beteiligung ist, um so zuverlässiger werden die Ergebnisse die Meinungen der Bevölkerung widerspiegeln. Mit den Ergebnissen der Erhebung ist im November zu rechnen.
weitere Informationen:
Geschäftsstelle 2009
Dr. Günter Roski
Telefon: 0341 - 97 35036
E-Mail: guenter.roski@uni-leipzig.de
Internet: www.uni-leipzig.de/2009
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Beteiligen Sie sich an der Diskussion.
Quelle: http://www.lizzy-online.de/modules.php?op=modload&name=News&file=article&sid=9941&mode=thread&order=0&thold=0
© Leipziger Internet-Zeitung am Mittwoch, 03. Oktober 2007
Universität Leipzig: Bautermine am Uni-Campus sind längst Makulatur
veröffentlicht von: Ralf Julke
Es wird knapp. 2009 will die Uni Leipzig ihr 600jähriges Jubiläum feiern. Der Uni Campus am Augustusplatz sollte dann eigentlich fertig sein. Doch neun Kräne auf dem Baufeld können nicht darüber hinwegtäuschen: Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) kann den Zeitplan nicht mehr einhalten. Und Uni-Rektor Prof. Franz Häuser kann froh sein, wenn 2009 auf den letzten Pfiff doch noch das Wichtigste steht.
Nicht ohne Grund wurde eine Phase im Bauablauf komplett gestrichen: die archäologische Sondierung des seit Jahrhunderten genutzten Geländes, auf dem einst das Dominikanerkloster mit der Paulinerkirche stand. Einige der Bodenfunde wurden im Eiltempo beiseite geräumt und entsorgt, im besten Fall für weitere Jahrzehnte versiegelt und unsichtbar gemacht. Das hat wesentlich weniger für Furore gesorgt als der Streit um den Wiederaufbau der Paulinerkircher, der durchaus möglich gewesen wäre samt attraktivem Neubau für Seminar und Hörsaalgebäude.
Selbst das jetzt auf 143 Millionen Euro berechnete Bauprojekt ist nur ein Provisorium, versucht alte Bausubstanz der 1970er Jahre in heutige Strukturen zu integrieren. Die 143 Millionen sind Geschichte, sagt Franz Häuser, der die Uni auch im Baugremium vertritt. "Das wird wesentlich teurer. Die Summen kann man jetzt noch nicht beziffern", sagt er. Beziffern könne man nur die ersten Bau-Fertigsstellungstermine. "Die Mensa etwa soll ihren Betrieb am 1. April 2009 aufnehmen", sagt Häuser. "Was hoffentlich kein Aprilscherz ist."
Denn ursprünglich sollten die Studenten schon längst ihr Müsli in den neuen Mensa-Räumen futtern können. Bauverzug: knapp zwei Jahre. Dasselbe trifft auf das angrenzende Hörsaalgebäude zu, nach Meinung verschiedener Architekten eigentlich ein unzumutbares Monstrum, das durch einen wesentlich hörerfreundlicheren Neubau hätte ersetzt werden müssen. Nutzbar nicht 2007, sondern erst 2009.
Dasselbe gilt für das neue Hauptgebäude mit der angrenzenden Aula, die eigentlich an die Paulinerkirche erinnern soll. Hier wagt das SIB zumindest die Prognose, dass das künftig Neues Augusteum und Paulinum genannte Gebäude-Ensemble zum Höhepunkt der Feiern am 2. Dezember 2009 fertig sein soll. Mit etlichen Fragezeichen. Fest steht nur: Das Ganze wird schon durch die angemieteten "Hörsäle" und "Seminarräume" im ganzen Stadtgebiet teurer, in denen der Studienbetrieb aufrecht erhalten wird. "Erstaunlich reibungslos", sagt Häuser. Der Kanzler der Universität, Dr. Frank Nolden, beziffert den Mehrbedarf durch die Anmiertungen auf eine runde Million Euro. Einzufordern beim Freistaat.
"Wir hoffen doch, dass das erstattet wird", sagt er. Man vergisst beinah, dass das Jubiläum 2009 auch gefeiert werden soll. Die Eröffnungsfeier am 9. Mai 2009 wurde vorsichtshalber schon einmal im Gewandhaus gebucht. Aber den für den 2. Dezember geplanten Festakt möchte man doch im Paulinum feiern. Das dann hoffentlich fertig ist. Aber so felsenfest will auch Häuser daran noch nicht glauben. "Mir jedenfalls wurde gesagt, dass das möglich sein soll", sagt er.
Der Festakt ist der geplante Hohepunkt der eigentlichen Festwoche vom 30. November bis 6. Dezember. Der 2. Dezember 1409 war der offiziele Eröffnungstag der alma mater lisiensis: Damals gefeiert im Speisesaal des Thomaskosters in Anwesenheit der wettinischen Markgrafen Friedrich und Wilhelm, die durch den Auszug der deutschen Profesoren und Studenten aus der Karls-Universität in Prag ganz unverhofft zu ihrer ersten Universität gekommen waren.
Im Mai 1409 waren die Scholaren in Leipzig angekomen, hatten im Juni und Juli ihre ersten Grundstücke in der Ritterstraße und an der Petersstraße bekommen. Diese Termine werden die Bauarbeiter nicht schaffen. Aber eine 10-Euro-Gedenkmünze wird es dann geben und vielleicht auch schon die ersten Bände der fünfbändigen Universitätsgeschichte. Viele Baustellen, von denen mindestens eine noch viele Überraschungen bereit hält.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 4. September 2007 (Printausgabe - Lokalteil Seite 18)
© Leipziger Volkszeitung
„Ich hoffe, es wird kein Aprilscherz“
Neuer Zeitplan für Uni-Bauten / Rektor zählt Kräne und Erstsemestler
An zwei Zahlen kommt Leipzigs Uni-Rektor Professor Franz Häuser zum jetzigen Semesterstart nicht vorbei: die der Ersteinschreibungen und die der Kräne auf der Campus-Baustelle. „Letzte Woche drehten sich da noch sieben, jetzt sind es neun.“ Häuser stimmt dies optimistisch, dass bis zum 600. Uni-Geburtstag am 2. Dezember 2009 „doch noch alles fertig wird.“ Die aktuelle Planung für das erheblich in Zeitverzug geratene Großprojekt sieht die Fertigstellung der neuen Mensa am 1. April 2009 vor, ursprünglicher Termin war der Februar 2007. Zeitgleich mit der Mensa soll das rekonstruierte Hörsaalgebäude seiner Bestimmung übergeben werden. „Ich hoffe, es wird kein Aprilscherz und der Termin wird gehalten“, sagte Häuser, der auch „guten Mutes“ ist, das Gründungsjubiläum der zweitältesten deutschen Uni in dem vom holländischen Architekten Erick van Egeraat konzipierten Uni-Hauptgebäude feiern zu können.
Allerdings erweist sich vor allem die weit hinter den früheren Zeitvorgaben zurückgebliebene Ertüchtigung des Hörsaalgebäudes als Problem. Häuser: „Wir müssen nun viel länger auf Interimsquartiere ausweichen. Das kostet Nerven bei Lehrenden wie Lernenden und Geld.“ Uni-Kanzler Frank Nolden bezifferte die zusätzlich anfallenden Kosten für die im Stadtgebiet für Vorlesungen und Seminare angemieteten Räume auf eine Million Euro. Er geht davon aus, dass der Freistaat, der auch Bauherr am City-Campus ist, das Geld bereitstellt. „Wir haben entsprechende Finanzierungsanträge gestellt“, erklärte Nolden. Zufrieden will der Uni-Verwaltungschef sich auch mit den gesunkenen Landeszuschüssen nicht geben. 2006 hatte der Freistaat noch 146 Millionen Euro an die Uni überwiesen, dieses Jahr sollen es vier Millionen Euro weniger sein. Nolden: „Da gibt es Klärungsbedarf.“
Den hat auch Professor Wolfgang Fach, der Prorektor für Lehre und Studium, bei der Zahl der Erstimmatrikulationen, die der Freistaat von der Uni verlangt. Laut Kapazitätsverordnung des Wissenschaftsministeriums sind das – nach der 2006 an der Uni erfolgten massiven Umstellung auf das betreuungsintensive Bachelor-Master-System – jährlich 4299. „Aber von der Politik werden jetzt plötzlich rund 5000 Erstsemestler ins Spiel und wir damit in ein Dilemma gebracht“, so Fach. „Denn unsere Ausstattung ist eigentlich auf eine solche Größenordnung nicht eingerichtet.“ Trotz dieses Widerspruchs, kündigte Fach an, „werden wir Marketing-Instrumente einsetzen, um die Immatrikulationsquote zu steigern“.
Für das angelaufene Studienjahr rechnet Häuser mit 4168 Erstsemestlern, das wären 130 weniger, als die Kapazitätsverordnung vorsieht. Mangels Nachfrage werden insbesondere in so genannten Orchideenfächern wie Sorabistik oder Indologie, aber auch in Physik, Informatik, Slawistik, Geschichte oder den romanischen Fächern Plätze leer bleiben. Häuser konstatiert dennoch einen Aufwärtstrend nach der teils hausgemachten Einschreibungsmisere im Vorjahr, wo die Zahl der Erstsemestler massiv eingebrochen war. Und er fiebert dem 19. Oktober entgegen, wenn die Deutsche Forschungsgemeinschaft bekannt gibt, wer in der bundesweiten Exzellenzinitiative zu den Siegern gehört. Als einzige sächsische Hochschule ist die Uni noch mit Bewerbungen um eine Graduiertenschule und ein Exzellenzcluster im Rennen. „Hoffentlich bekommen wir ein Erfolgserlebnis beschert“, meinte Häuser. „Das wäre dem Renommee sehr zuträglich.“
Mario Beck
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Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 13. Juni 2007 (Printausgabe, Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung
Uni-Rektor Franz Häuser: „Es wird eng“
Campus-Bau: Finanzministerium dementiert, das Jubiläum 2009 werde auf der Baustelle gefeiert
„Meine Sorgenfalten werden nicht weniger“, sagt Franz Häuser, Rektor der Universität, wenn er über den Fortgang der Arbeiten am neuen Campus nachdenkt. Der Abriss des alten Hauptgebäudes sei zielstrebig voran gegangen, auch verheißen erste Aufbau-Arbeiten für den Neubau des vom Niederländer Erick van Egeraat entworfenen Kirche-Aula-Baues leichten Optimismus. Insgesamt will aber das Uni-Oberhaupt derzeit nicht recht daran glauben, dass die Feiern zum 600-jährigen Jubiläum der Universität Anfang Dezember 2009 in einem komplett fertigen Campus stattfinden.
„Ich ahne schon, wie das werden wird. Am Abend sieht’s noch aus wie bei Hund, und am Morgen wuseln kurz vorm Fest die Putzkolonnen durch die Reihen“, so Häuser ironisch. Fest steht schon mal, dass als Termin der Fertigstellung nicht der September, sondern nun erst der November 2009 im aktualisierten Plan steht. Vom für den Bau zuständigen Sächsischen Immobilien- und Baumanagement war der Universität mitgeteilt worden, dass nicht alles zur rechten Zeit fertig sein wird. Häuser: „Wir können es nur nehmen wie es kommt – und hoffen.“ Vom größeren Bauverzug bei der neuen Mensa sollte aber insgesamt kein Rückschluss auf den gesamten Bauverlauf gezogen werden. Anfang Juli wird eine weitere Sitzung der großen Baukommission die schwierige Situation bewerten.
Burkhard Beyer, Sprecher des Dresdener Finanzministeriums, widerspricht Meldungen, das Universitäts-Jubiläum müsse auf einer Baustelle gefeiert werden: „Blödsinn. Richtig ist sicherlich, dass der komplette Campusbau zum Jubiläum nicht fertig gestellt sein wird. Dabei handelt es sich aber um die Außengestaltung und die Räume, die über der Paulineraula liegen. Egeraats Vorzeigebau wird auf alle Fälle in vollem Glanz erstrahlen. Mit den Bauarbeiten am Hauptgebäude am Augustusplatz sind wir im Zeitplan.“ Fertig, so Beyer, werden auch die Mensa und die Bauten in der Universität- und Grimmaischen Straße.
Solche Botschaften vernimmt Rektor Häuser „vorsichtig optimistisch“. Zur Sicherheit hält er weiter eine Option auf die Nutzung des Großen Saales im Gewandhaus aufrecht, um in Notfall dort am 2. Dezember 2009 den Festakt austragen zu können. Daran will Häuser aber momentan keine weiteren Gedanken verschwenden. Ernster wird es dafür im kommenden Jahr, wenn die Universität dem Gewandhaus mitteilen muss, ob sie das Haus braucht oder nicht. Dass dann bei Absage die Paulineraula nicht zur Verfügung stehen könnte, will sich der Rektor „überhaupt nicht vorstellen“.
Thomas Mayer
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 23. April 2007 (Printausgabe, Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung
„Das ist ja ruinös“
Staubbelastung beim Abriss des alten Uni-Campus treibt Geschäftsleute auf die Barrikaden
Am Uni-Campus wehren sich Anlieger gegen rüde Abrissmethoden. Der gesamte Augustusplatz und angrenzende Straßen würden im Staub versinken, weil die Bauherren nicht genügend Vorkehrungen dagegen treffen, heißt es. Auch vor Asbest wird gewarnt. Der Freistaat Sachsen, der das Projekt vorantreibt, widerspricht. Das Schlimmste sei überstanden, heißt es in Dresden.
Sonnabend Vormittag, kurz nach 11 Uhr: Über dem gesamten Augustusplatz hängt eine Wolke aus Staub. Passanten reiben sich die Augen; Autos, die von der Goethestraße in die Tiefgarage einbiegen oder über den Augustusplatz fahren wollen, sind in Sekundenschnelle mit einer feinen Staubschicht überzogen. Touristen flüchten über die Grimmaische Straße in Richtung Markt, wo der Wind an diesem Tag keinen Staub hinbläst.
Direkt an der Ecke Grimmaische Straße/Augustusplatz bricht eine riesige Betonschere große Stücke aus den obersten Etagen des alten Uni-Hauptgebäudes. Dabei krachen die tonnenschweren Teile auf die Etagen darunter, um Sekunden später auf einem riesigen Schuttberg aufzuschlagen – jedesmal steigt eine große Staubwolke auf, die immer größer wird und in Richtung City-Hochhaus, Gewandhaus, Hauptpost und Oper zieht.
„Es hilft überhaupt nichts, wenn die Bauleute hier zwei Wasserschläuche einsetzen“, schimpft Jens Schwade, Gastronom vom Restaurant Augustus. Von den 150 Plätzen, die er im Freien anbietet, sind trotz schönstem Frühlingswetter nur acht besetzt. „Alle zehn Minuten wischen wir sämtliche Tische und Stühle ab“, erzählt Schwade und fährt dabei prüfend mit einem Finger über einen der Freiluft-Tische. Dabei bleibt auf der Tischplatte eine gut sichtbare Spur zurück. „Wir können machen was wir wollen – es hilft nicht viel.“
Selbst die Gäste im Restaurant bekommen das zu spüren: Auf dem Boden sind Fußabdrücke aus feinem Staub zu sehen und immer, wenn ein neuer Gast eintritt, weht etwas Schmutz herein. „Wenn ein privater Investor so viel Dreck verursachen würde, hätte ihm die Stadt schon fünfmal die Baustelle stillgelegt“, klagt Jens Schwade. „Aber weil hier der Freistaat baut, schreitet niemand ein.“
Weil das Rathaus nichts unternimmt, proben jetzt immer mehr Anlieger den Schulterschluss. Sie haben sich offiziell an das Umweltamt und das Bauordnungsamt gewandt und führen gewichtige Argumente ins Feld: Die europaweit geltenden Grenzen für Krebs erregenden Feinstaub würden in Leipzig ja schon seit Jahren deutlich übertroffen – aber die Werte am Campus stellen alles in den Schatten, schreiben sie. Dies sei umso schlimmer, da die Stadt ein Aktionsprogramm gegen Feinstaub beschlossen hat und eigentlich jeden Bauherren empfindlich büßen lässt, wenn er nicht genug Vorsorge trifft (die LVZ berichtete). Außerdem warnen sie vor Asbest, der sich in dem Staub befinden könnte.
Dass beim Bau des alten Uni-Campus Anfang der 70er Jahre tatsächlich Asbest verwendet wurde, ist unumstritten. „Aber deshalb haben wir die alten Uni-Gebäude schon vor Abrissbeginn entkernen lassen“, sagt Burkhard Beyer, Sprecher des zuständigen sächsischen Finanzministeriums. Dabei sei der vorhandene Asbest beseitigt worden. „Zusätzlich führt jetzt das Regierungspräsidium auf der Baustelle Messungen durch, um ganz sicher zu gehen, dass keine Asbestbelastungen auftreten“, so Beyer.
Aus Dresdner Sicht haben die Anlieger die größten Belastungen schon seit einigen Tagen hinter sich. „Die Platten des alten Hauptgebäudes werden einzeln abgehoben“, sagt er. „Dadurch dürfte eigentlich kaum Staub entstehen.“ Völlig zu vermeiden sei dies allerdings nie. „Das haben wir den Anliegern auch schon vor Abbruchbeginn in einer speziellen Veranstaltung erklärt.“
Anlieger wie Gastronom Jens Schwade kann Burkhard Beyer damit nicht überzeugen. „Wenn der Abriss vorbei ist, wird hier ausgeschachtet und anschließend neu gebaut“, sagt er. „Bis zur vorgesehenen Fertigstellung Ende 2009 gibt es hier noch Dreck und Lärm ohne Ende. Und vielleicht wird das hier auch alles viel später fertig – an der Mensa gibt es ja schon neun Monate Bauverzug. Das ist ja ruinös.“
Andreas Tappert
STANDPUNKT
Von ANDREAS TAPPERT
Narrenfreiheit
Zumindest am Sonnabend war es offensichtlich: Die Bauherren des Uni-Campus haben still und heimlich ihre Abbruch-Technologie geändert. Statt die Platten des alten Uni-Hauptgebäudes wie avisiert einzeln per Kran abzuheben, schnitten sie das Gebäude mit einer riesigen Betonschere in Stücke und ließen tonnenschwere Teile metertief in Schuttberge krachen. Mehr Staub kann mit keiner Abbruch-Technologie produziert werden. Und das im Herzen der City vor tausenden Touristen und bei Temperaturen, die die Feinstaubbelastung ohnehin in Rekordhöhen treiben. Private Bauherren wären längst gestoppt worden.
Nachdem der Freistaat Sachsen schon mit seiner City-Tunnel-Baustelle am Markt die Anrainer in existenzielle Nöte getrieben hat, geschieht jetzt am Augustusplatz ähnliches. Bei Großprojekten in Leipzig gehen die Dresdner offenbar vor wie die Axt im Walde – und Leipzigs Rathaus sieht tatenlos zu. Auch die Asbest-Prüfer des Regierungspräsidiums waren nirgendwo zu sehen. Offenbahr haben Bauleute am Wochenende in der City Narrenfreiheit.
eMail: a.tappert@lvz.de
Meinungen
Gastronom Jens Schwade, Restaurant Augustus: Die Touristen können einem Leid tun. Die kommen hier piekfein auf den Platz und plötzlich stehen ihre Sachen vor Schmutz. Unsere Umsatzeinbußen liegen täglich zwischen 500 und 800 Euro. Das ersetzt uns niemand. Die Firmen sollten wenigstens rund um ihre Baustelle Planen aufhängen, wie es andere auch tun.
Quelle: WOCHENKURIER-LE: Mittwoch, 11. April 2007
Chaos beim Umbau der Leipziger Uni
Freistaat kündigte der Baufirma
Leipzig. Die Baufirma Züblin, als General-Unternehmer für den Uni-Campus-Bau zuständig, wollte Hörsaalgebäude und Uni-Bibliothek abreißen. Weil der Freistaat Sachsen dazu keinen Anlass sah, kam es zu Differenzen.
„Mit einem Abriss konnten wir nicht übereinstimmen", sagt Volker Kylau, Sonderbauleiter beim Campus-Umbau. „Schließlich verwalten wir Steuergelder." Abriss und Neubau kamen deshalb aus Sicht des Sächsischen Finanzministerium nicht in Frage. Der Baufirma wurde gekündigt.
Das Zerwürfnis zwischen dem Freistaat und der Firma Züblin basiert auf Statik-Problemen, die der weltweit agierende Baukonzem ermittelt hatte und deshalb abreißen wollte. Kylau entgegnet: „Wir haben Gutachten, nach denen die Statik den Vorschriften entspricht."
Problematisch: Seit der Kündigung Anfang März ist auf der Baustelle nichts mehr passiert.
Damit der Umbau - inklusive neuer Mensa - trotz einem Verzug von mittlerweile neun Monaten plangerecht 2008 fertig wird, haben Kylau und seine 16 Mitstreiter die Koordination selbstübernommen. Verträge mit Subuntemehmem müssen allerdings neu ausgehandelt werden, das Baubudget steigt von 45 Mio. Büro auf 49,5 Mio. Euro.
Anfang Mai soll endlich weiter gearbeitet werden.
quo
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 5. April 2007 (Printausgabe, Seite 21)
© Leipziger Volkszeitung
Ministerbesuch ohne Ministerin
Baustellen-Rundgang in der künftigen Uni-Mensa brachte Überraschendes an den Tag
Im halbfertigen Neubau der Uni-Mensa geht offenbar vieles drunter und drüber. Nachdem die Baustelle bereits neun Monate Verzug hat und der Freistaat Sachsen seinen Generalunternehmer Züblin vor die Tür setzen musste, drohen jetzt Mehrkosten von 4,5 Millionen Euro. Auch der Besuch von Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange – die sich gestern vor Ort vom Krisenmanagement überzeugen wollte – verlief unerwartet.
Ursprünglich sollte die Stippvisite mediengerecht inszeniert werde. Deshalb wurden Journalisten eingeladen, um die Politikerin auf ihrem Baustellen-Rundgang zu begleiten. Doch als die Ministerin mit ihrem Tross eintraf, wurde sie sofort von Sonderbauleiter Volker Kylau zur Lagebesprechung in sein Büro gebeten – unter Ausschluss wartender Journalisten.
Was hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, blieb geheim. Deutlich wurde nur, dass die Bestandsaufnahme auf der Baustelle abgeschlossen ist und jetzt deutlich mehr Probleme auf den Tischen liegen, als ursprünglich erwartet. „Natürlich sieht Züblin davon vieles anders als wir“, kommentiert Kylau die Entwicklung. „Nächste Woche machen wir noch eine technische Abnahme und dann bekommt Züblin die vorgeschriebene Frist zum Abstellen von Mängeln. Danach sehen wir weiter.“
Als die Ministerin schließlich doch noch zum öffentlichen Baustellen-Rundgang erschien, gab es die nächste Überraschung. Denn die Organisatoren vom sächsischen Finanzministerium hatten lediglich fünf Bauhelme für Journalisten bereitgelegt, obwohl dreimal mehr eingeladen wurden. „Wer keinen Helm hat, darf auch nicht mit“, verkündete Ministeriumssprecher Burkhard Beyer und sorgte damit für Proteste. Denn fast alle Medienvertreter sahen dies als Einschränkung der Pressefreiheit und boykottierten den Rundgang der Ministerin. Die bekam davon wohl nicht viel mit – ganze 15 Minuten huschte sie nur durch das Gebäude und kletterte anschließend gleich in ihren Dienstwagen – ohne ein Wort über das Projekt zu verlieren.
Trotzdem wurde einiges bekannt. So soll das Zerwürfnis zwischen dem Freistaat und der Firma Züblin vor allem in Statikproblemen begründet sein. Experten des weltweit agierenden Baukonzerns sollen ermittelt haben, dass die Standfestigkeit des alten Hörsaalgebäudes und der Uni-Bibliothek zu wünschen übrig lassen. Beide sollen teilweise in den Neubau integriert werden.
Auf diesen Etagen gibt es zahlreiche markierte Flächen, die der beabsichtigten Nutzung nicht mehr gewachsen sein sollen und die auch nicht ohne weiteres ertüchtigt werden können. Über den notwendigen Brandschutz soll es ebenfalls unüberbrückbare Differenzen geben.
„Züblin wollte, dass wir das alte Hörsaalgebäude mit der Uni-Bibliothek komplett abreißen“, erklärt Kylau das Problem aus Sicht des Freistaates. „Doch wir müssen sorgsam mit dem Geld des Steuerzahlers umgehen und haben Gutachten, nach denen die Statik den Vorschriften entspricht.“ Der Sonderbauleiter und seine 16 Mitstreiter übernehmen jetzt den Part von Züblin selber und koordinieren den Bau des neuen Mensa- und Hörsaalkomplexes.
Auch dies wird offenbar schwieriger als gedacht. „Wir wollten in die Verträge der Subunternehmer von Züblin einsteigen und so bis Jahresende das Dach und die Fassade fertig stellen“, beschreibt Kylau die Lage. „Aber Züblin hat einen Teil der Arbeiten selber erledigt und dadurch passt das Puzzle nicht mehr zusammen. Wir müssen diese Teile jetzt neu ausschreiben.“ Auch die Verträge mit den Subunternehmern muss der Freistaat neu aushandeln. „Die Vereinbarungen mit Züblin stammen aus dem Jahr 2005“, erzählt Kylau. „Da waren die Preise für Bauleistungen und Material deutlich günstiger als heute.“ Er gehe deshalb davon aus, dass der Züblin-Auftrag jetzt „schätzungsweise zehn Prozent mehr“ kosten wird, als das Baubudget von 45 Millionen Euro hergibt – also rund 4,5 Millionen Euro zusätzlich.
Nicht in diesen Mehrkosten enthalten sind Aufwendungen für einen eventuellen Rechtsstreit mit Züblin. „Wir werden nicht klagen“, sagt Sonderbauleiter Kylau. Sein Ziel sei, dass die Bauleute wieder im Mai anrücken und den neunmonatigen Zeitverzug zügig aufholen. „Ende 2008 werden wir mit der Mensa und dem Hörsaalgebäude fertig sein“, sagt er, fügt aber nach einigen Sekunden halblaut hinzu: „Irgend ein Ziel muss man sich schließlich stellen.“
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 22. März 2007 (Printausgabe, Seite 17)
© Leipziger Volkszeitung
Kündigung
Baustopp an der neuen Uni-Mensa
Nach monatelangen Querelen hat das sächsische Finanzministerium die Notbremse gezogen und sich von der Züblin AG getrennt, die am Uni-Campus Generalunternehmer des ersten Bauabschnittes war. „Wir wollten nicht riskieren, dass der 600. Uni-Geburtstag in Bau-Containern gefeiert werden muss“, sagte gestern in Dresden Ministeriumssprecher Burkhard Beyer. Züblin war vor allem für die Errichtung der neuen Uni-Mensa zuständig. Dort gibt es derzeit einen Bauverzug von einem Jahr und neun Monaten.
Offiziell wird die Trennung mit „Abstimmungsproblemen“ begründet. Der Generalunternehmer soll zahlreiche Baubehinderungsanzeigen eingereicht haben, weil er vor Ort nicht so bauen konnte, wie angeblich vereinbart worden war. „Wir sehen das anders und haben versucht, uns mit Züblin zu einigen“, erklärte Sprecher Burkhard Beyer. So ersetzte Dresden seine ursprünglich zuständigen Mitarbeiter durch eine Sonderbauleitung, um mit Züblin einen Neuanfang zu wagen. „Doch das hat nichts gebracht“, berichtete Beyer. „Schließlich konnten wir uns nicht mehr vorstellen, dass Züblin das Bauvorhaben vertragsgemäß abarbeitet.“ Am 9. März sei dem Unternehmen die Trennung mitgeteilt worden.
Seitdem machen beide Seiten auf der Baustelle eine Bestandsaufnahme. Anschließend will das Ministerium bis Ende April die Aufträge neu vergeben. Ein Großteil soll an die Subunternehmer gehen, die bereits auf der Baustelle sind. Dies gilt für Arbeiten am Rohbau, an der Fassade und am Dach. „Anschließend werden wir auch noch einige Lose neu ausschreiben müssen“, sagte Beyer. Der erste Bauabschnitt soll aber trotzdem bis Ende 2008 abgeschlossen sein. Welche Mehrkosten anfallen, ist noch nicht ermittelt. Die übrigen Arbeiten für den neuen Campus sind davon nicht betroffen.
Andreas Tappert
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 26. Februar 2007 (Printausgabe, Seite 21)
© Leipziger Volkszeitung
Gläserner Energiefresser
Trotz moderner Gebäudetechnik werden die Energiekosten auf dem neuen Campus explodieren
Von REGINA LEUWER und KATJA SCHMIDTKE
Als der Entwurf für den neuen Aula-Kirche-Komplex der Uni im Frühjahr 2004 endlich vorgestellt wurde, war die Begeisterung groß. Rektor Franz Häuser schwärmte von expressiver Architektur, die etwas ganz Besonderes darstelle. Und tatsächlich – der Entwurf des niederländischen Star-Architekten Erick van Egeraat ist etwas Besonderes. Nicht nur architektonisch und kostenmäßig – 52,25 Millionen Euro sind für den Bau veranschlagt. Denn im letzten Dezember kam erstmals das Energiekonzept auf den Tisch. Der repräsentative Neubau am Augustusplatz, der auch an die gesprengte Paulinerkirche erinnern soll, wird den Energieverbrauch der Universität in die Höhe treiben. „Der vierte Bauabschnitt, der auch die Aula umfasst, wird energetisch ein Problem“, sagt Universitätskanzler Frank Nolden.
Den 17 Meter hohen Saal zu heizen, ist dabei die geringere Sorge. Denn durch die Glasflächen gen Osten und Süden wird den ganzen Tag die Sonne ins Gebäude scheinen. Beim Sächsischen Staatsbetrieb für Immobilien- und Baumanagement (SIB) wird deshalb derzeit die Beschattung geplant. „Durch Lamellen, bedampfte Spezialgläser und Mehrfachverglasung wollen wir verhindern, dass sich das Gebäude zu stark aufheizt“, sagt Emmerich Seibel vom SIB.
Olaf Reiter, Architekt und Leiter des Arbeitskreises energiesparendes und ökologisches Bauen, ist skeptisch. „Lamellen allein lösen das Problem nicht, weil sich dahinter die Hitze staut.“ Größere Glasflächen hält der Energieexperte für eine schlechte Wahl. „Selbst mit Spezialgläsern, wie sie beim Neubau verwendet werden, ist die Wärmedämmung achtmal schlechter als bei einer gut isolierten Wand, aber am meisten verbraucht die Kühlung im Sommer.“ Weil auch Studenten, Mitarbeiter und Computer Wärme produzieren, ist eine wirksame Kühlungsanlage notwendig.
„Wir wissen, dass das Dach energetisch nicht ideal ist, aber es ist eben eine Vorgabe des Architekten“, sagt Kanzler Nolden. Universität und SIB arbeiten zurzeit an der Optimierung des Energiekonzeptes. Der Bericht über die voraussichtlichen Betriebskosten bleibt aber vorerst in den Schubladen. Schon jetzt scheint aber klar, dass sich die Energiebilanz der Uni nicht verbessern wird, obwohl die aus DDR-Zeiten stammenden Gebäude abgerissen oder saniert werden. Im Gegenteil: „Die Energiekosten werden etwa um einen sechsstelligen Betrag steigen“, befürchtet Nolden. „Ein Bewusstsein für Umwelt prägt diesen Bau nicht so, wie ich es mir wünschen würde“, bedauert er und betont, dass der planerische Spielraum der Uni begrenzt ist. Schließlich sei sie nicht der Bauherr.
SIB-Niederlassungsleiter Wolfgang Trommer: „Sachsen kann es sich nicht leisten, auf energiesparendes Bauen zu verzichten.“ Es werde großer Wert auf umweltgerechtes und nachhaltiges Bauen gelegt. Dabei beschreiten die Planer neue Wege. „Moderne Auffanganlagen nutzen das Regenwasser für Toilettenspülung, Bewässerung und Kühlung der Häuser.“ Außerdem wird Abwärme, die die Mensa-Kühlräume produzieren, zur Heizung genutzt. Moderne Gebäudetechnik misst die Außentemperatur und steuert die Heizungen in Hörsälen, Seminarräumen und Büros. Auch eine tageslichtgesteuerte Beleuchtung und Energiesparlampen sollen den Verbrauch senken.
„Dabei müssen wir immer die Wirtschaftlichkeit prüfen. Es gibt Sachen, die am Standort nicht zweckmäßig sind“, sagt SIB-Gruppenleiter Emmerich Seibel. Solaranlagen wären zum Beispiel nicht sinnvoll, weil sich die Dachkonstruktionen dafür nicht eignen und außerdem das ehemalige Uni-Hochhaus seinen Schatten auf den Campus werfe. Auch ein Passivhaus ohne aktive Heizkörper mit extrem niedrigem Verbrauch sei nicht praktikabel. „Denn eine Universität ist kein Einfamilienhaus, sondern wird täglich von tausenden Men- schen genutzt.“ Das ständige Öffnen und Schließen von Türen und Fenstern bringe große Wärmeverluste mit sich. Der Passivhaus-Standard könne also in der Praxis nicht erreicht werden.
„Öffentliche Gebäude als Passivhaus zu planen, ist zwar aufwendiger, aber nicht unmöglich“, meint dagegen Umweltbauexperte Olaf Reiter und nennt als Beispiel den Bürokomplex Enercon in Ulm und die öffentlichen Gebäude in Frankfurt/Main. Wenn die Energiepreise weiter steigen, könnte es der Universität und dem Land teuer zu stehen kommen, ausgerechnet an der Energieeffizienz am Bau zu sparen, meint Reiter.
STANDPUNKT
Von Regina Leuwer
Schön teuer
Die Planer des neuen Uni-Campus haben sich einiges einfallen lassen: Die Toiletten werden mit Regenwasser gespült, Wärme, die drinnen entsteht, wird clever weitergenutzt, Heizung und Licht werden je nach Anforderung intelligent gesteuert – alles neuester Öko-Standard.
Trotzdem stellt sich die Uni auf mindestens 100 000 Euro mehr Betriebskosten jährlich ein. Der Energieverbrauch wird höher sein als zu DDR-Zeiten. Wie ist das möglich?
Knackpunkt ist der kühne Entwurf von Star-Architekt Erick van Egeraat für den Kirche-Aula-Komplex am Augustusplatz. Mit seiner komplizierten Fassaden- und Dachkonstruktion, in der viel Glas verbaut wird, soll es das schönste Gebäude Leipzigs, vielleicht Deutschlands werden, verspricht der Holländer.
Die bei Architekten so beliebten Glasfassaden werden allerdings von Umwelt-Experten schon lange kritisiert, denn sie verwandeln Räume in Treibhäuser. Weil am Augustusplatz aber keine Tomaten gezüchtet werden, sondern Menschen täglich arbeiten sollen, muss vor allem im Sommer ein angenehmes Raumklima geschaffen werden. Ein zusätzlicher Energieaufwand, der sich mit steigenden Energiepreisen in den nächsten Jahren immer mehr rächen wird.
Vielleicht hat van Egeraat wirklich das schönste Gebäude Leipzigs entworfen. Doch diese Schönheit ist teuer erkauft.
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„Mit Leipzig auf immer verbunden“
Damals an der Hochschule: In lockerer Folge stellen wir Persönlichkeiten vor, deren Karriere in Leipzig begann.
Heute: Ludwig Güttler.
Ludwig Güttler studierte von 1961 bis 1965 in Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ und legte sein Staatsexamen als Trompeter ab. Er zählt weltweit zu den erfolgreichsten Solisten auf der Trompete und dem Corno da caccia und hat sich als Dirigent, Forscher, Veranstalter und Förderer einen Namen gemacht.
Frage: Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Studienzeit in Leipzig?
Ludwig Güttler: Ich bin der Hochschule unglaublich dankbar für die Ernsthaftigkeit und für die Zuverlässigkeit des Unterrichtens. Ich habe das intensive Studium sehr genossen und viel gearbeitet. Dadurch habe ich alles an der Hochschule mitgenommen, was an Wissen und Können angeboten wurde. Für mich war es wie eine Befreiung, studieren zu dürfen. Besonders danke ich Herrn Professor Paul Schenk dafür, dass er in Leipzig das Fach Gehörbildung zu einem selbstständigen Fach entwickelt hat.
Warum engagieren Sie sich für den Wiederaufbau der 1968 gesprengten Leipziger Universitätskirche?
Während meiner Studienzeit war ich Kantor der Studentengemeinde. Dort habe ich den Chor geleitet. Wir hatten damals viele Berührungspunkte mit der Universitätskirche. Die Kirche war auch ein Studententreffpunkt. Für mich war die Zerstörung ein Akt unglaublicher Barbarei. In meiner ohnmächtigen Wut stellte sich mir damals die Frage, was man tun könnte, um die Machthaber und Verantwortlichen zu bezwingen. Für mich kam nur ein Wiederaufbau in Frage. 1969 bin ich nach Dresden an die Philharmonie gegangen. Dort hatte ich die Deponie der Dresdner Frauenkirche täglich vor Augen. Der Wiederaufbau der Frauenkirche und der Leipziger Universitätskirche waren mir seitdem immer ein großes Anliegen.
Wie finden Sie die aktuelle Lösung des Uni-Neubaus?
Leipzig war für mich immer eine der weltoffensten Städte in der damaligen DDR, auch durch die verschiedenen Einflüsse, die bei den Leipziger Messen hereinkamen. Das Profil des Handels und der Alma mater, das waren für mich die tragenden Säulen der Identität Leipzigs. So habe ich es wahrgenommen. Als ich nach der Wende erfuhr, dass eine neue Messe gebaut wird, war es für mich selbstverständlich, als nächstes den identitätsstiftenden Teil der Universität mit der Universitätskirche wieder aufzubauen. Dass dies nicht geschehen ist, finde ich sehr enttäuschend.
Was haben Sie sich aus Ihrer Leipziger Zeit mitnehmen können?
Ich habe mir viele Freundschaften mit ehemaligen Kommilitonen, Kollegen und Gewandhausmusikern erhalten. Sie sind alle in Leipzig entstanden. Später haben sie sich in der Gründung des Bachkollegiums materialisiert. Um das Leipziger Kollegium herum wurde dann später das neue Bachische Kollegium mit Max Pommer gegründet. Mit dieser Arbeit bin ich Leipzig immer verbunden gewesen und mit dem Leipziger Bachkollegium musiziere ich ja heute noch.
Interview: Agneta Jilek
© Leipziger Volkszeitung 26. 2. 07
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Schade, Professor Blobel hatte 2004 bereits den weltbekannten Star-Architekten Ieoh Ming Pei für den Wiederaufbau der Universitätskirche St. Pauli angesprochen. [Wolfgang Wischer]
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Ieoh_Ming_Pei
Ieoh Ming Pei (* 26. April 1917 in Guangzhou, China) ist ein chinesisch-amerikanischer Architekt.
Leben und Werk
Pei wurde in China als Sohn eines Bankiers geboren, 1935 siedelte er in die USA über. Dort studierte er Architektur am Massachusetts Institute of Technology. 1940 wurde Pei promoviert.
Pei zählt zu den angesehensten Baumeistern weltweit, seine Bauwerke der klassischen Moderne sind auf drei Kontinenten zu finden. Er war Schüler der Bauhaus-Meister; in dieser Zeit hat sich sein streng sachlicher Baustil ausgebildet.
International bekannt wurde Pei durch den Bau der John-F.-Kennedy-Bibliothek in Boston. Er begann mit den Planungen 1965, fertiggestellt wurden die Arbeiten 1979. Von 1987 bis 1989 baute er mit dem Bank of China Tower in Hongkong einen der höchsten Bürotürme der Welt. Von 1983 bis 1989 erschuf Pei die Glaspyramide des Louvre in Paris, 1995 die ebenfalls Pyramidenformen aufweisende Rock and Roll Hall of Fame in Cleveland und von 1991 bis 1996 das Miho Museum in der Nähe von Kyoto, Japan.
Von 1998 bis 2003 war Pei am Umbau und der Erweiterung des Deutschen Historischen Museums in Berlin-Mitte beteiligt. Er ist Gründer der Architekturbüros Pei & Associates, Pei & Partners und Pei Cobb Freed & Partners in New York City.
Lesen Sie auch:
- Universität besteht auf Aula / Kirche bricht Schweigen
- Notwendigkeiten (Wieland Zumpe am 26. Februar 2007)
Amtsgericht Leipzig Aktenzeichen: HRB 20092:
Die in () gesetzten Angaben der Geschäftsanschrift und des Unternehmensgegenstandes erfolgen ohne Gewähr.
Veränderungen
13.02.2007
HRB MIB Dritte Investitionsgesellschaft mbH, Leipzig (Weißenfelser Straße 65, 04229 Leipzig). Die Gesellschafterversammlung vom 31.01.2007 hat die Änderung der §§ 1 (Firma) und 2 (Gegenstand des Unternehmens) des Gesellschaftsvertrages beschlossen.
Neue Firma: MIB Asset Management GmbH.
Neuer Gegenstand:
- die Vertretung und Interessenwahrnehmung nationaler und internationaler Immobilieneigentümer in Deutschland,
- die umfassende Betreuung von Immobilieninvestitionen im Rahmen des kaufmännischen und technischen Management,
- die beratende Unterstützung Dritter beim Aufbau, der Optimierung und der Verwaltung ihres Immobilienbestandes,
- die Beratung und Unterstützung Dritter beim An- und Verkauf von Immobilien,
- sowie alle mit dieser Aufzählung im Zusammenhang stehenden Tätigkeiten.
Von dem Gegenstand des Unternehmens ausgeschlossen ist die Erbringung von Tätigkeiten, die nach § 1 Abs. 1 Satz 2, Abs. 1 a Satz 2 KWG in Verbindung mit § 32 KWG einer Erlaubnis bedürfen.
Amtsgericht Leipzig Aktenzeichen: HRB 22336:
Die in () gesetzten Angaben der Geschäftsanschrift und des Unternehmensgegenstandes erfolgen ohne Gewähr.
Veränderungen
25.01.2007
HRB MIB Café Felsche Verwaltungs GmbH, Leipzig (Weißenfelser Straße 65, 04229 Leipzig).
Bestellt: Geschäftsführer: Weißhaar, Erich, Burgdorf, *03.12.1942, einzelvertretungsberechtigt; mit der Befugnis im Namen der Gesellschaft mit sich im eigenen Namen oder als Vertreter eines Dritten Rechtsgeschäfte abzuschließen.
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Lesen Sie auch das
Statement des Vorsitzenden des Paulinervereins zur Juryentscheidung vom 24.03.2004.
Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 21. Februar 2007 (Printausgabe, Seite 19)
© Leipziger Volkszeitung
Elite lässt Uni Leipzig links liegen
Späte Zulassungsbescheide und höhere Zugangsschwellen führen zu Rückgang der Studentenzahlen
Die Universität Leipzig hat bundesweit nach überdurchschnittlich guten Studenten gesucht – doch die blieben größtenteils fern. Laut Statistischem Quartalsbericht 2006 ist die Zahl der Studierenden an der Universität um rund 2000 beziehungsweise um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Noch deutlicher ist die Zahl der Studienanfänger gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einen Rückgang um 27,9 Prozent.
Als Hauptursache für diesen deutlichen Rückgang gilt der neu eingeführte, hochschulinterne Numerus Clausus (NC). „Die Universität hat flächendeckend den NCU als örtlichen NC eingeführt, der mit den Kapazitäten begründet wird. Dadurch wurden die Studentenzahlen von vornherein gesenkt“, erklärte Gerald Eisenblätter, einer der drei Sprecher des Studentenrates. Dieser geht davon aus, dass dadurch 1000 bis 1500 Abiturienten weniger aufgenommen wurden.
Wenig überrascht ist Wolfgang Fach, Prorektor für Lehre und Studium, vom Rückgang der Studienanfänger im Wintersemester 2006. „Die Hauptursache für den Rückgang der Studentenzahlen ist, dass die Universität zur Verbesserung der studentischen Qualität überall NCs eingeführt hat“, bestätigte er die Angaben des Studentenrats. Er betonte: „Die Zahl der Studierenden wurde systematisch und nach Absprache mit dem Ministerium reduziert.“ Im Zusammenhang mit der Einführung der Bachelorstudiengänge, die so anspruchsvoll und zeitintensiv seien, habe die Universität auch die Seminargrößen beschränken müssen. „Wir können nur dann verantwortlich in den Seminaren unterrichten, wenn wir die Zahl der Teilnehmer auf 30 beschränken“, rechtfertigte Fach die Zulassungsbeschränkungen, die in der Regel über den Numerus Clausus erfolgen. So gebe es bei einer konstanten Zahl an Professoren deutlich weniger Studienplätze an der Universität Leipzig. Rund 80 Prozent des Rückgangs bei den Studienanfängern, schätzte der Prorektor für Lehre und Studium, seien darauf zurückzuführen.
„Der zweite Grund ist, dass die Universität Leipzig die Zulassungsbescheide zu spät verschickt hat“, berichtete der Studentenratssprecher. Dies habe dazu geführt, dass sich viele Studenten bereits auf einen anderen Hochschulort festgelegt hatten und nicht nach Leipzig gekommen sind.
„Wir waren spät dran“, bestätigte Prorektor Fach. „Interne Probleme haben dazu geführt, dass wir die letzten in der Bundesrepublik beim Einschreibetermin waren.“ Dadurch habe die Universität sehr gute Studenten verloren. Um aufzufüllen, sei sie dann mit den Noten runtergegangen. So lag beispielsweise der hochschulinterne Numerus Clausus im Fach Geschichte bei 1,8. Schließlich wurden auch Abiturienten mit einem Notendurchschnitt von 2,5 an der Universität Leipzig aufgenommen.
Doch dieser Lapsus bereitet Wolfgang Fach weniger Sorge als die sinkende Studierneigung der Abiturienten in den neuen Bundesländern, die den Rückgang der Studienanfänger an der Universität Leipzig noch verstärkt habe: „Das späte Verschicken der Zulassungsbescheide ist ein Einjahresproblem, das passiert uns nicht noch einmal. Die neuen Bundesländer, vor allem Sachsen, leiden unter niedriger Studierwilligkeit der Abiturienten.“ Das wirke sich deshalb stark an der Universität Leipzig aus, da faktisch zwei Drittel oder mehr der Studierenden aus der Region, aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stammen würden. Doch Fach stellte klar: „Wir wollen keine höheren Studentenzahlen, sondern die Qualität des Studiums verbessern. Es kommen weniger Studierende, weil weniger kommen wollen und von denen, die kommen, wollen wir weniger. In einigen Fächern hätten wir mehr genommen, wenn mehr gekommen wären.“ So habe die Universität Leipzig im Nachrückverfahren auch Studenten aufgenommen, die den NC nicht erfüllten. Doch trotz reduzierter Kapazitäten konnten auf diese Weise nicht in allen Disziplinen sämtliche Studienplätze vergeben werden. So gab es im Fach Philosophie im Vorjahr 193 Studienanfänger, im Wintersemester 2006/2007 haben sich nur 56 Abiturienten immatrikuliert. Auffällig sei auch, so Studentenratssprecher Eisenblätter, dass bei den Medizinern, die eine Ortspräferenz angeben, Leipzig recht weit hinten rangiert. „Leipzig wollte die bundesweit Besten an die Hochschule holen, doch von den Getesteten wollten nur wenige hierher und sind dann auch nicht gekommen.“ Kendra Reinhardt
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Hinweise:
- historische Zitate
- Zeitschiene zur Schuldfrage
- Abstimmungsverhalten im Leipziger Stadtrat im Jahr 2003
- die Tage vor der Sprengung Berichte eines Augenzeugen
- Historische Schuld der Universität Leipzig in den 60er Jahren
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- Zeitschiene zur Aufhellung der Schuldfrage der Akteure der Kirchensprengung
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